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Die neue Welt · 1929-11-22 · Heft 114 (22.11.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 114 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 114 Dlß NEUE WELT LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I» Graben 13 Prospekt 7 auf Wunach durch die Zahl von 1462 Kolonisten dividiertl Einige Seiten früher gibt er die Zahl, der jüdischen Ein« wandcrer nach Palästina in den Jahren 1921 bis 1927 mit 75.000 an. Aber nach Ansicht des Verfassers, die im übrigen mit keiner Silbe dargelegt wird, werden bei derartigen Kolonisierungen die Ausgaben für das Schul» wesen von einer Bevölkerungsziffer von über 170.000 Seelen, die Kosten von Elektrifizierungen im ganzen Lande, die Neuschöpfung eines vorbildlichen Gesundheitswesens und all die Aufwendungen für die ganze ansässige und neu zugewanderte Bevölkerung einfach unberücksichtigt gelassen. Eine derartige Volks* schutmathematik hat wohl noch kein Politiker anzuwen« den gewagt, es sei denn ein Jude, der es als seine Auf» gäbe ansieht, die Juden als Kanonenfutter des Klassenkampfes zu erziehen. Für dieses Ziel mag eine derartige Methodik vielleicht angemessen sein; ihr Gegenteil ist, nach Ansicht des geehrten Verfasserg, jedenfalls als „Mißbrauch" zu verwerfen. Diese Ziffer soll das Palästinawerk diskreditieren, weil es so utopische und verabscheuungswürdige Vere fechter wie etwa den mißbrauchten Vanderveldc gefunden hat. Aber gestattet der geehrte Verfasser die Frage, was denn mit den Juden geschehen soll, die nach seiner eigenen Angabe in der Stärke von jährlich 110.000 Seelen nach Amerika gewandert sind, jetzt aber nach der Ein« Wanderungssperre kein Wanderungsziel besitzen? Der Verfasser Läßt sich in diesem Punkte wie ein Theaters kritiker vernehmen: „Ein Einwanderungsgebict (sc. Palästina) für den Bevölkcrungsüberschüß der Ostjuden, der jetzt keinen Abfluß nach Amerika mehr hat? Wir haben gesehen, wie gering die Aufnahmefähigkeit Palästinas für die jüdischen Einwanderer ist. Die wenigen tausend Leute, die Palästina im günstigsten Falle jährlich aufnehmen könnte, ist eine „Quantite" negligeable" im Vergleich zu der g e w a 11 in gen Masse, die auswanderungsbedürftig ist." Also wohin, verehrter Herr Sozialist? Etwa nach Rußland, nach BiriBidschan? Auf die Frage, was denn zu tun; sei, geben gottesfürchtige Marxisten ja „gr u.n d s ä t zA i c h" nicht gerne Antwort. Aber wie steht es dehnmit der geringen Aufnahmsfähigkeit Pa* lästinas? Da weiß der famose Referent, der nie vergißt, seine Gewährsmänner nach Gelehrtcnmcthodc zu nennen, zwei prächtige Beweise zu liefern. Zunächst die „sicherlich kompetente" Meinung des Dr, Ruppin: „Auf , die Frage, ob es möglich sei, Palästina zu einem Zentrum für die Kolonisation großen Stils auf der Basis intensiver bc* wässerter Kulturen zu machen, antwortet er mit einem klaren Nein;" Dem Verfasser scheint nicht bekannt zu sein, daß sich die .Plantagenwirtschaft, vor allem Orangen und Bananen, bewährt hat, daß aber jedenfalls, mag Herr Ruppin noch" so; kompetent erscheinen, in der Frage: Getreidekultur-oder intensive Wirtschaft, die Kompetenz der Geschichte, >: die. der Verfasser selbst zitiert, etwas fester stehen, dürfte. Er sagt „ein Land der Gartens kuttur . . sp; wie das gelobte Land einst in dem biblis sehen Zeitalter gewesen ist". Und der zweite Beweis? „Aber selbst, wenn diese Massen sich: unter dem Druck der ungeheuren Not ent=> schließen wollten» nach Palästina zu gehen, was bisher in größerem; IJnjfange nicht der Fall gewesen ist, so wäre Palästina i nicht in der Lage, sie aufzunehmen und ihre Einwanderung zu gestatten. Schon die größere Ein» wanderungswelle vom Jahre 1925, die sogenannte „vierte Alijah", brächte Palästina an den Rand einer w i r t* sohaf11ichen-.Katastrophe, deren Spuren noch bis heute niqht überwunden sind". Wie wagt der Vera fasser solche Behauptungen aufzustellen, da ihm die A r b e i t s lose «Ziffern der Krisenjahre 1924—1926 aus alle* - Herfen Länder bekannt sein dürften? Ist dem Verfasser nicht bekannt, daß diese Einwände* rungswejjei t)tcW «^fzuhalten war, da die betreffenden jüdischen Massen iniihren Ländern nicht bleiben konnten? Ist dem wirt8Ch)lftlich und marxistisch geschulten Ver* fasser nicht bekannt, daß derartige Masseneinwanderune gen, die. überstürzt, in großer Not erfolgen, unter Ums Ständen eben schwer richtig zu führen sind? Warum wendet sich die Kritik nicht gegen die Art der DurchfiihWng fieser schwierigen Aufgabe, womit er sich den QÄnk jSefiies Volkes verdienen könnte, wenn ihm die Fähigkeit zü solcher Kritik gegeben sein sollte? Aber davon keitf#^t:-Das Land selbst ist schuld. Schnelisugstatlon Steinten am Brenner. ,] Wunderschön wSklaele'nde mit günstigen | Schneeverhifltnrssen von Mitte Deatm&er | bra Ende Mira, Skikurs«, Rodelbahn, eis« leufpleU. Behaglicher Aufenthalt Im HOTEL UND PEfrUtON TRINSEBHOF 1314 m 0. d. M.. m acnnlger legt, neu er.; baut, modern und gediegen eingerichtet, 60 Betten, flieBendea Kalt* und Warm.' we»nr, Zentralheiwng und SHder. 6rat> MaMtg« Wiener Köche, Ptnalonaaraft ab MK. 7.20. Aul Verlangen Profpakte. Ein Land, das einstmals vtal mehr Menschen ernähren konnte, als es gegenwärtig beherbergt, heute im Jahr« hundert der Technik? Ja, unser geehrter Verfasser ist nicht verlegen. Geht es nicht an, mit bewährter Mathe* matik zu beweisen, genügt die einfache Behauptung eines Kenners, der Prophezeihungen mit beneidenswerter Selbst« Verständlichkeit ausspricht: „Aber vielleicht genügt e9, in bezug auf die IndustriaKsierungspläne darauf hinzu« weisen, daß nach übereinstimmender Ansicht aller objektiven Beobachter die Durchführung der zionistischen Zukunftsplänc enorme Kapitalien er« fordert, über deren Beschaffung bisher nichts be» kannt geworden ist und die in diesem Ausmaß wo hl kaum jemals aufgebracht werden können, und daß selbst in diesem Falle die Wirtschaftlichkeit und die Rentabilität der geschaffenen Unternehmungen ernsten Zwei fein unterliegen." Es genügt zweifellos, darauf „hinzuweisen", um dem Verfasser die Qualifikation zu gewähren, alle Konjunkturforschungsinstitute und alle aufs bauenden kaufmännischen Kräfte durch seine apodiktische Persönlichkeit zu ersetzen. Aber der Verfasser ist nicht nur wirtschaftlich be* schlagen, er hat auch menschliches Empfinden. „Wie anders gestaltet sich das Leben eines Emigranten in Pa« lüstirtal" seufzt unser Verfasser. „Das Klima, die Land« schaft, die Sprache der ortsansäßigen Juden (Hebräisch in einer dem Ostjuden absolut fremden. Aus» WIEN VII.. KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS ER STRASSE 6 FERNSPRECHER 6-38-0-43 spräche) ist ihm fremd und ungewohnt". Aber er weiß zu steigern: Das Kolonistcndascin ist „nur dann rentabel, wenn der Siedler auf ein ganz primitives, dem des arabischen Fellachen sehr ähnliches Niveau herabzusinken fähig und bereit ist". Hier spielt beim Verfasser, wie oft in dem genannten Artikel, das Bestreben hinein, den von ihm anerkannten Ideahsa mus der Siedler auf harte Proben zu stellen. Wie der Vater den in Karl Maysche^Romantik befangenen Jüngs' ling zum Boden der Wirklichkeit zurückführen will. „Während der jüdische Einwanderer in Amerika, Süds afrika u. dgl. in ein im Vergleich zum Auswandererurigs« land wirtschaftlich und kulturell höherstehendes „europäi« sches" Gemeinwesen gelangt, das in der Regel ihm und seinen Kindern die Möglichkeit eines sozialen Aufstieges gewährt, bedeutet die Ucbcrsicdlung nach Palästina eine wirtschaftliche und kulturelle Degradierting.zu ,;a s i a ti sehen'* Beding unge n."; ' Und politisch? Hier kann der Verfasser aul G,ee währsmänncr aus dem eigenen marxistischen Lager'.'Hins.' weisen, selbstverständlich auf den bereits in' diesen . -i f . j * * ) ■ ' Spalten, eingehend gewürdigten Artikel Kautskysln der ArbeitcrsZcitung". Die panarabische Frei* Keitsbewegung ist bereits nahe Wirklichkeit, denn Kautsky hat es gesagt.! Und da kann doch den Juden in Palästina kejn;. anderes Schicksal als das r u s s i s c h e P p g r p i$f> e 1 e n d bevorstehen. Nicht so — darüber schweigt der Yer* fasser in der Krim und in Bir*Bidschan? Und^Prosa kqrpw gehört wohl dem prähistorischen Zeitalter an. Jedenfalls ist der Mufti Husscini von unserem.-Vefc* fasser, zum Apostel der panarabischcn Zu» k un/f.t befördert worden. Nach der materialistischen Ge» schichtsquffassung werden Volksbewegungen doch von Verbrechern geführt, nicht verursacht durch die .Prodttk»* tionsverfiäjtnisse? Oder sind die von diesem Menschen: inszenierten Morde und Plünderungen in den Produktiötis<!. Verhältnissen begründet? -Vi.; AfrcT der Verfasser ist auch konsequent. Seite 518 i£$t er sich vernehmen: „Der-Zionismus glaubt nicht, an tjie Zukunft der Juden in der Diaspora, er sieht sjc.döm Ünt^gfl[ng und der D e g r a d i e r u n g verfallen, i E r n>i;ßi:iihtet daher und;verächtet a u d h_:die nationalen Bewegungen in der D i a spyo ii a.<? Das n)ag Weizmann tun, der Zionismus aber'?;%r auf §e#ö 518. Auf Seite 519: „Andererseits un4 v46s;ist das Entscheidende —• ist der Zionismus in;, ßfet» eurppd nicht bloß eine geistige Bewegung, die rein idep« rlogisöh;? gewisse Anschauungen vertritt Schon seit seinen ersten Sehritt'en in Osteuropa tetjdör1;£fonjsmüs zu einer ausgesprochen politischen; Kr^ffe <$$öt4$i . . Wobei bleibt's; also, Herr Verfossejt'/^n'd, Bis 34 Monate Krftdtt RADIO OHNE GELD Seift S Ol» 24 Moitttta Kredit „ZUM RADIO «AMATEUR" Engen Goldschmied Wien, VII., Neubaugaste Nr. 19 nun, zum Abschlüsse, zeigt sich der eigentliche Sinn der langen Rede. Der letzte zitierte Satz schließt: „. . ... die in den schärfsten Gegensatz zu der aufwärtsstrebenden Arbeiterbewegung geriet." Und weiter: „Er verteidigte sich nicht nur, er griff vielmehr an. Er verlangte von den jüdischen Arbeitern im Namen des Palästina*Ideals und der gemeinsamen Vplksinteressen und gestützt auf Ver* handlungen mit dem Pogromminister Plehwc, daß sie sich von den revolutionären und sozialen Bewegungen lossagen, daß sie sich von ihren russischen, polnischen, lettischen lind ukrainische^ Klassengenossen trennen, daß sie der „nationalen Disziplin" zuliebe auf ihre politische und soziale Selbständigkeit verzichten sollen." Auf die Selbständigkeit? Wenn die Juden selbstän« dig Politik machen, verzichten sie auf die Selbständigkeit? Diese Logik versteht der nicht marxistisch gedrillte Schädel nicht so leicht. Man lese hiezu den gro13cn Otto Bauer. Dieser .Judy hat es zuwege gebracht, den Juden einmal die Wahrheit zu sagen. In seinem großen Werk „Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie" gibt er zu, daß die:Juden eine Nation seien. Aber sie dürfen nicht dasselbe machen wie die Tschechen und Polen. Denn es liege im taktischen Inter* esse der Sozialdemokratie, wenn die Juden auf diese na* tionale Politik verzichten und die Reihen des — welches? —- Proletariats stärken. Das ist also die „Selbständig*, keit"? Das ist das, was Hcrzl „Mauschel" ge* nannt hat. Aber bei aller Gewöhnung an derartige Er» güsse jüdischer Politiker, die den Zionismus verleumden und die Juden ,mm Kanonenfutter für die politische Kar? riere des Bonzenwgsens kommandieren wollen, ist doch festzustellen, d&ß der besprochene Artikel einen nicht zu Verachtenden Hphepühkt erreicht hat. Der mißbrauchte Vandervelde! f^r hätte doch erst Herrn Abrämpwitsch^ fragen sollen, bevor;.'er nach Palästina fuhr und sich so dem Mißbrauch auslieferte. Hans Kandl. "wTfifTln'H""r"m'''r'''BB'"n'""n'nmmm'^ 19. Dezember!^, V88 Uhr, großer Konz^rthau3?aal | Erster Teil: Musik. Künstlerische Leitung: I. S t u 13 c h e w s kl. Zur Attüührung gelangen Uraufführungen Jüdisclior Kämrnormusikwerke und KldylßrkQmpiositionen. Mitwirkend Diml(rovsHy. Zwei» ter Teil: Tanzdarbietungen. Kflnstle'rlsclie Leltüngt Q e tXf u d Krau s. Uraufführung <cine3 biblischen Zyklus „Hrauenpestalte^". Der Relncrtrae ^ird dem Palastina-Arbeiterfön<Ja' jH'Tie'tAwiw 1 überwiesen und dient vor allem dem Wiederaufbau'der'anläßlich der letzten Vorfalle,, inPalästina zerstörten ArbeitqrwjrtscItÄften. . Kartenvorverkau,!:' Konzerthauskasse, Sekretariat -deä^Vereines, > (I., Tandelmarktff. iÖ/9. (7 bis 8 Uhr abends). Kartenbjlrp;,Aida", •!(., TaborstraBc 1, ßuclihandlung Rath, H., TaborstraO«? - 20,, r.Hechalüs",-1., Kärntnerstraße 28. 1 : ^«MülllllllUM Per erste australische General der britischen jfcrmee ' '-ein Jude.. ■ Melbourne, H November. (J. T. A;) Generalleut* rtant Sir John M pna s h, der die australische Armee im Weltkrieg befehligte, wurde zum Geaerii idt-er br i t;i* 'schen Armee befördert. Er ist der erste austra* lischc Offizier,; der den Rang eines Generals bekleidet. Sir John Monash, den man den „größten 'Äu^tralieF nennt, ist ein treuer Jude. Er wurde am 27. J^pi I8Ö7 in Melbourne geboren und. studierte an tler dortigeniühU 'versität Maschinenbautechnik. 1887 wurde et Ipeütn^t und stieg allmählich zum "höchsten Offizier der aüstraii» sehen Armee •ejnppr. In den Kriegsberichterl wurde er achtmal wegen besonderer Leitstungen erwährit; ^ei Att« ■ßfic trägt das . Monashtal seinen Namen.;^r;!j tat fßHien» Präsident der Zionistischen Föd^ Ä u s t r a 1 i e n. Ejr leitete in der Town H^r,«u^0lbournb;'Uie Protestveirsammlung gegen die Gre^jel in; Pjirasti^a jimd schloß seine Rede mit der Erktafü^gväaß' ^'-Jüdl/. ^chc Nationalheim; ungeachtet aller Schwierigkeiten; wlei ler aufgebaut'werden wird. Hervorgegangen aus der im JahrQ 18^4 g|ejgjrjindeten Allgemeinen Versörgungsanstali* WIEN, I., GRABEN 20 RENTEN - SPAREINIAQEN (^aglergasse 1, Tel. U-31'510 Serie \;; (Altersrente, Witwenpension. Kind^rfÖrsQrge:\«fw>) Prospekte u. Auskünfte befßitwilligst u koetjeijlps \ XWUQANSTATT f Or«f, JoNomlnlplQti 93

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