Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 113 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 115 DIE NEUE WELT Seite 3 GtUiNIIZTAMROL Sehntllzugstatlon Steinach am Brenner. Wunderschönes SklgelHnde mit günstigen Sehneeverhültnlssen von Mitte Dezember bis Ende M8rz. Skikurse, Rodelbahn, Eis»?J laufplatt. Behaglicher Aufenthalt Im HOTEL UMD PENSION TDIWEBHOF 1214 m U. d. M., In sonniger Lage, neu erbaut, modern und gediegen eingerichtet, 60 Betten, fließende» Kalt- und Warmwasser, Zentralheizung und Bäder. Erstklassige Wiener Küche. Pensionspreis ab Mk. 7.20. Auf Verlangen Prospekte. Die Totengräber des Zionismus. Von einem hohen jüdischen Militärbeamten in englischen Diensten, welcher bis zum Jahre 1922 bei der Palästina- Verwaltung Dienst versah und jetzt in Aegypten tätig ist, erhalten wir eine Darstellung der Umtriebe, welche von einer antizionistischen und antisemitischen Gruppe englischer Beamten in Palästina veranstaltet wurden, um die zionistische Politik Englands zum Scheitern zu brin- gen. Der erste Gouverneur Palästinas, Sir Herbert Samuel, hat diese Elemente eingesetzt und ihr Treiben geduldet. Die Früchte dieser Politik sind jetzt gereift. Der erste Artikel ist in der „Neuen Welt" vom 8. November erschienen. II. Im Jahre .1921, während der blutigen Unruhen in Jaffa, hatte Palästina eine Garnison. Trotzdem die nächste Militärstation nur 14 Kilometer entfernt lag, traf die Assistenz erst sechs Stunden später ein. Es war nicht das Verschulden der Armee. Die Regierung in Jerusalem war rechtzeitig - telephonisch verständigt worden, aber die bei der Regierung Dienst versehenden Offiziere — Oberst Brumley, Hauptmann Quigley und Hauptmann Lucy Smith — hielten die Befehle an das Militär einfach stundenlang zurück. Später konnte der Gouverneur von Jaffa, Oberst S h i r 1 i n g, überhaupt keine Verbindung mit Jerusalem erlangen, trotzdem, und das wurde später einwandfrei nachgewiesen, die Telephonlinie intakt war. Er hatte eben einen arabischen Telephohisten, der gut abgerichtet war. Vom Fenster seines Zimmers mußte der Gouverneur es ruhig mit ansehen, wie Räuber in Gesellschaft von arabischen Polizisten sich auf die Juden stürzten, sie ermordeten und jüdische Geschäfte plünderten. Major W a i n r i g h t, der englische Polizeikommandant, hat nichts Besseres zu tun, als während der Unruhen einen weiten Spazierritt zu unternehmen, nachdem er einen arabischen Offizier mit seiner Stellvertretung betraut hatte. Dieser arabische Offizier waltete in der Weise seines Amtes, daß er sich in sein Büro e i n s c h l o ß und während der ganzen Zeit nicht zu sehen "war. Inzwischen stellten sich arabische Polizisten, ohne Kappe und Uniformrock, nicht weit vom Polizeigebäude auf, und schössen vo rübier ei 1 ende Juden ab. Arabische Offiziere der Gefängniswache in Jaffa waren nicht so rücksichtsvoll. Sie nahmen in Uniform am Sturme gegen das jüdische Ein wände re rheim in Jaffa teil. Im Gouvernement war kein arabischer Beamter auf seinem Platze. Der Qo-uverneur war allein. Die Hilfe kam erst, nachdem die wenigen in Jaffa weilenden Juden abgeschlachtet waren. Gerechtigkeit! Kein leeres Wort in Palästina. Man hat ja in der Tat b r i t i sc h e Richter mit der Untersuchung der Jaffaer Greuel betraut. Unter der Leitung des ehrenwerten Mister K e r in a c k. Aber dieser ehrenwerte Richter hat arabische Beamte mit der Einvernahme der Zeugen betraut. Die vorgeführten Juden wurden gezwungen, in arabischer Sprache abgefaßte Protokolle zti unterschreiben, ohne daß die Mehrzahl von ihnen eine Ahnung von dieser Sprache hatten. Und auf Grund dieser Protokolle wurden Urteile gefällt und schließlich festgestellt, daß die Juden p r ovoziert hätten. So wurde im Jahre 1921 die Justiz ausgeübt! Jahre sind seither verstrichen, und doch ist es noch in frischer Erinnerung, wie jeder Jude, welcher gegen arabische Mörder und Räuber aussagen wollte, eingeschüchtert worden war. So kam es, daß man die Juden schuldig sprach. Das alles unter der glorreichen Regierung des jüdischen Oberkommissars Sir Herbert Samuel. Im Jahre 1921 hat man alle Mörder laufen lassen und der Mann, welcher dies tat, der ehrenwerte Mister Kermack ist jetzt wieder mit der Untersuchung des Pogroms von Hebron betraut worden! * Wie der öffentliche „Schutz" beschaffen ist, wenn er durch arabische Polizei besorgt wird, das weiß jeder Europäer. Trotzdem wurde die Polizei in arabischen Händen belassen, weil es einer kleinen Bande von englischen, antizionistischen Abenteurern und Intriganten, Offizieren und Be amten so paßte. Oberst Brumley und Mister Luke, jetzt Vizegouverneur von Palästina, setzten alles daran, um den wenigen jüdischen Polizisten welche man der Form wegen einstellte, das Leben unerträglich zu machen. Wußten sie doch, daß es für einen halbwegs gebildeten und zivili sierten Menschen unerträglich ist, unter barbarischen, vielfach degenerierten, häufig homosexuellen zu leben, eine schmutzige Baracke mit ihnen zu teilen. Oberst Brumley und Mister Luke bestimm ten auch, daß alle Befehle nur in arabischer Sprache ausgegeben werden. Urlaub an den hoch sten jüdischen Feiertagen wurde den Juden grundsätzlich verweigert. Was Wunder, daß die Juden freiwillig aus dem Polizeidienst schieden? Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Lange Zeit war es in Palästina Brauch, eingelieferte unschuldige Juden im Arrest zu schlagen. Falsche Anzeigen gegen Juden zu erstatten, war ein Sport dieser arabischen Polizei. Kann es für einen arabischen Polizisten ein größeres Vergnügen geben, als einen geachteten jüdischen Kaufmann, manchmal gefesselt, durch die Straßen der Stadt zu führen? Dies alles förderte eine Clique englischer antizionistischer Beamten. Der Jude ist Träger westlicher Kultur, er ist der Vorposten Europas. Daher muß er gezähmt werden. (Ein weiterer Artikel folgt.) Achtung! Nur 2 Tage! Schuh -Schwemme Ab Montag, den 18. November 250 Paar I' ä'r b i g e Schuhe mit'jÖeinen Fabrikationsfehlern von S 12.50 bis S 22.50 direkt in der Schuhfabrik LISSIANSKY VII. Kaiserslrasse 46 (Im Stock) Abermals ein Angriff auf eine jüdische Kolonie in Rußland. — Der Führer der Pogrombande getötet. Moskau, 30. Oktober. Ünter der Führung eines auf Urlaub in seinem Dorfe sich befindenden Soldaten der Roten Armee, Michael Magdul, überfiel eine Gruppe Bauern des Dorfes Wdlska im Rayon Zitomir die jüdische Kolonie S a d i b a h und richtete sehr viel Schaden an dem Eigentum der jüdischen Kolonisten an. Die Mitglieder der Kolonistenfamilicii wurden schweren Peinigungen unterworfen, Greise, Frauen und Kinder wurden nicht geschont. Unter der Parole „Töte* die Juden und rettet Rußland!" wurden die den jüdischen Kolonisten benachbarten ukrainischen Bauern aufgefordert, sich der Bande anzuschließen. Diese aber leisteten der Aufforderung nicht Folge und versuchten durch gütliches Zureden, 'die Bauern von Wilska zu bewegen, die Juden in Frieden zu lassen. Alles Zureden nützte nichts. Als nun aber die Pogrombamde auch die nichtjüdischen Kolonisten angriff und versuchte, ihre Häuser in Brand zu stecken, machten auch die Bauern von Sadibah Ernst und gaben auf ihre Gegner scharf© Schüsse ab, die erwidert wurden. Länger als eine Stunde dauerte die Schießerei, bei der der Führer der Pogrom-» bände, der Soldat MagduJ, den Tod fand und mehrere Bauern auf beiden Seiten verletzt wurden. Nach dem Tode ihres Führers stellten die Wilskaer Bauren den Kampf eftr und. kehrten in ihr Dorf zurück. Die Rayonsbehörde hat eiuo strenge^Untersuchung . eingeleitet. Von den jüdischen Kolonisten. aus. Sadihah wurden vier erheblich verletzt. Tausend jüdische Familien aus Moskau mußten ihre Wohnungen verlassen. Moskau, 23. Oktober. (J. T. A.) Ungefähr tausend jüdische Familien wurden in den letzten secljs Wochen von den Behörden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, weil sie als „Nepleute" (Nutznießer, der neuen ökonomischen Politik), die sich im freien Handel betätigen, kein Recht auf kommunal bewirtschaftete Wohnungen haben. Bis zum 1. November müssen weitere 500 jüdische Familien in Moskau ihre Wohnungen verlassen. Von dieser Maßnahme wurden auch jüdische Heimarbeiter betroffen, die sich.geweigert haben, Kollektivgruppen beizutreten. Seit 1. Oktober' werden jene jüdischen Heimarbeiter, die von ihren Ver» wandten in Amerika Maschinen erhalten und sich als individuelle Arbeiter betätigen, ziemlich hock besteuert »HAftSfiUftG« anrufender bequemsfe quemsre ■ Waschtag! & ^rawfciM ^^«cjts TEL* £2^-5-20 S€«fi und unter die „Nepleute" eingereiht. Mehrere dieser Heimarbeiter schließen sich nun zu Produktionsgenossenschaften zusammen, um ihre Wohnungen behalten zu können und Steuererleichterungen zu erhalten. Man zählt gegenwärtig in Moskau einige tausend solcher jüdischer Heimarbeiter. Juden liefern den höchsten Prozentsatz an Selbstmördern in Rußland. Die Selbstmordstatistik in Rußland zeigt, wie wenig wohl sich die Juden unter der bolschewikischen Knute fühlen. Die allgemeine Selbstmordstatistik in Rußland weist den jüdischen Selbstmördern im Verhältnis zu den Lebensmüden der anderen in Rußland lebenden Nationen die erste Stelle an. Besonders aber trifft das für Leningrad zu, wo die Selbstmordsucht schon die Formen einer Epidemie angenommen hat, und auch hier stehen die Juden an erster Stelle. Im Jahre 1928 waren in Leningrad unter den Menschen, welche freiwillig ihrem Leben ein Ende bereiteten, fünfzig Prozent Juden. Interessant ist, daß der Beschäftigung nach an erster Stelle Mitglieder der Miliz und an zweiter Stelle A e r z t e stehen. Besonders unter den jüdischen Selbstmördern sind es viele Mädchen und Frauen, die lebensüberdrüssig zur selbstmörderischen Waffe greifen. Die offizielle Statistik versucht die Selbstmörder zum Teil als Alkoholiker und zum Teil als Nerven- und Geisteskranke hinzustellen. Liest man aber die Abschiedsbriefe der Selbstmörder, so findet man, daß aus allen der eine Schrei zu vernehmen ist, daß sie sich in dieser bolschewikisch-terroristischen Welt nicht zurechtfinden und vergeblich nach einem inneren Halt suchen. 150.000 jüdische Analphabeten. Die russischen Zeitungen berichten, daß in den' Ländern der Sowjetunion rund 150.000 Juden im Alter von 16 bis 50 Jahren des Lesens und Schreibens unkundig und demnach als Analphabeten zu bezeichnen sind. Es werden Kurse zur Unterrichtung der Analphabeten in vielen Orten eröffnet. Die gegen die jüdischen Schulen gerichtete Haltung der Regierung beginnt . sich schrecklich auszuwirken. Die Regierung bestraft Pogrome mit Waffen und veranstaltet selbst g e i s t i g e Pogrome. PIDIRIH I Verband demokratischer Zionistcn f Mittwoch, den 20. November 1929 um halb 9 Uhr | abends im Cafe Produktenbörse, IL, Taborstr. 10 Ve rsamm 1 u n g Gegenstand: I Palästina, Minoritätenrechte und Liberalismus Referent: Dr. O, Karbach A^kiiiMMl Die Versammlungen finden MCniUng Z wieder im Cafe Produkten- | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii börse, II. Taborstr. 10, statt i Abbau der Fremdengesetzgebung in England. London, 10. November.' (J. T. A.) Der Minister des Innern Herr' Clynes empfing eine Abordnung des Jewish Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden), die ihm die Forderung unterbreitete, die zu Beginn des Krieges (1914) und unmittelbar nach Beendigung des Krieges (1919) erlassenen Fremdengesetze, die schwerwiegende Einschränkungen mit Bezug auf Einwanderung, Deportation, Auf enthaltserlaubnis und Einbürgerung von Ausländern enthalten, nunmehr abzuschaffen, damit England wie in vergangener Zeit so auch jetzt ein Hort der Freiheit und ein Asyl für die in anderen Ländern verfolgten, insbesondere die wegen ihres Glaubens verfolgten Juden, werde. Die Abordnung wurde von den Mitgliedern des Unterhauses Major Hopkins, Michael Marcus, Dr. Marion Philipps, Samuel und Dr. N. E. Spero begleitet. Minister Clynes empfing die Deputation sehr freundlich und versprach, das jhm überreichte Material eingehend zu prüfen und dem Board of Deputies bald Bescheid zukommen zu lassen»