Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 113 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife S DIE NEUE WELT Nf. m PELZWAREN GEBRUDER BRAININ L, BouernninKt zot Tel U-22-3-59 il Glockengosse 8, M R-45443 Der Fall Hussein! ist kein Einzelfall, eomdern Her Ausdruck eines System«, -welches dieser von „Vernunft" förmlich besessene Sir Samuel eingerichtet hat. Da ist noch ,ean gewisser Arie f el Are f. Im Jah,re 1^21 wurde er. wegen Anstiftung der Unruhen und Teilnahmerau der Ermordung von Juden «u fünf Jahren schwerem KerW verurteilt Sir Samuel machte, von der innx. iw Ntrta und Frommen des jüdischen Naifonalheimes anvertrauten Macht ausgiebigsten, „vernünftigsten" Gebrauch. Er begnadigte den lieben Aref el Aref und ernannte ihn, wenige Monate später, zum leitenden politischen Beamten des palästinensischen Süddistrikts, zum Bezirksgouverneur von Berschewa., Auch diese Handlung Sir Samuels war von schädlicher Gefühlsduselei völlig frei, dafür erfüllt von höchster „Vernunft", die heute, acht Jahre später, herrliche Früchte trägt. In dem an die Regierung gerichteten Memorandum der im August 1929 ausgemordeten Judengemeiüde Hebron heißt es: „Alle Araber sind bewaffnet, sie erhielten vom Großmufti Briefe, nach Jerusalem zu gehen und alle Juden zu ermorden. Am Tage vor den Metzeleien kam Aref.elAr e f, der B e z i r k sgouyerneur von Berschewa, nach Hebron und hielt in.der Moschee eine Hetzrede gegen die J u d ei n. Er erzählte den versammelten Arabern, daß die R e g i e r u n g m i t i h n e n sei und daß sie nichts zu fürchten haben." So sprach der von Sir Samuel, dem jüdischen Gouverneur, aus dem Kerker geholte und in ein hohes Staatsamt eingesetzte Verbrecher. Und die Araber schenkten den Worten des hohen Staatsbeamten Glauben. Warum auch nicht? Am nächsten Tage wurden fünfzig Juden, darunter Greise, Frauen und kleine Kinder, unsagbar grau-* sam abgeschlachtet, zerfetzt. Die Aermsten! Die „Vernunft" Sir Herbert Samuels ist über sie hereingebrochen! (Dafür ist man über die palästinensische Jugend hergefallen, weil sie es gewagt hatte, zu protestieren, als man alte, betende Juden an der Klagemauer mißhandelte}) Sir Herbert Samuel steht in London in einem schönen Saal und hält an ein schönes, kultiviertes jüdisches Publikum eine schöne festliche Ansprache. Er preist eindringlich die Segnungen seiner Vernunft an. Um Himmels willen, nur kein Gefühl! Vernünftig muß man sein, wie er es war, er, Sir Herbert Samuel, der erste Gouverneur des jüdischen Natiönalheimes'. Niemand hat ihn gefragt, ob er auch so gefühlsfrei und vernunftvoll geredet und gehandelt hätte, wenn es nicht ihm anvertrauten palästinensischen Juden, sondern Engländern an den Kragen gegarigen wäre. Hätte ihn der Zufall — und es wäre ein gesegneter Zufall gewesen — zum Gouverneur einer. englischen ,£olcmie> und nicht Palästmas gemacht, und es wären dort Engländer, englische .Greise und Frauen und Kinder, heimtückisch gemetzelt worden, wahrlich,, seine Vernunft wäre andere Wege gegangen. Kein Maschinengewehr hätte dieser Vernunft rasch genug gearbeitet, kein Galgen wäre -ihr zu hoch gewesen. Aber keiner hat ihn darnach gefragt. Keiner hat ihn gefragt, warum er nicht von Emin el Husseini, seinem Großmufti, von Aref el. Aref, seinem Aref, von; Hebron und von Safed'spricht. Man hat ihm. dankbarst Beifall gespendet und die zionistischen Zeitungen haben ehrfürchtig gemeldet, daß Sir Herbert Samuel'sich in liebenswürdigster -Weise dazu hergegeben hat, den Juden eine Rede über Palästina und politische Vernunft zu halten. j Leider gehört wenig Mut dazu, vor Juden söv zu handeln und so zu sprechen, wenn man nur sehr reich und im Besitze hoher Ehrenstellen ist Sir Samuel ist' beides. Da hört jede Kritik auf. Man fühlt sich beehrt und beglückt. Man ist milde und nachsichtig. Hellsichtig und hart wird man nur, wenn einer nichts ist und nichts hat. Aber ein Gouverneur, ein ehemaliger Minister, ein reicher Bankier in London! Da versinken Hebron und Safed und die Blutflecken auf den Gewändern Husseinis und Arefs verschwinden. Man siefyt nur ein glänzendes Bild: Sir Samuel besucht in großer, goldgestickter Generalsuniform die Synagoge in Jerusalem, und wenn er ausfährt reiten zwanzig Gardisten voraus! Das ist eine ganz üble jüdische Krankheit, aus dem Ghetto überkommen. Um sie zu überwinden, hat Herzl seinen „Judenstaat" geschrieben und seinen „Mauschl". Die Geschichte des Sir Herbert Samuel zeigt, daß die böse Ghettokrankheit noch da ist auch der Zionismus ist noch nicht frei von ihr. * it< Ein Anschlag auf die jüdischen Volksschulen Berlins» Der Volluschttldezernent König verbietet Schulunterricht an Sonntagen. Berlin, 10. November (J. f. A.) Der neu ernannte Dezernent für das Volkssehulwesen beim Berliner ProvinzIalscliulkoUegium, Retferun^sdirektor König, ein Sozialdemokrat, hat seine Amtstätigkeit damit begonnen, .daß er eine Verordnung erließ, die den Schulunterricht an Sonntaigen verbietet. Dadurch sind .die bestehenden Jüdlsehen Volksschulen auf das schwerste betroffen, da bei einem "nur fünftägigen Unterricht in der Woche das Lehret«! nicht erreicht werden feami.' — Die Bertiner „Jüdische iRutidsch'au" bemerkt da-jftt: Diese Verordnung mul mi Jüdischer Seite Stärkste Ablehnung erregen, weil itn ifor eine Verletzung der konfessionellen GleichberechÜ- ,gung liegt. Um so peinlicher wankt diese Provokation der-jadenv als sie von sozialistischer Seite kommt. Schließlich handelt es sich bei der ganze« Frage darum, daß ein Ruflnetag in der Woche gehalten werde. Das aber geschieht bei den jüdischen Schulen durch die Beobachtung des Sabbat. Eine Klinik zur Fortbildung jüdischer Aerzte in Budapest (Die konsequente Aktion der ungarischen; Regierung und der. leitenden Kreise der -tlövefsitäten, die medteint« sche_, ^Fakultät, die öffentlichen ...Spdtäler und Kliniken Judenrein zu gestalten, hat die Budapester Kultusgemeinde zu einem energischen Schritt ver- ■ Bettfeöem umfonft kann kein Mensch liefern,, hingegen kaufen Sie bei uns Orig. böhm. Bettfedern und Daunen (bessere Sorte) schon von S 1.20 per Kilo. Provinzversand. Möbel aller Art, Bettwaren und Kinderwagen besonders billig -- Mitglied der Ka-De-We —---; Eisler Nachtat Wen ilPrate»» 45 ,;1 n anlaßt. Da Juden in den staatlichen; Spitälern und Kliniken' keine Anstellung finden, und somit die absolvierten }Mischen Mediziner keine'-'-Miögldchkeit (haben, sich für die' später^; Praxis .jk 1 in^-schf ortzubilden, hat die jKuitu's|emeiride ihre S-p'41ä 1 eruria" Krankenanstali en.zu ,modernen, Kliniken ausgestaltet, in denen die Jüdl'- - sehen'' ]Aör3fte '^bke^lallen ^n^rdeiuijgep enitsprechientdecFort^ bildung we^^e^al][en.,|^^etu, Der, ^Direktor der Spitäler $ej? ■'^i^siUjki!^^'' \^f^i^&'ci^ssÖT . Dr. ftebrich^. 'ji iaj> y;- 'j^^rt^ s{cfc über" diese Richtige Institution unter kndereni^wfj« tüfgl: ■'• .;;- ' Vi 'C \ '•' ■* ■ „\Vlir können natürlich nicht daran denken, rniit den Uniyersi'tätenj. welche verschiedene theoretische und praktische 'Ünte^eÄs«^; bieten', zuj; konkurrieren. Wir denken hur an die': praktische Fortbildung1-'der iüdischeri Mediziner. Für den Unterricht an unserep zu;.:KUniken au Krankenhäusern wurden ein au ß er ord e n 11 i c h e r Universität s Professor und fünf Prl yatdo.ze'hten, alle anerkannte.Pachmänner auf Ihren Spezialgebieten, gewonnen. Außerdem stehen auch sämtliche Primarärzte zur Verfügung. ^Wir besitzen jetzt auch zwei Anstalten, und zwar für me'dizinische Chemie, Bakteriologie und Serologie, sowie für die Röntgenologie, die dem theoretischen Unterricht dienen. Eine dritte Anstalt, in welcher zum Teile auch theoretischer Unterricht stattfinden wird, und zwar die Prösektur, wird jetet eingerichtet. Es'wurden, um die Ausgestaltung vollkommen zu machen, für diese zwei Anstalten neue Gebäude errichtet, und mit den erforderlichen Einrichtungen versehen." Der Oberrabbiner von Kecskemet in den Gemeinderat gewählt. . Aus Budapest wird uns geschrieben: In Ungarn finden jetzt die Wahlen in die Munizipien der Komitate Was machen Sie jeden] Abend? „Ich hisse mich mit Diana-Franz* branntwein massieren!*1 —, Warum Serade mit Diana Franzran ntwe in?" - „Weit ich mich fiberzeugt habe, dass nur Massage mit FRANZBRANNTWEIN ■Uli Menthol solche Schmerzen lindert, welche von Ueberan strengung und schwerer Aibelt herrühren. ' Eben darum kaufe ich nur Diana Franzbranntwein und nicht« anderes." N«hm«n St« nur Plannt W«rtlM« N««h«hmwn0«n w«|»«n «hi surQefc I Eine SenenswürdlSkelt der Stadt Wien bildet d e s n c u - c r ö f t n?c f c nächst der S c ftw e d e n Dr ä cke und der Städte statt. Wohl sind in verschiedenen Komitaten und Städten, in denen bisher die Wahlen .dttrehgeführt wurden, auch einige Juden* g^yfählt, aber nirgends hat das Wahlergebnis ein solches jAuisehen. erregt, als die vor einigen Tagen stattgefundenen Wahlen in Kecskemet, wo der Oberrabbiner Dr. Josef Borsodi mit 1120 Stimmen die höchste Stimmenzahl erreichte und gewählt wurde. Man erinnert sich noch, welche Rolle Kecskemet in der Ge schichte des weißen Terrors und der Judenpogrome nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Ungarn gespielt hat Kecskemet war das Zentrum des blutrünstigsten und hemmungslosesten antisemitischen Terrors und die Ebenen und Wälder um Kecskemet waren Schauplätze barbarischer Judenhinrichtungen und Plünderungen. Es ist daher begreiflich, daß dieses Wahlergebnis in der ungarischen Fresse aller Parteien sehr stark kommentiert wird. Allerdings wird hinzugefügt, daß die Provinz sich viel rascher von den Verhetzungen der antisemitischen Terroristen befreit hat, als die Hauptstadt, wo der wirtschaftliche und kulturelle Boykott gegen die Juden noch unvermindert anhält. Venizelos gegen die antisemitische Pressehetze. Saloniki, 30. Oktober. (J. T. A.) Aufweine von der' Jüdischen Gemeinde in Saloniki, beim Premier, Venizelos erhobene Beschwerde gegen die antisernitischej Hetze eines Teiles der griechischen Presse erwiderte Venteelos mit. einem Telegramm, in welchem er die Hetze verdammt und erklärt, die griechische Regierung, habe. mit dieser Propaganda nichts zu tun. — Diese ■ Erklärung klingt sehr schön, ist aber nichts wert, denn die Regierung Venizelos läßt, die Hetzerungestört weiter ..'hetzen. . Verschwundene Orden. . \; Prag, 31. 'Oktober; (J. T. A.) Präsident '^aiaVyjlc; hat bekanntlich während1' seines Aufenthaltes, in ■Palästina: im Jahre 1927 dem Gr o'fl mu f ti von. Jerusalerri/urid. den,' 0b e r rabbM e*n von;'P a 1 äs.U.nä':Örde.n ^verlieben:; Vor Irarzem: wußtev „Doar' Sajorn" :zid,_ meiden,, Mß'zWr'v der^ Großmufti den Oräen erhalten habe,' 'däff es;^ aber^den . Regierungsbeamten n i o'h t mögliich gewesen'' sei, . die'. Orden den jüdischen Würdenträgern einzuhändigen und daß diese'schließlich verlorengeigangen seien. Wlie dem J.-T.-A.-VertreW/ von zuständiger Seite nritge-" teilt wird, hat die -tschechoslbwafaschö' .Reg.teriing "durch; ihre Konsulate Schritte zur' Aufklärung der' Angelegenheit eingeleitet. __'._ Die Yemenjuden dürfen nicht nach Palästina gehen. Jerusalem, 1.. November. (J, ,T.. Ä.) Der, I m a n, Yahia des Jemen hat den Juden seines Landes verboten, nach Palästina auszuwandern. Mehrere Jnden, die. sich zur Auswanderung nach Palästina vorbereiteten,, wurden ins Gefängnis geworfen.. Nach der bisherigen Ordnung verfiel das Vermögen der nach Pal*-, s.tina gehenden Juden dem; Sta-ate. 75jähriges Jubiläum cles Rabbinerseminars in Breslau. Breslau, 7. November. Am 2. und' 3. Nwerriber fanden hier die Feierlichkeiten anläßlich des 75jährigen Bestehens des Jüdisch-Theologisdien Semihars statt. Zahlreiche iiidiche. Gemeinden des In- und des Auslandes, Organisationen und wissenschaftliche Institute waren .v«v treten. Die FeierMchikeiten.nahmen ihren Anfang.aon Sonn-, abend mit einem Festgottesdienst in der 5emter-. Synagoge, bed dem Seminarraibbiner Professor Doktor M. Guttmann die Festipredigt Melt Hieran sdblofi «loh' unter sachkumdiger Führung des Dozenten I. Ra h in' eine Besichtigung der Schätze der Semänarbiibliotihek (Handschriften, Wd&gendruöke) und des Jüdischen Museunis, das wertvolles Material zur Gechiohte der Juden Schlesiens birgt, an. Der Albend vereinigte die FestgeseHscbäft In ednem Bmpfan-g, bei dem Professor Dr. PosneT im Namen des Vereines der Seminarfreugade und Herr Ludwäg Laqueur' im Namen des Kuratoriums dier Fräinikelscihien Stlftuinigein, von denen das Seminar ressortiert, die Gäste begrüßte. Ansprachen hielten u. a. Dozent Dr. Rabin, RaWtöner Granwald-Wiien, Rabbiner Bllguther-Neisse u. a. Am Sonntag vormittags fand ein akademischer Festakt im „Kapltol" statt, der von musikaliischie'n Darbietungen umrahmt war. Namens des Kuratoriums begrüßte R.-A. Kober die Fest- Versammlung und machte Mitteilung ftber die Stiftung eines Ai ex ander-Kohut-5P reise« für wissenschaftliche Arbeiten durch den Sohn Alexander Kohuts in New York. Den Festvortraig 'hielt Dozent Dr. I. Hein emann, der die bistordsch-lpositive Richtung des Breslaner Seminars: Erhaltung von Tradition und Erhaltung itidischer Eigenart in Verbindung mit moderner Wttssensöbaift entwickelte. Nur Erhaltung der Art gibt Einfluß und Winkung. Der schöpferische Judie ist aber nur denkbar, rasohutt m d§n Kulturen aHen Wkm» _