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Die neue Welt · 1929-11-15 · Heft 113 (15.11.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 113 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E Francs 1.50, H E R A U S GEBEROB E RT ST R.I.G KER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universiiätsstraße 6—8 Telephon: A 25-2* 82 BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—.. viertelfährlg Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—. Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer viert« lerteljährig Schweizer Francs 4.50. Erseheint reden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 1$. November 1929 Nr. 113 (obersohles.) KOHLE ANTHRACIT httchilcr Qualität BÄSCH. IV. ArgcnfinlerslraOe 22 Der Talmudprozeß in Nürnberg. — Fortsetzung und Schluß. In der letzten Nummer der „Neuen Welt" war der Beginn des Prozesses geschildert. Nunmehr wird aus Nürnberg gemeldet: Das Schwurgericht Nürnberg sprach am 4. November nachmittags das Urteil in Sadien der Ritualmordhetze des nationalsozialistischen. Hetzblattes „Der Stürmer". Wegen fortgesetzter Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und wegen Gotteslästerung wurden der Landtagsabgeordnete Stadtrat Holz zu drei Mo na t e n 15 * Tagen und der Landtagsabgeordnete Streicher zu z w e i M onaten Gefängnis, beide , auch zur Kostentragung,• verurteilt. Der Staatsanwalt hatte; gegen Holz zehn, gegen Streicher acht Monate_ Gefängnis, beantragt. Der mitangeklägte Drucker Hilz ^w^rde/frejg^esprochen., Sechs Verf^ren, von denen vier auf Anzeige der Ortsgruppe vereme's deüts Glaubens eingeleitet wurden/führten zu diesem tlrtejl. Streicher und- Holz hatten im „Stürmer" den G l a d b e c k er Gyran a> siaate.n.mbrd und den Fall des bei Manau ermordetenKnaben als „jüdische Ritualmorde" * bezeichnet, die jüdische Religion und, die Juden, auf gefälschte Talmud-Zitate sich stützend, unflätig beschimpft. Nachdem der Hamburger Professor für rabbinischcs Uebräisch und der Dozent am Breslauer Rabbiner-Seminar Dr. M. Guttmann auf Antrag der Verteidigung und der Völkische Dr. Erich Bischoff auf Antrag des Staatsanwaltes als Sachverständige abgelehnt wurden, gab der katholische Prälat und \ Professor Gö11sfaerger aus München ein vernichtendes Gutachten über die Ritualmordlüge ab und wies' nach, daß alle' Zitate des „Stürmers" aus dem Talmud aus dem1 Zusamm.enhang , gerissen tynd vö 11 ig sinnw id r i g wiedergegeben worden sind. Schändung eines jüdischen Friedhofes in Unterf ranken. ' Berlin,.. 9. Novemjber.'' ,(J; TV A.) Auf dem israelitischen .'Besintosfriedhof in Rödels e er- Unterf ranken,' wur-) den.-— wie:aus Würizihurg tel^raa^bi'ert wird -— elf Gräfe-; steine umgeworfen:und .acht da vcm; zertrümmert. Unter' den zertrümmerten Steinen befindet "sich; auch das Grabmal des'"Rabbiners Tnalbeiime'r von Ma.'inbernhe.jm. Es ist innreir- ■ halb* kurzer'- Zeit■ das zweitenmal, daß. dieser Friedhof ge-. schändet .wurde.' Auf 'die 'Ermittlung";der Täter ifoat die FrledhoifsfverwaltU'ng '500 Mark rBelabnw ausgesetzt. jüdische Feiertage in Jugoslawien anerkannt. .In diesen Tagen wurde .ein. Gesetz über die-, jenigen Feiertage veröffentlicht, an denen Staats-, b eam t e >und Soldaten des betreffenden Glaubens! dienstfrei sind. Gemäß dem Vorschlage des Verbandes1 jüdischer: Kultusgemeindenin ' Jugoslawien sind jüdische B e a m t e und Soldaten1 ah; den zwei R o s e h- Hasc'fiariah-Tagen,* am 'Join-'"K'i'ppur, -an •den Pessa'ch-; Sukkoth- : und['■ Schewuoth-Tagen dienstfrei;" ' Das jugoslawische Wediselgesetz berücksichtigt jüdische Feiertage. ': Belgrad; 8. November (J, T. A.) iDw jugoslawische Justiiärriinister - hat im' Zusammenhang mit dem Wechsel«' und Scheokgesetiz, welches, am 19; Dezemb;e.r d. J. 'i'n Kraft tritt,1 eiw; yerorchtu-ng,' erlassen, laut' ^elcjer. in Orten mit 10 Prozent Einwohnern j ü d i s c'h:eV K'.o nf e s s i o h; auch die i üdi sch e n F ei e r t a« e bpz'üg auf die" Fätti«- kelts* und Frotesttei^ne'berü&k^ dtesfcn Die Totengräber des Zionismus Die'Untersuchungskommission &«e5; Tagen können Proteste im Sinne dies Wechsel- und ScJieokgesetees Vrgegen ■■ jüdischeSchuldner nicht ' gemacht werden. '•- '■ '• Wahlen in die Präger jüdische Gemeinde. Pr a-g, li2.iNovemlber., Das Resultat der am 10. November durchgeführten' Wahlen in die Repräsentanz der Prager JÄobein". Gemled^de- Hegt bereits vor.' Gewählt, wunden acht tschechische Juden (ibisher sechs), sechs D e nio.'k*a t e n (bisher acht), Iftnf J üdiscihn a t i o na i e, drei,: Vertreter d>es o r t h o d o x em Mittelstandes,. ^■^■oi.iic^'fXf^XVA't-ieHe r, ein P-ba le. Zionäst.'] "' '..; [; '; '! ■ '■ '^Ic^lÄ/IW" 1' £2J AU4AUS m^mM$B^:: MARIAHILFERSTRASSE 31 JETZT AUCH I.. Q RABEN 16 Hebräisch in der Türkei verboten. Konstantinopel, 10. November. (J. T. A.) Das Schuldepartement 4er türkischen Regierung instruierte die Leiter der jüdischen Schulen dahin,-.daß He-J bräisch-Unt er rieht in diesen Schulen nicht mehr erteilt werden darf. Diese Verordnung hat. die jüdische Bevölkerung in 'Aufregung versetzt. Es besteht / die Absicht, als ■> Demonstration gegen das Verbot von Hebräisch-Unterricht alle j ü dischen Schulen zu schliefl.en. Jüdische Männer ui Frauen des 9. Bezirkes! Samstag am 16. Noveinher findet um halb 9. Uhr abends im Cafe City (Souterrain), IX^Berggasse i,-eine statt. Versammlung Gegenstand: Was < geht: in;Oesterreich vor? -« Was sollen die Juden tun? Referenten: Oberbaurat Robert Stricker ■ Dr. Leopold Pl.aschkes, Erscheint bestimmt! \ mmmmmmm^rnämmmmMmmmm^ , , Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltiichetto Nötigen sind durch ein beigefügte« E bwelc-bneti iesunde, schlanke l »^.S-^ä Behebung von Fuübeschwerden, Ja M^ilil»»- Schwellungen. Müdigkeit usw. durch mm^mnu^mf fachkundig angepaßte vParadruitftft SSSmi-odM flumm|- angenehm, haltbar, Wie* f »•» )« Krampfadepn * CiafiMnlA anS< a{d Sohlankformer - ÄlrllmPT6 halt uns-lchtbär Stück S 6 bis 25, Knöcheltormer S 3 bis 13. „PedHrtt'SFußstützen Paar S 2.40 aufw. Maßarbeit und Reparaturen prompt. Fachanstalt lür Fußheilbehelfe, Einlagen'und Bandagen ^«ianit MI KOL ASCH Taborafr. 22. Sorgfältige fachkundige Beratung, Vernunft und Gefühl des Sir Herbert Sam In der Generalversammlung der. Freuiide der Jerusalemer Sir Herbert S a m u e 1 eine Rede .gehalten, iri weichet er zni den blütigeit Vorgängen in. Palästina Stellung . nahm. Er be^ dauerte,' daß diese Ereignisse „viele Mensdien dazu gebradit haben, sidi aus einem Gefühl der Empörung in eine Politik der Entfremdung zu fügen", und erteilte den weisen Rat, wir mögen uns ' „von unserer V e r n u n f t statt von unserem G ef ühle leiten lassen!" Sir Samuel ist in palästinen^ ' sischen Dingen erfahren. Er war der erste Gouver«; neur Palästinas, und auch unter seiner Regierung ■ hat es einen arabischen Aufstand und Judenschläeh-^; tiereien gegeben. Hat Sir Samuel damals Gefühl oder Vernunft walten lassen? Wir werden sehen! Einer der Häuptanstifter der Judenmorde intf 'Jähre 1921 war ein hoffnungsvoller Jüngling ausf' reicher arabischer Familie, Emin el Husseini. Nachi dem das gerichtliche Verfahren ergeben hatte, daß Husseini der Anstiftung zum Morde schuldig ist, entzog er sich durch Flucht der schweren Kerkersträfe. Da trat der Gouverneur Samuel in Aktion. Er ge->. währte dem Verbrecher freie Rückkehr und er? nannte ihn kurze Zeit darauf zum obersten moham- . medahisehen Würdenträger, zum Präsidenten des geistlichen moslemitischen Rates, zum Großmufti. War diese Handlungsweise von „Gefühl" beherrscht? Sicher nicht. Der Mann, welcher den Mörder seiner Volksgenossen straffrei machte und zur höchsten; Würde erhob, zeigte wirklich kein Gefühl, krankte wirklich nicht an einem Uebermaß an jüdischem Empfinden, auch nicht an menschlichem. Zeigte et - weitausblickenele Vernunft? i Der Großmufti, der losgelassene Mörder, hat Jetzt wieder das Land in Aufruhr versetzt, Unruhen; angestiftet und die Judenschlächtereien organisiert. Er hat in Reden und Briefen die ihm von. Samuel! verliehene Würde eingesetzt, um den Fellachen die Ermordung-wehrloser Juden als höchstes religiöse? und nationales Gebot einzuprägen. Ein brutaler^ grausamer Bursche, den.der Redakteur des;,E c H b d e P a'r i s", eines übrigens zum -Antisemitismus'' neigenden Pariser Blattes, so schildert: „Ueber den 'rätselhaften jungen Herrn voll Liebenswürdigkeit und Vornehmheit, möchte ich" nicht viel sagep.'AucH •hätte ich Angst, ihn allzu nahe zu betrachten. Eis muß noch f risches Blut an seinen Hän* den kleben. Früher hat er die Drusen zur Ermordung der Franzosen aufgehetzt. Er ist ein :Großer , seines Volkes? Krieg und Mord ist . hier Tradition." EKesem jungen Herrn hat, Sir Samuel zum größten Einflüsse auf das Leben im Lande, das jüdisches Nationalheim werden soll, verholfen, Ist nicht die Vernunft Sir Samuels ganz staunenswert?;

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