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Die neue Welt · 1929-11-08 · Heft 112 (8.11.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 112 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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> * Nr. 112 DIE NEUE WELT Seite 7. Die jüdische Siedlung Beth Alpha, erklärte Major Saunders auf weiter an ihn gerichtete Fragen, hat mit eigenen Kräften die Angriffe der Araber zurückgewiesen. Auf weitere Fragen gab Major Saunders auch zu, daß der arabische Angriff, wenn er auch nicht genügend vorbereitet, so. doch vorher organisiert war; der Mufti zeigte großen Eifer in der Entfachung religiöser Streitigkeiten, um auf diese Weise das gesamte Mos lemitentum für sich zu gewinnen. Major Saunders be stätigte, daß die Polizei in Hebron den j ü d i scheu Einwohnern die Versicherung gab, daß ihnen keine Gefahr drohe und daß sie ruhig in ihren Häusern sich auf halten dürfen. Als bald darauf die Unruhen ausbrachen, mußte die Polizei die Juden ihrem Schicksal überlassen. Erst zwei Stun den nach Ausbruch der Unruhen wurde den Juden die erste polizeiliche Hilfe zuteil. Major Saunders wurde auch über die Ereignisse am Tischa b'Aw befragt und erzählte, daß an diesem Tage zwei jüdische Prozessionen in geordneten Reihen zur'Klagemauer zogen. Die jüdische Jugend, die an der Prozession teilgenommen hat, war durch das Verhalten der Araber an der Klagemauer und durch das neu erbaute Tor unmittelbar an der Mauer aufs tiefste erregt, dennoch verhielt sie sich ruhig. Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Exekutive, fragte Saunders: Womit rechtfertigenSiedie Entwaffnung'der englischjüdischen Polizisten? Sauuders antwortete Wenn an mich die Frage gestellt worden wäre, ob ich diese 40 bewaffneten Männer entbehren könnte, ich hätte geantwortet: Nein. Merriman erklärte sich von dieser Antwort befriedigt, nber der Regierungsanwalt Preedy bestand darauf, daß diese Frage dem Chefsekrotar L u k e, der in diesen Tagen die verantwortliche Regierungsgewalt ausübte, zu stellen sei. Sir Boyd Merriman stellte weiter fest, daß der Schutz jüdischen Lebens und Eigentums in jenen Tagen ein absolut unzureichender war; auf Merrimans Frage erzählte Saunders, daß am 27. August eine Parade der britischen Polizisten stattgefunden hat, bei der den Juden befohlen wurde, aus den Reihen zu treten und die Gewehre abzuliefern. Hatten Sie, Herr Kommandant, frug Merriman, sich über die Eignung dieser Polizisten zu beschweren? Saunders erwiderte zuerst mit einem kurzen Ja. Auf weiteres Befragen konnte er für dieses Ja bloß die Tatsache anführen, daß er Berichte (I) erhielt, wonach die jüdischen Polizisten nach Eintritt der Dunkelheit planlos auö ihren Gewehren feuerten. Merriman legte dar, daß diese Polizisten, doch eigentlich Zivilisten waren, wofür ja der Umstand spricht, daß sie wegen des Besitzes von Waffen vor Gericht gestellt und mit Geldbußen belegt würden. Merriman fragte Saunders: Soll dies etwa der Grund gewesen sein, daß die Juden verabschiedet wurden? Sir Walter S h a w, der Vorsitzende der Kommission, mischte sich hier in das Kreuzverhör und sagte zu Saunders: Aus der Art und Weise, in der Sie sprachen, hätte man schließen können, daß es Haufen von Klagen gab. Tm Verlaufe des Kreuzverhörs mit Major Saunders versuchte der Anwalt der arabischen Exekutive W. H. S t o k e r darzulegen, daß die Juden die Verantwortung dafür tragen, daß die Erregung im Lande so hoch gestiegen war. Durch das Mitbringen von Stühlen und einem Wandschirm zum Gottesdienst an der Klagemauer haben die Juden Neuerungen einzuführen versucht. Die Klagemauer und ihre Umgebung sind Eigentum des Wakf (moslemitischer Kirchenfonds), die Juden hatten nur das Recht, zur K1 a g e m a u e r zu pilgern. Sie beanspruchten aber mehr Rechte und bestritten sogar das Recht der Moslemiten, auf ihrem eigenen Grund und Bode,n Bauten aufzuführen. Stoker verlas einen Artikel von Professor Josef Klausner, der in dem „Palestine Weekly" vom 28. August erschienen war und in welchem der jüdische Gelehrte die jüdischen Rechte auf die Klagemauer unterstreicht. Stoker sprach auch sehr lange über die jüdischen Demonstrationen an der Klagemauer am „C«11J!*IBIA" u^iilHflHRMHHMi APPARAT Nr. i«« Lebend Ton Grafonola Modell S 30Q.— SAoiabJuog mA 40* """"" la Mtotatwaten * 3 35.— od« 18 MeMrtarattfl fti*~ ALLE SCHLAGER STETS AM LAGER! Tischa b'Aw. Er stellte sodann eine Anzahl Fragen an Major Saunders, der in Beantwortung einer dieser Fragen feststellte, daß es ihm auffiel, daß an dem ver hängttisvollen Freitag die arabischen Frauen der Altstadt nicht in ihren Heimen sich aufhielten, was als ein Beweis dafür angesehen werden kann, daß die Unruhen von den Männern vorbereitet gewesen waren und daß die Frauen vor Ausbruch der Unruhen aus dem gefährdeten Teile der Stadt weg gebracht wurden. Die darauf folgenden Teile des Kreuzverhörs mit Major Saunders bezogen sich auf die Ereignisse außer halb Jerusalems. Sir Boyd Merriman, der An walt der Zionistischen Exekutive, schilderte an Hand einer im Gericlitszimmer angebrachten großen Land karte die Entwicklung der Ereignisse im einzelnen und wies darauf hin, daß nirgends in Judäa oder Galiläa von der Ortsbevölkerung Unruhen angestiftet wurden Jüdische und arabische Bauern leben in Freundschaft nebeneinander und haben sogar in den Unruhetagen die wirtschaftlichen Verbindungen miteinander aufrechterhalten. Einige der Dorfhäuptlinge hatten den jüdischen Kolonien Schutz und verfolgten Kolonisten Obdach gewährt. Keiner von ihnen hatte je sich darüber beschwert, daß arabischer Boden von Juden enteignet worden war. Sir Boyd Merriman erwähnte noch, daß in Beisan 20 Juden verletzt und alle jüdischen Häuser geplündert worden sind. Major Saunders berichtete noch, daß der fanatische Aufruhr der Moslemiten in Nablus und in Hebron durch den moslemitischen religiösen Appell, dem bedrohten Glauben zu Hilfe zu kommen, entfacht worden war. Jeder arabische Aufruhr, fügte Major Saunders hinzu, hat seinen Ursprung im religiösen Fanatismus. Sir Boyd Merriman ergänzte Saunders' Aussage mit der Bemerkung, daß der letzte Aufruhr insbesondere durch Verbreitung von Appellen und Briefen dürch Boten und durch aufstachelnde Reden, in den Moscheen vorbereitet wurde. Es wurde in den Moscheen erzählt, daß die Juden Bomben in die Omar-Moschee geworfen hatten und daß dadurch viele Moslemiten getötet worden seien. Sir Walter Shaw fragte: Wurden wirklich Gerüchte verbreitet, daß Araber von Juden getötet wurden? TON-KINO Wien, 11., jraborstr.& Tel. R-42-3-41 Das Filmtheater dar guten Gesellschaft zeigt: Ab heute den 8. November Der Sträfling aus Stambul -(Di e z wei frKau>e n des Th 0 m a s.Z ez i) i mit B etty A man n und He in rieh George Außerdem Tonfilmeinlage Beginn: Wochentag «, V28, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag -%5, .M/28, 9 Uhr,. -, . :?, ..... Major Saunders erwiderte, es war allgemein das Gerücht verbreitet gewesen, daß die Juden eine Bombe in die Omar-Moschee geschleudert hatten, die mehrere Moslemiten tötete. Sir Boyd Merriman: Wurden, in den Moscheen aufhetzende Reden gehalten? Major Saunders: Ja; wir hatten darüber aus einigen Distrikten Berichte. Sir Boyd Merriman ging zur Erörterung der politischen Seite über und fragte Major Saunders, ob er wisse, daß die arabische Presse vor Ausbruch der Unrühen> durchaus nicht einheitlich war, daß nur ein Teil den Groß-Mufti, der auch Präsident des Obersten Moslemitenrates ist, unterstützte, während ein underer Teil entschieden gegen die G e f a h r e n p 01 i t i k des Groß-Mufti Stellung nahm; ob Major Saunders wisse, daß sofort nach Ausbruch der Unruhen die arabische Presse den Streitfall bezüglich der Klagemauer fallen ließ ünd mit Forderungen nach Zurückziehung der Balfour-Deklaration und Errichtung eines parlamentarischen Regimes hervortrat. Major Saunders erwiderte, die Darstellung von Sir Boyd Merriman sei vollkommen richtig. Sir Boyd Merriman stellte an Major Saunders klipp und klar die Frage, qb er wisse, daß der Aufruhr wohlüberlegt und vorbereitet war. Major Saunders wich einer klaren Antwort' aus und sagte: Die meisten von uns, die in der Behörde sitzen, wußten* daß, wenn die Atmosphäre nicht eine andere werde; es früher oder später zu einem Zusammenstoß kommen müsse. Sir Boyd Merriman drängt auf eine klare, Antwort. Man müsse doch sagen können, ob der Aufruhr ein spontaner oder ein vorbereiteter war. Major Saunders sagte: Das weiß ich nicht, aber das eine stand fest, wenn einmal in Palästina ein Funke zündet, so greift das Feuer um sich. Es war Ihnen doch bekannt, sagte Sir Boyd, daß in den Moscheen Versammlungen abgehalten wurden und daß Redner die Menge aufzupeitschen versuchten. Das stimmt, erwiderte Major Saunders; alles wirkte zusammen, um die Feuersbrunst anzufachen. Sir Boyd fragte, ob Saunders in den Dörfern eine bestimmte Bewegung bemerkt hatte, die durch Ansprachen von Agitatoren in Versammlungen hervorgerufen worden war. Darauf erwiderte Saunders: Nach dem 15. August waren es nicht nur anonyme Bewegungen, sondern es traten, schon vielbeachtete Personen hervor. Sir Boyd führte hiezu noch aus, daß Scheichs und Mukhtars (Dorfoberhäupter) in Galiläa zu einer großen Beratung 1 toiüiß Wenni-Men-fieielH 1IG iraiuDz: Wien IX, Otto 1 Waonerplatz 5. Alserplatz 3 Telephon B-43-5 20 Serie I Uebernahme | SadisdiadfiBversIdierofigiin zo den kolanfesfsn Beiffn^fingea und Pränfon nach Nazareth geladen worden sind. Er verlas eine von dem Jerusalemei Groß-Mufti an die Mukhtars und Altvorderen von Nablus gerichteten Brief, in welchem es hieß: Am 23. August wird es in Jerusalem zu einem Kampfe zwischen Juden und Moslems kommen. Alle, die dem Moslem angehören, mögen nach Jerusalem kommen, am ihren Brüdern zu helfen. Dieser vom Groß-Mufti persönlich unterzeichnete Brief lag dem Berichte des Kommandanten der Nablus-Polizei bei. Die Polizei, führte Sir Boyd weiter aus, gibt zwar vor, zu glauben, daß der Brief eine Fälschung darstellt, aber selbst wenn er gefälscht wäre, zeige er doch, daß die Leute vorher wußten, daß am 23. August Unruhen stattfinden würden, Sich an Major Saunders wendend, fragte Sir Boyd: Wurden von der Polizei mehr solcher Briefe festgestellt? Major Saunders erwiderte verneinend. Sir Boyd fragte darauf» ob ihm bekannt sei, daß der Groß-Mufti sich am 22. August um ein Visum zur Reise nach Syrien beworben hatte, das ihm aber von dem französischen Konsul verweigert worden war. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy rief dazwischen: Das ist nicht Sache des Major Saunders. Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der Kommission, erinnerte Kenelm Preedy daran, daß er als Regierungsanwalt dazu da sei, die Arbeit der Kommission zu fördern. Herr Preedy erklärte darauf, er wolle selbst beim französischen Konsulat eine Information über das angebliche Visumgesuch des Mufti einholen. Auf eine Frage Sir Boyd Merrimans stellte Major Saunders fest, daß es sich in Hebron nicht um einen Zusammenstoß zweier kriegerischer Parteien, sondern um ein Massaker an Juden gehandelt hat. Die Schlächtereien kamen vornehmlich in den Häusern sehr geachteter Juden vor, in denen sich die Angehörigen der jüdischen Gemeinde auf den Rat des Polizeichefs Cafferata konzentriert hatten. Sir Boyd ging zu den Ereignissen in^ S a f e d über und verlas ein Schreiben des dortigen Polizeikommandanten, in welchem es heißt, die „längster wartete^ Unruhe n" seien ausgebrochen, die Moslems seien in das jüdische Viertel eingedrungen und hätten Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet; ihr Hauptziel sei aber gewesen, die Häuser zu plündern und sie niederzubrennen. Die Juden seien zu ihrer Sicherheit in die Polizeibaracken gebracht worden. Sir Boyd richtete nun an Major Saunders die bündige Frage: Wie konnte sich so etwas ereignen, wo es im Laude Truppen gab und Kriegsschiffe in den Häfen kreuzten? Major Saunders blieb auf diese Frage die Antwort s c h u 1 d i g. Sir Boyd fragte dann, wie es kam, daß auf die Juden, die in den Polizeibarack,en zusammengepfercht waren, geschossen wurde, wobei zwei Juden getötet und sechs verwundet wurden. War es ein arabischer Polizist oder sonst jemand, der die Schüsse auf die Wehrlosen abgab? Major Saunders erwiderte, diese Angelegenheit werde durch eine von Sir John Chtinccllor speziell eingesetzte Kommission untersucht. Zu der Angelegenheit der Klagemauer zurückkommend, stellte Sir Boyd Merriman fest, daß Major Saunders nicht immer der Ansicht war, daß der von den Juden am vorletzten Jom-Kippur mitgebrachte Wandschirm provokatorisch gewesen sei. Eine solche leichte Scheidewand stellte keine Neuerung dar, sie pflegte zur Zeit der Türkeriherrschaft während des Gottesdienstes aufgestellt zu werden. Dagegen stellen die Errichtung einer neuen Türe, der Stufen usw. seitens der Moslemiten eine die Juden provozierende Neuerung dar. Die von den Juden am Tischa b'Aw abgehaltenen Kundgebungen seien laut offiziellem Bericht ohne jede Störung der Ordnung verlaufen. Daran ändert auch die Tutsache nichts, daß junge Leute eine Fahne schwangen, „Hatikwah" sangen und Rufe ausstießen, wie z.\B:i »Die Mauer ist unser! Pfui über die Regierung! Nieder mit der Zionistischen Exekutive!" 1 Auf Befragen des Anwalts der Regierung Kenelm Preedy sagte Major Saunders, daß die jüdische Prozession zur Klagemauer am Tischa b'Aw von Polizei in, genügender Starke eskortiert war, daß sich aber mir sechs Polizisten in der Gegend der Mauer befanden, als die Moslemiten am Tage -du-raui' in den Plate• eindrangen. Als Grund für diese unterschiedlichen Maßregeln gab

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