Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 112 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nf. m mmmmmmmmm\m\m\mmm\m\\m)mmmm\ MITBEWOHNERIN (ffldht. alleinstehende Frau) wird zu älterer Frau mit erwachi eener Tochter f" gesucht. Wohnung besteht aus Zimmer, Küche, Kabinett. Zuseht iften unter; „Qtit bürger ich" an Annoncen-Exp. Schalek, I., Woi zeile Ii. ] ^^■»mmHw^.mmtmmmmnmmimnmHnnnmm.im.nmM.MniiiMnMMHM.n.imm.mimnmn, Sauuders an, daß die jüdische Prozession viele Straßen passierte, während sich die Araber darauf beschränkten, auf ihrem eigenen Grund und Boden zu demonstrieren. Es konnte nicht in Frage kommen, den Moslems den Zutritt zur Mauer zu verweigern, weil sonst die Konsequenzen „unberechenbar" hätten sein können, man hätte jedenfalls von den Knüppeln, vielleicht sogar von den Feuerwaffen Gebrauch machen müssen, was sicherlich zu einem allgemeinen Massaker geführt hätte, mit dem man gar nicht hätte fertig werden können. Dabei machte Saunders die Bemerkung, daß die hauptsächlich aus Arabern bestehende Polizei in diesem Falle sich zur Herstellung der Ordnung nicht hätte verwenden lassen können. Diese. Bern e,r k u n g - w e c k t e un geheures Staunen. Man nimmt allgemein an, daß Saunders über diesen Punkt noch in einer streng vertraulichen Sitzung der Kommission vernommen werden wird. Sir Walter Shaw, der Vorsitzende, machte die Bemerkung, daß er Saunders einmal gerne privat vernehmen möchte. Saunders fügte noch hinzu, daß einige Leute in dem jüdischen Zug die Polizei provozieren wollten, daß aber die Polizei, um nicht zu der Maßregel greifen zu müssen, den Juden den Besuch der Klagemauer überhaupt zu verbieten, duldsam gewesen war und es auf diese Weise erreichte, daß die Demonstration in Ordnung verlief. Aüch Sir Boyd Merriman erklärte, die Polizei habe in diesem Besonderen Falle Takt und Geduld gezeigt. Merriman stellte noch fest, daß die Polizei die jüdische Demonstration sanktionierte, worüber Sir Walter Shaw Erstaunen zeigte und zum Ausdruck brachte, solche Demonstrationen an der Klagemauer hätten nicht zugelassen werden sollen. Der Regierungsanwalt Kenelm Precdy stellt an Major Saunders nochmals die Frage, ob er glaube, daß der arabische Aufruhr ein verabredeter war. Saunders erwidert, die Polizei habe nichts von irgend welchen Vorbereitungen zum Aufruhr bemerkt. Diese Antwort erregte Aufsehen, da Saunders erst gestern vor der Kommission erklärt hatte, die Behörden wußten, daß sich ein Zusammenstoß ereignen würde, wenn die Atmosphäre sich nicht ändere. Demgegenüber schilderte Saunders die Verhältnisse von Freitag vor dem Ausbruch der Unruhen nunmehr als geradezu i-dylllisch. Bei der Versammlung in der Moschee, sagte er, handelte es sich bloß um die Exekutierung der traditionellen Gebete. Im weiteren Kreuzverhör durch Preedy gab Saunders zu, daß die Polizei die Zeichen der Unruhe schon früher .erkannte. Sensation erregte die Mitteilung Saunders, daß zuerst Order gegeben war, die am Freitag morgens aus den Dörfern nach Jerusalem ziehenden Fellachen zu entwaffnen, daß aber bald darauf die Order annulliert wurde. Preedy, der durch seine Fragen an Saunders das Gegenteil dessen erreichte, was er als Regierungsanwalt zu erreichen bezweckte, stellte plötzlich die Fragen ein,,, so daß vorläufig unaufgeklärt blieb, weshalb die Entwafinungsörder zurückgezogen wurde. Saunders stellte dann eine frühere Aussage richtig und erklärte, er habe nicht erst am Montag, sondern schon am Sonnabend vom stellvertretenden Oberkommissär Luke die Order erhalten» Juden als Sonderpolizisten nicht mehr einzustellen und die Juden zu entwaffnen. Als Grund für die Entwaffnung der Juden gab Saunders an, daß schon am Sonnabend 60 Angehörige der königlichen Luftstreitkräfte und eine Kompagnie eines südwalisischen Regiments in Jerusalem eingetroffen waren* Zum Schlüsse gestand Saunders, daß die Ent-"' lassung der jüdischen Polizisten in keinem Zusammenhang stand mit deren Dienstleistung oder sonstigem Benehmen. Er zog die gestern gemachte Erklärung über Klagen gegen jüdische Polizisten zurück und entschuldigte sich vor der Kommission, daß er diese falsche Darstellung gegeben hat * Nachdem Major Saunders mehr als 15 Stunden im Kreuzverhör gestanden hatte, wurde Captain A. J. Kingsley-Heath von der palästinensischen Polizei seitens der Kommission einvernommen. Zunächst wurde eine schriftliche Erklärung von Kingsley-Heath verlesen» in welcher die Dispositionen der Polizei während der ganzen Unruheperiode dargelegt sind. Kingsley- Heath stellte fest, daß er im Durchschnitt zwei Polizisten.in den durch die Araber bedrohten isoliert liegenden jüdischen Distrikten postiert hatte. Der Anwalt Silley, der als Gehilfe des Anwalts der Arabischen Exekutive Stoker fungiert, stellte mit Captain H$ath ein Kreuzverhör an und wollte von ihm herausbekommen, daß die jüdischen jungen Leute, die sich zu einer Prozession vereinigten und zur Klagemauer zogen» in sehr erregter Gemütsverfassung waren und etwaS. i m S c h i 1 d e, führten. Canfain H^ath sagte fest und bestimmt aus, daß von einer solchen außerordentlichen Erregung nichts zu merken war. Während des Zuges zur Mauer haben nur einige junge Leute Rufe ausgestoßen. Eine Auseinandersetzung begann erst, als es sidi darum handelte, daß die jungen Leute wieder die Klagemauer verlassen. Captain Heaths Aussage war ein indirektes Kompliment an die jüdischen Ordner des Zuges, junge Leute von der Haganah (Selbstschutz), die ihrer Aufgabe vollkommengewachsenwaren. Das vom Brith Trumpeldor entfaltete Banner ähnelte der zionistischen Flagge; diese Demonstration war keineswegs schwer zu nehmen. Der Anwalt der Arabischen Exekutive W. H. Stoker übte in dem Kreuzverhör eine gewisse Zurückhaltung. Er stellte nur sehr selten Fragen. Nur einmal war es ihm darum zu tun, von Saunders die Bestätigung zu erhalten, daß er, Saunders, am Freitagmorgen, dem Tage des Ausbruches der Unruhen, dem Groß-Mufti dafür, den Dank aussprach, daß er sich bemüht hatte, beruhigend auf seine Leute einzuwirken. Stoker regte durch seine Fragestellung eine Diskussion darüber an, was Juden erlaubt war, zur Klagemauer mitzubringen. Preedy bemühte sich, den schwierigen Standpunkt der Regierung in dieser Frage darzulegen. In ihrem Weißbuch; über die Klagemaü^ hat die Regierung einen Status quo festgesetzt, das bedeutet, daß den Juden das erlaubt sei, was ihnen in der Türken zeit erlaubt gewesen war. Niemand aber weiß es, was erlaubt war und was nicht. Sir Walter Shaw stellte fest, daß bisher der Raum vor der Klagemauer eine Sackgasse darstellte, und daß erst vor kurzem durch eine Tür eine Verbindung zum Moscheegebiet geschaffen wurde. Major Saunders bestätigte, daß in den zehn Jahren, seitdem er in Jerusalem Dienst tut, keine Türe von dem Gebiete der Klagemauer nach der Moselice geöffnet war. Preedy wies seinerseits darauf hin, daß die juristischen Experten der Regierung die Oeffnung der Tür als legal erklärten. Sir Boyd Merriman stellte an Saunders die Frage: Stehen wir heute vor neuen Wirnissen? Saunders erwiderte, er habe keine Kenntnis von irgendwelchen Plänen der Araber. Schließlich wies er darauf hin, daß die Araber beabsichtigen, am 2. November, dem Jahrestage der Balfour-Deklaration, ihre Läden zu schließen. Major Saunders teilte noch mit, daß der französische Konsul erklärt habe,, er müsse, bevor er, über das vom Grpß-Mufti erbetene V i s ii m Auskunft gibt, zuerst von seiner Regierung invPnris die Aussageerlaubnis einholen. Major Saunders teilte auf Fragen mit, er habe das Ersuchen-einer Abordni^ng^^s- I^educl Awodah um Z u t e i 1 u n g von G e \ve;'£r$!fn' am:'' Tage des Ausbruches der Unruhen zurückgewiesen. Am Sonnabend waren 172 Sonderpolizisten, unter ihnen 41 Juden, im Dienst. Am'folgenden Montag, nach Entwaffnung der Juden, blieben' im Dienste 142 Sonderpolizisten. Die arabischen Demonstranten, sagte Saunders, haben das W e g e r e c h t mißbraucht, indem sie das Pflaster vor der Klageinauer als eine Durchzugsstraße benutzten. Die Zionistische Exekutive, sagte er weiter, hat sich bemüht, auf die Zeitung „Doar Hayom" einzuwirken, daß sie ihre Propaganda in der Angelegenheit der Klagemauer einstellt. Sir Bo,yd Merriman verlas einen Bericht des Polizeiuntennspektors Langes -über die arabische Demonstration an der Klagemauer, aus dem hervorgeht, daß die Araber Gehetbüchcr uud Gegen stünde aller Art zerrissen, Rufe: „Tötet die Juden, uns gehört die flauer!" ausstießen, und daß ein Scheich. eine aufreizende Rede hielt. Major Saunders ergänzte diesen Bericht durch die Mitteilung^ daß 2000 Araber an der Demonstration teilgenommen" hatten, und gab zu, daß es ein Fehler war, arabische Polizisten mit der Ueberwachiuig der Prozession bei dem Begräbnis des zu Beginn des Aufruhrs von einem Araber erstochenen Juden zu betrauen. Sir Boyd Merriman verlas einen Bericht des britischen Polizeisergeanten S i e g r ist, der schildert, wie am Freitag frühmorgens Araberbanden mit Messern, K e u 1 e n und Pistolen bewaffnet nach Jei'u-. salem strömten, und daß auch Schüsse abgegeben wurden. Er habe daraufhin seine Vorgesetzten ersucht, den Polizeireserven Gewehre auszufolgen, sei n eni Er* suchen wurde aber nicht Folge gegeben. Sir Boyd' erinnerte daran, daß es früher die Praxis der Regierung'war, unter die jüdischen Kolonien Gewehre zu verteilen, die in einem versiegelten Arsenal aufbewahrt wurden und nur in Zeiten der Not benützt werden durften. 1925 begann man diese Ar.sen a 1 e a b zu b auen, Dieser Abbau war am 16\ Juni ' d. J. beendet. Das von Gedud,; Awodah gestellte Ersucheu um Ausfolgung von Gewehren war-durch diese Umstände gerechtfertigt. tf' " J erusalcni, 3. November. {J. T. A.) Die .Mitglieder der UntersuchunKskommissipn haben heute eine R u nd reise durch die von den arabischen Unruhen betroffenen Gebiete angetreten. Der Anwalt der Zionistischen ExekutV'ie Sir Boyd Merriman und sein Gehilfe Davis sowie der Anwalt der arabischen Exekutive S t o k e r und sein Gehilfe Sillev haben sich..der Kommission angeschlossen. Die Bewachung der Gesellschaft besteht aus drei britischen Soldaten. Die Kommission befindet sich bereits in Safed und wird wahrscheinlich Moza. Hulda. Beer Towiah. Jaffa, Tel-Awiw. Haifa, später auch Hebron und die Jerusalemer Vororte Tälpioth und Mekor Chajim besuchen. Die Kommission wird wahrscheinlich am Montag die VernehnmnÄen fortsetzen.. : , .,: In ihrer letzten Sjtzun« vor Antritt der litspekti.op> reise befaßte sich die. Kommission, mit der Frage de^ n- " tei 1 s d e s G roß- Mii f t i" von J er u s a 1 e'm äfl d e'n Unruhe n. Der Stellvertreter des Oberstaatsanwalts Herr Drayton texte der Kommission ein Originaldoku. ment vor. da« die Unterschrift des Mufti trägt und in dem die Moslems von Nablus aufgefordert werden. *m 23. August nach Jerusalem zu kommen, um ze$ceiit dl« Juden zu kämpfen. Es war nicht möglich, die Authentizität der Unterschrift zweifelsfrei festzustellen. Der arabische Geheimpolizist Subbi sagte aus. der Groß- Mufti habe am Freitag, den 23. August die Menge dav^r gewarnt, einen Aufruhr einzuleiten. Als der Sprecher der Araber aus Liftah ihm mitteilte, die Juden hätten angegriffen und die Polizei hätte einen Araber verhaftet: sagte der Mufti, er werde die Freilassung des Mannes durchsetzen, aber ein Aufruhr werde nicht gewünscht. Als ihm von dem arabischen Angriff auf das iildiscbe Viertel in der Nähe des Damaskustores Mitteilung gemacht wurde, sagte der Mufti nur: die Regierung wrtrd unsere Rechte schützen. Derselbe Geheimpolizist Sergeant Subhi. schilderte die arabische Demonstration an der Klagemauer. Scheich Hassan hielt an die Menge eine Ansprache, in der er ausführte, dte Juden wollten sich der Westniauer der Omar-Moschee bemächtigen, •man müsse die Rechte des Moslem verteidigen. Darauf rief die Menge: ..Nieder mit den Juden, nieder mit der Balfour-Deklaration. Am 23. August habe Scheich Hassan davor gewarnt, sich gegen die Regierung zu erheben, allein die Menge rief nach dem ..Heiligen Krieg". Einer rief: ..Wir werden alle Juden ausrotten, die uns -den Buraq (Westtnauer) wegnehmen. Bald werden sie uns auch die ganze Moschee nehmen!" Einer der Ffthrer des arabischen Dorfes Koloniah. dessen Einwohner die Jerusalemer Vorstadt plünderten, hatte gerufen: ..Wir erheben uns gegen die Juden und gecen jeden, der wider «uns ist: wir wollen keine Knechtschaft!" Ein Araber ans Liftah rief: „Wir müssen die Juden heute töten nud alle, die sich uns widersetzen, vor uns hertreiben." Auf unaufgeklärte Weise wurden in die Moschee von der palästinensdsch-kommuniistiscben Partei unterzeichnete Aufrufe sreschmit'gigel.t und verteilt_ Einigung zwischen Kolonisten und Arbeitern in Palästina. Jerusalem, 30. Oktober. In der großen jüdischen Kolonie Rechoboth, die in den letzten Jahren wiederholt der Schauplatz von Zwisti'gkeiten zwischen den jüdische« Kolonisten und den Plantagenbesitzern einerseits und den jüdischen Arbeitnehmern andererseits in der Frage der Beschäftigung jüdischer Arbeiter gewesen ist, wurde in diesen Tagen das neue Arbeiterhaus eingeweiht, das von Arbeitgebern und Arbeitnehmern geroe.insa>rn errichtet worden war. Bei der Eröffnungsfeier hielten der Führer der Kolonisten Smiliajisky und der Führer der Arbeiter Ben Gurion, die sich früher zu bekämpfen pflegten, Ansprachen, in denen sie zum Ausdruck brachten, daß das Arbeiterhaus ein Symbol der Einheit «wischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sein wird. Ein jüdischer Polizist entlassen. Jerusalem,' 29. Oktober. (J. T. A.) Der jüdische Polizist Arja Grcenstein wurde auf Grund der Aussage arabischer Polizisten, daß er sich in herabsetzender Weise über die Behörden im Hinblick auf ihre Rolle bei den Unruhen geäußert habe, aus dem Dienste entlassen, wobei ihm das Gehalt für zwei Wochen strafweise in Abzug gebracht wird. Greenstein tat seit vier Jahren Dienst bei der Polizei und pralt als sehr tüchtig. -|yüK37ü W'TX Nur ein Abend I Dienstag, am 12. November t Staatsfeiertag), im Feistsaale des Höfel Continental, II. Tahorstraße 4, um V29 Unr abends die Königin der jüdisch-amerikanischen Soubretten Mitwirkend: Jakob Scheikewitz und das große Ensemble Proaramm: 1. Jüdische Melodien, Ouvertüre. — 2. Alles gut" Vortrag. — 3. Ktasha, die nerti mte Tänzerin. — 4* Die Welt der Charaktere, Nina Schedewitz. — tf. AH» Karp, der «rotte Komiker. — 6. „Hütet bure Kinder*, Lebensbi d von Jakob Sehet wewitzu.C - 7.DnoLavar. ~8.JentfTetebend, große Schlagerkomödie. — 9. Hallo» 1 Zentrale!, Vortrag; — 10. Schah! octaata! Der Reobe gebt! Oeßangskomödle mit Nina Scheikewitz und dem Ensemble. Lachen! Singen! Tanzen! rti Kartenvorveikauf im Theaterkartnnbüro „Aida", II. Taborstraße 1—3. Telephon R-44-l-"4 und bei otr KaBsa Im Hotel Continental am rage der Vorstellung Wochen-Kalender Novembei 1929 twn srih Cheschwan 569Q;i 8 Freitag 5-ro Sabbateingang 4.25 9 Samstag 6~»3 Sabbatausgang 5.07 ■ mpy w mipön ,to 10 Sonntag 7H? _ -; 11 Montag B-i* 12 Dienstag 9-a 13 Mittwoch ■^w~r\: 14 Donnerstag 11-1