Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 112 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 6 die mm WELT Nr. na INGELEN RADIO-Apparate und Lautsprecher Ii die führende Marke ■ 1 in Dobrnsch, die sich fortgesetzter Verfolgungen und Peinigungen dreier jüdischer Arbeitsg e n o s s i n n e n, junger Mädchen, schuldig gemacht haben, das Urteil gesprochen. Der Führer der antisemitischen Bande in der Fabrik, Tolkow, wurde zu acht I Jahren Gefängnis und späterer Deportation, die übrigen sieben Angeklagten zu zwei bis vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht tadelte es, daß unter den 300 in der Fabrik beschäftigten Kommunisten sich kein einziger gefunden hat, der sich der verfolgten Genossinnen angenommen hat. — Unter den Rufen „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" griffen im ukrainischen Dorfe Bobrinka die aus der Umgebung zum Jahrmarkt zusammengeströmten Bauern, die zehn von Juden bewohnten Häuser des Dorfes an und zerstörten auch die Dorfapotheke, in der 2wei Juden beschäftigt sind. Die ukrainische Ortseinwohnerschaft und die schwach vertretene Miliz traten den aufgehetzten Bauern schneit entgegen und verhinderten einen ernsten Pogrom. Drei jüdische Dorfeinwohner trugen erhebliche Verletzungen davon. Die Untersuchungskommission arbeitet. Pressevertreter augelasseü. — Das Kreuzverhör mit dem PoHzeikommändanten. — Tapferkeit der Juden. — Völliges Versagen der Regierung. — Die Juden wurden systematisch entwaffnet, den Arabern hat man die Waffen gelassen. — Die jüdische Jugend hat nicht provoziert. — Das Vorgehen der Regierung war Verrat an den Juden. — Der GroßsMufti ist der Mordanstifter. Die Verhandlungen der von der britischen Rerung nach Palästina gesandten Untersuchungskommission haben bereits in den ersten Tagen bewiesen, daß alle Schuld auf die Regierung und die arabischen Führer, vor allem auf den Grofi-Mufti, fallt und keine Schuld die Juden trifft. Das geht aus den Aussagen des langjährigen PoHzeikommändanten von Palästina, Major Saunders, der nichts weniger als ein Parteigänger der Juden ist, einwandfrei hervor. Besonders wertvoll ist das Zeugnis des Kommandanten, daß die jüdische Jugend niemals provoziert hat. Dieses Zeugnis muß besonders festgehalten werden, weil sich leider auch Zionisten bereitgefunden haben, besonders die Zionisten um den B r i t h - S ch al o m und einigen zionistischen Zeitungen, von einer „verantwortungslosen" jüdischen Jugend zu sprechen, welche an den Unruhen die Mitschuld trägt. * Jerusalem. Am 28. Oktober trat die britische Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw in ihre erste Arbeitssitzung ein. Die Arbeitssitzungen finden im alten Zollhaus statt. Die Kömmission befaßte sich zuerst mit der Frage, ob Vertreter der Presse zu den Sitzungen zugelassen werden sollen oder nicht. Nach einer Rücksprache mit den Anwälten der Regierung der arabischen Exekutive und der Zionistischen Exekutive beschloß die Kbmission, vier Presse-Vertreter, und zwar je einen Repräsentanten der a r a b i s c h e ri, der h e b r ä i s c h e n,. der e n g l i s c h e n und der a u s ,w a r t i g e n Presse, zu den Verhandlungen zuzulassen, jede der vier Pressegruppen soll aus ihrer Mitte einen Journalisten wählen, der den Verhandlungen beiwohnt und dann die Mitglieder seiher Gruppe informiert. Ursprünglich bestand die Absicht, die Presse von den Verhandhingen auszuschließen. Auf dringende Vorstellungen einer Abordnung der Pressevertreter, die sich aus dem J. T. A.¬ Vertreter Agrönsky, dem Chefredakteur des New Yorker „Moriiing Journal'' Jacob Fishmaii und dem Vertreter des Londoner „Daily Mail" F. W. Memory zusammensetzte, wurde beschlossen, nach. Maßgabe der beschränkten Aufenthaltsmöglichkeit im Gerichtszimmer die Presse zu den Verhandlungen zuzulassen. - ' Die erste Arbeitssitzung begann mit der Einvernahme von Major Saunders, dem Stellvertreter des Polizeikommandanten von Palästina, der zunächst in zusammenhängender Darstellung, gestützt auf die polizeilichen Berichte aus dem ganzen Lande, ein Bild der Ereignisse aufrollt. Die Darlegungen Major Saunders lassen deutlich erkennen, * daß die Regierung Palästinas und die Polizeibehbr- ' den im ganzen Lande sich ton den Geschehnissen haben vollkommen überraschen lassen; Die Ereignisse trafen die" Regierung Und alle ihr unterstehenden Behörden vollkommen* unvorbereitet, so daß eine Intervention der Polizei erst möglich wurde, als die Unruhen bereits in vollem. Gange waren. An dem verhängnisvollen Freitag, dem 23. August, an dem die Ueberfälle der Araber begonnen haben -— so erzählte Major Saunders weiter — befanden sich am Damaskustore im ganzen z w e i P o 1 i z i s t e n zu Pferde. Diese Polizisten waren (gegenüber der aus der Moschee strömenden mordgierigen arabisdien Masse vollkommen machtlos. Als die Unruhen bereits einige Stunden angedauert hatten, wurde der Polizei der Befehl erteilt, gegenüber den Angreifern von den Schußwaffen Gebrauch zu machen. Major Saunders rühmte die Tapferkeit d e r J u d e n, die aus eigener Kraft und □!□ □□□□□ nöininiGooiGop! Treffpunkt <ter Zionisten des 9, Bezirkes mmmmmu H*** MWHWMnHMRDHHM Das neurenoviert« Cafe City letee B»rgean««Pors*llan9aM« (|J Sarotl. jüdUche ZaUungen irstkl. BwJfet wmmamsr noniniaoaiaD ohne jede behördliche Hilfe den moslemitischen Angriff auf das Mea Schearim-Viertel zurückwiesen. Die Polizei hegte einen starken Verdacht, daß das Haus des G r o ß- Mufti ein Nest der Aufrührer sei und bewaffnete Moslemiten beherberge. Die Polizei sandte eine Inspektion in das Haus. Ueber die Massakers in Hebron haben die Behörden in Jerusalem zu spät erfahren. Die Araber waren alle bewaffnet. Trotzdem wurden die Jaden, auch diejenigen, die britische Bürger sind, auf die Forderung der Araber hin entwaffnet, obwohl die Polizei den Juden keinen angemessenen Schutz zu gewähren in der Lage war. Was die Situation rettete, bevor noch die Truppen von auswärts in das Land kamen, waren folgende Umstände: 1. daß es damals keine Beduinenbewegung im Süden Palästinas, nämlich dem Beer-Sheba-Distrikt, gab; die mehreren hundert Beduinen unter den Jerusalemer Aufständischen kamen aus dem Gebiete des Toten Meeres, zwischen Hebron und Jerusalem; 2. daß keine NEUERöFFNErEkeicHHÄLTioE Moderne LEIHBJBLSOTHEK . DER BÜCHERSTUB E..M.. RAT H WIE N, II., T A B O R Si|lll^ W'f{ Nr. 20a TEL.: R-43-1-58. ALLE^NEUERSCHEINUNGEN 1 REICHE AUSWAHL IN HEBRAIKA UND JUDAIKA! MONATSGEBUHR NUR $ 3 — KEINE BANDGEBÜHR! TÄGLICHER UMTAUSCH 1 arabische Invasion aus Transjordanien vor sich ging; 3. daß in Syrien noch keine Bewegung gegen Palästina bestand; 4. daß die Unruhen in den verschiedenen Teilen Palästinas sich nicht zu gleicher Zeit ereigneten. Major Saunders' Aussage betraf die Zeit vom 14. bis 26. August. Herr Kenelm P r e e d y, der Anwalt der Palästina-Regierung, stellte ihm gelegentlich Zwischenfragen. In seiner Erwiderung auf Fragen des arabischen und des z i o n i s t |ts c h e n Anwalts führte Major Saunders aus, er habe an dem verhängnisvollen Freitag einen Bericht erhalten, daß die Moslemiten mit Stöcken und Knüppeln bewaffnet durch das jaffa-Tor strömen, aber er habe von keinerlei Invasion iu das Gebiet der Klagemauer gehört, die von einer beträchtlichen Zahl britischer Polizisten bewacht war. Kurz nach 12 Uhr sah er selbst Moslemiten in jüdische Läden einbrechen und konnte sich nun die. Schwere der Situation vergegenwärtigen. Er hat dann die Regierung ersucht, Sonderpolizisten anzuwerben, die gegen die gleichzeitigen Angriffe der Aufrührer aiif das Mea-Schearim-Viertel, das Jaffa-Tor, die Jaffa-Straße und das Damaskus-Tor anzusetzen wären. Damals war schon bekannt, daß in den georgischen Vierteln sechs Juden durch einen arabischen Mob massakriert worden waren. Das georgische yiertel war zu dieser Zeit von einem oder zwei Polizisten bewacht. Gleichzeitig erfuhr Major Saünders, daß die Moslems auf das Viertel Mea Scheurim marschierten /und daß sich etwa 300 Juden aus allen Schichten der Bevölkerung zur Verteidigung bereit machten. Er hörte aus der Richtung des jüdischen Viertels eine Bombe explodieren und war Zeuge, wie ' ein Jude auf Araber Schüsse abgab, die sich nach einer Kampfpause zu einem neuen Angriff vorbereiteten. Nachdem die Juden mit Hilfe unbewaffneter Polizei den Angriff zurückgeschlagen hatten, kehrten, sie, der Weisung der Polizei gehorchend, in ihr Viertel zurück. , Die britische Polizei eröffnete das Feuer gegen die Aufrührer, erzählte Major Saunders, erst später, und zwar im Stadtviertel Yemin Mos che, auf das die Moslems einen Massenangriff unternahmen. An dem gleichen Nachmittag ereignete sich an einer anderen. Stelle ei« Zusammenstoß zwischen 30 Arabern aus Liftah und etwa 150 Juden. Das war in dem sogenannten?;ü— WlenerKantoren. die demnächst eine Konzerttournee in die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Deutschland und Rumänien absolvieren wollen, suchen einen hlefür besonders geeignfiten Impresario. Qell. Zuschriften unier „Konurttoumei" an die Adm. d. Bi. Russischen Hof. Die in die Bedrängnis gekommenen Araber baten die Polizei, sie in ihr Heimatdorf zu geleiten. Als dann später Panzerautos aus Ramleh und Amman mit etwa 60 Soldaten der Königlichen Luftmacht eintrafen, war die Gefahr bereits vorüber. Die Altstadt von Jerusalem, fuhr Major Saunders fort, war zunächst vollkommen ruhig. In der Neustadt aber dauerten vereinzelte Schüsse, die aus dem Hinterhalt abgegeben wurden, fort Alle Teile der jüdischen Bevölkerung der Neustadt flehten die Polizei an, dabei mitzuhelfen, daß die isolierten jüdischen Viertel geräumt und ihre Bevölkerung in die dichter bevölkerten und darum mehr sicheren jüdischen Viertel gebracht werden. Erst am späten Abend des Freitag hatten sich die Behörden dafür entschlossen, um Verstärkungen zu ersuchen. Der jüdische Arbeiterführer Herr J. Ben Zwi hatte noch am Tage an die Behörden den Appell gerichtet, früheren jüdischen Soldaten und anderen jüdischen jungen Leuten zu erlauben, die jüdischen Stadtviertel verteidigen zu helfen. 80 frühere Soldaten wurden bewaffnet und 60 andere Personen erhielten Knüppel ausgehändigt. Die folgende Nacht war sehr sorgenvoll für die Polizei; unerwartete Ereignisse trafen ein, so z. B. der Nachtmarsch der Araber aus Bireh in der Nähe von R a m a 11 a h auf die jüdische Kolonie A t a r o t, gegen die sie einen Angriff vorbereiteten. Am Sonnabend ließ Major Saunders nochmals ein dem Mufti gehörendes Haus durchsuchen, da ihm mitgeteilt wurde, daß sich im Garten dieses Hauses zahlreiche mit Stöcken bewaffnete'Araber, verborgen halten. Später hatte er eine große Gruppe Araber beobachtet, die auf dem Wege zur Hebräischen Universität im Hinterhalt lag, um Juden, die zur Universität gehen, zu überfallen. Während er mit einer britischen Patrouille, die durch Araber verstärkt war, Kiryat Mosche und mit einer anderen Givat Schaul inspizierte, wo Herr Viney und Herr Best verwundet wurden, wurde ihm die Mitteilung überbracht, daß die Polizei bei Nablus vom Mob angegriffen wurde. Gleichzeitig erhielt er Nachricht, daß am Tage vorher in Hebron ein Jude getötet wurde. Aber erst gegen 12 Uhr erfuhr die Polizei von den Massakers in Hebron und sandte, mehr als drei Stunden zu spät, Verstärkungen nach dieser Stadt.' Auf ihrem Wege nach Hebron trafen die Truppen mit Keulen und Dolchen bewaffnete Moslems an, die auf Jerusalem marschierten. In Beantwortung einer Frage des Anwalts der arabischen Exekutive, Herrn W. H. Stoker, erklärte Major Saunders, daß die Araber die Angreifer waren und Schüsse abgaben. Auf eine Frage des Regierungsanwalts Kenelm Preedy erwiderte Saunders, daß die Regierung ihm verboten habe, die Juden zu bewaffnen, soweit das Militär ihnen ein gewisses Maß von Schutz gewähren könne, da die Regierung den Arabern das Versprechen gab, Juden gegen Araber nicht zu bewaffnen. Preedy fragte: Gibt es eine Abschrift der Order, Juden zu entwaffnen? Saunders erwiderte, eine solche schriftliche Order existiert nicht; sie wurde mündlich im Verlauf einer Beratung erteilt. Major Saunders berichtete weiter, daß die Zionistische Exekutive noch in der Nacht vorher ersucht habe, besonders für den Verteidigungsdienst ausgewählte Juden zubewaffnen. Die Plünderer von Talpioth verfügten über deutsche und englische Gewehre. Es wurden in Jerusalem 25 Juden britischer Staatsangehörigkeit entwaffnet. In Tel-Awiw wurden 200 Juden, die sich am Freitag als Sonderpolizisten haben eintragen lassen und die mit Knüppeln bewaffnet waren, am Montag — nachdem am Sonntag vorher ein Aufruhr in Jaffa stattfand — entlassen und entwaffnet. . In der Sitzung vom 29., Oktober wurde die Vernehmung des Majors Saunders fortgesetzt. Major Saunders gab zu, , daß britische. Juden und ehemalige jüdische Legionäre, gemäß dem den arabischen .Führern gegebenen Versprechen, entwaffnet wurden, obwohl man ihrer dringend, bedurfte,; um die Unruhen im Keim e»- sticken zu können. SIEGM. KORNMEHL QROSSPLEISCHHAUEREI Zentral« IX.v Birggi a.se 19, Telephon 17-3-99 u. 16.9.34 L i e .f e r a n i i ti r H e M a n s t a 11 e n Abteilungen^ uutor; Aufriebt die» Ehrwürdigen Rabbinat» der Ur. Kultu»gemomae Wien ÄiitosuaUlliina ko»tonlo» IX. B«rg8««te 19 / XVIII., Währtaflerstr. »7 lUUlUlUyUMUtllUJHi. i