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Die neue Welt · 1929-11-08 · Heft 112 (8.11.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 112 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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r Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 112 AJT t » SITMAR IC Nadh v ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern «< rufirhf Ali „UVWVIIIU )|| Rundfahrten Im MltUfmafcf Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseiile — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: „Sitmar\ I. Kärntnerfing 18 (Ecke Schwaizenbcrgplatz) Telephon U-45009 II sssssatssssass n ' 1 i r - ,,,' r ..tfl (dcutachliberal) bis zum „nicht mehr" beschnittenen Mayr-Harting konnte man in deutschen Zeitungen lesen und wenn der Exponent der deutschen Juden wirklich und wahrhaftig mit seinem bürgerlichen Namen Rosche heißt, so ist dies mehr als ein unglücklicher Zufall. In der tschechoslowakischen Judenschaft herrscht über den Wahlerfolg begreiflicherweise Freude und Genugtuung. Auch im Oesterreich des Kaiser Franz Josef hatte es langer Arbeit und vieler: Niederlagen bedurft, bevor Mahler, Strauclier, Stand und die anderen ins Parlament einziehen konnten. Das tschechische Parlament wird, in den jüdischen Abgeordneten ohne Zweifel arbeitsbereite und positive Mitglieder erlangen. Und das Judentum dieses Staates hat eine weitere, wichtige Etappe zu seiner vollkommenen Konsolidierung hinter sich. * ' Am 26. Oktober starb plötzlich an einer komplizierten Blinddarmentzündung . in Prag der jüdische Dichter und Schriftsteller Dr. Hermann Ungar. Ungar, aus Bosköwitz in Mähren gebürtig, stand in deb Blüte seiner Schaffenskraft und wurde nur. .36 Jahre, alt. Er absolvierte seine Jusstudien in München und Prag, wo er in der dortigen zionistischen Verbindung „Rarissia" inkorporiert war. Nach Kriegsende trat er in den tschechoslowakischen diplomatischen Dienst, ein, ■wurde Handelsattachee in Berlin und kam vor etwa einem Jahre ins Präger AiißtfnÄiftwteriüm;:-Wo er einen verantwortungsvollen Posten innehatte,- Er hinterläßt "eine Witwe und zwei unmündige Knaben. Hermann Ungar; hatte sich trotz seiner Jugend bald, einen sehr geachteten Namen akv deutschschreibender Dramatiker und Schriftsteller, geschaffen. Kein Geringerer als Thomas/' Mann prophezeite ihm nach den ersten Romanen. („Die Verstümmelten" und „Knaben und Mörder") eine große Zukunft. Sein letzter Roman „Die Klasse" (erschien bei Rowohlt in Berlin)wurde ein voller und ehrlicher - Erfolg. Im Oktober vorigen Jahres ' führte das Berliner Theater 'in derKöniggrätzerstraße sein Dama „Der rote Go:neral" auf, das einmütige Zustimmung autoritativer Kritik fand. * Er, behandelte hier das Problem des J ii d e n, der seinem Wirtsvolk Führer ist, aber von seiner Umgebung gleichzeitig als wesensfremd empfunden wird. Das Judentum hat durch das plötzliche Hinscheiden des überaus talentierten Menschen einen schmerzlichen Verlust erlitten. Die Prager „B a r i s s i a" betrauert im Verstorbenen einen' ihrer Besten und einen Alten Herrn, der mit der jungen und jüngsten Generation fühlte und dachte und der an den Geschicken seiner Verbindung, die er über alles liebte, immer innigsten Anteil nahm.- , Die tschechische und deutsche Presse widmeten Ungarn lange, tiefempfundene Nachrufe; * In ihren Nachrufen auf den verstorbenen jüdischen Dichter drückten die Prager Blätter große Verwunderung darüber aus, daß das Deutsche Landestbeater in Prag den „Roten. General" bisher nicht: zur Aufführung brachte. Das Stück war bereits nicht nur angenommen, sondern auch-im Rahmen d.es Saison- .Programms 1928-29 durch, die. Presse angekündigt worden. Nachher machte sich jedoch der Einfluß jener maßgebenden jüdischen Persönlichkeiten geltend, die um die zionistische Gesinnung des Autors wußten und durchaus nicht dulden wollten, daß oin Drama, in welchem die Tragik eines zur Führung gelangten, subjektiv a. s:s i m i 1 i e r-1 e i} Juden geschildert wird, das Licht der Prager Bühne erblickt. Es ist mehr als zweifelhaft, ob der Tod Ungars die Einstellung der tonangebenden Kreise und des Direktors Volkner wird ändern können. Ungar wird in. Pr,ag kaum aufgeführt werden — weil er als b e w u ß t e r J u d e e i n j ü d i s c h e s V r obleni zu behandeln wagte. Der Nürnberger Talmudprozeß. Berlin, 2. November., (J. T. A.) Vor dem Nürnberger Schwurgericht hatten sich die uätlonalsozialisti-' sehen ftlitglieder des bayrischen Landtages Streicher und Stadtrat H o las sowie, der-Drucker H Uz wegen, fortgesetzten Religionsvergehens, begangen durch die Presse, zu verantworten. Sechs Verfahren, von denen vier auf Anzeigen der Ortsgruppe Nürnberg oder des Landesverbandes Bayern des Z e n t r a 1 v e r e i n e s deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zurückgehen, sollen in einheitlicher Verhandlung zum. Urteil geführt werden. Die Klage macht .'Holz ünd Streicher zum Vorwurf, durch Artikel im „Stürmer", der berüchtigten Nürnberger Wochenischrift, die jüdische Religionsgesellschaft beschimpft und Gotteslästerung begangen zu haben. Hilz sitzt als Drucker einer Schmähschrift „Der biblische . Joseph**;auf der Anklagebank. Streicher und Holz hatten im „Stürmer" den G1 a d b e c k e r Gymnasiastenmord und den Fall des ermordeten Knaben bei {Man au als jüdische Ritual morde bezeichnet und schwere Beschimpfungen gegen die jüdische Religion und «Sie Juden daran gefügt. Sich auf gefälschte Talmudzitate stützend, behaupteten sie, die jüdische Lehre gebiete Morde aus religiös enGrü nden, sie gestatte oder fordere sogar Meineid und Betrug an Nic h t j u d en, begrüße die Schändung n i c h t j ü d i s c h e r Frauen % u n d M ä dch e n. Der Untersuchungsrichter hat Sachverständige ajler drei Religionen eingeladen, ihre Gutachten einzureichen und sich dem Gericht zu Verfügung zu stellen. Es erschienen der Hamburger Pastor und Professor für rabbinisches Hebräisch W i n d f ü h r, der k a t h o- 1 isehe Professor Goettsberger aus München ünd Professor Dr. Michael Guttmänn, Rabbiner und Dozent am Breslauer Rabbiherseminar. Erschienen war auch Dr. Erich Bischoff aus Leipzig, Autor des-Hammerverlages, dessen erste Schriften in jüdischen Ver- S%w<b4£öb Wä s i e rkli nge tait iraai*scharfer. Schneide sichert scbtielleg -; >n^nfeÄes Rasiereh! Die f Qhi» i A d e ^oh We dl sch » Welt m a r ke I lagsanstalten, 'herausgekdmhieji::: waren', (1er ab\er jetzt ein erbitterter Feind de^; Zentr^vei-eineö ist: <; ':■](..;; '••: ' ': '' ''' '" ' Von der Seite der 'Angekfä^ten-fliegtein Ablehnungsantrag gegen W/in.difu,hr und Guttmann vor: Windfuhr habe in.der/,*,Z;;Vt-Zeitung" Artikel veröffentlicht, Guttmann sei'Mitglied des Zentralvereines. Windfuhr entgegnete, "Rezensionen über wissenschaftliche Bücher würde er sogar im „Stürmer" schreiben. Auch Guttmann erklärte, er 'sei nicht'';n£fa'rigen S' gerade um, einen Juden zu hören, hahe/MaiiMh'iV geladen. Nach fast, zweistündiger Beratung hinler geschlossenen Türen verkündet das Gericht', ohne jede'Begründung, daß die Sachverständigen abgelehnt inik. 1 Windfuhr nind'(£ütt-<: mann müssen den Saal verlasseil.1 Dagegen ist Dr. Bisehoff als Sachverständiger zugelassen. Am Nachmittag stellte, der Staatsanwalt den Antrag B;is chof f abzulehnen. Das Gericht beschließt, daß" Bischoff als Sachverständiger im Gerichtssaal bleibbh'darf. Es folgt die Vorlesung der inkriminierten ,3türmeV'-Artikel, dann wiederholte der Staatsanwalt seinen Antrag auf Ablehnung des völkischen' Sachverständigen Dr. Bischoff, der in einem Brief au den Untersuchungsrichter einseitig •"ünd höhnisch zu -den zu behandelnden Fragen Stellung genommen habe. Auf Grund dieses Briefes sprach das Gericht die A b l e Ii n'-u n g D r. B i s c h o f f s aus. Damit war die erste Verhandlung zu Ende. Eine Palästina-Debatte im eng* tischen Parlament. Die britische Regierung erwägt die Einberufung einer Konferenz jüdischer und arabischer Führer zur Beilegung des Konfliktes. Der Bericht der Palästina^Untersuchungskommission wird nicht vor Ende dieses Jahres vorliegen. — Die Unab« hängige Arbeiterpartei für jüdischsarabische Verstand!* gung. — Die Regierung wünscht im gegenwärtigen Stadium keine5 Diskussion. v'■- Am/Dienstag, den 29,, Oktober nachmittags träten das britische Unterhaus und Oberhaus zu ihren ersten Sitzungen nach : den Sommerfetferi zusammen. Gleich in dieser ersten Sitzung, in der Snowden in Abwesenheit Matf Donalds als Chef der Regierung fungierte und Hen» dersprt eine Erklärung über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Rußland abgab, kam es im Unterhaus zu einer kurzen > Aussprache über die . L a g e i n Palästina, die die gespannte . Aufmerksam« : keit des Hauses gefunden hat.' Lord W i n t e r t o n stellte an 'die Regierung die Frage, ob' die' Untersüchuhgskommission, die eben ihre Arbeit in Palästina begonnen hat. in der Lage sein wird, ihren Bericht noch vor Ende dieses Jahres dem Parlament, vorzulegen',' ferner ob den Mitgliedern, des Unterhauses Gelegenheit gegeben wird, mit ihren Kollegen• von der. Kommission über die Lage in Palästina eine Aussprache; zu pflegen. ■g„ . per Unterstaatssekretür. für die Kpl^nien. Flervj William Xunn erwiderte, er könne unmöglich sagen, ob der Bericht der Pfllästin»*Kommission vor Weihnachten fertig sein und. noch in diesem Jahre dem Parlamente wird unterbreitet werden können. Sobald aber der Bericht* verHegen wird, werden die Mitglieder des Unterhauses selbstverständlich in der Lage sein, ihn im Parlament zu erörtern. Der Sekretär der Unabhängigen Arbeiter* partei, Herr Fenner Brockway, ersuchte die Regie* rung, die Möglichkeit einer Konferenz repräsentativer jüdischer und arabisch"* Führer zur Beilegung des Kon« fliktes in. Erwägung zu ziehen. Unterstaatsaekretär William Lunn erwiderte, diese Möglichkeit werde gerade im jetzigen . Augenblick, von der Regierung erwogen. Major Nathan, der bekannte jüdische Parlament tarier, ersuchte die Regierung um eine Information über dies augenblickliche Lage in Palästina. Unterstaatssekretär Lunn erklärte, was an. intov* mationen vorliegt, wird schon durch das Kolonialamt ver* öffentlicht. Im Hinblick darauf, daß die Untersüchungs* kömmission eben erst ihre Arbeit in Palästina begonnen hat, würde die Regierung es vorziehen," irgend eine allge* meine Erklärung über die Lage in Palästina heute noch nicht abzugeben, sondern sie für einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das Mitglied des Unterhauses Wardlaw M i Ine stellte die Frage, ob angesichts des Ernstes der Lage, in Palästina und im Hinblick darauf, daß die Kompetenzen der Untersuchungskommission begrenzt seien, >es nicht wünschenswert sein würde, eine allgemeine, Aus* spräche über .Palästina im Parlamente stattfinden zu lassen........ ';.<. William Lunn erklärte, seiner Meinung nach sei die Lage in Palästina nicht so ernst, wie der Vorredner es meinte; er glaube, es wäre ebensowenig für Palästina wie für das Unterhaus von irgendeinem Vorteil, im gegen* wärtigen Augenblick eine Diskussion über die Lage in diesem Lande heraufzubeschwören. * Die Anfrage der britischen Unabhängigen Arbeiter* partei ist von symptomatischer Bedeutung. '•' Die Unab* hängige Arbeiterpartei ist bisher in der Palästinafrage mit den Kommunisten zusammengegangen, das heißt antizionistisch eingestellt gewesen. Sie gehört auch der sonst ganz kommunistischen L i g a g e g« n den Im p e r i a 1 i s m üs a n. Auf ihrem, letzten Kongreß. irn Sommer 1929 in Frankfurt hatte die Liga über den Antrag der Araber eine antizionistische Resolution, an*. 0* .te Lf* mit rhythm. Gymnastik ffir. Kinder ypn j-^ Jahren. Betrieb von9-12 Uhr^ II., Praterstraße 43. Tel. R-49-705. . Tanzschule. genommen, in welcher die Ziönisteh als Knechte5 und Werkzeuge des britischen Imperialismus gekennzeichnet wurden. Aus der Anfrage Bro.ckways kann man schließen, daß die Unabhängige Arbeiter* partei nicht mehr ganz auf dem Boden des. Frankfurter Beschlusses steht, sondern für eine Verständigung^ zwischen Zionisten und Arabern eintritt. *' ' '-" Viscount d*Abernon über die Juden. Führende englische, und deutsche Zeitungen, .veröffentlichen Bruchstücke aus dem noch unveröffentlichten, demnächst erscheinenden zweiten Bande des Berliner Tagebuches von Viscount d'Aberno n, dem früheren eng 1 is chen Botschafter in Berlin, die sich auf die Tage der Inflation in Deutschland beziehend Unter dem Datum 17. September 1923 schreibt Lord d'Abernon: „Einer der unerklärlichsten und beunruhigendsten Züge der mitteleuropäischen Politik von heute ist die Tatsache, daß die führenden Juden, hauptsächlich die Beherrscher der Presse, antienglisch sind ... Ich kann mich nur an eine einzige Ausnahme .erinnern, und zwar Theodor Wolff vom. „Berliner Tageblatt", der hur deshalb nicht antienglisch ist, weil er noch mehr a n t i - P o i n c a r e i s t i s c h ist. Es ist auffallend, daß man bei den Juden keine Spur von Dankbarkeit für die Engländer findet, die sich verhältnismäßig großzügig ihren Glaubensgenossen gegenüber gezeigt häben, wie das Fehlenjedes Antisemitismus in England beweist. Ebenso fehlt auch nur der geringste Dank für unsere Unterstützung der zionistischen Bewegung. Die Juden ziehen Paris vor, wo sie sowohl vor wie nach dem DreyfußrProzeß mißhandelt wurr den, und sogar Deutschland, wo vor dem Kriege, kein Jude Offizier werden konnte, ist ihnen lieber als England, wo sie seit langem gleiche staatsbürgerliche. Rechte besitzen.; „Wenn man alles über die Juden sagen will, was, zu sagen ist, muß ich aus eigener Erfahrung hinzufügen, daß sie die treuesten Freunde und die klügsten Berater sind. Ich würde jeden* Anglo-. Sachsen, der sich ins Geschäftslebeh hineinwagt, de;n Hat geben:. „Tun Sie nichts, ohne sich einen.jüdir sehen Mitarbeiter oder Ratgeber gesicl\ev(; zu haben, am besten ist, wenn Sie eiueu Judeu haben, der sich entsprechend hoch beteiligt und mit Ihnen zusammen arbeitet. Sollten Sie keinen Juden wissen, nehmen Sie einen Schotten; aber tun Sie nichts ohne den einen oder den anderen.. Beide haben,einejn Instinkt und eine angeborene Begabung« die die anderen nicht erwerben können,"

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