Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 112 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite S DIE NEUE WEEf Nr. m PELZ WAREN GEBRÜDER BRAININ fjon l., Bauernmarkt 2a, fei. U22459 J KU IL, GlocKenguse 8, Tel. R-45-4-33 Rechtes und ihrer Ehre beraubt wird. Sie sieht es ruhig mit an, wie man dieser Jugend iie Menschenwürde ksrausreifit, sie zur Gewöhnung ansu Mißhandeltwerden, also zur Ehrlosigkeit zwingt. Es sind Organisationen und Vereine da,' welcfce' sidi jüdisch nennen, und sie ttrh ilicKts. Es ist feine j ü d is c h e G e in 6 i n d e da, ,uricl sie itiit' nichts., Sie, waren nicht da, wenn man sie rief, jüdische Vertreter ins Parlament und die öffentlichen Körperschaheft zu entsenden, als Schützer des Rechtes und der Ehre des jüdischen Volkes, als Schützer der Ehre und des Rechtes der jüdischen Jugend. Sie wollten nicht, dal? andere etwas tun, und wollen selbst nichts tun. Wenn die jüdische Studentenschaft zu einer Manifestation ruft, kommen sie nicht. Es ist ja nichts zu machen. Mein Gott, die akademische Freiheit... Sie ducken sich vor der akademischen Freiheit und lassen die eigene Freiheit zertreten. Wie iahge noch? Die Totengräber des Zionismus. Von einem hohen jüdischen Militärbeamten in englischen Diensten, welcher bis zum Jahre 1922 bei der Palästina Verwaltung Dienst versah und jetzt in Aegypten tätig ist, erhalten wir eine Darstellung der Umtriebe, welche von einer antizionistischen und antisemitischen Gruppe englischer Beamter in Palästina veranstaltet wurden, um die zionistische Politik Englands zürn Scheitern zu bringen. Der erste Gouverneur Palästinas, Sir Herbert Samuel, hat diese Elemente eingesetzt und ihr Treiben geduldet. Die Früchte dieser Politik sind jetzt gereift. X; Die tragische Geschichte des neuen Palästina ist für den europäischen Leser eine ganz mysteriöse Sache. Aber mir ist sie klar. Ich wußte es und jeder objektive . Beobachter mußte es wissen, daß die geradezu verbrecherische Arbeit einiger britischer Beamter die Ursache der_ grausamen Ereignisse ist, auf welche zielbewußt hingearbeitet wurdev Für mich war es auch keine TJeberraschung, daß die ganze englische Presse schlecht informiert ist, daß sie dem Zionismus und dem Judentum heute kühl ablehnend gegenübersteht. Für mich ist es keine TJeberraschung, daß beispielsweise die „Times" von „jungen arroganten Zionisten" spricht,, welche an den Ereignissen Schuld tragen. Ist doch diese Presse von denselben verbrecherischen Beamten und ihren intimen Freunden bedient. Ohne jedes Gefühl von Haß gegen irgend, eine kriegführende Macht wurde im Jahre 1915 auf ägyptischem Boden die Legion jüdischer Freiwilliger, das „Z i o n - K o r p s" gegründet, um Palästina zu befreien und England zu Hilfe zu eilen. Die-! Selben „arroganten Zionisten" haben es gegründet. Was sie auf Gallipoli für England geleistet haben; darüber haben Sir John Hamilton und Oberst Pafterson ausführlich berichtet. In beispielloser Selbstaufopferung haben diese „arroganten Zionisten" unter vulkanartigem Feuer den englischen. Truppen Munition und Waffen in die Schützengräben gebracht. Und dies lange, lange vor der. Erlassung der Balfour-Deklaration. In einer Ecke des Hotel Continental in Kairo saß eine Gruppe jüdischer Wissenschaftler und Techniker und arbeitete den Plan des großen Angriffes auf die Ostfront aus. Der große Mann, der diese ungeheure Arbeit vollbrachte, der im britischen Hauptquartier im Hotel Savoy als Orakel verehrt wurde, ist schon ' lange tot. Damals gab es eine englische Begeisterung für die Juden. Die Balfour-Deklaration wurde erlassen. Jüdische Bataillone eilten nach dem Osten. Palästina wurde eingenommen, die Juden spielten dabei eine wahrlich nicht unbedeutende Rolle, ihre Arbeit hat den Angriff auf Syrien und Kleinasien möglich gemacht. Von den Stufen des Davidturmes in Jerusalem wurde in großer Aufmachung die Balfour-Deklaration proklamiert. Aber fcald nach dem Siege strömten minderweitige Elemente herbei, welchs im Osten ihre persönlichen Vorteile suchten, In kurzer Zeit Wurde Palästina zum Ausbeutungsfeld für Kriegsemporkömmlinge. Männer, die in normalen Zeiten in den Reihen der Faulenzer von Piccadilly zu finden waren, nahmen jetzt hohe Stellen ein. Diese Man? ner waren nicht nur talentlos, sondern von dem Bestreben erfüllt, alles so zu regeln^ daß sie ih* bequemes Leben weiterführen können. Jeder Fortschritt war ihnen zuwider, weil er sie darin behinderte. Als störendes Element träten ihnen die Juden entgegen, deren Ziel es war, Palästina einer Zukunft de? Ordnung und des Fortschrittes entgegenzufühsen. Der Vorkriegszustand Schien diesen Beamten viel angenehmer, er entsprach ihre» Neigungen und ermöglichte größeren persönlichen Erfolg. Der arabische Fellach verlangt keine bessere Behandlung als der Eingeborene im Sttdan. Mit Intrigen läßt sich diese Masse leicht regieren. Der Jude aber verlangt eine andere Behandhing. Der neue Jude in Palästina zeigte sich als gute* Landwirt, guter Sportsmann Und kultivierter Bürger. Also war er ein Feind dieser Beamten. Sie, die die gahze Regierurigsmaschine in der Hand hätten, gingen nunmehr gegen diesen Feind los. Beim Schreiben dieser Zeilen erinnere ich mich ah die schrecklichen Vorgänge des Jahres 1021, welche eine notwendige Folge der verbrecherischen Arbeit dieser Beamten waren. Einer der eigentlichen Herren des Landes war damals der Oberkömmandant der Polizei Oberst Hubbard, ein blutdürstiger, degenerierter Morphinist. Sein größtes Vergnügen war der Gebrauch der Peitsche. Leutnant R. erzählte in einer Gesellschaft von Offizieren, daß Hubbärd seinem Korporal den Auf trag-- ertejlte, jedeü neuen Poli- Jtettfefcern umfmtjt kann kein Mensph liefern, hingegen kaufen Sie bei uns Örig. böhm. Beftfedera und Daunen (bessere Sorte) schon von S 1.20 per Kilo. Prövinzversand. Möbel aller Art, Bettwaren und Kinderwagen besonders billig -- Mitglied der Ka-De-We —-— Wien II, PraHrails zisten vor Dienstantritt auszupeitschen, um ihn gefügig zu machen. . Junge . Burschen,,wurden unter irgend einem Vorwand ins, Gefängnis eingebracht, nackt ausgezogen, uncl..v. geschlagen und Oberst Hubbard stand mit der Zigarette im tylund lachend dabei. Er ■. hat. -sich^wiedei&pit; öffentlich damit gerühmt, daß er nicht einelri Finget rühren werde, ' wenn die Juden-massak^rt würden. Sein Adjutant war nicht besser. Es,war der Kapitän Cowe 11, der sich schüttelte, wenn er einen Juden sah. Es wurde mir berichtet/daß er höeh heute in Jerusalem sitzt, und zwar im Baüp4qüä£tier. Eine der einflußreichsten -Personen war damals Wady Büstany, ein . Trunkenbold aus Syrien. Sein Verdienst bestand darin, daß er auf Befehl ' Unruhen veranstaltete und zu diesem Zwecke mit den fanatischen Arabern die besten Beziehungen unterhielt. Er war Regierungsbeamter und besonderer Liebling Von Mr. M i 11 s, dem jetzigen pol it i sehen. S.ek.r etär .de.r P a 1 äsiinaregiie.run.g. . Anläßlich des „Kabära"- Prozesses trat zutage, daK;^Bus1ahy &ütritV: zu allen Geheimarchiven der Regierung hat, ist er doch der besondere Günstling des Herrn Mills. Wiederholt ist er gerichtlich abgestraft worden. Aber einzusperren wagte ihn niemand, weil er durch die höchste Autorität im Lande geschützt wird. Und das im Namen des großen britischen Imperiums. Am 3. Mai 1921 traf ich Kapitän Brunton. Er war damals politischer Offizier des Oberkommissärs Samuel und betrachtete es als seine Haupt- Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des FRANZBRANNTWEIN! Jeder Gesunde und jeder Kranke wird es Ihnen bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung durch DIANA-Franzbrannfwe'n MIT MENTHOL erzielt wird. Überall erftftUlfefe l Vollständig neu adaptierter ROSA-SAAL für Mochieiteit u. sonstige Veranstaltung«« :; bestens geeignet — int ■ \\ CAFE ,ALTES RATHAUS'1 1. Wipplingerstraße 24 Cafetier Leo Löwy aufgäbe, dessen Autorität zu untergraben. Nach Jaffa war er geschickt worden, um die Lage zu studieren. In Wirklichkeit organisierte er das muselmanisch-christliche Komitee und bildete so einen Block gegen die Juden. Er verschaffte dem Komitee auch Subventionen aus den militärischen Geheimfonds. Die Führer dieses Komitees waren dieselben Leute, welche die blutigen Ueberfälle auf die Juden im Jahre 1920 organisiert hattet. Vor allem Aref el Aref und Husseini. Letzterer wurde damals von einem britischen Gericht ' zu einer langen Kerkerstrafe verurteilt. Es war eines der Mysterien der Regierung, daß er freigelassen und kurze Zeit darauf von der Regierung als Großmufti, als geistliches Oberhaupt des obersten muselmanischen Rates ernannt wurde. Gegen den Willen einer großen Opposition gemäßigter Araber, welche dem jungen Manne Ignoranz und wiederholte Geldunterschlagi«»gen zum Vorwurf machten. Die arabiscüe Zeitung „Ei Achbar" wurde von Oberst Brunton eingestellt und der Herausgeber erhielt einen schweren Verweis. ' Er hatte nämlich gewagt, über Waffenschiebungen unter den Arabern zu schreiben. Den Major J. hat er strafweise versetzt. Der Mann hatte das Verbrechen begangen, einer Gruppe von arabischen Hafenarbeitern, welche das Judenviertel plündern wollten, mit dem Revolver in der Hand entgegenzutreten. Das war seine Hauptarbeit in Jaffa im Jahre 1921. Dieser Herr Brunton, dem der Oberkommissär Samuel die Aufgabe übertragen hatte, die Lage zu „studieren" und der englischen Regierung entscheidende Vorschläge zu machen,, benützte seine wichtige Stellung, um an den Zionisten Erpressungen zu versuchen und das unter-den. Augen seines jüdischen Chefs. Er berief einmal mitten in der Nacht die Vertreter der Juden zu sich. Ein Teilnehmer an dieser Nachtsitzüng erzählte mir: Brunton erklärte vorerst den' Jucleii, daß , Vo.rb.ereitauigen ,zu .^e.tVeJ.e i e ri.^m^ganz e,n.L arn d e yö.Ur4en Arabern. ge^rö|ffe^'^i^E^Die englischen Kräfte sind zu schwach und;diö Regierung ist nicht mehr Herr der Situation. Auf H i,!l fe von London her ist nicht zu rechnen. Dann wurde er ganz deutlich. Es gibt nur ein Mittel, um die Juden zu fetten. Sie müssen den'Oberkommissär Samuel bitten, die jüdische Einwanderung sofort zu sperren, die Balfour-Deklaration zu annullieren und ' an. den Emir Abdallah herantreten, damit sich diese^zum König von Palästina krönen lasse. "Das leistete sich ein britischer Offizier, förmlich im Namen seiner Regierung. Sir Herbert Samuel aber hat diesen Mann nicht gemaßregelt. Im Gegenteil. Er hat einen guten Teil seiner „Ratschläge" in die Tat umgesetzt. (Ein weiterer Artikel folgt.) Schlechte Lage der Juden in der Türkei. Verfolgung durch enorme Besteuerung der Synagogen und Wohlfahrtsanstalten. — Eine antisemitische Liga. —- Untergang des jüdischen Adrianopel. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Die türkische Regierung setzt ihren Kampf gegen die nichtmohammedanischen Religionen, hauptsächlich aber gegen die jüdische Religionsgemeinschaft, mit rück* sichtsloser Härte fort. Sehr empfindlich trifft die jüdische Bevölkerung der Türkei der jüngste Schlag der Regierung, die beschlossen hat, alle religiösen und ö f f e n t« liehen Wohlfahrtsanstalten der Juden mit hohen, fast unerschwinglichen Steuern zu belegen. Eine eigene Steuer, die den Charakter einer Judensteuer trägt, wurde auf die Synagogen, die jüdischen Krankenanstalten und auf das R a b b i n a t ausgeworfen. Abgesehen von der Höhe dieser Steuer, wird es besonders drückend ernpfun« den, daß im Sinr.e der Regierungsverordnung diese Steuern, rückwirkend vom Jahre 1925 angefangen, und. zwar von den Einnahmen der von der Maßnahme betroffenem Anstalten und Einrichtungen eingetrieben werden. AWIej gegen diese Regierungsverfügung von den jüdischen Ge* meinden eingebrachten Rekurse und B --hwerden wurde« restlos abgewiesen. Das Amt des Großrabbinates, das aus seinen Einnahmen nicht einmal imstande ist, das Beth Din (rabbinisches Gericht) zu erhalten, erhielt dieser Tage der Aufforderung, eine Steuer von 5000 türkischen Pfund einzuliefern, widrigenfalls die gesamte Ein* richtung einschließlich der Bibliothek zur Versteige* rung. gelangen würde. Es blieb nichts anderes übrig» als den eingeforderten Steuerbetrag unter den bemittelten Mitgliedern der .Gemeinde im Sammelwege aufzubringen* iJNM