Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 111 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Iii DIE NEUE WELT Seife $ < seine frommen Roman* und Dramenhelden vorwurfsvoll entgegen: „Franz, Franz! Du bist noch immer Saujude! Rette dein Seelenheil." Und Franz ging hin und ließ sich taufen, wegen der Ueberzeugung und der Reklame. Ja, der Anton und der Franz! Die Zwei sind von uns gegangen. Franz Werfeis Austritt aus dem Judentum. Wien, 27. Oktober. (J. T. A.) Seitens der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wird dem J. T. A.-Vertreter mitgeteilt, daß der Dichter Franz Werfcl offiziell seinen Austritt aus dem Judentum angemeldet hat. Dieser Schritt Franz Werfeis erregt um so mehr Aufsehen, als der Dichter vor nicht langer Zeit im Zusammenhang mit der von jüdischer Seite geübten abfälligen Kritik an seinem Drama ..Paulus unter den Juden" in Zuschriften an jüdische Zeitungen sein jüdisches Nationalbewußtsein besonders betonte und sich scharf gegen die Verdächtigung wandte, als ob es ihm nicht ernst um sein Judesein wäre. Hermann Ungar gestorben. In einem Prager Sanatorium ist. der jüdische Dichter Hermann Ungar im Alter von 37 Jahren gestorben. Seine Werke „Knabe und Mörder'", ..Die Verstümmelten", „Der rote General" u. a. fanden beifällige Aufnahme. Sein letztes Stück, die Komödie „Die Gartenlaube", gelangt demnächst in Berlin zur Uraufführung. Ungar war bei der Berliner Gesandtschaft der tschechischen Republik und beim Auswärtigen Amt in Prag als Presseleiter tätig. Er war ein treuer Zionist und Mitglied der Prager Zionistischen Verbindung ..Barissin", Die jüdischen Kommunisten gegen Smidowitsch, Moskau, 23. Oktober. (J. T. A.) Der führende jüdische Kommunist und Vorsitzende von OZET Diamanstein veröffentlicht einen längeren Artikel in der Zeitung „Eraess", in welchem er gegen den Volkskommissar Peter Smidowitsch, den Vizepräsidenten der Sowjetunion, den Vorwurf erhebt, daß er die antireligiöse Propaganda behindert, indem er den religiösen Juden Konzessionen macht. Diamanstein findet es verwunderlich, daß Smidowitsch, ohne sich mit den Führern der jüdischen kommunistischen Sektionen ins Benehmen zu setzen, den jüdischen Kommunisten erlaubt hat. den für den 14. Oktober angesetzt gewesenen „Tag der Kollektivität" mit Rücksicht auf das jüdische Versöhn ungsfest an einem anderen Tage durch Arbeit zugunsten der Kollektivisiernng zu begehen. , .Smidowitsch hat über seine Instruktion an. die Behörden bezüglich der Befreiung der jüdischen Kolonisten von der Arbeit am Jörn Kippur einzig den Agro- Joint und den Moskauer J. T. A.-Vertreter informiert und die „Jewsekzia" dabei ignoriert. Die Zeitung „Emess" erfuhr davon erst nach Eintreffen der Warschauer jüdischen Zeitungen, die die betreffende J. T. A.- Nach rieht enthielten. Die jüdischen Kommunisten haben den Kampf für die Auflösung der Moskauer jüdischen Gemeinde aufgenommen. M oskö u, 27. Oktober. (J. T. A.) Nachdem es den jüdischen Kommunisten in Leningrad gelungen ist, durch Herbeiführung-'einer gerichtlichen Verurteilung aller Mitglieder der Verwaltung der Leuingrader jüdischen Gemeinde die behördliche Auflösung dieser zweitgrößten jüdischen Gemeinde Rußlands durchzusetzen, haben nun die Moskauer jüdischen Kommunisten eine heftige Kampagne für die Auflösung der Moskauer jüdischen Gemeinde eingeleitet. Die Moskauer Zeitung „Emeß" führt in einem Leitartikel aus, die Moskauer jüdische Gemeinde sei das Zentrum des jüdischen Chauvinismus in allen Ländern der Sowjetunion, sie müsse darum aufgelöst werden. Moskau, schreibt die Zeitung, das Zentrum der Weltrevolution und der kommunistischen Internationale, ist gleichzeitig ein Zentrum der „jüdischen sdiwarzen Hundert". Die Moskauer jüdische Gemeinde stellt den Provinzgemeinden Geld zur Verfügung, damit sie ihren Kampf für die Erhaltung der rituellen Bäder und anderer religiöser Einrichtungen führen können. „Emeß" fordert die in diesen Tagen in Moskau zusammentretende Konferenz der unparteiischen jüdischen Arbeiter auf, mit aller Energie die Auflösung der Moskauer jüdischen Gemeinde und die Umwandlung der Chor-Synagoge in einen Kommunistenklub zu fordern. .jjEmeß" fordert auch die Auflösung der Gesellschaft O. P. E., die eine Fortsetzung der einstigen „Chewrath mefizeh haskalah" (Verein zur Verbreitung; von Bildung unter den Juden) ist und nach der Meinung der Zeitung den jüdischen Chauvinismus und Nationalismus stärkt. Erschwerung' der Auswanderung für Ciinluziju in Rußland. Berlin, 24. Oktober. (J. T. A.) Zu der Mitteilung,' daß -unlängst* etwa 50 Chaluzim aus Rußland nach Palästina ausgewandert sind; und daß es allen Chaluzim freisteht, aus Rußland auszuwandern» wird uns von eijier soeben aus Rußland eingetroffenen Persönlichkeit' mitgeteilt, daß es sich bei den ausgewanderten Chaluzim um diejenigen handelt, die noch vor einem Jahre gezwungen wurden, die Kolonie Tel Chaj zu verlassen, und damals die Erlaubnis zur Auswanderung nach Palästina erhielten. Anderen Chaluzim, auch den Frauen von bereits in Palästina Lebenden, wird es fast unmöglich gemacht, Rußland zu verlassen und nach Palästina zu gehen. Dem Mitglied des Zentral-Komitees von Hechaluz in Sowjetrußland Jehoschua A11s c h u 1 e r wurde die Erlaubnis zur Auswanderung nach Palästina verweigert. Altschuler hat soeben eine dreijährige Deportationsstrafe im Ural verbüßt. Er ist schwer herz- und nierenkrank. 41.000 jüdische Kommunisten in der Sowjetunion. Moskau, 23. Oktober. (J. T. A.) Der kommunistischen Partei in allen Ländern der Sowjetunion gehören heute, wie soeben mitgeteilt wird. 41.161 Juden an, davon über 20.000 aus der Ukraine, rund 7000 aus Weißrußland und etwa 14.000 in Zentralrußland. Von den letzteren 14.000 wohnen etwa 8000 allein in Moskau. Wedgwood über die Palästina- Ereignisse, Die judenfeindliche arabische Intelligenz. — Die Schuld der Verwaltung. London, 22. Oktober. (J. T. A.)-In einer von der Seventh Dominion Lcagtre (Liga für Umwandlung Palästinas in ein Siebentes britisches Dominion) veranstalteten Pressekonferenz hielt das Mitglied des Unterhauses Oberst Josiah Wedgwood eine Ansprache, in -der er ungefähr ausführte: Die arabische Intelligenz in Palästina, sie sei mos« lemiüsch oder christlich, ist gegen die in das" Land neu einströmende jüdische Intelligenz feindlich eingestellt. Aber die arabische Intelligenz ist nicht das arabische Volk, das WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 ' IX.. ALS ER STRASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-43 ": X ': ' ■: sieh dessen, bewußt bleibt, daß sich seine Laire durch die jüdische Einwanderung verbessert. Ich wünschte sehr, daß sich die britische Oeffentldchke.it vergegenwärtige, daß uns d/ie Chance offensteht, \' einem uns freundschaftlich gesinnten . Volk in Paliistina zum Aufbau zu verhelfen. Zweifellos hat die wenig freundschaftliche Haltung: der Paliistina- Administration den Aufruhr mitverursachf. : Ich wünschte, daß das Kolomialamt in einer Erkläruirg dartut, daß es von jetzt ab mit den Juden zusammenarbeiten wird und daß die Administration in Palästina auf die Zusammenarbeit der Völker Palästinas und nicht auf deren Absonderung voneinander gedacht sein wird.' Nach dem letztenv Aufruhrsollten mehr Juden in die Polizeirnaelit eingestellt werden; es sollte eine Verteidiguugstruppe geschaffen werden, die nicht wk die vorherige im Ernstfall meutert. Wir wollen in Palästina eine friedliche Bevölkerung haben und besonders darauf bedacht sein, die Freundschaft der Juden zu Großbritannien zu erhalten. Es ist der Gipiel der Narrheit, zuzulassen, daß die Administration in Palästina fortdauernd den Juden entgegenarbeitet, so daß mit der Zeit bei ihnen der Ruf lebendig wird, sich von England freizumachen. Was wir heute tun, wird in 30 Jahren fortwirken. AUS PALÄSTINA. Zwei weitere Todesurteile und zwölf Verurteilungen zu lebenslänglichem Gefängnis. Haifa, 2?. Oktober. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa unter dem Vorsitz des Oberrichters in Palästina, Sir Michael MacDonnell, und mit Riditer Litt als Beisitzenden hat gegen zwei weitere Araber, Ahmed Jjharit'fa und Ahmed Seliin Zunib, das Todesurteil ausgesprochen, Sie wurden überführt, Frau Hannah Cohen, die Gattin von Raphael Cohen, am 28. August in Safed ermordet zu haben. Der Gatte der Ermordeten, ihr Sohn und der Arzt erkannten in den Angeklagten die Mörder. Wegen Mitschuld an diesem Moa'de wurden weitere zwei Araber zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das gleiche Geridit verurteilte zwölf Araber aus Safed, die das Haus von Solomon Goldzweig in Safed in Brand steckten, wodurch die Gattin des Goldzweig durch den sich entwickelnden Rauch den Erstickungstod faud, zu lebenslänglichem Zuchthaus. Gegen zwei Jugendliche, die sich an der Brandstiftung beteiligten, wurde auf je fünf Jahre Gefängnis erkannt. Es wurde festgestellt, daß die n«p-n Wien III, Fasangasse 44, Telephon U-18-4-53 Dieser Hekaphon, Hartley 2, Lichtnetz-Fernempfanger (Czelja,Nfssl*Co.)200-2000Wellenbereich, m. Philipsröhren a 40e u. kompl. Netzteil, anschlußbereu, kostet nur bei „Spitzer" . . ö löO.- Alleinverkauf für Oesterreich (in dieser Type) Derselbe Apparat als Batterieempfänger mit Pnilipslampen........... ~mm wm^.^t ük'&p. ........S85.- Diese Spottpreise nur kurze Zelt! 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Das Gericht in Jaffa unter Vorsitz des Richters Plunkett hat während der Verhandlung gegen den Juden Izchak Abbadis, der beschuldigt war, mehrere Araber, in der Absicht, sie zu töten, durch Schüsse verletzt zu haben, das Verfahren abgebrochen und den Angeklagten freigesprochen mit der Begründung, daß die Aussagen der Zeugen so widerspruchsvoll und unzuverlässig sind, daß ein Verfahren sich nicht rechtfertigt. Chancelor für die Araber. Berlin, 25. Oktober. (J.T.A.) Emir Abdullah von Transjordanien hat vor seiner Abreise nach Bagdad dem Sonderkorrespondenten; des „Berliner Tageblatt" Theodor. B e r k e s erzählt, er habe soeben vom britischen Oberkoromissar für Palästina und Transjordanien Sir John ChanceUor ein Antwortschreiben auf seine. Abdullahs, kürzlichen Beschwerden betreffend die neuen Verfügungen an der Klagemauer erhalten. Chaaicellor erklärt in dem Schreiben, bei den neuen Anordnungen handle es sich um vorläufige zeitweilige Maßnahmen, die den Status quo nicht verletzen und bestimmt seien, e b e n s o w. o h 1 d i e M 07 ihammedaner als die Juden zu befriedigen. Die neue Ordnung werde nur so lange in Kraft bleiben, bis eine Sachverständilgenkommission, deren Einsetzung der Oberkommissar beim Kolonialminister in London beantragt habe, endgültige Best 'i ui m u n g e n über die Klagemauer getroffen habe. Der Oberkommissar hofft, daß Abdullah imstande sein werde, die transjordanisohe Bevölkerung zu beruhigen und Mißverständnisse zu beseitigen. Der Oberkommassar wende alle seine Aufmerksamkeit Maßnahmen zu, welche die Befürchtungen und die Entrüstung der Araber wegen Verletzung ihrer Rechte , aus dem Herzen der arabischen Bevölkerung beseitige. Vermittlungsversuche der ägyptischen Freimaurer. Kairo, 22. Oktober. (J. T. A.) Die „Liberte" bespricht einen Beschluß der ägyptischen Freimaurer, eine Abordnung aiacih Palästina zu 'entsenden, die sich um die Wiederherstellung des ■ Friedens zwischen Juden und Arabern bemühen Söll. Jede Politik der Enzwinffiirig 'irgend eines Status quo, schreibt die Zeitung, wäre Unklug, weil disziplinarische Maßnahmen eine Wiederkehr der Unordnung ■nicht verhindern werden. Der einzige Weg ist der friedlicher Verständigung. Die ägyptischen Araber sollten es als ihre Mission betrachtendee, für inen Dawerfrieden in' Palästina zu arbeiten. Die ägyptischen Araber sind die einflußreichste Nation in der islamitischen Welt. Die ägyptische Presse, die in Palästina wde in allen Ländern des Islams viel gelesen wird, sollt© dazu helfen, diees Ziel zu erreichen, Ändern sie falschen w n d h e t z e r i s c h e n Gerücht en g e g en die Juden ihre 'Spalten verschließen. Leichtes Erdbeben in Palästina. Kein Schaden. Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.) Am Sonntag abend wurde in Safed und in den benachbarten jüdischen Kolonien Rosch Pinah und Machana j im, im Norden Palästinas, ein leichtes Erdbeben verspürt, durch das die Bevölkerung, in der die Erinnerung an das katastrophale Erdbeben von 1927 noch wach ist, in Un* ruhe versetzt wurde. Der leichte Erdstoß wiederholte sich' nicht, so daß sich die Bevölkerung bald beruhigte. LERNE FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 sui Wun«ch