Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-11-01 · Heft 111 (1.11.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 111 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711727--1462-2714681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

{Mit* Dffi NEUE WELT Nr. iit ^MlMMIMIIIlim«»————————»fr Billige Bücher Jeder Literaturrichtung Im Antiquariat Hermann Tuchner Wien, Ii«, drefift Siadtgutgats« f Eck« TaborstraOe 32 Tal. ««41*4-20 Sehr mäßige Preise. Verzeichnisse umsonst. Ankaufganzer Bibliotheken. I eingehen, welches nicht auf Mehrheit und Minderheit, sondern aulGleichgewicht uM :ünparteHsche Entscheidung eingestellt ist. Dies waren die Vorschläge; Wenn die Form eines eingebrachten Antrages unanHehrrrbar scheint, so beginnt man mit dem Antragsteller wegen Aeriderung der Form äu" verhandeln. Das ist in allen Parlamenten Sitte. Besonders dann, wennman wirklich und ehrlich eine Einheitsfront herstellen will. Mit uns hat man überhaupt nicht verhandelt Vom ersten Tage der Sitzung bis zum letzten hat mhn nicht einmal zu verhandeln versucht, weil man kein Kompromiß, keine Einheitsfront wollte. Das ist der wahre Sachverhalt. Dr. Weizmann hat offen erklärt, daß er keine „Heilige Dreieinigkeit" mit Menschen haben will, die nicht in die erweiterte Jewish Agency eingetreten sind. Entspricht das der Stimmung der zionistischen Massen? Soll es so bleiben? Verurteilung von Rifualmordhetzern durch das Schwurgericht in Koburg, . Berlin, 24. Oktober. (J. T. A.) Zur Zeit der Eimordung des Primaners Daube in Gladbeck im März dieses. Jahres hatte das. in Neustadt bei Koburg erscheinende nationalsozialistische Wochenblatt „Der Weckruf" einen Artikel veröffentlicht, in dem.als erwiesen hingestellt wurde, daß Daube das Opfer eines jüdischen Ritualmordes geworden sei. Eine Karikaturenzeichnung stellte einen Juden mit einem bluttriefenden Messer in der Rechten und mit einem Talmud gekennzeichneten, Bilde in der Linken dar. Der Staatsanwalt erblickte in dem Artikel eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft . und eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden. Wegen dieser Straftat hatten sich vor dem Schwurgericht Koburg zu verantworten der „Lehrer, und' nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Hans Schein in in Bayreuth als verantwortliche^ und .der Reklamezeichner August Bräutilkuf v'in Koburg' * als Zeichner der erwähnten Karikatur. Letzterer hat sich sowohl im Mai wie im Oktober dieses Jahres der jüdischen Zentralverems-Zeitung iü Berlin als Zeichner im Kampfe gegen die Nationalsozialisten angeboten, obgleich er schon für die Nationalsozialisten antisemitische Zeichnungen ausführte. In seiner Verteidigung bezog sich der Angeklagte Schemrii auf die Ritualinordliteratur und auf den Talmud, ohne jedoch behaupten zu wollen, daß er selbst an Ritualmorde glaube; auch der andere Angeklagte glaubt nicht an Ritualmorde in der heutigen Zeit. Das Gericht erkannte für beide Angeklagte auf schuldig und verurteilte Schemm dem Antrag des Staatsanwaltes gemäß zu 300 Mark Geldstrafe, event 30 Tage Gefängnis, Bräutigam an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 30 Tagen ebenfalls zu 300 Mark Geldstrafe. Arische Phantasien. „Die geplante Anstürmt des deutschen Volkes.** Aus B er «in wird gemeldet: Ein „Verkg für Volkseinheit" hat soeben eine Broschüre in rotem Umschlag, überschrieben „Die geplant« Ausführung des deutschen Volkes durch den Young-Plan", auf den Markt gebracht, deren Verfasser sich Hermann Wietattd nennt. Die Bro« schüre soU wohl für das Volksbegehren gegen den Young Plan Stimmung machen. In dem Geleitwort führt ein an gelblich ehemaliger Akademieprofessor Frenzolf Schmid aus VUshoien a. d. Donau aus: Auf altatt&ten tinischem Boden entbrannte der erste. Kampf der Tsdiandaien gegen die Arier vor ungefähr 30.000 bis 35.000 Jahren. Bald darauf brach das dem Tschandalentoitn angehörigö Hebtäervolk räuberisch in Palästina ein und unterjochte dte dortselbst ansässigen arisch-attelauti.rrfsc'heu Kolonisten. Den aus dem arabisch-attalantlnlschen Königs* stamm der Jessc entsprossenett Arier Jesus von Nazareth trieb der .Hebräische Bund in die Kreuzigung. So seihen wir auch in unserer Zeit den alten Kampf des finsteren, den Tiermenschen ent- O I e führende Schwedens beste Rasierklinge mit haarscharfer Schneide sichert schnelles angenehmes Rasieren! oh w etil •che Weltmarke! stammte« Tschaudajentums,. des .Hebräischen Bundes und seiner Anhänger gegen die Iichtum 1 ohten Gottessöhne arischer Herkünlt. Satz;dieser, Verschwörung, so wird weheir zptyMlförU 'fö$#x'}%'.-!#Q. der „teuflische •Ymihg-Batt*1 ätisg&.ecki' 'wfrde*; ';e$. sei HMpht, den Hebräischen Bund undseitien Anhang triit dem; gesamten Freimaurertüm ausdeutschen Landen ta vertreiben. Die g e p i a n t e J ü d i s e h e' W e 11 «b ä'nik, heißt es später, ist wie einst der Tempel' in, :(■|e|ui^^'TdiejBaiAzehtraIe der jüdischen Geheimregierung/M die " großen"" Judenbähken der Gegenwart sind nur ihre Nebenstellen und die von Juden geleitete „Deutsche Reichstok" eitle, armselige Filiale derselben. In Paris wären die 'Sachvetständigen „fast ausschließlich Juden und Jndengenossent*.,. -.D e,r,H e-b.rär, is.che Bund ist nach seinen. Satzunge.n verpfi fehle t, dl e a'-riscfo en Deu tsc'h' ön: aü szu t ilgen. Darauf ist der Ycung-iPlan bewußt zugeschnitten. In der Broschüre wird wiederholt, daß der Young-Flan den zwangsweisen Export deutscher Jünglinge und' Mädchen vorsieht. Es heißt dann: Die deutschen MüdChen näitilich Werden nicht nur auf (ihre Gesundheit, sondern a u c h a u f i h r'e S c h ö n h e i t amtlich (wohl'Von jüdischen' Aerzten) untersucht. Ein kleiner Teil wird' wahrscheinlich in jüdischen Unternehmungen Verwendung, finden,. ein anderer Teil ails Dienstmädchen und Hurcnweiber in Jtidenhäuser geschoben werden, der größere Teil aber ward als „ständig irische Ware" die jüdischen Bprdc'lbäuser im Ausland füllen, nachdem der jüdische Mädchenhändier zuvor seine perversen Triebe an ihnen befriedigt hat, Der Verfasser BBS Hohe Politik. Humoreske von Josef Frankel. Der Ewige, gelobt sei Er, segnete die Juden mit vielen Kindern und — Wunderrabbis. Bei uns „im Städtel" hat fast jeder Wunderrabbi* Gott sei Dank, seine Anhänger, so der Czortkower, Sadagorer, Plocker, Sandzer, Gerer, Beizer, Sassower, Bohower. Und diese wieder haben ihre besonderen Bethäuser», die von bestimmten Leitsätzen ihres Zaddikim geleitet werden und sich voneinander unterscheiden; die Beizer tragen ein buntes Tuch um den Hals, die Gerer weiße Socken, andere haben sich für einen bis an die Fußspitzen reichenden Kaftan entschieden, für einen breiten Hut und ähnliches. Jede Gruppe hat ihren Führer, der je nach seiner Politik einen, besonderen Namen erhält.. So muß man sich nicht wundern, Namen wie Bismarck, Potocki, Plehwe, Napoleon, Disraeli, „gelähmter. Derk" (Türke) und letztens sogar Wilson, Pilsudski, Trotzki und andere zeithistorische Namen zu hören. Wissen muß man ferner, daß die hohe Politik n i c h t in G e n f, Locarno, San Remo und Paris gemacht wird, sondern bei uns „im Städtel". Jedes große politische Ereignis, jede Kriegserklärung, Anleihe, Protestnote — alles wird beim alten Ofen in der Synagoge beschlossen. (Kein Wunder, daß bereits des öfteren, der Plan aufgetaucht ist, den Sitz des Völkerbundes von Genf hielter zu verlegen.) Und fiel einmal eine Sache anders aus als hier beschlossen wurde, — mein Gott, auch kein Unglück, daran ist ja jeder Politiker gewöhnt. „Bismarck", ein kleines mageres Männchen, pflegt dann zu sagen: „Messias wird kommen, gäuz bestimmt wird er erscheinen" und nach einer kleinen, nachdenklichen Weile — ,;oder auch nicht" ... p Während des Weltkrieges. Der Völkerbund tagt: Gelähmter Terk: „Ausgeschlossen, daß „Fonje Ganef (der Russe) zu uns kommt. Unsere Stadt ist von Sier Bergen umgebe^ Werden die Russen oben sein. schießen die Oesterreicher von unten, werden die Russen u n t e n s e i n, schießen die Oesterreicher v o n oben. Ich sage und schön Schluß!" Er schloß immer seine Rede mit: „. . . und schon — Schluß!" Plehwe, ein dicker Jude mit weißen Socken: „Wer Schloß? Was Schluß? MüSsen sie dehn über die Berge kriechen? Wo, wo steht es geschrieben? In der Thora? Ha? Was? Und wozu ist denn die Eisenbahn da? Ha? Was?" Plehwes Reden bestanden aus bloßen Fragesätzen. „Chamer!" schreit Napoleon, ein Einäugiger, und zerrt an seinem Ziegenbart, „wer wird denn den Russen eine Eisenbahnkarte verkaufen? Wird denn ein österreichischer Kondukteur einen,Russen einsteigen lassen?" „Glaubt mir," lacht Disraeli Und richtet seine Jarmulke zureeht, „wenn Fonje Ganef den ■ Bahhvbrstand tüchtig bestechen wird, fährt er per Schlafwagen direkt bis Wien." : „Der Teufel soll dich holen!" schreit Peter der Große. „Im Talmud steht . „Seit wann hat Fonje Talmud gelernt?" ruft Friedrich der Große, dessen Pejes bis an die Achseln reichen. Wochenlang dauerte der Streit. Endlich einigte man sich: Er wird kommen^- oder aüch nicht. Sonst betreibt man bei uns Politik, wie überall, wo Juden wohnen, Sagt in der Kultusgemeinde der eine Ja, 6 6 muß der andere immer Nein sagen. Reb Mendel, der Krämer, der bei jeder Sitzung ruhig und gemütlich währeüd der Debatte schläft, blickt vor der Abstimmung verschlafe» Reb Jizchak im und stimmt stets diesem entgegengesetzt: erstens, weil auch er mit Schubpasta handelt; zweitens,, weil er ihm „Maftir" ausgekauft hat; drittens, weil er vom Beizer Rebbe nichts hält; viertens trägt er einen schöneren Kaftan; f ü n f t e n e, warum soll er genau so wie Reb Jizchak stimmen? Sechstens ,»• der Broschüre schreibt dann noch über die „Opfefling*4 junger gerhiam'scher Jünglinge und Mädchen und schließt: „Daß diese Massenscäiächtungen nafttrllcti, wie schon immer, in aller Heimlichkeit geschehen werden, ist selbstverständlich". Der Verfasser versteigt sich zu folgender AeUßerung: ^Welche Juden in Deutschland Mitglieder des hebräischen Räuber- und Mörderbundes und wer Khre Helfershelfer sind, das 2« untersuchen Ist I Dienstpflicht -unserer Staatsanwälte und Gerichte." Schändung des jüdischen Friedhofes in Noivydwor. Eine in Warschau eingetroffene Abordnung der jüV dischen Gemeinde in Nowydwor berichtete, daß in der Nacht des Sukkoth»Festes ungeheuerliche Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhof angerichtet und über 50 der schönsten Grabdenkmäler zertrümmert und die Gräber zum Teil beschmutzt wurden. Die Polizei blieb vollkom* men untätig, die Banditen konnten in der nächsten Nacht wiederum in den Friedhof eindringen und ihr Zerstörung*« werk vollenden. Der Friedhof ist nunmehr vollkommen verwüstet. Eine Abordnung der Warschauer Chewra Ka« discha ersuchte den Woiwoden, eine Untersuchungskom* mission nach Nowidwor zur Feststellung der Schuldigen, die der Bevölkerung nicht unbekannt sind, zu entsenden. Die Selbstmorde bei den Juden in Preußen. In der Berliner „Jüdisch*liberalen Zeitung" weist Herbert Philippsthal auf das hohe Kontingent jüdischer Selbstmörder hin. Die neuesten statistischen Unterlagen rühren für Preußen aus dem Jahre 1926 her. Unter den 9746 Personen, die sich 1926 in Preußen das Leben genom* men haben, befanden sich 204 Juden (2 %). In Jahre 1925 .zählte man unter 9164 Personen 215 jüdischen Glaubens (2,3%) -Für die hohe Ziffer jüdischer Selbstmörder gibt Philippsthal drei fründe an: die jüdische Berufsgruppie* rung (der Kaufmannsstand weist die höchste Pro&entnorm Selbstmörder auf); ferner verursacht das Stadtleben (die jüdische Bevölkerung ist in den Großstädten konzentriert) nervöse und seelische Leiden in höherem Grade als das Land; schließlich kommt noch hinzu, daß der Jude als Jude der Schwere des Daseins stärker ausgesetzt ist als der Nichtjude. Die Klabriäspartie und die Apostel. Herrnfeld evangelisch — Franz Werfe! katholisch. , -Wohlbekannt ist die Posse„K\l a b..r i a s p ar^t' i e" und wohlbekannt der Mann, der sie ins Geistesleben Deutschs lands eingeführt hat, der Berliner Chantantdirektör Anton Herrnfeld und. sein Bruder. Ueber den ersteren be* richtet das „Isr. Familienbktt": Vor kurzem starb der bekannte jüdische Schauspieler und Theaterdirektor A n« ton H e r r n f e 1 d. Wir leiden in der Reichshauptstadi keinen Mangel an jüdischen Theaterdirektoren, obwohl deren Judentum sich bei dem größten Teil nur auf dem Meldeschein kundtut. Anton Herrnfeld aber war wirk* lieh, ein „jüdischer" ' Theaterdirektor — er hat jähr* zehntelang das spezifisch jüdische Theater Berlins geleitet, das absichtlich und programmatisch jüdi* sehe Typen auf die Bretter stellte, zum Leidwesen weiter jüdischer Kreise, die erkannten, daß jüdi» sehe Witze, welche'in der glücklichen Zeit um die Jahr» hundertwende überall harmlos belacht wurden, heute, in einer Epoche wild auflodernden Rassenhasses, geradezu gefährlich wirken können. Herrnfeld war also der jüdi* scheste unter allen Thespisjüngern. Um so überraschter waren seine zahlreichen jüdischen Freunde und Stamm* gaste, als es sich bei Seiner Beerdigung herausstellte, daß sie ihm die letzte Ehre auf einem — evangelischen Friedhof erweisen mußten, :denn Anton Herrnfeld hatte sich schon in ganz früher Jugend taufen lassen, ohne daß etwas davon in der Oeffentlichkeit bekannt wurde. ' * Wohl um den brennenden Neid der katholischen Kirche zu lindern, daß ihr der famose Herrnfeld entgan* gen und zur protestantischen Konkurrenz übergelaufen war, ging der bekannte Prager jüdische Dichter Franz Werfel dieser Tage hin und Wurde Katholik. Franz Werfel hat sich gerne von Jüdenblättern fördern lassen und es nie verschmäht, bei jüdischen Veranstaltungen aufzutreten oder dort seine Sachen vortragen zu lassen. Mein Gott, .im Anfang fährt es sich ja auf dem jüdischen Geleise ganz gut. Dann aber wurde Werfel der Dichte» der Apostel und der heiligen Barbara. Jetzt blickten ihm Lose GesamürefferwöitsäÖÖÖÖ Loipreis S 1«» Ziehung 14 November I929 en erhältlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.