Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 111 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Dil? NEUE WELT Nr.Tif Ei Li 2a \Ä^i^^'J^ÄE^Ä <3EBRÜDER BRAININ I., Bauernmarkt Zir, Tel 11-22*3-59 Iii, Clockengosse 8K Tel. 3 nünftiges und ungerechtes Wanlgeiete unmöglich gemacht, jüdische Vertreter ins Parlament zu entsenden. ' Die beiden herrschenden" Parteien* die Christlichsozialen , und:'\Sbz/aldeinokraten, haben sich durch dieses .Wählgesetz einfach-alle Sitze ge sichert. Die'Minderheitsgrüppen, 'dar'unter auch die Juden, gehen leer aus..J3ehr,zum-Schaden Oester reichs. Denn die Alleinherrschaft dieser beiden machtgierigen Gruppen hat Oesterreich ins .Un glück, in die heutige, vom Bürgerkrieg nicht allzuferne Krise gestürzt. Da nun in Oesterreich die Verfassung geändert werden soll, hat der Verband demokratischer Zionisten beim Bundeskanzler Schober vorgesprochen und die Aufnahme von Be Stimmungen ,in die Verfassung gefordert, welche das Recht der Juden und ihre Ehre sichern. Vor allem eine Aenderung des Wahlgesetzes, welche es ermöglicht,.. . die.. jüdischen Stimmen in der Republik zu sammeln. In bezug auf das Wahlgesetz wird gefordert: 1. Die Erlangung eines Reststimmenmandates soll nicht an die Erlangung eines Hauptmandates gebunden sein. 2. Die Listenkoppelung» welche im ersten Wahlgesetz vorgesehen war, soll wieder gestattet sein, damit-kleinere Parteien einander Wahlhrife leisten können; 3. Die Reststimmen im ganzen Bunde sollen ohne jede Einschränkung gezählt werden. 4. Bei der Wahlkreiseinteilung sollen Bezirke mit starker jüdischer Bevölkerung nicht willkürlich zerrissen werden, weil dadurch eine Zersplitterung der jüdischen Stimmen künstlich herbeigeführt wird. Weiters wurde verlangt, daß in die neue Verfassung, ins'- besondere ins neue Prefigesetz Bestimmungen . aufgenommen werden, weiche res, jüdischen Staatsbürgern und Körperschaften, insbesondere d«t J u d eng e m e i n d e, möglich machen, gegen Beleidigungen der jüdischen Gesamtheit vor den ordentlichen Gerichten Klage zu erheben. 'Jetzt muß--man auf den Staatsanwalt ^warten,«' der2 ^nie . kpmmtv Wie man sieht,, lauteri Forderungen; welche nicht chauvinistisch-national sind; keine .Ausnah'msbestimmungen fÜT die Juden beinhalten und nicht nur von jedem Juden, sondern auch von jedeih night jüdischen, ehrlichen Demokraten zu unterschreiben sind. , ... .. '. . ..... * . ' . ... Und doch hat äich ein - Jude gefunden, welcher diese gerechten, im Interesse der Juden und Oestefr reichs" gelegenen Förderungen zu diskreditieren sucht und den Antragstellern in den Rücken fällt. Noch däzU ein Jude in führender jüdischer Stellung, Herr Dr'. Ornstein, OBmann der „Union österreichischer Juden" und Vizepräsident der Wieher Kultusgemeinde. Zeituügen berichten, daß er „in scharfer Weise gegen die von zionistischer Seite ausgehenden Vorschlage Stellung geu npmmen und erklärt habe, daß die Zionisten die Juden in ein „neues papierenes Ghetto eins p e r r e.n" und „in e i n e eigene j ü d i; sehe W a h 1 k u r i e" hineinzwingen wollen.- Von all dem, was Herr Dr. Ornstein aufzählt, steht kein Wort in den oben angeführten zionistischen Vorschlägen, welche übrigens in den Tageszeitungen veröffentlicht waren. Man will den Juden die freie Möglichkeit geben, für jüdische Kandidaten zu stimmen und diese Stimmen zu sammeln, wenn es den Juden so paßt. Niemand will sie zu irgend etwas zwingen. Sie können auch unbehindert für nicht jüdische Kandidaten stimmen. Aber Herr Dr. Ornstein, der Führer der Union, fabelt unbekümmert von „Ghetto" und „in eine Wahlkurie hineinzwihgeh".' Wir wollen zu seiher Ehre annehmen, daß er nicht bewußt die Unwahrheit sagt,' sondern seine, die alten, antiziönistischen Phrasen automatisch weiter dreschende Zunge nicht inehr beherrscht. Für eine' gewisse Unbewußtheit im Reden zeugt auch der Umstand, 1 daß er in der gleichen Rede von dem „bodenständigen Judentum" spricht, das. „seit tapsend; Jah r e n in diesem Staate a n s ä s s i g i st'\ Bekanntlich wurden die Juden aus dem Gebiete der Österreichischen Republik vor vielen Jahrhunderten vertrieben, schlichen sich zu Ende des achtzehnten und zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in geringer Zahl als „Schutzjuden" wieder ein, Erst das Jahr 1848 brachte ihnen das Ansjedlungsrecht. So sehen die tausend Jahre des Herrn Dr. Ornstein aus. So sieht auch seine ganze Rede aus. * Der Gründer und langjährige Präsident der Wieaer „Hakoah" Dr. Fritz Löbner, unter dem Künstler* nameu Beda bekannt, hat seine Demission-aus-politischen Gründen gegeben. In einem ^Artikel im „Neuen Wiener Journal" gibt er die Gründe seines Rücktrittes bekannt und schreibt unter'anderem: Meine Demission hat politische Hintergründe, da ich der Meinung bin, daß die Mitglieder einer jüdischen Sportvereinigung keiner nicht jüdischen politischen Organisation angehören dürfen. Ich habe den jüdischen Sportklub Hakoah vor zwanzig Jahren gegründet und ihn durch zehn jähre als Präsident geleitet» In diesen zehn jähren hat er die Entwicklung zum größten jüdischen Sportverein der We 11 genommen und 'ich habe dann anderen die Leitung überlassen, weil er so gefestigt in sich dastand, daß ich mich ruhig anderen Arbeiten züwenden konnte. Vor zwei Jahren geriet der, Klub in arge finanzielle Schwierigkeiten, so daß er Vör dem Zusammenbruch stand. Damals wandte man sich an mich, ich möge wieder die Führung der Hakoah über- Settfefaent umfonft kann kein Mensch liefern, hingegen kaufen Sie bei uns Orig. böhm. 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Da ich auf dem Standpunkte stehe — und dies seit der Gründung der Hakoah f-v: daß, dieser Sportklub, eine zionistische, das heißt jüdisch nationale Korporation. ist, habe ich versucht^ diese Frage. intern zu bereinigen; und Terlängtjf daß1 die nächstens stattfindende Generalversammlung'; folgenden Passus ,.in. dfe Statuten der Hakoah,, au|nehme,:..„.Es,, ist. u'n y.,e,r. e, i nb a r mit der Mitgliedschaft b.ei der Hakoah, einer anderen politischen Partei als einer nur j ü d i s c h e n anzugehören.";1 Die Annahme dieses Antrages wäre nach den Gründungsprinzipien der t- Hakoah eigentlich eine S e 1 b s t v e r s t ä n d 1 i c h k eki t; gewesen. Nun hat aber der Permanenzausschuß;I vder 'die- Generalversammlung vorbereitet, mir mitgeteilt, er. wage nicht, einen derartigen Anfrag einzubringen, da man .sonst;.„Repress a 1 ieri' "d er * Gein ei hd e" 'befürchten müsse, die Eigentümerin des Sportplatzes der Hakbäh ist, dem Klub die Steuern bemißt und bei dem derzeitigen System^^cläsk''rein;-^ppUtisq]i>'-:eingesteIlt ist, imstande seil, den Klub auf alle mögliche Art zu schikanieren und ihn sogar vom Pla tz zu vertreib e n. .Da ich aber nach meiner Ueberzeugung eine Hakoah, in der^ sozialdemokratische Elemente tätig sind, nicht, taJsv jüdische JCo^poration, betrachten .kann, habe ich meine Demission gegeben. Es liegt mir natürlich volkommen fern, irgendeinem Mitgliede des Klubs über seine' Gesinnung Vorschriften zu machen, die ja seine private Ängelegenheit ist, so wie ich auch für mich in Anspruch nehme, das, was ich politisch für richtig halte, Mir schadet kein Wetter! und mich ermüdet n'ehts, denn ich verwende ständig DIANA FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL Für alle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt. Soll In keinem Haushalt fehlen. Achten Sie auf die Marke .Diana"» Wertlose - Nachahmungen sind entschieden zurückzu* weisen. Überall erhältlich auch öffentlich zu sagen. Was ich aber zu verlange* das Recht' habe, ist, daß kein Mitglied einer jüdisch* nationalen Vereinigung einer antietpp poIiti« s c h e n Partei' als eingeschriebenes Mitglied ange* höre, als einer jüdischen, also auch nicht der marxistischen! Ich bin überzeugt davon, daß Uber kurz oder lang die gesunden Kräfte der Hakoah diese politischen Bazillen aus dem Blüte ausscheiden, werden und daß: ich dann das Werk, das ich vor-zwanzig Jahren begonnen habe, mit voller Kraft werde fortsetzen können, * Vör einigen Wochen hat die „Neue Welt" die politische Haltung Dr. Löhners sdiarf verurteilt. Er hatte damals in einer Tageszeitung ein, Programm entwickelt, welches den jüdisch nationalen und demokratischen Grundsätzen entgegengesetzt war. Er hatte den Juden, welche bisher den Sozialdemokraten aus Gründen der Konjunktur blind nachgelaufen waren, empfohlen, jetzt den Heimwehren'ebensolche blinde Gefolgschaft zu leisten. Von einer, selbständigen jüdischen Politik sprach er überhaupt nicht. Die „Neue Welt" hat ihm damals Preisgabe seiner Grundsätze vorgeworfen und vor seinen gefährlichen Ratschlägen gewarnt. Jetzt spricht Doktor Löhner in derselben Zeitung wesentlich anders und in seinen Ausführungen ist viel Richtiges, vorausgesetzt, daß seine Angaben zutreffend sind. Das politische Doppelspiel, welches er gewissen Hakoahnern zum Vorwurf macht, ist durchaus unwürdig und muß beendet werden. Man braucht sich nicht in lange Diskussionen über Zionismus und Marxismus einzufassen. In Oesterreich ist die Sache klar und einfach. Unter dem Einfluß von abtrünnigen Juden stehend ist die österreichische Sozialdemokratie — wohlgemerkt, die österreichische — a nti zionistisch; antijüdisch na ti o na 1 und vielfach antisemitisch eingestellt. Dort organisiert sein und politische Gefolgschaft leisten und andererseits der nationalen zionistischen Hakoah anzugehören, ist unehreHhaft. So ersieht man nicht, so verdirbt man junge Leute. ' Die Begründung, man müsse wegen des Sportplatzes und wegen der St'eniern der sozialdemokratischen Wiener- Gemeinde politisch zu Willen sein, ist ."eine S c h a n d je (i 'iir die Gemein d c lind eine Schande für die, welche'so sprechen. Mit demselben Rechte könnte man, wenn die Gemeinde einmal 'c h r i's 11 i'c h s ö z i a 1 ■ werden sollte, 'aus stege,rtechm'scheu Gründen den Hakoahnern die Taufe empfehlen. c u 0 Von Vladimir Jabotirisky (dzt, Paris). Der Führer der Zionistcn-Revisionisten stellt uns nachstehenden Artikel zur VerfüsmiR: .' ■'■ I. : '.• ■ . , ■ Wir sind der Ansicht, daß die Demi s sTo n •der gesamten zionistischen Exekutive der erste Schritt im zionistischen Kampfe gegen die heutige Verwaltung in Palästina sein, müßte. Wir müssen die Entlassung aller jener Palästinabeamten fordern, welche an dem, was vorgekommen ist, schuld tragend sind. Was heißt: Schuldig? Wir werden nie juridisch ■ einwandfrei beweisen können, wer die Geschehnisse direkt vorbereitet oder wer zu Grausamkeiten gegen die Juden gehetzt hat. Sogar■: die Bolschewiken, denen alle Archive aus der Zarerczeit zugänglich sind, können heute den Brief Plehwes, in welchem er den'K isc h i ri e w e r Po g r o m bestellt hatte, nicht entdecken. Solche Dinge schreibt man nicht. Man flüstert in die Ohren, und Zeugen gibt es nicht. Das einzige, was „bewiesen" werden kann, ist die Tatsache, daß die Regierungsbeamten nichts vorausgesehen haben, wo es doch ihre heilige Pflicht war, vorauszusehen. Sie haben überdies beständig verkündet, daß keine Gefahr vorhanden ist und. die,, welche vor der Gefahr warnten, der Lüge geziehen, verspottet. Das ist ein schweres Verschulden verantwortlicher Beamter, So reden heute alle Zionisten. Sie sagen alle, daß. solche Beamte nicht ah der Spitze der Verwaltung bleiben dürfen. j Will man aber, daß dieses Argument englischen Ohren" überzeugend klingen soll, dann muß man zuerst im eigenen .Hause, das Beispiel geben. ..Ein „Rauchverbot" ist nicht wirksam, wenn, es ein Mund ausspricht, in welchem zur selben Zeit eine Zigarette steckt. Sind die englischen Beamten die ein* zigen, deren heilige Pflicht es war, vorauszusehen? Die einzigen, welche der Welt eingeredet, haben, daß keine Gefahr vorhanden ist? Die einzigen» welche jeden ausgelacht und beschimpft haben,, welcher von einer Gefahr zu reden wagte? Was hat die zionistische Leitung getan? jeder Jude in der Gasse, sogar der wärmste Anhänger der jetzigen Exekutive, kennt die Antwort auf diese Fragen. Wir hafoen ,den Engländern ein schlechtes und gefährliches Beispiel gegeben. Wir haben wegen des „Prestiges" jene Verfehlungen begangen, welche wir jetzt den schlechten Beamten in Palästina zur Last legen, Wir habe« geschwiegen oder beschönigt auij