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Die neue Welt · 1929-10-25 · Heft 110 (25.10.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 110 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. liö DIE NEUE WELT Seite 1 Verringerung der englischen Garnison. Jerusalem, 22. Okiober. (Prrvat.) Ein Bataillon der englischen Infanterie ist mit Rücksicht darauf, dafl größere Unruhen nicht mehr 211 befürchten sind, nach Aegypten zurückverlegt forden. Die Kommunisten. Der Berliner „Vorwärts" veröffentlicht eine Kör* respöndenz aus Haifa, in der es ti< a. heißt: ,,Eine eben* so traurige wie närrische Rolle spielen in der ganzen Angelegenheit die palästinensischen Kommunisten. Sie haben ursprünglich gegen die Parole, daß die patä« stinensischen Unruhen eine revolutionäre Bewegung der Fellachen gegen ihre jüdischen Ausbeuter sind, mit schwächlichen Protesten reagiert. Nach kommunistischer Gepflogenheit haben sie allmählich auch diese Pille ge* schluckt und auf höheren Befehl eine Propaganda einge* leitet, die behauptet, daß auf jüdischer Seite große Arabermassakers veranstaltet worden sind. In einer von der Polizei aufgehobenen Geheimvers Sammlung ist bei den Teilnehmern für eine Greuel» Propaganda in der europäischen Presse bestimmtes Material aufgefunden worden. Das Verhalten der Kommunisten hat unter der übrigen jüdischen Arbeiterschaft große Erbitterung hervorgerufen und es ist im Anschluß daran wiederholt zu Zusammen« stoßen gekommen. Bei einem Versuch, im Kino des jüdi* sehen Arbeiterheims Aufrufe zu verteilen, in denen ge« werkschaftlich organisierte Arbeiter der Spitzeldienste für die Polizei beschuldigt wurden, ist ein Kommunist beinahe gelyncht worden. Er konnte von der Polizei nur mit Mühe in Sicherheit gebracht werden." Die Chaluzwnnderung. Am lö. Oktober traten von Lemberg aus 150 Cha* luzim aus Ostgalizien die Reise nach Palästina an. Am selben Tag ging ein Dampfer mit über 500 Chaluzim, davon 400 aus Polen und 100 aus Rumänien, von K o n< s t a n z a nach Palästina ab. Mitteilung der polnisch-palästinensischen Handelskammer. Die offiziöse polnische Telegraphenagentur verbreitet ein Communique der palästinensisch" polnischen Handelskammer in Tel-Awiw, in der den im Zusammenhang mit den letzten Geschehnissen in Palästina im Ausland verbreitet gewesenen Gerüchten über eine wirtschaftliche Depression in diesem Lande energisch entgegengetreten wird. Die Handelskammer, heißt es in der Erklärung, hält es für ihre Pflicht, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß in Palästina vollkommene Ruhe herrscht und daß das Tempo des wirtschaftlichen Lebens den früheren Zustand vollkommen erreicht hat. Ein Aufruf der zionistischen Verbindungen. Jüdische Kommilitonen I Am Beginn des neuen Semesters wollen wir Euch Bestrebungen und Ziele der Wiener Wehrhaften zionistischen Studentenschaft darstel* len. Auf Wiener Boden haben Angehörige der wehr* haften zionistischen Verbindungen seit dem Jahre 1882 den Grundstein zu jenem Bau gelegt, der heute die weltumspannende zionistische Bewegung bildet. Sie Waten die Ersten, die sich aufrecht zu ihrem Volke b e* kannt haben und nicht nur auf akademischem Boden, sondern allenthalben für Ehre und Freiheit des jüdischen Volkes eingetreten sind. Die Wiener ziönistisch*äkademi* sehen Verbindungen waren es, die so die nationale Wiedergeburt vorbereitet haben. Angeeifert durch das einzig dastehende Genie Herzls und durch seine wundervolle Tat wurden viele aus Unseren Reihen in der ganzen Welt Vorkämpfer für unsere Ideale und Führer unserer Nation. Getreu der großen Tradition wirken die Wiener Verbindungen nach wie vor für die Erziehung zum Zionismus und die Sache des jüdischen Volkes. ... PlK Wiener Verbindungen sind zunächst eine ethisch kämpfende Gemeinschaft: Hier soll di* jüdische Jugend Kraft und Mut gewinnen, um gestählt zu werden, sram Kampfe für unsere gerechte Sache. Hier sollen ihr Öeist und Ihr Ehrgefühl geweckt und die Liebe zum Volke ent« facht werden. Nicht eine besondere Käste sind wir; als Glieder unserer Nation fühlen wir die Verbundenheit mit ihr und weihen unsere Kraft und Arbeit ihrem Dienste. In unseren Reihen findet der jüdische Student alles, Was sein Jugendlicher Idealismus ersehnt. Er findet hier Weg*und Kampfgenossen, er findet treue Freundschaft, väterlichen Rat durch die Altherrenschaft und Unter* Stützung in allen Lebenslagen, d?r der jüdische Aka* denuker in dem gerade uns Juden so hart treffenden Lebenskampf bedarf; er findet hier jene menschliche Ge* meinaohaft, die f ihm vom Augenbliok seines Eintrittes m unsere Reihen1 bis zum Ende seines Lebens die treueste Liebe wahrt. Wer in sich die Berufung fühlt, untren Idealen zu dienen und ein Teil Unserer Gemeinschaft zu werden, der.stehe zu uns Und unserem Wahlspruch: „Mit Wort und Wehr für Juda's EhrT , Das Präsidium des Seniorenkonventes der wehr* baft*zionistisoh»akademi8chen Verbindungen zu Wien. ♦ Schriftliche Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an die Adressen der Verbindungen: X A. V. JSmunah", Wien, IX., Servitengasse 4a; J. A. V. „Ivrla", I?-»AG^serAa_sw 4a; A. V. „Kadjmah", I., Biber. Straße 26; A. V. „tibanonia", IX., Servitengasse 8; J. A. V. „Maceabaea", III., Reisnerstraße 23; J. A. V. „Unitäs", Msr2u K -v* "2epi,iMi>"' Henri Bergsons 70. Geburtstag. Am 18. Oktober hat der französische Philosoph Henri Bergson sein 70. Lebensjahr vollendet. Bergson wurde am 18. Oktober 1859 in Paris geboren und ist seit 1900 Professor am College de France, seit 1901 ist er Mitglied der Akademie. Eine Zeitlang war Bergson Präsident der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit beim Völkerbund. Henri Bergsons Vater, von Beruf Musiker, war aus Polen nach Frankreich eingewandert, seine Mutter War eine Engländerin. Beide waren Juden. Mit 18 Jahren errang er den Mathematikpreis. Er erklomm sehr schnell die ganze Stufenleiter der bkademii sehen Würden. Am öffentlichen Leben nimmt et wenig Anteil, ebensowenig am jüdischen Leben. Professor Dr. Artur Liebert widmet im „Berliner Tageblatt" Bergson einen Aufsatz, in welchem er unter anderem ausführt: Die Philosophie der Gegenwart besitzt in ihm einen Philosophen, der Zeit seines Lebens ein ausgezeichneter Kenner und wahrer Freund der Biologie war. Von dieser Wissenschaft aus, die die Erscheinungen des Lebens durch konkrete Beobachtung gen und experimentelle Nachweise zu erkennen sucht, geht Bergson zu einer innerlichen Erfassung des Lebens und zu seiner metaphisiischen Deutung Weiter. Die jüdische Religionsgemeinschaft in Jugoslawien. Das Amtblatt der Regierung Jugoslawiens veröffentlichte dieser Tage ein Gesetz, Welches das Verhältnis des jugoslawischen Staates zur jüdischen Religionsgemeinschaft in allen Beziehungen regelt. Die Kultusabteiluög des Justizministeriums hat den vom Verband jüdischer Kultusgemeinden in Jugoslawien vorgeschlagenen Text vollinhaltlich akzeptiert, so daß das Sicherste Kapi ORIENTTEPPICHE — große und kleine Stücke — verlieren nie ihren Wert! Wien I. StocMrtri-Eisen*Plat2 6, IV. Sütthöfpläte 1 VI. Marlahilferstra880 75, VIII. Aiserstrasse 21 neue Gesetz die jüdischen Kulturinteressen in Jugoslawien in vollem Maße wahren wird. Ferner wurde ein Gesetz über die Feiertage veröffentlicht, an denen Staatsbeamte und Soldaten des betreffenden Glaubens dienstfrei sind. Jüdische Beamte und Soldaten sind an den zwei Rosch-Haschanah-Tagen, am Jörn Kippur, an den Pessach-, Sukkoth- und Schewuoth-Tagen dienstfrei. Die Zerstörung des russischen Judentums. Zu dem Ehrengerichtsurteil gegen Brainin. Jede der drei Grundlagen des Judentums in Sowjetrußland, der Zionismus, Hebräisch und Religion, erfahren eine besondere Behandlung. Jede einzelne ist gesondert zu betrachten^ Wird gesondert einer Kür unterzogen. Der Zionismus ist offiziell, verboten, Hebräisch aber nicht, ebensowenig wie die Religion. Es ist zwar richtig, daß Hebräisch in den Schulen nicht erlaubt ist, aber das Lehren des Hebräischen in privaten Zirkeln wurde bisher noch nicht mit Strafe belegt, ebensowenig wie religiöse Uebungen. . Der Zionismus ist in Rußland verboten: •: erstens, weil er als konterrevolutionäre politische Bewegung angesehen wird; zweitens, weil, neben der kommunistischen keine ändere Partei geduldet wird. Nur eine Richtung war erlaubt: die poale- UFA-TOM-KINO Wien, H.i Tabofdtr.H Tel. R-tö-3-41 Das Filmtheater der guten Gesellschaft Zeigt t Tiglloh Uraufführung Der Tonfilm in seiner letzten Vollendung! 3 Freunde Tonfilmdrama , Tonwiedergabe nickt auf Platten, so/idem auf Filmband! Beginn: Wochentag 5, 7, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag V,4, 5, 7, 9 Uhr. . zionistische, solange sie sich für das Abenteuer . von Bir-Bidschan einsetzte. Als sie zum reinen Zionismus zurückkehrte, wurde sie liquidiert. Diese zwiespältige Haltung der Sowjetmächthaber machte es vielen „Beobachtern" Rußlands möglich, die Lage des russischen Judentums fälsch zu deklarieren. Nichtsdestoweniger war natürlich Reuben Brainin im Unrecht, wenn er erklärte, daß der Zionismus in Rußland nicht verboten sei. Jeder der russischen Führer, Kalinin wie Lunatscharskyi Wie, andere haben oft genüg erklärt, daß die zionistische Partei für sich keine Ausnähmsexistenz beanspruchen könne. Ein zweiter Kärdinalpürikt: „Deportiert mäh did Zionisten in Rußland?" Ja, man verschickt sie. Aber hier Wieder die gleiche Zwiespältigkeit. Man verschickt sie, wenn sie bei „unterirdischer" zionistischer Arbelt erwischt werden, nicht geräde, wenn sie zionistischer Gesinnung verdächtig sind.. Eine kleine Ausnahme machte man noch bis vor kurzem bei Chaluzim. Man ließ sie bei ihrer Kolonisationstätigkeit in der'Krim und in den Siedlungen rings um Moskau * ungeschoren, bis schließlich die letzteren Siedlungen liquidiert und in die Krim kommunistische Agitatoren und Spitzel geschickt Wurden, die eine Reihe von Verhaftungen und Verbannungen jüdischer Siedler in Szene setaten ünd die LERNE FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 «uf Wunsch ständige Aufgabe haben, „zionistische Gefühle" zu unterdrücken. Die Zuchtrute liegt in der Hand der Jewsekzia, die über die kleinste zionistische Regung informiert ist und weiß, daß es zu einer großzügigen zionistischen Arbeit unter ihrer Inspektion nicht kommen kann. Auf der anderen Seite beginnt man Personen, die nach Palästina wollen, die Ausreise , zu gestätten, wie dies bei F. Mase\ dem Sohn des* verstorbenen Moskauer Rabbiners Mase, jüngst der Fall war, der zu den aktiven zionistischen Arbeitern Rußlands gehört hat. * Der Zionismus ist in Rußland verböten. Wik sieht es mit der hebräischen Sprache? Will man auf diese Frage antworten, so muß man sägen, daß Hebräisch offiziell nicht verboten ist, aber auch —- nicht erlaubt. Man verfolgt zwar nicht die Hebraisten ihres Hebraismus Wegen, findet aber andere Motive, um sie unschädlich zu machen. Jüngst ist in Leningrad ein hebräisches Sammelbüch „BereSchith" erschienen, das die Gesellschaft „Bereschith" unter Mitwirkung hebräischer1 Schriftsteller herausgegeben hat. Die Gesellschaft als solche wurde nicht verfolgt, auch nicht die Mitarbeiter, die ihre Beiträge mit ihrem vollen Namen zeichneten. Plötzlich aber wurden einige von ihnen verhaftet, nicht als Hebraisten, sondern als —* Zionisten! Wie steht Os also mit Hebräisch? In der Ukraine unterfertigten zahlreiche Eltern eine an den Bildungskommissär gerichtete Bittschrift, in der sie um die Erlaubnis ersuchten, ihre Kinder hebräisch unterrichten zu lassen. Dies geschah auf Grund eines Interviews mit Lunatscharsky, der erklärte, daß Hebräisch in Rußland nicht verboten sei. Sie erhielten zwar keinen Bescheid, mußten aber ihr Ansuchen mit der Verhaftung büßen — aus Gründen, die man in Sowjetrußland immer findet. In den neuen Sowjetbibliotheken gibt es keine hebräischen Bücher. Für das Lesen hebräischer Bücher in den alten Bibliotheken bedarf es einer besonderen Erlaubnis, die nur selten erteilt wird. Die Einfuhr hebräischer Bücher ist nicht verboten, aber an eine strenge Zensur geknüpft. Jüdische Journalisten, die Wochen-Kalender Oktober 1929 nicn stnn Tischri 56QO 25 Freitag 21— Sabbatßlngang 4.45 nai nwm 26 Samstag 22-33 Sabbatausgang 5.27 ipiö ,rmy 27; §QBfl.t«8 ,. 23-33 min nnDW 28 Montag 24-n3 jn noa. 29 Dienstag 25-li3 30 Mittwoch 31 Donnerstag 27-13

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