Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 110 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite S DIE NEUE WELT Nr. m MwBm 81 In h a b e r : Richard Herzog I., Adlargftss* « f AI. ft<SM«O0 il.iKi.Plarra.aa T«l. A-41-e-" Sprechapparate JfidSr Jtft, ferNer Jüdische und tiebrfllsthe Schollplnften äomt alle modernsten Tan«- und aesangsschlagef . , in feigster Auswahl äuf L«g« I ||' Auch Teilzahlungen! - . 1 Prövinzversandl I Balfour-Feier. Der Verband demokratischer Zionisten veran* fitaltet in der ersten NövemBerWöche eine ßalfour-Feier. Näheres Wird irt de* nächsten Nummer der „Neuen Welt" bekanntgegeben. Allen Anwesenden im Gerichtssaal fällt die Passivität des Staatsanwaltes Et, Alami, der ein Moslem ist» aüf. Elf macht keinerlei Versuch, die Belastungszeugen Auszufragen. Er fehlt am dritten Verna ndlungstage und hat sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. An seine Stelle tritt, der Anwalt Zaki Temini, ebenfalls ein Moslemit, der dem Stäbe des Oberstaatsanwaltes Norman Bentwich angehört. Die Aussage des Scheichs. Scheich Taleb Markah behauptete, er habe versucht, auf die Menge beruhigend einzuwirken. Er saß ata Freitag im Laden von Schalöm Ben Hayim, als er draußen einen jungen ■ rufen hörte, es gäbe Aufruhr* Er sei hinausgegangen und habe.den Jungen verprügelt Er habe kein einziges Mal versucht* die Menge aufzustacheln* sondern er habe im Gegenteil die über die Nachrichten aus Jerusalem sehr erregte Menge zu beruhigen versucht, indem er erklärte, er; glaube nicht, daß die aus Jerusalem eingetroffenen Nachrichten zutreffend seien. .. ,-• j ... . , Ieh Wußte, sagte er, von dem Massaker in de* Jeschiwah, aber daraus sdKloß ich'nicht,' daß die Lage in Hebron nicht normal sei. 1 1 Ami Samstag, eMhltö Härkah Weiter, spazierte ich 'Arm in Arm mit Öloäim' vor Söhneöursons Hotel. Darauf ging1 ich in den Laden, wo ich mich von 8 Uhr 30 bis Ii Uhr aufhielt. Ich war nicht unter . denen, die in Slönims Haus eindrangen. \ ' 'x ' ' ' . Es begann das K r e u z v er h.ö r mit Taleb Markä% das picht vom neuen Staatsanwalt, der sich e b e n- 80 .-.V i & sein Vorg ä n |er'passiv verhält* söudern.yöm Seriiorrichter C b r r i e geführt wird. Wenn Sie ein Freund der Juden sind, fragte Corrie, warum er« heben Menschen, die Ihre Freunde, sein Sollten, solche ^|c£ü^güngeh gegen Sie? T^leh» Markah antwortete? fi|6iftr die Herbr£n-Jtidep, sondern au^tyärtige hätten ihn zuerst der Schuld an den Ereignissen bezichtigt. Kein! moslemitischer Führer hätte Unruhepläne gefördert. Der Richter fragte, ob er meine« daß der Polizeiinspektor Cafferata, der ihn der Aufhetzung beschuldigt, ein Lügner sei. Däfäüf antwortete Mäfkäh, ei* habe am Freitag zwanzig schwer bewaffnete Moslems, die mittels Auto nach Jerusalem fahren Wollten, von dieser Fährt abgeraten, dann aber sei Herr Cafferata her zugetreten und habe den Moslems gesagt, sie sollten fahren, (in der Aussage Cafferatas fehlt die Erwähnung einer solchen Episode.) Die Juden von Hebron, schloß Markah, haben ihm, Markah, ihre Dankbarkeit bezeigt, Dankbarkeit wofür? fragte Richtet Def reifes. Warum haben Sie, ein Mitglied der arabischen Exekutive, sich während eines Gemetzels in einem Laden versteckt? Warum benachrichtigten Sic nicht den Di* striktsoffizier? Taleb Markah wich der Beantwortung dieser Fragen aus und bemerkte nur, die Hebron-Juden seien keine Zionisten gewesen, er hätte keine Feindschaft gegen sie empfunden. Die Zeugin Esther Labe sagte aus; Vom Balkon meines Hauses sah ich am Freitag die Moslems die Möschöe verlassen. Sie riefen: „Die Religion Mohammeds ist das Schwert! Tötet die Juden!4* Scheich Taleb Markah, der einen Stock schwang, las aus einem Papier der erregten Menge etwas Vor, die mit Steinen gegen die jüdischen Häuser zu werfen begann. Sie hörte Jerusalemer Autochaüffeure rufen: „Unsere moslemitischen Brüdef werden in Jerusa- 'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiyiiiiiiiliiiiiiw Kaufet Lose „ Gesamttrefferwerts 50000; LospreBs S Ziehang14. Novemüer I929 Lose in ä 11 e n f t ä fi k e n e r h ä lt i i c h | »limiiiiiii lern erschlagen. Im Namen des Propheten nehmt Rache an den' Juden! Wer Waffen hat, der folge uns!44 , \ 1 //■: ■; : Die Anwälte der' Zivilbeteiligten stellten an ..dieV Verteidiger die Frage, ob sie zugeben, daß die Angehörigen ihrer Klienten getötet worden sind. Die Verteidiger erwiderten, s i e/ s 1611b n dies in Ab red e. Drei Todesurteile in S Eine zerstörte Lüge. . Das, Gericht in Haifa hat tun; 16. d. den infolge der Nie<ieriegung der Verteidigung , seitens. der arabischen, Anwälte .ünterbrodienen .Prozeß gegen die wegen Tötu'ng des Juden Isaac Mamaan, in Safed angeklagten drei '$ranejrv töeder aufgenommen. Der Gerichtsvor* sitzende Sir, Michael Mac Don n e U, der oberste Rich-( ter Palästinas,' vernahm die Üauptbelastungszeugin, die Witwe des ermordeten Isaac Mamaan, die . aussagte, ihr Mann hgbe: ihr im Sterben die Namen von vier seiner- Mörder ganz deutlich genannt, es. wafen Leute, die er gekannt habe, ein Irrtum sei ausgeschlossen. Es waren* die Natoen der drei Angeklagten und des entflohenen Ahmed topish. Die Zeugin, tjät das Gericht, dafür zu , sorgen, daß auch der vierte Mprderergriffen und der verdienten Strafe zugeführt werde. Die Zeugin brach während der Ver.n0hp.ung,einige, Kaie zusammen* Der nächste Zeuge, eine Pflegerin des Hadassah-Hospitals, bestätigte die Aussagen der Witfre Mainaans. Das Ge*. ricHt hat die drei Angeklagten z u in To d verurteilt.; " •' > Eine bedeutsame Aussage. Haifra, 20. Oktober. (J. T. Ä.) Der PdizeikomriiändaM von Safed, Fa raday, -machte als Zeuge in dem Prozeß gegen die drei Mörder des Isääc Mamaan eine: Atf$sa*ei die die Tatsache aufklärt, Wrum Öfeerkctol^säf CtoanceUor einer bei Ihm erschienenen Abordntin« der Zionistischen 'Exekutive und des jlschuw seinerzeit erklärt' hatte, er habe dde Information, 1 ' ' ■ ■ daß die JNiden voo Safed de Uttruhen provoziert hätten. ,i : ■ t!.:•,.. } Faraday erzählte, aJs nun Isaac Mamaan mit tödlichen Verletzungen auf der Straße auffand, ha^e er arabi« sehe Worte ,gesprochen. Man nahm deshalb an, daß es sied um einen von Juden getöteten Ära» her handle, Die erste amtliche Mitteiiun« habe des« halb gelautet, es hätten Unruhen sat{gefunden, wobei nicht gesagt "wurde,' daß die Unruhen: anMiüdischen' Charakter; geträgen haben< Farädäy . erzählte dann weiter, bei'lden in .Safed durchgeführten Hausdurchsuchungen wurden, .'bei ATä'bem große Mengen von Messern und Dolchen . getoden, wäh're'rid i' dtö." HäukdurchsüchVngen. bei Juden nur einen ungeladenen Revolver zutage gefördert hätten. -•• ■• ' " ' Staatsanwalt S5ie U führte in söiem Plädoyet* aus, die Aussagen der Belastungszeugen seien überzeü-. ^erid gewesen, 'während "dtr von der Verteidigung' gemachte " ' ■;■ Versüeh, für d)e Ängeklagteii ein Alibi zu erbringen, als vollkommen mißlungen zu betrachten Ist, üie WMm GeneralrGDrasentanz: Wieo IH Olto 1 IMiiMlii zu rJea küläDtesten Mumm ani Prinlin Iiiiiiiiiiii 1 Der oberste Richter Palästinas, Sir Michael Mac Don- 11 €J1, def züsaffimefl mit ßichtef Litt den Getiöhtshof bildete, fßhfte ifl der Begründung des Urteils aus, die Angeklagten seien für schuldig befunden worden, gemeinsam ein Komplott zur Teilnahme an einer jüdisches Leben und Eigentum gefährdenden Aktion gebildet zu haben. Sie haben eine Merdeind'flöhe Demonstration veranstaltet und haben urlfnütefoäf an der Tötung vott Isaac Mamaan teil, genommen. Als den Angeklagten das UfteiJ mitgeteilt Wurde, sagten sie nur; „Allah 'kennt die Wahrheit, es haben Demonstrationen nicht stattgefunden/' tfer Mufti — der Herr der Regierung. Das Scbofarblnsen an der Klagemauer verboten. Jerusalem, 15. Oktober. (JTA.) Die Behörde hat das Sehofarblasen an der Klagemauer am Ausgang des Jörn Kippur untersagt und dabei bemerkt, daß es sich um eine nur zeitweilige einschränkende Verfügung handelt, die auf Grund des Protestes des Großmufti von Jerusalem getroffen wurde. Der Großmufti hat bekanntlich Protest dagegen erhoben, daß am Rosch Haschanah an der Klagemauer das Schofarblasen nicht unterblieb, obwohl das Blasen zum regulären Synagogengottesdienst gehört, während die Klagemauer seiner Meinung nach eine Pilgerstätte ist, an der Zu weilen den Juden nicht verboten sein kann, än der sie aber reguläre Gottesdienste nicht abhalten dürfen. Der Muezzin stört den Gottesdienst. Der Jörn Kippur an der Klagemauer klang für die jüdischen Andächtigen in einer Stimmung der Trauer aus. Gerade als die jüdische Betgemeinde nach 24stündigem Fasten und ununterbrochenem Gebet, voll« kommen ermattet, weil wegen des Verbotes des Mitbringens von Stühlen die Betenden nicht eine Minute lang ausruhen konnten, auf den Anbruch des Abends wartete, erschien über dem neuen Tor an der Klagemauer, den gesamten Betplatz überblickend, der Muezzin und stieß seine Rufe aus. Auf das Schöfar« blasen aber wartete man vergebens, da infolge des Pro* testes des Mufti die "egietung das Blasen verbot. Statt dessen riefen der Vorbeter und die Gemeinde siebenmal laut das „Schemah Jisroel". Die Erregung über das Verbot des Schofarblasens, das seit vielen Jahren an der Klage» mauer geübt würde, war ebenso groß wie die über das plötzliche Erscheinen des Müezzin; zahlreiche Mitglieder der1 Gebetgerheinde wüßten1 nicht, daß die 'Müezzin*Rufe schon seit Moftäten an der Klagemauer ausgestoßen wer* den. Um die Stimme des Muezzin zu übertönen, begann die Betgemeinde laut Psalmen zu rezitieren. Einschränkungen der Gottesdienste an der Klagemauer. Jerusalem, 21. Oktober. (J. T. A.) Seitens der .Regierung wurde dem Oberraibbiner Ku k;.mitgeteilt, daß das Lesen der Thora an der Klagetmauer nur am ersten und siebenten Tage des Sukkoth-Festes, nicht aber in den Zwdsohentagen (Ghol' Haimoed) gestattet ist. Die tihdrälädl dürfe nur äh Säbbat- und gesetdich vongeschriebenen jüdischen/ Feiertagen an die Mauer gebracht werden. , Die Regierung hat ursprünglich auch den Gebrauch von Etforog und Lulow Während der Gottesdienste am Chol Hamoed verbieten wollen, sie nahm aber von einem solchen Verbot Abstand, als Rabbi Kuik erklärte, er sei außerstande, solche Verbote in Kräifl zu setzen, er erachte es auch a 1 s unter setner Würde, ».behördliche Elnschfänküin©en mittelalterlicher" Art" 2Ü verkünden. " ],. Die englischen Beamten araberfreundliclt. Kairo, 13. Oktober. (J. T. A.) Abdul Hadi, einer der Sekretäre des Moslemitischen Obersten Rates von Palästina, der gegenwärtig in Aegypten Weilt, erklärte in einem Gespräch mit dem Redakteur des „Mokattam", die Mehrheit der britischen Beamten in Palästina sei entschieden auf der Seite der Araber. Er bedauerte nur, daß auch die araberfreundlichen Beam< ten gezwungen sind, Befehle aus London aus zu* führen, mit denen sie nicht übereinstimmen* Ganz Pala* stina, fuhr er fort, wartet gespannt auf die Resultate der Arbeit der Üntersuchungskommission. Die Araber werden solange nicht zur Ruhe kommen, als die Balfour*Dekla* ration existiert Sie entsenden eine Delegation nach der anderen nach London, um dort die Unterstützung der Freunde des Arabertuins, insbesondere die von Lord Rothermere, zu erwirken. Wieder arabischer Angriff auf Kinder. Jerusalem, 20. Oktober. („N. Fr. Pr,") In der letzten Nacht griffen wieder Araber die von Pögromwaisen bewohnte Kindersiedlung Kfar Jeladim an, wurden aber durch Gewehrfeuer der Polizei vertrieben, Forderung eines Einwanderungsverbotes. Jerusalem, 20. Oktober. („N. Fr. Pr.M) Eine Delegation der arabischen Exekutive sprach beim Oberkommiesär vor. Sie verlangte, daß die jüdische Einwanderung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen verboten werde;