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Die neue Welt · 1929-10-25 · Heft 110 (25.10.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 110 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 1*10 JMIMlMUWWaiWIlMWI'W'«!«!'«'«; 3nrannnnniitÄii*."jiB:iK''f»i^wwT»iiiJw SIEOM. KORNMEHL OROSSPLIISCHHAUIMI Zentrale IX.. Bcrgg«««c 19. Telephon 17»3»f9 n. 16-9*34 Lieferant t ü r Heilanstalten ^^MmjmW^myj^M^^ unter Aufsicht des Ebrourdigen Räbbinats der Isr. Kut« a tuagemeinde Wien 1 AutaxusUllung kostenlos i IX., BtrNine 15 ✓ XVIII., Wlhfliiflftriftr. •? Pfl^nawwrmcnwmmWT»nmmifmTmi*HH)jwMmmra •, CTinmniijumnimiroinnimrainiraniim^^ Kußhand bereisen, berichten, daß sie zwar an sie geschickte jiddische und englische Schriften, . niemals aber 'hebräische ausgefolgt erhalten" haben. Auf der anderen Seite wieder ist beispielsweise bis vor kurzem eine hebräische orthodoxe Zeitschrift ijagdil TItora" in einer Sowjetdruckerei hergestellt und durch die Sowjet verbreitet worden. Ist Hebräisch frei in iluBland? Offiziell ist os frei, faktisch aber nicht. Denn in Rußland hält man Hebräisch und Zionismus für ein und dasselbe. Hat Brainin recht gcjiabt. als er erklärte, daß Hebräisch in Rußland nicht verboten sei? Hat Bialik recht gehabt, als er erklärte, daß Hebräisch in Rußland nicht erlaubt sei? Dem Schein nach hatten beide recht, jeder von seinem Gesichtspunkt: Brainin vom offiziellen, Bialik vom — faktischen Gesichtspunkt. Die Sache steht eben so: Offiziell ist Hebräisch nicht verboten, faktisch ist es nicht erlaubt. Du darfst hebräisch lehren und-lernen, aber eines Tages faßt dich die Faust der Jewsekzia — wegen antisowjetistischer Umtriebe. Das ist die Wahrheit. Was die Religion anbetrifft, sagt man in Rußland, daß sie eine schädliche, aber private Sache sei. Man müsse sie bekämpfen, aber sie sei nicht verboten. Nichtsdestoweniger ist gegenwärtig in Rußland eine .sonderbare Beobachtung zu machen. Da druckt man religiöse Jahreskalcnder, Hnggadah und Gebetbücher, dort verwandelt man Bethäuser in Klubs. Da reisen Chasanim und Maggidim durch die Städtchen der. Ukraine, wo sie ihre Tätigkeit ausüben' wie ehemals, dort gibt es antireligiöse Demonstrationen schlimmster Prägung. Und da die religiösen Empfindungen in Rußland noch stark sind, ist die Regierung > vorsichtig; in: der «Äbraoritierü'ng von Betstätten. 'Bezeichnend biefür ist der ^zweijährige Kampf um die berühmte Chorsynagöge in Moskau, und wenn auch das Organ der jüdischen, Kommunisten „Eines" hetzt, und zur Umwand- ItingVder-'Synagoge in einen-:Rlub aü/forder{, kann man doch nicht von einer unmittelbar bestehenden Gefahr sprechen, zumal .die letzte Entscheidung, nicht mehr bei den lokalen Sowjets liegt, sondern , bei der Zentralstelle in Moskau.;, Dem Unterdrückungsu-illen der Kommunisten steht der Wille;der russischen Juden entgegen, der den Zerstörungsplrpzefi verlangsamt, wie beispielsweise in den letzten 'Tagen, da die jüdischen Eltern den Aniifeiertagsaufruf. der Jewsekzia mit einem demonstrativen. Festhalten an den Riten des Neujahrs- und .Versöhnungstags;: beantwortet haben, ähnlich wie am heurigen Peasachy der in Rußland trotz der kommunistischen Agitation traditionsgemäß begangen wurde. Zu treffen sind die jüdischen Städtchen vor allem wirtschaftlich und-daseist in vollem Maße geschehen. Die Religion wird in Rußland verfolgt, sie ist aber nicht; verboten. Jene, welche den Zionismus mit1 Hebräisch: und mit Religion in einen Topf werfen; irren. Der Zionismus ist offiziell verboten, Hebräisch ist faktisch nicht erlaubt, die Religion hingegen stößt nur auf Widerstand. 1 Wer die Dinge anders sieht, ist falsch unterrichtet oder „verschleiert, sie. 'Das.''letztere hat Reuben Brainin getan.. Pas besagt und verurteilt das in Berlin abgehaltene Gericht. Numerus clausus im Sowjetstaat. 1 b'inc in Kiew abgehaltene Versammlung k o mni. u n i s t i s c h c r Studenten stellte die Forderung a\if, daß fiir jüdische Hörer an den'Sowjet» Hochschulen ein Numerus clausus eingeführt werde. Diese Forderung stützt. sich auf einen in einer Sitzung der; k o mm u n i s t i s c he n „Zell e" der Kiewer Universität diesbezüglich gefaßten Beschluß. Die Moskauer kommunistische Presse ist sehr erregt, darüber, daß man soldie Forderungen im Sowjetreich stellt. „Trud" schreibt, daß im Kiewer Rayon der Antisemitismus unter der Studentenschaft, auch der kommunistischen, sehr verbreitet ist. Vergliche K$chf rii mit guten Referenzen wird für streng rituell« Küche für halbe Tage gesucht. Vorzustellen am Montag zwischen 1 und 3 Uhr, |1X., Uechtensteinstr. 27/8 Terrorakte. 23 Arbeiter des Schiffbauhafens in Murom überfielen am hellichten Tage unter den Rufen „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" vier jüdische Ingenieure. Die mißhandelten Ingenieure erklärten der Fabriksleitung, daß es ihnen unter dem antisemitischen Terror, der in der Fabrik herrscht, unmöglich ist, die .Arbeit weiterzuführen, und daß sie, sich gezwungen sehen, auf ihre.Posten zu verzichten. Die Zeitungen melden,- daß in der'Fabrik „Jutilisazia" in Minsk nicht jüdische Arbeiterinnen ihre jüdischen Arbeitsgenossin Dischler in den Abort geschleppt und ihr dort Exkremente in den Mund gestopft haben. Männliche Arbeiter der Fabrik, unter ihnen Kommunisten, sahen lochend der Tortur zu. Die Moskauer Presse fordert strengste Bestrafung der Schuldigen. Jom Kippur in Rußland. , Die Moskauer Synagogen wären in den Rosch- Ha^chanah-Tagen und am Versöhnungstage voll besetzt "mit Andächtigen; andererseits waren die in der Stnatsindnstrie beschäftigten jüdischen Arbeiter sowie alle jüdischen Angestellten der Sowjetinstitutionen ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nachgegangen, da es niemand von ihnen wagte, der Arbeit fernzubleiben. Am Kol Nidrei-Abend haben jüdische Kolonisten in 25 Sälen Moskaus Konzerte veranstaltet, um die jüdische Bevölkerung von dem Besuch der Synagogen wegzulocken. In den kleineren Städten des Sowjetisches und in den jüdischen Kolonien wurde das Versöhnungfest ganz wie in den alten Tagen begangen. Eine Ausnahme machte K a 1 i n i n d o r f, wo das kommunistische Rayonskomitee am Jom Kippur die Eröffnung der neuerbauten Traktoren Station durch einen feierlichen Akt beging. Ritualmordhetze im Kaukasus. Die Bewohnerschaft der jüdischen Kolonie „Larin" in Daghcstan, die sich-aus Borgjuden zusammensetzt, hat die ' hohen «jüdischen;. Feiertage unter einem schweren - antisemitischen'''Ttjfror-' verlebt, der in dem pmm lUHmiiiiuiiiiiiiuniiniiiiiii iniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'a Tanzabend Baruch Agadati | Am 13. November findet im Großen Konzerthaus-Saal. j | ein Tanzabend des bekannten palästinäsischen Tänzers 1 | Baruch Agadati, statt § | Karten a 8 Schilling bis 80 Groschen im Koiizertbiiro 1 frHfflHUHHIUKHmWMHIIMilHHinmHtin^ folgenden Geschehnis seinen Ausgangspunkt hatte: Am Ufer des das Dorf Serebriakowa in der. Nachbarschaft des jüdischen; ÖÖrf<$" I^rm durchziehenden Flusses wurde der 15jährige Waßja Gubariow .ermordet•.■ aufgefunden. Unter der christlichen Bauernschaft verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden aus Larin den Knaben z^u ritue 11en Zwecken aus An 1 aß des V e r s'ö h nu n g s t. a g e s getötet haben. Als zwölf jüdische Kommunisten aus Larin nach Serebriakowa kamen, um. ihr Getreide in der dem Staate gehörenden Mühle mahlen zu lassen, wurden sie mit-den Rufen „Das sind die Mörder!" empfangen, umzingelt und schwer mißhandelt. Unter den Rufen „Sehlavgt d ie J ud en!" sammelte sich allmählich fast die ganze Einwohnerschaft vor der Mühle an und nahm an der- Mißhandlung der jüdischen Kommunisten teil. Der Vorsitzende des: Porfsowjets erklärte, man müsse alle Juden abschlachten, um sie endlich lös zu werden. Schließlich:- gelang es der'1 Dorfmiliz und einer Anzahl junger Konmiunisten die jüdischen Kolonisten zu . befreien und/sie nach Larin zu bringen. Die Kreis> behördc-hat. sofort eine Untersuchung eingeleitet, in der festgestellt wurde, daß Waßja Gubariow nicht durch Juden, \s ohde;r hVdur ch eihcn jungen christlichen Bauern ermordet wurde. . Revisionisten, Achtung! Am 31. &, 8 Uhr ^ijetiici'S, ilnde t di e ordentlich c G e n © r a i v o r s a ni in 1 u n & M\ separiertem Lakai, Große Mohrengasse 3' (Caf6' GentriV nächst SQ'fowed>e»brüdk'c) statt. Erscheinen Pflioht! — Donnerstag. d$n 24; Oktober, 8 Uhr abends, erste Zusammen fcunit ebendprt. Vortrag Dr. P. J. Diamant: „Engländer. Araber uftd Juden." Ausgabe der Mitgliedskarten von 8 Ws 10 Uhr afbentls. _ Wer viel auf den Beinen ist, sollte Gummistrümpfc trafen. Sic entlasten die- Fuß« muskulatiir und "beugen dadurch Krampfaderbildungen vor. Öas Spezialgeschäft für Gummistrümpfe ist „ALPHA4*, I., Adlergasse 8, bekannt durch seine Sonderquaiitäten und eigenen Guinniistrumpifassonen. E In nächster Zeit wird Wien zwanzig Tonfilmtheater besitzen. Die in denselben vorkommenden Lieder und Musikstücke sind alle auf Schallplatten aufgenommen, so daß jedermann Gelegenheit hat, wenn ein Lied seinen be» sonderen,Gefallen finden sollte, sich dasselbe immer .wieder für «ich allein oder einem Kreis von. Freunden natürge.» treu wiederholen zu lassen. Derzeit wird vorläufig <b>s Lied Spn^y Bqy, von AI Johson selbstgesungen, sq starkverlangt, clafS diese Platte schon zweimal vergriffen war. Aber auch die Platten Ol* man River aus „Show Boat" (Das ^omöajAiitenscbiff) und eine Ha^waienplatto aus,. „Weiße?Schatten'' werden * lebhaft verlangt. Das; uns be» kannte Muiikliaüs „Excelsior",;T.;» Adlergasse' 5, welches' auch alle jüdischen und hebräischen Aufnahmen lagernd hält, hat auch diese Platten in genügender Anzahl bereit« gestellt. £! Lina (Union) der Zionislen-Be;isionisien Deyterreichs Donnerstag, den 31. Oktober 1929, 8 Uhr abends, im separierten Lokal des Cafe Central, II*, Grefte Mohrengaste Nr. 3 (nächst Schwedenbrücke) Mi (tienlnif Tagesordnung: 1. Dr. Norbert Hoff mann: Unsere Stellung zur politischen Situation des Zionismus 2. Dr. David Bukspan: Unsere Stellung zur \ Landesorganisation 3. Ihg. D. Schechet: Tel Chaj 4. Wahl des Präsidiums 5. Statuten 6. Eventualia Teilnalimsoerechtlgt sind nu> Besitzer neuer Mitgliedskarten mit laufender Quartalszahtung. Ausgabe derselben Donnerstag, den _ „ 24; Oktober von 8 bis 0 und Donnerstag, d<«n 3»..Oktober von 1 I K bis '/jO Uhr abends im Lokal. II., Oroße Monrengasse 3. Ca« § i Cen ral (nächst Schwedenbrücke). Erscheinen Pflicht! i Ein roher Bursche. Aus Bratislava wird uns geschrieben: In der Kultusreprüsentanz der jüdischen Gemeinde von Uzhorod in Karpathorußland, spielte sich vor einigen Tagen ein empörender Zwischenfall ab. Ein Mitglied der Repräsentanz, übrigens ein Chassid und kein Zionist, stellte den Antrag, daO die Anwesenden sich zum Zeichen der Trauer um die Pogromopfer in Palästina von ihren Sitzen erheben und zwei Minuten in Trauer verweilen mögen. Von den 60 anwesenden Mitgliedern der . Repräsentanz leisteten 59 der Aufforderung Folge, bloß, ein Einziger blieb ostentativ sitzen. Als er deshalb zurechtgewiesen wurde, antwortete er zynisch: „Man kann, nicht wissen, ob es sich wirklich um Märtyrer handelt. Vielleicht waren sie gar keine Märtyrer, .sondern haben ihren Tod selbst provoziert. . Der Rohling konnte nicht weitersprechen und mußte den Sitzungssaal verlassen. Leider geben die Lokulblättcr. denen wir diese Mitteilung entnehmen, den Namen dieses?Jnnnes nicht be: kannt und so entgeht er dem. Pranger. Es ist höchste Zeit! Das Warten hat keinen Zweck. 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