Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 110 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Slonim 5× ep/1000502
- Hebron 1× ep/1047559
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Nr. fiö DIE NEÜE WELT Seite 5 1 KUNEROL Ist verbärgt reines Pett ans Kofcosnfisseo. Die Erzeug nag steht unter streng ritueller Aufiidit des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL kann daher von jedem Strenggläubigen zur Zubereitung der Speisen verwendet werden. eine ernste Wochenschrift, der ..S pect a t o r'\ fragt: „Warum könnt ihr Juden nicht selbst die Ruhe in Erez Israel sichern?" Dieselbe Frage hört man jeden Tag im Hyde-Park, wo die berühmten Volksversammlungen abgehalten werden und wo in den ersten Septemberwochen hauptsächlich von Palästina gesprochen wurde. — Dieselbe Frage: Wir können das heilige Land ohne Garnison halten. Nur wegen euch Juden braucht man dort Soldaten. Warum erkläret ihr euch nicht bereit, die Verantwortung auf euch zu-nehmen? . Wollt* ihr euer Land auf unsere Kosten bauen? Ist dies der Inhalt der Balfour-Deklaration?" Es ist überflüssig, darüber zu diskutieren, ob die, welche so sprechen, im Rechte sind. Das ist nun einmal ihre Meinung und sie klingt so logisch, daß mau ihr mit Gegenargumenten nichts ausrichtet. Und falls jetzt in Palästina einige englische Bataillone bleiben werden, wird in England eine ständige Hetze gegen den Zionismus anheben. Eine Hetze, die uns Zionisten zu Ausbeutern des englischen Steuerzahlers, zu Feiglingen und Parasiten stempeln wird. Zu Gesellen, welche ihr Land nicht anders bauen können, als hinter fremdem Rücken versteckt. Noch viele ähnliche Komplimente werden laut werden. Sie werden die Stimmung im Lande vergiften. Es wird nichts helfen, die Regierung wird wiederum nachgeben müssen, wie sie schon einmal nachgegeben hat. Sie wird ein Jahr, zwei Jahre zuwarten und dann die Garnison abziehen, mit der famosen Begründung, daß ja schon zwei Jahre Ruhe herrscht,' daß also „die Gefahr .vorbei ist". — Bis ein neues Unglück hereinbricht. Es gibt darauf nur eine würdige und logische Antwort. Wenn ihr Engländer euere Soldaten nicht geben wollt, lasset uns Juden unsere Soldaten geben. Wenn ihr diese jüdischen Soldaten nicht mit euerem Gelde erhalten wollet, dann wollen wir uns mit. euch an den Tisch setzten und, errechnen, wieviel von den Ausgaben gerechterweise auf das britische Reich, auf das Land Palästina .und auf uns Zionisten fällt. Es wird sich vielleicht ergeben, daß wir in der Lage sind, unseren richtigen Teil zu erbringen, wenn das britische Reich den seinen und die Regierungskasse in Erez Israel ihren Teil beiträgt. Uebrigens braucht ein jüdisches Bataillon nicht so teuer zu sein wie ein englisches, dessen Mannschaft und Offiziere hohe Löhne, Auslandsprämien erhalten. Unsere jungen Leute werden — in einer jüdischen Einh e i t — unter den bescheidensten Bedingungen dienen. Ich kenne schon , alle Gründe, welche man da gegen anführen kann. Gott sei Dank, die Debatte geht ja schon an die zehn Jahre! Auch die Ant Worten auf alle Gegenargumente sind längst be kannt, sogar die Ziffer der Kosten (welche vielleicht kleiner ist wie die mancher unserer Ausgaben in Erez Israel für weniger wichtige und nützliche Dinge Hier ist nicht der Ort, um auf alle Einzelheiten einzugehen. Viel wichtiger ist, daß der Leser Stellung nehme. Er möge sich die Frage stellen, ob er eine andere Lösung dieses Häuptproblems der zionistischen Zukunft, welche die Unantastbarkeit unserer Aufbauarbeit sichert, vorzuschlagen in der Lage ist. Eine arabische Garnison? Eine englische Garnison, um deretwillen man uns in den' Gassen Londons als Parasiten verschreien wird, deren Soldaten selbst uns als Feiglinge verachten werden und die man letzten*Endes wird abziehen müssen? Ich konnte den Widerstand gegen meinen Vorschlag, eine jüdische militärische Einheit aufzustellen, ich konnte den „Antilegionismus" verstehen, solange es möglich war, sich dem naiven Tröste hinzugeben, daß es nie mehr brennen kann, weil es acht Jahre hindurch nicht gebrannt hat. Aber jetzt? Zweite Palästinareise 5690. Die für, 'den Herbst angekündigt -gewesene zweite Palästinareise raaißte. ^ie seinerzeit, mitgeteilt, infolge der traurigen Ereignisse in Erez Israel verschoben werden. Der Verband demokratischer Zionisten und der Pale stine To.uriiing .Gl^ub in Wien als Veranstalter dieser Reisen toben mit Rücksicht darauf, als die Saison für derartige Reisen; schöjY' zu sehr vorgeschritten ist, geschlossen, die zweite Palästi.riarejse. im Frühling 1.930 zu veranstalten. Es ist beabsichtigt, diese Reise ungefähr, zur .gleichen Zeit wie im vorigen Jahre zu unternehmen, so daß den Reiseteilnehmenn Gelegenheit geboten wird, Erez Israel in der Blüteizeit kennenzulernsen. Näheres wird demnächst bekanntgegeben. - ' Auskünfte erteilen Frau Paula Stricker, Wien, iL,' Hollandstraße 10 (Tel. R-45-6-89), und Frau Berta Ta<iiib«s, Wien, W„ Böoklinstraße 92 (Tel. R-45-905), Der Pogromprozeß in Hebron. Die Verhandlung gegen den Scheich Taleb, Jerusalem, 17. Oktober. (JTA.) Am 15. Oktober begann vor dem Jerusalenier Gericht der Prozeß gegen den Scheich Taleb Abdul Rahem Markah, der. beschuldigt ist, am 24. August d. J. die Araber in Hebron zu Massaker s gegen die jiidischeu Einwohner der Stadt aufgehetzt zu haben. Tiefen Eindruck machte die Aussage /der 55jährigen Frau Mazal Misrachi, deren Vater und einer ihrer Brüder bei den Massakers getötet und zwei ihrer Brüder schwer verletzt wurden. Die Zeugin sagte aus, sie habe selbst gehört, wie der Scheich an eine arabische Menge die folgenden Worte richtete: „Im' Namen des Propheten und des Mufti fordere ich euch auf,-nach Jerusalem zu gehen; vorher aber erschlagt die Juden hier in Hebron, nehmt euch ihre Weiher und macht mit ihnen, was ihr wollt'.'' Der Scheich schwang eiuen Zettel in der Hand und rief, dies sei..efä',Tele.gramm. des ,G r o ß m u f t i von Jerusalem, der mitteilt, daß in ,Jer usa 1 em die Juden d i e,,.Mi}js 1 e m s a b s c h l'a c h t e n. Jeder, der nach Jerusale^ gehen wolle, erhalte freie Fahrt.1 Der Arabische Anwalt S a leh' versuchte, die Zeü:," gin durch ,ein. in englischer Sprache geführtes Kreuzverhör zu verwirren. Die Zeugin aber wiederholte in flie-* ßeudeni Arabisch ihre Aussage und ergänzte sie durch * die Mitteilung,, daß sie und ihr Mann, durch einen Moslem gerettet wurden, daß sie keinen Haß gegen die Moslems hege, da sie das Massaker als Prüfung Gottes betrachte. / ' ' >■'•■■': ' •' '•• ' '• ' - -•• Die zweite Zeugin, eine sephardische Jüdin in mittleren Jahren, die ebenfalls den Namen Misrachi trägt, ' hat, eine andere hetzerische Ansprache des Scheichs - Taleb gehört; ihr persönlich aber habe der Scheich gesagt, sie möge sich, nicht fürdhten. Der 2eugö Leib Schneeurson, Sohn' eines- Hotelbesitzersi sagteaus, er' habe gehört, wie Scheich ■ Taleb an die Menge Araber die folgende' Ansprache' hielt: „Tausende von Moslems sind in Jerusalem ge- \ ., ■ ■; tötet worden; wir müssen ihr Blut durch das Blut der Juden von Hebron rächen, dann aber laßt uns aufbrechen, um unseren Brüdern in Jerusalem beizusteheh.M Diese Ansprache hielt der. Scheich Taleb Markau 4m Freitag. Am nächsten Morgen, 8 Uhr früh, besuchte Scheich Taleb den Vater des Zeugen, trank 4 -r: Tee mit ihm und versicherte, man möge ruhig sein,', zu Befürchtungen liege keinerlei Grund vor. Ihr braucht eure Türen nicht zu verrammeln, fügte Taleb. hinzu, es wird nichts passieren. Aber schon eine JJtunde später sah der junge Schneeurson den Scheich Taleb Markah an der Spitze des Pöbels vor dem Hause des, . Direktors der Anglo Palestine Banc, Slonim» stehen, und. er hörte, wie der Scheich den Pöbel aufforderte, diq Türen einzubrechen und in das Haus einzui Verband demola-atischer Zionisten §• s^sgs^sssssxss& .......ss=ssBssssssss=sssac 1 Mittwoch, den 30. Oktober 1929 um halb 9 Uhr, | abends im Cate Produktenbörse, II., Taborstr. 10 rsammlung .,.... .. . . .•. .j. , ... ... ... ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^f^^^^^^^^^^^^m;■ Gegenstand: Die Fraueng^stalten der Bibel Referent; Fräulein Dr. Paulitie Topf Sodana freie Aussprache"öber aktuelle Fragen Ü>Ib*iimm 1010 Versammlungen Hude« f*%lllllll|| I wlf dei1 Im Cete Produkt««* bor«*, Iii Taborstr. 10, statt s ll dringen. Zögert nicht, rief Taleb der Menge zu, Slonim verbirgt in seinem Hause 40 Schüler sowio den Sekretär der Jeschiwah. Diese fremden Leute sind Söhne reicher Juden, sie haben gewiß viel Geld bei sich. Ihr werdet auch hübsche Mädchen im Hause finden. Schneeurson, der sich in einem arabischen Hause verborgen hielt, habe gehört, wie Taleb, der die Menge in das Hotel seines Vaters führte, vor dem Hotel ausrief: Vorher waren hier doch 30 oder 40 Juden, wo sind die hingekommen? Schneeurson erzählte, er sei von Kindheit auf ein Freund des jüngeren Slonim gewesen, nun mußte er ihm das Grab schaufeln, denn er war einer der neun Juden, die zur Bestattung der Toten zugelassen wurden. Schneeurson wollte eine eingehende Beschreibung des Massakers und der Begräbnisse geben4 doch wurde er vom Staatsanwalt unterbrochen. Der Lehrer Chaim Bejayo sagte aus, er habe gehört, wie der Scheich Taleb Markah am Freitag nachmittag der Menge zurief: Allah und Mohammed rufen euch zu, das Blut der Moslem zu rächen, das in Jerusalem vergossen wor den i s t. Der einzige nichtjüdische Zeuge, der Polizeichef des Hebroner Distrikts Cafferata, sagte aus, er habe den Seheich Taleb Markah inmitten einer Menge gesehen, die er augenscheinlich beherrschte, er habe ihn Rufe ausstoßen hören, die die Menge wiederholte. Er habe die Worte nicht verstanden, er war aber überzeugt gewesen, daß sie aufreizender Natur waren; dies* war an den Bewegungen der Zuhörer, die bei jedem Refrain die Stöcke und Säbel schwangen, deutlich zu erkennen gewesen. Cafferata erklärte, es seien ihm zwar Donherstag den 23. August Gerüchte zu Ohren gekommen, daß Ueberfalle geplant seien, er selbst habe aber nicht geglaubt, daß Ueberf alle stattfinden werden« Aus der Verhandlung ergab sich, daß der Scheich Taleb Abdul Rahem Markah, ein älterer Mann mittlerer Größe, der Vertraute des Großmufti von Jerusalem ist und gegen Bezahlung die Aufsicht über die Moschee in Hebron und über die Höhle Machpelah, dem Begräbnisort der Stammväter und Stammütter,.führt Er ist ein prominentes Mitglied des Obersten Rates der Moslems in Palästina und ein rühriger politischer Agi« tator, der schon 1921 wegen Teilnahme, an antijüdischen Exzessen verurteilt wurde; dieses Urteil wurde später, i"m Gnadenwege gelöscht. Fünf jüdische Rechtsanwälte, nämlich Auster, Joseph, Bau Ahron, Aboulaffia und Smoira, vertreten die Erben des getöteten Eliezer Dan Slonim und des getöteten Rabbi Hassoun. Sie erheben gegen Taleb Markah die Beschuldigung, daß er selbst im Hause von Rabbi Hassoun eine Summe von mehr als 3000 Pfunft in bar entwendet hat. " Am Gerichtstisch sitzen der Senior der britischen Richter, Corrie, und der Hilfsrichter Defreites. Die weiteren Zeugenaussagen. Frau Suitana Guzlan schilderte, wie ib>' Mann und ihr Sohn durch eine von Taleb Markah aufgehetzte Bände getötet wurden. Als sie, durch Messerstiche verwundet, auf den Balkon des Hauses floh und einen sie verfolgenden Mörder um Schonung ihres Lebens bat, rief Scheich Taleb, der auf der Straße inmitten einer Gruppe Aufrührer stand, dem Mörder zu: „Töte sie, dann hat's ein Ende!" Die Frau ist noch heute schwer leidend, ihr Gesicht und ihre Gliedmaßen sind noch bandagiert Als die Verteidiger versuchen, sie durch ein längeres Kreuzverhör zu erschüttern, bricht sie in Tränen aus. Der Richter sieht sich genötigt, die Zeugin in Schutz zu nehmen. Er spricht dem Anwalt den Tadel dafür aus, daß er das Verhör mit der physisch herabgekommenen und schwer geprüften Frau zu einer Pein für sie gestaltet. Es folgt die Einvernahme des Zeugen Ephraim iSokblower von der Jeschiwah in Hebron, der die wilden Szenen während des Gemetzels im Hause des Anglo-Bank-Direktors Slonim schildert. Als in dem Hause, in dem er wohnte, zwei Menschen durch eingedrungene Araber getötet worden waren, suchte er wie viele andere seiner Kollegen Schutz im Hause von Slonim, der bei den Arabern Ansehen und Sympathie genoß. Dort glaubte man sieh geborgen, Aber aucir in dieses Haus drang eine Araberhorde ein und ver- , anstaltete ein Gemetzel, das 15 Minuten dauerte. Per Zeuge wurde verwundet und kam unter. einen Haufen Toter zu liegen, so daß die Araber ihn tibersahen und ihn am Leben ließen. Es folgten die Aussagen von Moses Castel und Israel Labi, die hörten, wie Scheich Taleb seiner arabischen Gefolgschaft zurief: „Wir haben1 einen guten Anfang gemacht und einige Juden getötet, laßt unjj jetzt die Übrigen hinmachen!'1