Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 110 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711726--1449-2714667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f Seife 4 DIE NEUE WELT Nr. 110 & » SIT MAR « Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit' den Luxusdampfern a P H Ii i1 n i i n »i.w ff, Rundfahrten im Mlttelmeftr Genua - Neapel — Sizilien — Aegypten - Palästina - Syrien - Zypern - Konstantinqpel - Athen - Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: „Sltmar-, I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon U-45O09 Deutsche Universitäten nehmen, die Opfer des imgarischen Numerus clausus nicht auf. Budapest, 10. Oktober, (J. T. A.) Wie bekannt, ist das Gesetz über den. Numerus clausus in Ungarn seiner konfessionellen Grundlage entkleidet und, dahin abgeändert worden, dafl an den ungarischen Universitäten in erster Linie Studenten Aufnahme finden, die die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden haben. Wie „Magyar Hirlap" erfährt, verweigern die deut sehen Universitäten die Aufnahme ungarischer Hörer mit der Begründung, daß sie keine Zufluchtsstätte für schwächer qualifizierte Schüler sein wollen. Wenn die ungarischen Universitäten nur Studenten aufnehmen, die die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden haben, so nehmen die deutschen Universitäten auch nur solche ungarischen Hörer auf, die mit Auszeichnung ihr Abiturium bestanden haben. Es wird erklärt, daß den Universitätssenaten v o n „h ö h e r e r S t e 11 e" ein solcher Rat erteilt wurde. An einigen deutschen Universitäten wird noch hinzugefügt, daß der Vorbereitung zum Universitätsstudium in Deutschland der ungarische Isehrplan nicht angepaßt sei. Bisher sollen mindesten^ i50 ungarische Studenten, die sich an deutschen Universitäten zur Aufnahme gemeldet haben, zurückgewiesen worden sein. Stahlhelmer gegen eine Synagoge. ' . Berlin, 21. Oktober. (J. T. < A.) Trotz des .potiizeilichen Demonstrationsverbotes-versuchten am gestrigen Sonntag etwa. 300 Stahl'helmer, die kurz vorher , an einer Versammlung:, im Lustgarten teilgenommen hatten, am Monbijou- Platz, reinen geschlossenen Zug zu formieren und in Richtung'^aui die? Synagoge Oranienburgerstraße abzumarschieren. Der 'Aufforderung des-in 'Bereitschaft befindlichen : Polizeiaufgebotes leisteten: sie. keine Folge. Unter, lauten Sc'hmähruien setzten sich die Teilnehmer des Zuges in Bewegung. Die Polizei sah sich gezwungen, vom Gummiknüppel Gebrauch zu ■ machen.. Innerhalb weniger Minuten hatte sie die Demonstranten auseinandergetrieben. Druck, nicht erschienene Werke halachischen und medizinischen Inhaltes. Ich blättere in einem Manuskript und da sehe ich gar wundersame Zeichnungen mit der ausführlichen Schilderung einer abenteuerlich anmutenden Heilmethode der Kolik. * Pinien, Palmen und weiße, rote und rosafarbene Oleander auf Schritt und Tritt. Sie führen weit hinaus, längs der Küste, in das schöne Villenviertel Ardenza die Mare, wo ich Freitag abends bei Freunden zu Gäste weile» Es ist eine vornehme Familie von alt jüdischer würdiger Frömmigkeit nach sefardischer Art Mit Interesse beobachte ich ihre Bräuche und lausche ihren Gesängen. Am Sabbatabend, als ich meinen Besuch wiederhole, wird an Stelle der. bei uns verwendeten getrockneten Gewürznelken und ähnlicher Ersatzmittel beim Segen über den Wohlgeruch, mit duftenden Myrtenzweigen dem Sabbat der Abschiedsgruß entboten. Wir sprechen über Livorno. Und da erzählt der alte Herr des Hauses, wie die so mächtige, große Gemeinde Livorno, die einst 10.000 Seelen zählte, allmählich verfallen ist. Genua, Triest und Marseille haben allmählich die Vermittlung des Handels mit Nordafrika an sich gerissen. Dann sei in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts der Todesstoß erfolgt: die Aufhebung des Freihafens. Und so spiele heutzutage Livorno nur mehr eine ganz untergeordnete Rolle unter den großen Brüdern, die ihm den Rang abgelaufen haben. Geht doch schon das Seebad Viareggio daran, mit Livorno als Handelshafen in Wettbewerb zu treten. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Verfall sei dann die jüdische Gemeinde ziffernmäßig und geistig zurückgegangen. Als letzter großer Rabbi habe Elia Benamozegh, der' Gegenpol Samel David LUzzattos, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelehrt, urid die Zahl der jüdischen Seelen sei im Laufe der Zeit auf 2000 bis 3000 zurückgegangen. Und trotzdem hat das alte, traditionsstolze Livorno seine Kraft nicht eingebüßt. Bis in die jüngste Zeit ist es das Reservoir des italienischen Judentums gewesen, das aus dieser Gemeinde seine besten Kräfte herausgeholt hat, 22 Beteiligte wurden sistiert und in das Polizeipräsidium gebracht. Eine deutsche Edelfrau. Berlin, 21. Oktober. (J. 1\ A.) Irl einer Versammlung zu Waldenburg, Schlesien, die vom Königin Luise- Bund zur Propagierung des Volksbegehrens gegen den Yötfng-Plan einberufen wurde, erklärte: die schlesische Ländesverbandsfiihrerin dieses Bundes, die Rittersgutsbesitzerin von Bu dd enbr ock1 aruf Leu t man n sdorf, Kreis Schweidnitz^ folgendes: „Vor dem Kriege lag die Regierung in den Händen deutscher Männer,;heute werden wir von Juden regiert. Di ese si nd k ei n e M ensc h en, so nd e rn Lumpe npack. In den Klubsesseln der Regierung sitzen nur durch Bazillen verseuchte Männer und Eiterbeulen. Wir wollen uns nicht von Krummnasen, Kraushaaren und Plattbeinen regieren lassen und nicht zuletzt von einem Gnzesiuski, dem unehelich e n Sohne eines Juden Cohn, der von seinem Stiefvater später adoptiert worden ist." Billige Bücher jeder Literaturrichtung im Hermann Tuchner Wien, II., Grote Sfadfgufgats« 7 Ecke TaborstraQe 52 Tel. R-41-4.20 Sehr mäßige Preise. Verzeichnisse umsonst Ankaufganzer Bibliotheken. Woldemaras eiserner Wolf. Kowno, 20. Oktober. U'; T. A.) Die Auflösung der. faschistischen antisemitischen Organisation „Eiserner Wolf", die die Hauptstütze des gestürzten Diktators Wcidemarars gewesen ist, hat unter der jüdischen Bevölkerung große Befriedigung ausgelöst. Der „Eiserne Wolf* hat seinerzeit die Pogrome in den Kownoer Vor-- Schwedens beste Rasierklinge mit haarscharfer Schneide sichert schnelles angenehmes Rasieren! Die führende tohwediiohe Weltmarke! Städten Slabodka und Schanz sowie in mehreren litauischen Städten organisiert. Der Führer der Organisation Sless p c h ai tis und mehrere Teilnehmer am Pogrom in" Släbodka wurden verhaftet.............. In einer Reihe von Städten der litauischen Provhu wurden an den litauischen Feiertagen die die B e t h ä u s e r verlassenden Juden insultiert. In einigen Städten haben die Orts teuer wehren falschen Alarm gemacht, um die in den Synagogen versammelten Juden zu erschrecken. Die Schächtfrage in Liechtenstein. Dem „Isr. Wochenblatt für die Schweiz" wird aus Vaduz geschrieben: Eine offizielle Verlautbarung, ob die Abstimmung über die Initiative (für Verbot des Schächtens) noch stattfindet oder nicht, ist bisher nicht herausgegeben worden. Zeitüngsmitteilurigen besagen, der regier ende Fürst sei es gewesen, welcher der Regierung nahegelegt habe, die erteilte Bewilligung zur Schichtung, von Vieh für den Bedarf der schweizerischen jüdischen Gemeinden zurückzuziehen. Offenbar war ,dem Fürsten, dessen Schwiegervater Baron Gutmann ein-st Präsident der Wiener jüdischen Gemeinde gewesen ist, das jüdische Interesse nicht wichtig genug,, um-deswegen die politischen Aufregungen in seinem Ländchen zu steigern. Wenn es weiterhin heißt* sogar der Papst s o 11 e g e ge n d a s S c h ä c h t e n . v o r s t e 1lig geworden sein, so dürfte dies eine Erfindung der Opposition sein, Um den Landtagspräsidenten Frommelt, welcher der Regierungspartei angehört, zu diskreditieren. Wie schützt man Palästina? Von Wladimir Allgemeine Lage. — Polizei. ...... Der Führer derZionisten-Revisip- . nisten, dessen Kritik an den Sicher heits-' vörkehrunge'n in Palästina' durch die blutigen Vorgänge leider vielfach bestätigt worden ist,, stellt uns diesen Artikel zur Verfügung. Der erste Teil war in Nr. 109 vom 18.-: Oktober veröffentlicht. ' ■ II. ' Der jüdische! Selbstschutz. Die Reorganisation des , jüdischen Selbstschutzes muß ein Ziel haben: Legalisierung. Ein illegaler Selbstschutz ist schlecht für den Selbstschutz, schlecht für die zionistische Politik und schlecht für den Staat. Schlecht für den Selbstschütz, Weil es schwer ist, auf „unterirdische" Art eine gute Organisation zu schaffen, weil es unmöglich ist, sich auf ungesetzlichem Wege die nötigen Waffen und die Ausrüstung zu verschaffen, fast unmöglich, sich die Pflichten einzuprägen und zu üben. Und wenn es. zum „Ernstfalle" kommt, befindet man sich zwischen zwei Feuern, zwischen den Banditen und der Polizei. Schlecht für die zionistische Politik, weil das jüdische Volk auf Unterstützung des Selbstschutzes nicht verzichten kann. Dann wird uns die Regierung vorwerfen,, daß Wir eineverbo t e n e Sa c h e fördern, Schlecht für die Regierung, denn es wird im Lande eine Macht militärischen Charakters vorhanden sein,. Welche die Regierung nicht kontrollieren kann. Diese Macht muß aber existieren und wird existieren, weil das jüdische Volk das jüdische Palästina nicht schutzlos preisgeben kann. Für die Regierung besteht also di§ Wähl: legaler Selbstschutz, den sie überwachen kann, oder „unterirdischer", von dem sie nicht weiß, wie stark er ist und was er morgen tun wird. Wenn die Regierung Staatsraison besitzt, wird sie das erste1 wählen. Den dritten Ausweg ~ Erez Israel ohne jüdischen Selbstschutz — gibt es nicht. Pie stärkste Regierung wird das nicht durchsetzen:. Militär. Es wäre verfrüht, jetzt von einer Reorganisation der Garnison in Erez Israel zu reden. Bis Anfang September hat eine Garnison überhaupt nicht; existiert. Heute hat es den Anschein, als ob die Regierung entschlossen wäre, im Lande eine gewiis.se Anzahl von Bataillonen zu halten. Sehr schön. Ich bin jedoch gezwungen, wieder eine Prophez,eiung" zu trni, Leider jst sie ebenso', gut begründet wie meine früheren „Prophezeiungen". Wenn die Bataillon« englische sein werden* Jabotinsky. — Selbstschutz. —•Garnison. werden! sie nicht lange verbleiben können.: Aber . die 1 Zeit, ' Während welcher' 'sie > dort? sein ^werden, werden wir Ziönistenmit dem letzten Reste der ■Sympathie bezahlen, den wir vielleicht noch in England besitzen. Der Standpunkt des durchschnitt-, liehen britischen Bürgers ist klar. Er will-für uns Ziönisten weder Geld noch Menschen hergeben. Täuschen wir uns -nicht. Das ist der Standpunkt auch jener, welche uns den größten Erfolg wünschen. England hat Erez Israel ohne Militär ^belassen, nicht weil seine Generäle und Minister blind sind. Sie sind nicht blind. Und sogar Herr Luke hat voriges Jahrdem Minister Amery geschrieben: „Unsere bewaffneten Kräfte im Lande sind für die Unterdrückung eines ernsten Ausbruches ungenügend. Und solche Ausbrüche sind im Orient immer möglich, auch ohne die besonderen Bedingungen in Erez Israel." (Diese Korrespondenz ist offiziell veröffentlicht worden.) Blind sind sie nicht, und nicht alle, von ihnen haben das Unglück herbeigewünscht. Die Londoner Regierung War gezwuügen, das Militär abzuziehen, weil das englische Volk keine Soldaten zur Beschützung der Juden gegen die Araber hergeben will. England hat einige Dutzend anderer Kolonien, welche viel größer und zahlreicher Bewohnt sind als Pälä-' stina. Und dort braucht man keine Garnison. Wenn also, so sagen ,die Engländer, Erez Israel militärischen Schutz nötig hat, dann nicht wegen der Interessen des englischen Imperiums, sondern... nur deshalb, weil in Erez Israel ein,Streit wegen des Zionismus besteht. So spricht man schon jetzt in England. Nicht nur die „gelbe" Presse schreibt in diesem Sinne, III durch den ßesitz eines Ingelen Neophoiv der idealen Vereinigung von .Radio und Schallplatten musik. (An jedes Gleichstromnetz anzuschließen) - <• Radiofabrik Ingelen Wien XVII, Bergstelgg.36