Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 110 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 3 die mm wat Nif. W PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ L, Bauernmarkt Zu Tel 042*159 IL, Glockengüsse 8, Tel R4S*33 Das Urteil gegen Halsmann. /-^y. Am 19. Oktober ist in Innsbruck der Jsweite '.Prdzefi gegen den judischW Studenten Philipp Halsmann zu Ende geführt Wörden. Die Geschworenensprachen , Halsmänn 1 mit hieben gegen fünf Stimmen des Totschlages an seinem Vater schuldig und der Gerichtshof verurteilte ihn auf Grand dieses Verdiktes zu vier Jahren schweren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag jährlich. Zu diesem Urteil seien zunächst einige Tatsachen festgehalten: Am 9. September hatte der zweite Prozeß begonnen. Am 15. September predigte in der Innsbrucker Servitenkirche der Pater Wimmer über Halsmann, der seinen Vater ermordet hat und keine Reue zeigt. In dem vom Untersuchungsrichter angefertigten Situationsplan der Unglücksstätte' war ein Hakenkreuz eingezeichnet. In dem Verhörprotokoll der Heidelberger Polizei war entgegen der strikten Aussage zweier Zeugen Halsmann als mürrisch und verstockt beschrieben. Der Untersuchungsrichter Kasperer wußte sich im Verhör an nichts zu erinnern. Der gerichtsärztliche Befund des Angeklagten wußte nichts von dessen hochgradiger Kurzsichtigkeit. Das Gutachten der Innsbrucker medizinischen Fakultät war entgegen den gesetzlichen Vorschriften ausgearbeitet worden. Der Prozeß wurde, wie bekannt, unterbrochen und am- 17.. Oktober wieder aufgenommen. Eine Woche vorher wurde in Innsbruck, das hier: folgende Plakat affichiertc „Innsbruckerl Innsbrucker! :> . ■ ■ ■ Der ■ ./ Halsmahn-Prozeß zeigt allen, die sehen wollen, den ungeheuren .Einfluß . und Zusammenhalt des Judentums. '.'•'. . , Der J ude i s t H e r r des d eu ts chen Volkes! : .Ueber dieses Thema spricht Ernst Grimm -am Samstag, den .12. Oktober im kleinen Stadtsaale. ' Ä a t i s e m i t e n, kommt und helft uns im K ä mp f e g e g en die jüdischen Bedrück er für ein freies deutsches Volk! Juden ist der Eintritt verboten! Spesenbeitrag 40 g. ^Nationalsozialistische deutsche Arbeitspartei." Tl>os Plakat wurcle verboten, blieb, jedoch nichtsdestoweniger hängen. Der Vorsitzende des Gerichtshofes hatte sich auf sein Resümee vorbereitet und die Ansprache, an die Geschworenen schriftlich" ausgearbeitet. Er belehrte sie über Mord und Totschlag, vergaß jedoch mitzuteilen, daß sie bei Verneinung beider Fragen zum Freispruch kommen müßten. ' Diese und noch einige andere bemerkenswerten Umstände sind in dem Prozeß passiert. Aus'der Presse kann man sich nicht das richtige Bild davon machen, wie das Milieu des Prozesses beschaffen war und welche Einflüsse auf die Geschworenen, einwirkten. Die Zeitungen schreiben, daß.aus dem Prozeß ein Politikum gemacht wurde, ohne jedoch anzugeben,, was dieses Politikum sein sollte. Es war ein a n t i s e m i t i s c h e r T e n- 4 e n zp r. o z e ß seh lim ms t er Art, dem man aus früheren Zeiten nur. die. Hilsner-Affäre zur Seite stellen kann. Kein einziges Indiz ist aufrecht geblieben, kein einziger Beweis für die Schuld des Angeklagten konnte erbracht werden. Aber der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer die Geschworenen auf, ihr Verdikt als „Tiroler" zu fällen. Es wird gesagt, daß die Verantwortungsweise Halsmanns auf die Geschworenen ungünstig gewirkt hat und daß sie sich mit der ihnen fremden Persönlichkeit nicht zurechtfinden konnten. Das ist wohl eine sehr schwere Anschuldigung gegen diese Gerichtsbarkeit,"' daß ein „fremder" Angeklagter sein Recht'nicht finden kann. Aber es ging nicht um einen „Fremden", sondern um den Juden. ' . Die mißgünstige Stimmung der Volksrichter, von. der immerhin fünf Geschwprene sich, freihalten konnten, ist aus dem antijüdischen Terror zu erklären, der sich in der Tiroler Hauptstadt breitmacht» in einem Lande, das wie wenige von Verkehrsfragen beeinflußt ist und die jüdischem Gäste, wenn sie schwer und gründlich zahlen, in den Sommerorten duldet. Es ist ja das Land, für dessen- Wirtschaft Karl Techet, der es gründlich kannte, die schöne Formel gefunden hat: „A Pogrom muaß her und a Fremdenverkehr!" Es ist aber auch das Land, aus dessen Hauptstadt diese neuartige Volksbewegung kommt, die jetzt Oesterreich erobern will und für Demokratie» Recht und Gesetzlichkeit kämpft. Diese Bewegung zeigt deutlich, daß sie der Rechtsübung und Rechtsfindung die peinliche Halsgerichtsordnung zugrunde legen will. Das erste Exempel ist an Philipp Halsmänn statuiert worden, dem wehrlosen Opfer eines schauderhaften, mit Wissen .und Willen begangenen Justizmordes. Dieser Jude ist wirklich „einitunkt" worden, wie das nach unwidersprochenen Aussagen am Tage vor dem .Verdikt angekündigt worden war. Macdonald wird die Situation prüfen. Die Antwort an die Delegation der Jewis Agency. , Am 11. Oktober hat in New York die angekündigte Aussprache zwischen Macdonald und der von Herrn W* a r b u r g geführten Abordnung der Jewish Agency stattgefunden. Ihr Ergebnis ist sehr unbefriedigend. Der englische Premier vermied es, sich irgendwie festzuliegen, Ueber Macdonalds Erklärungen wurde die folgende offizielle Mitteilung verlautbart: „Der Premierminister führte aus, daß er aus seinen früheren Palästinareisen persönliche Erfahrungen hin- Bettfebetn umfonft kann kein Mensch liefern, hingegen kaufen Sie bei uns Orig. böhm. Bettfedern und Daunen (bessere Sorte) schon von S 3.20' per Kilo — sowie Möbel aller Art, Bettwaren und Kinderwagen b e sonders billig. Provihzversand 1 Mitglied der Ka-De-We - Eisler Nachf .v Wien II Prafentiaee 45 sichtlich der Probleme dieses Landes habe; er habe die meistenjüdfsctieh: Siedfungen Tim -Län-d die von den Jüdischen Siedlern - im Iwtere.sse der Entwiokiung des Landes gemachten^ Anstrengungen und Fortschritte .hoch ein; -Er werde, sagte . er weiter, das ihm überreichte Memorairdum dem Kolonialamt zuri^ ' ■ ', und fügtejh'inzu, daß dtel&toötfdtwmg^ möge, ■daß die \Kffeiettmjr Seiner, -^Majestät. wJJletjs sei, ihre bereits festgesetzte.:: jPoÄ4:«nd . ihre .Pflichten., hinsichtlich des MandatW^pJ'L M1' erfüllen' und darauf zu achten, daß das Gesetz, in u.n parteiisch er Weise gehandhabt und die: (-Ordn«-ng:'''naoli:' jeder Richtung'hlii aufrecht erhalten werde, Die Regierung Seiner Majestät anerkennt, daß die "jüdische •'Hirw'änderu-ng in Palästina einie unbedingte 'Nötwiend5g.keit'. für' die' Errichtung, eimes jüdischen NationaIh.ei'ms gemäß den irri Mandat niedergelegten Bedingungensei, "aber-die -Einwaifiderü-ttg müsse von der w i r t s c h a"f 11 i c h e n K ap a z i t ä t d e s Landes, s eäri e r "F ä h i g"'k e i-t, ti e u e E i n w ä ti d e r e f ä u f z u n 'e hmen, abhängen. Der Premierminister fügte hinzu, daß' er die hinsichtlich der Staatsländereien in Palästina bestehenden Schwierigkeiten, sehr wohl 'kenne. < Der' Premierminister schloß mit der Erklärung,' daß zunächst die Resultate der, Uritersuchungskoihmisslon abgewartet werden müssen und daß er nichts ' sagen wolle, was. so ausgelegt werden könnte, als wollte er diese Resultate vorwegnehmen. Nach Empfang des Berichtes der Untersuchungsikommission wird die Situation im Lichte der erkundeten Tatsachen geprüft (Werden. Zum Schlüsse betonte der Preimiermilnister ^♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦»»»»»♦♦»♦»♦♦♦»»♦»♦♦♦»♦♦»»»♦»»»♦»♦»♦^ ALT WERDEN und JUNG BLEIBEN möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch | ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL I Massagen (Einreibungen) mit Diana-Franzbrannt-1 [wein erfüllen mit verjüngender Kraft Sbento] wartvoll iur Mund* und Haarpflege. Und dabei ••hr billi8. 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Wie Kehani mitteilt, habe ihm MacdonaJd versichert, Großbritannien werde nicht zula'ssen, daß der afabäsehen Bevölkerung irgend'ein Unrecht geschieht; man möge mit Zuversicht den Ergebnissen der Arbeit der UntersuchUingslkommission entgegerMdeen. Die Mandatskommission* Eine außerordentliche Session. Die Mandatskommission des Völkerbundes wird am 6. November zu ihrer ordentlichen Session zusammentreten. Wie der JTA.rVertreter erfährt, werden in dieser Session die Ereignisse in Palästina nicht zur Behandlung kommen, weil die Mandatskommission erst den Bericht der britischen Untersuchungskommission abwarten will. Bekanntlich hat der Völlcerbundrat am 6. 'September beschlossen, daß alle Materialien, die im. Zusammenhang mit den Geschehnissen in Palästina stehen, der Mandatskommission zur Verfügung gestellt, werden sollen, die sie dann in ihrer ordentlichen oder,- wenn nötig, in einer außerordentlichen Session behandeln wird. Es besteht in den Kreisen der Mandatskommission und des Völkerbundssekretariates' die Absicht; in den ersten Tagen des Jänner 1936 eine außerordentliche Session der Mandatskommission zur ausschließlichen Behandlung der Palästinafragen abzuhalten. Auf diese Weise wird die'Mandatskommission in die tage kommen,/ ihren' ^al&StiJljli-^ericht dem am 20. Jänner 1930;, zusammentreten bundrat zuzustellen. Wie erinnerlich, hat die'Mandatskommission des Völkerbundes nach den Unruhen in Syrien eine außerordentliche Session, im Feliruar und März 1926, abgehalten, die ausschließlich . den syrischen Geschehnissen gewidmet war. Der arabische Streik. . Kein Zwischenfall. J e x u sa lem, 17. Oktober. (J. T. A.) Der am 16. Oktober in Jerusalem und ganz Palästina von den Arabern durchgeführte Generalstreik ist überall'o hne Zwischenfall verlaufen. Die moslemitischen wie die christlichen arabischen Ladeninhaber hielten ihre Läden geschlossen. Auch mehrere jüdische Ladeninhaber, die. ihre Läden in arabischen Vierteln der Jerusalemer Altstadt und in den Bazaren haben, sahen sich, um Provokationen aus dem Wege zu gehen, veranlaßt, ihre Geschäfte zu schließen. Der Streik hiatte ungefähr die gleiche Atisdehnung, wie seinerzeit der anläßlich des Besuches Lord Balfours in Jerusalem proklamierte Demonstrationsstreik. Mit Ausnahme der in der Hauptsache von Juden bewohnten Straßen, In denen rege6 Leben herrschte, lag die Altstadt verlassen da. Aus den umliegenden Dörfern strömten* während ' des ganzen Vormittages Scharen von Arabern nach Jerusalem zum Besuch der Omar-Moschee. Der Polizeibericht schätzte diese Menge auf etwa 3000 Köpfe« Jeder, der das Jaffa-Tor zur Stadt hinein passierte oder aus der Stadt hinaus wollte, wurde streng nach Waffen durchsucht. Die arabischen Chauffeure streikten, nur die jüdischen Autobusführer versahen den Dienst und hielten die Verbindung Jerusalems mit den Vororten aufrecht. Viele der Autobusse fuhren unter Polizeibegleitung. Auch die Bootsleute in Jaffa und Haifa schlössen sich dem Streik an, ungeachtet dessen konnten 553 Chaluzim und Rückwanderer, die am Mittwoch mit einem Dampfer eintrafen, an Land gebracht werden. Die Banken und großen Touristenbüros arbeIteten normal, nur die arabischen Agenten einiger europäischer und amerikanischer Firmen hielten . die Büros geschlossen. In allen öffentlichen Instituten, in den Regierungsämtern, im Eisenbahn-, Telephon- und Telegraphendienst ging die Arbeit normal vor sich. Die Lehrerschaft der unter der Kontrolle der Regierung stehenden arabischen Schulen wurde benachrichtigt, daß gegen streikende Lehrer die gleichen Disziplinarmaßnahmen wie anläßlich des Streiks im Jahre 1925 zur Anwendung kommen werden.