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Die neue Welt · 1929-10-18 · Heft 109 (18.10.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 109 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r Seite 6 DK NEUE WELT Nr. ra I. , Adlargassa 5 T»if *»aa-4-9o II. , K|. Pfarrg.28 T«l. A-41-6-ft4 Richard Herzog Sprechapparate Jcdar Art, farhrt* _ JOdUctie und hebräische Sthallplotten I s sowie alle modernsten Tanz- und Qesangsschlager | | in reichster Auswahl auf Lager l §§ | Auch Teilzahlungen I Provinzversand! I erwuehs einerseits aus der Tatsache der Jüdischen Not. Es ist nicht meine Absicht, hier ein Bljd des Jüdischen Martyrium? der Weltgeschichte zu zeichnen, dessen tiefster Grund die Heimatlosigkeit-der Juden war. Selbst heute noch gibt es in der ganzen Welt eine Intensität Jüdischen Leidens, von dem, die öffentliche Meinung des zivilisierten Westens selten ein zusammenhängendes Bild erhält. In ganz Osteuropa ist die Gefahr des persön-» liehen Angriffs auf. den einzelnen Juden eine ständige. An dje Stelle der erniedrigenden Zurücksetzungen der. alten Zejt sind wirtschaftliche Beschränkungen getreten, während andererseits zurücksetzende Maßnahmen auf kulturellem Gebiete, wie der Numerus clausus an den Universitäten, den Juden in der Sphäre des geistigen Lebens unterdrücken wollen. Ich glaube, es ist nicht nötig, heute noch darauf. hinzuweisen, daß . es auöh im ,Westen ein Judenprobjem gibt. Wieviele NichtJuden haben einen Einblick in das seelische Leid und die seelische Verkrilppelung, die Erniedrigung und seelische Zerrüttung, die durch dje bloße Tatsache der Heimatlosigkeit eines begabten und empfindlichen Volke« hervorgerufen wird? Wieviel schöpferische Energie wird durch den Mangel jener Organe eines normalen' nationalen Ausdrucksvermögen^ vernichtet, dje sich nur. in einer erdgebundene »Kultur entwickelt können. Wieviele der oft belachten Mängel des heutigen Juden können auf die ständige Notwendigkeit tibermäßiger psychologischer Annas-- sung zurückgeführt werden? Was all diesen Erscheinungen zugrunde liegt, ist die von den ers ten ZI o n is te n mi t. tiefer Intuition erfaßte Erkenntnis, dag d|e Judenfrage night durch die Assimilation des einzelnen Juden an seine Umgebung gelöst werden kenn. Die Jüdische Eigenart ist eine zu starke, als daß' sie sjch durch eine solche Assimilaitiph verwischen ließe, und eine .zu j? e wüßt e, als daß sie sieh hierzu bereit fände. Es-ist natürlich klar, daß es nie möglich sein wird, in Palästina mehr als eine Minprjtät' der Juden anzusiedeln, Xber' seit langem I$t ps die-tiefe Ueberzeugung derjenigen, &e sich objektiv mit- 'dem Problem befaßt haben; gleichviel ob Juden o^er Nichtjuden, : daß die SebaHung einer nationalen Heimstätte für die Juden In Palästina die Stellung und die Würde der in Ihren Heimatländern verbleibenden heben und dadurch auch elde wesentliche Besserung in dem aligemeinen Verhältnis von Juden und Nichtfciden herbeiführen wird. per Zionismus wurzelt aber in einem noch tieferen Gründe als der Judennot. Er wurzelt in einer Jüdischen geistigen .Tradition, deren Erhaltung und Fortbildung für die Juden der Sinn ihres Fortbestehens als Gemeinschaft isf, In der Wiederauf rieh t un g d es Jüdischen Volkes In seiner alten Heimat, wo jüdische Geisteswerte wieder In einer Jüdischen Atme* Sphäre würden fortentwickelt werden, sehen die bewußtesten .Vertreter der jüdischen Eigenart eine wesentliche slot versicaerDOQsöDHeorteofWaoz: Wien IX, Ofto siputz 5. Alserplatz 3 TeJepbon B-43-5 2d Serie düwmlHie Miete Si4«WiTOidwniiiöeD vt den lm\ts\wMwm nid Wullen Vorbedingung für die Regeneration der Jüdischen Gemein Schaft und die Befreiung ihrer geistigen Schöpfenkraft. Die zionistische Bewegung ist ün Namen Ihrer höheren Ziele und auf Grund der ihr In feierlichster Form von der Kulturmenschheit zugesag ten Unterstützung berechtigt zu fordern, daß ihr beispielloses Aufbauwerk, das sie In einem Lande durchführt, das zum großen Teil noch brachliegt und das wenn es mit Intensiven Methoden, wie die Juden sie angewandt haben, bearbeitet wird, Raum für die Ansiedlung von hunderttausenden neuen Siedlern ohne Schädigung der einheimischen Bevölkerung bietet, daß dieses Werk nicht von einer kleinen Clique von Agitatoren durchkreuzt wird, selbst wenn sie den Mantel moslemitischer Geistlichkeit tragen. Ist sich die englische öffentliche Meinung der Tatsachen "bewußt, daß der Großmufti von Jeru salem, der im Mittelpunkt der ganzen Unruhen steht und so laut im Namen aller Mohammedaner spricht, ein junger, politischer Abenteurer von, ich höre, nicht viel mehr als 30 Jahren ist, der im: Jähre 1020 wegen seiner Mitschuld an den damaligen Unruhen zu mehrjähriger Ge fängnlsstrafe verurteilt und später unter einer Amnestie begnadigt wurde? Von der Geistesart dieses Mannes mag man sich aus der Tatsache ein Bild machen, daß er in einem kürzlichen Interview ausgerechnet mich anklagte, den Wiederaufbau des Tempels an der Stelle der Omar-Moschee gefordert zu haben. Kann es geduldet werden, daß in einem Lande, wo der Fanatismus der Unwissenden so leicht von poüti sehen Hetzern zu Raub und Mord aufgehetzt werden kann, ein' so unverantwortlicher und skrupelloser Politiker die Möglichkeit hat, seinen schlimmen Einfluß weiter auszuüben, umgeben von all der geistlichen Würde der Religion und ausgestattet mit-äl} der weltlichen Macht, die diese im Orient in sich schließt? Die Verwirklichung der großen Aufgaben des Palästjnamandates hängt in-sehr hohem Maße von der öffent- UFA-TON-KINO; WJenjl., j'abQrBtr.ö . Tel. R-42t3-41 Das Filmtheater der guten Oesellschaft selgt: TBglloh Urnuffführung MANOLESCU (Der König der Hochstapler) mit'Brigitte fieinii-lvan'MqsJukrny Heia'ich Öeorjre, Dita Parlo, ~ sowie dfcfj erst* geiife^e TonfUmlusteplel ALTE KLEIDER mit Paul Morgan und Siegfried Arno. Ab Pienstag, den 22. Oktober: *| CpAlltlHo Der große Tonfilm <* rffJMnCIB Beginn: Wochentag ö,% 0 Uhr, Sonn- und Feiertag ,; •»7^.5,.7i 9.Uttr. liehen Meinung Englands, seiner Presse und seinen Staatsmänner n ab;!Däs Jüdische Volk hat das Recht zu erwarten, daß sein Frlederiswerk die' 'tätige und wohlwollende Unterstützung der Mandatarmacht erfahre. Es hat "das Recht zu verlangen, daß die an den kürzllchen Unruhen schuldig Befundenen in gebührende r Welse bestraft und daß die Männer, in deren Hände die Verantwortung für die Verwaltung eines Landes von so einzigartiger Vergangenheit und so einzigartigen Zukunf tsmögliclikelten gelegt Ist, so instruiert werden, { ■ ' ' ■ ' . daß der große Auftrag, den die Kulturmenschheit der Mandatarmacht anvertraut hat, mit Mut und Weitblick In die tägliche Praxis der laufenden Verwaltung umgesetzt wird.1 ■ : ^unji> ■■' Die Juden wollen'nicht unter dem Schutz englisch e r B a j o n e tt e^im Lande ihrer Väter wohnen. Sie kommen als Freunde des stammesverwandten arabischen Volkes. Was sie vpn England erwarten ist, daß es das Wachstum, freundschaftlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern fördere, daß es keine vergiftete Propaganda dulde und daß es Organe des Schutzes im Lande schaffe, die das Leben: und die friedliche Arbeit hinreichend sichern. . ,, , Die Juden Werden d«« Werk des Wiederaufbaus Palästinas, das sie unternommen haben, nie wieder aufgeben. Die Durchführung dV'tyerkes aber kann durch die Mandat arm acht bedeutjrid gefördert, aber auch bedeutend gehe m m t werden. Es ist von grundlegender Bedeutung, daß die englische öffentliche Meinung und die. R e gl e r u n g e„t|. En g I a n d s und Palästinas sich diesem großen Werk verpflichtet fühlen, nicht deswegen, W9Ü England einmal diese Verantwortung in Juridischer Form auf Mch genommen bat, sondern weil man von dem Sinn und dem Wert dieser Verpflichtung tief überzeugt Ist und daran glaubt, daß' ihre Erfüllung den Fortschritt und den Frieden der Menschheit zu fördern und ein großes historisches Unrecht gutsumachen bestimmt ist. Ich bin nicht gewillt zu glauben, daß die größte Kolonialmacht der Welt versagen sollte, wenn es gilt, ihre einzigartigen kolonisatorischen Erfahrungen in den Dienst des Wiederaufbaus der alten Heimstätte des Volkes der Bibel zu stellen. Mag die Aufgabe für die Mandatarmacht auch keime leichte sein, für den Erfolg, den sie erringt, darf sie der unvergänglichen Dankbarkeit nicht nur der Juden, sondern der Edelsten der ganzen Menschheit versichert sein. |llllllllllllllllllllliilüllllliiliiliiiiiUiiiM | Jugendverein „tftiX ISRAEL" I _Wien, II», Zlrhuegaeee 88_ I Sonntag, den 20. Oktober 1929, »/§• Uhr abends, Im Fasttaal Hotel i Continental (tl„ Taboretrafle 4t I findet anlaßlich der Anwesenheit des hebräischen Dichters 1 SAUL TSCHcRNICHOWSKY ein 1TSCHERNICHOWSKY-ABEND I ■nBVHMsMHHM | statt, bei dem 1 der Dichter aus eigenen Werken 1 vorlesen wird. Einleitend wird Prof. Dr. Z. Dlesendruok Uber i d«n Dichter sprechen. i Mitwirkend:. Obeikaator Qerson Margullea. | Karten von S 1.— bis S4.~ sind zu haben: Zionistische Büros, ■ I., Kärntnerstraße 28. Tel. R-27-4-85/86; Jugendverein „ErezIsrael", f 11., Zirkusgasse 33, Tel. R-49-8-08. Die Palästinafrage in italienischer Beleuchtung. Die Vorgänge In Palästina werden in der italienischen politischen Oeffentlichikeit mit Interesse verfolgt. Italien sieht sich seit langem durch die Resultate der Friedensverhandlungen In seinen Interessen verkürzt und man wird in Italienischen politischen Kreisen nicht miüde, auf das Unrecht hinzuweisen, das Italien geschehen sei, indem dieses als maritime und Mittelmeermacht 'bei der Verteilung der Mandate leer ausgegangen sei. So war es der Delegierte Italiens, welcher in der politischen Kommission der abgelaufenen Völkerbundsession die rechtliche Frage der Mandate aufs Tapet brachte. Nach der italienischen Auffassung stellen die Mandate einen zeitlich befristeten Auftrag des Völkerbundes an eine bestimmte Macht dar. Daraus gehe die Möglichkeit hervor, daß ein Mandat von einer Macht auf eine andere übergehen, albgeändert, suspendiert oder annulliert werden könne. Man will aber in Italien bei den Mandatarmächten Frankreich und England die Tendenz bemerken, mit den Mandatländern wie mit eigenem Besitz zu schalten und die Prüfung jener Ange 1 egenheiten durch den Völkerbund als eine unbequeme Einmischung anzusehen. In diesem Zusammenhang wird auf das Beispiel der Regierung der Südafrikanischen Union hingewiesen, welche in einer Konvention mit Portugal Ihre Souveränität, über das Territorium von Südr westafrika ausgesprochen' habe, gleichfalls ein Mandatsland, und auf ein Verlangen nach Aufklärung vor dem Völkerbund seit drei Jahren noch nicht geantwortet habe. Ferner habe England die Absicht 'kundgetan, <üepolitische und administrative Verwaltung des Mandatslandes - Tanganika mit jenerder britischen Nachbarkolonien Kenia und Uganda zu vereinigen,'was nach italienischer Auffassung einer endgültigen Besitzergreifung gleichkäme. Die italienische Auffassung hat bei der Mehrzahl der Völkerbundmächte Anklang gefunden und es ist zu erwarten, daß in Hinkunft der Völkerbund zu einer klaren Stellungnahme und Interpretation der verwickelten Mandatsfragen veranlaßt werden wird. Wie klar es ist, daß hier die Interessen der verschiedenen Mächte sich in irgend einem Sinne berühren, so ist andererseits die Notwendigkeit einer wachsamen und aflctivew zionistischen Politik auf diesem Gebfete einleuchtend. In diesem Zusammenhang ist es nicht ohne Interesse, wie die zionistische Arbeit in dem verbreitetsten Blatte Italiens beurteilt wird. Der Jerusalemer Korrespondent des „C o r r i e r e di e 11 a S e r a" veröffentlicht In diesem Blatte eine ausfürhliche Darlegung des Zionismus, was er koste und was er dafür leiste. Der Korrespondent knüpft an ein Wort von Colone! Kish an. der auf die Frage, was der Zionismus gegen den Widerstand der Araber tun werde —* der hier als ein Ausdruck der Verteidigung der Rechte der arabischen Nation definiert wird erwidert habe: Wir werden die Zahl unserer Kolonien verzehnfachen. Hunderttausend Juden seien bisher durch die zionistische Arbeit ins Land gekommen, man wolle es also, meint der Korrespondent, auf eine Million bringen und die 600.000 Araber müßten sich daher zur Auswanderung rüsten. Man müsse fragen, wie sich England verhalten werde: solle es der Auswanderung der Araber zusehen oder, wie. letztens, ruhig die Entwicklung einer politischen Aktion der Juden und eine solche der Araber ansehen, die zu Blutvergießen geführt habe, das seine Fortsetzung finden werde, sobald die englischen Truppen das Land räumen werden. Man müsse sich die Organisation des Zionismus näher betrachten, der über ein weitverzweigtes Netz internationaler Beziehungen unter allen Juden der Welt verfüge, Aemter unterhalte, die Botschaften gleichen und ein Budget habe, das In die Milliarden gehe. Nachdem er. die Elnwanderungsziffer. dle offizielle Anerkennung des Hebräischen, die Entstehung der Jüdischen Stadt Tel- Awlw, die Zahl der jüdischen Schulen und Schüler, die Aufforstungsarbeit, die Tätigkeit der Hadassah angeführt t!iat, stellt er eine Rechnung über die zehn verflossenen Jahre auf; Keren Geulah, Keren Hajessod. Keren Kajemeth, Hadassah, englischer Beitrag für das Sahuiwerk, Beitrag an Schultaxen, separater amerikanischer Fonds, Werk der jüdischen Frauen — all aas betrage an die sieben Millionen Pfund. Diesem Betrag seien die Beiträge der Regierung für Straßenbau. Häfen, Spitäler und Schulge«^ bäude zuzuzählen, ferner die Beiträge der Plca, welche die Rotnscblldschen Kolonien verwalte, die ihrem Gründer,

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