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Die neue Welt · 1929-10-18 · Heft 109 (18.10.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 109 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Mr. m DIE NEUE WELT Seite» Tausend Tote* Das Kriegerdenkmal au! dem Wiener jüdischen Friedhof. Sonntag vormittags wurden auf der jüdischen Ab. teilung des Zentralf riiedhofes die K r ie gsden k in äl er enthüllt, die die Genieinde den int Weltkrieg gefallenen, auf den Wiener Friedhöfen -begrabenen jüdischen Helden errichtet hat. Marmorne Gedenktafeln in der Zeremonien« halte kündigen «ferner die Namen jener Wiener jüdischen Soldaten, «die, vor dem Feind gefallen, ferne der Heimat zur letzten Ruhe gebettet wurden; aber auch die Gräber der Glaubensgenossen, die auf Seite der Feinde gekämpft, in Gefangenschaft geraten und hier den Kriegsverletzungen erlegen sind, würden pietätvoll mit Denksteinen verseilten. An der Feier nahmen Bundeskanzler Schober mit Vertretern' der Regierung, des Bundesheeres, viele hervorragende Persönlichkeiten der Gemeinde und die Familien ,der. Hinterbliebenen teil. Der erste Teil der Feier spielte sich im Zeremoniensaal ab. Vor dem Verwaltungsgebäude war eine Ehrenkompagnie mit Fahne und Musik des Infanterieregimentes Nr. 3 mit Sturmhelmeu gestellt Der Saal selbst trug Trauerschmuck. Um halb 10 Uhr fuhr Bundeskanzler Schober vor und wurde vom Präsidenten Dr. Pick und Stabskomman* danteu General Wiesing er empfangen. Er schritt die. Front der Bh'renkompagnie unter den Klängen der Bundeshymne ab und begab sich dann dn die Zeremonienhalle. Auf die schwänz ausgeschlagenc Estrade, zu deren beiden Seiten"Chargierte' mit Kappe und Band der jüdischnationalen Studentenschaft Aufstellung genommen, trat Oberkantor" Fischer und stimmte, vom Chor begleitet, einen PsaJm an. Gemeinderabbiner Professor Dr. Julius Max Bach hielt sodann ein© taefdurchdachte, vom' Herzen kommende Gedenkrede, die in eine Verherrlichung der I d e e des V ö t k e r f r J e d e n s ausklang. Nun fielen die Hüllen von den Tafeln aus Carrararoarmor, bei denen Ehrenposten des Infanterieregimentes Nr. 3 standen. V i e r h u n d e t Namen sind auf den Tafeln verzeichnet, Namen von Angehörigen der Wiener Koi'kusgemeindie, die außerhalb Wiens ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Inschrift lautet: „Ihren auf diesen Gedenktafeln verewigten und allen ihren anderen itn Weltkrieg gefallenen und In fremder Erde ruhenden Söhnen gewidmet von der Israelitischen. Kultusgemeinde WSen." Draußen ertönte das Signal „Zum Gebet" und Ober- Irantor Fischer stimmte auf der Kanzel den Choral an. Sodann marschierte die Bhi^nkompaguie durch die HäaptaHe zum- .Kriegerdenkroa?. In langem Zuge und am-''.dachten Spalieren hinter eineni Kordon , der Sicherhettewache -.vörfeiej,bewegte sich der-Zug der Ehrengäste zuan . DenkflnaL. Mit einer kurzen Rede, in welcher er für) den ehrenvollen Auftrag dankte, bat der Schöpfer des. Denkmais, .'Architekt Pomz e n, den Präsidenten Generals*absoberarzt •: Professor Dr. Pick, das Denkmal in die Obhut der: .Gemeinde zu nehmen. Präsident Professor Dr.' Pick" dankte dem Architekten am eigenen Namen und. ,/n: dem de*.-. Gemeinde für das schöne Kunstwerk, dankte ■ aijcih seinen Mitarbeitern und betonte, die Gemeinde habe erst jetztv'iire'Dankesschuld aus dem Grunde erfüllen können, weil, sie; in'den schwersten Zeiten nach dem Kriege, erst deri.'Wit wen und Waisen der Gefallenen Mlifreioh beistehen mußte. Hieräuifr sprach in Vertretung des Vizekanzlers und Bundesimihisfers'^T Heerwesen Vaugoin Stadtkommandant General WM e's^inge r: „Die Kameraden israelitischen Glauibensbekenntnisses, die wir heute ehren, erfüllten rreu ihr V-Pflicht zu Volk und Heimat bis zuni 1 e tz t e n H e r« s c h 1 a g; sie vollbrachten ihre Pflicht nicht aus' gepflogenem Brauch, sondern aus dem Gedanken felsenfe&ter Treue." Im Namen des Bundesheeres legte darin-General Wiesinger, während) die Musik das „Ich h'att' einen: Kanteifaden4' anstimmte, ehten Kranz aus Lorbeer mit der 'SchleifenWidmung „Den Helden der P f 1 i c h t d a s.-: ö s t e rr e i c h i s c h e B u n d e s h e e r" am Denkmai 'itireder. Dann ' ergriff J-}n Namen des jüdischen Frontsoldateijver-bandes der ehemalige Fähnrich im SrnrmbataiMQn: de'r 44. Division, Rudolf Berdach, das Wort undJ h&hm Abschied von den toten Kameraden, den' Mitgliedern der _ lüdischnationalen Verbindungen, die unter1 den Hügeln ruhen/Er legte ein rat den Farbenbähdern der Verbindungen umwundenes Gewinde am Denkmal nieder. , ■ Im .. .Namen.des „D e u t s c'h m e i s t e r b u n d e s. sprach Präsident Major S elf f e r t den .Abschiedsgruß,.in dem er ausführte,' daß sich 7000 Männer im Bund zusammengern öden, sie: 'gedqnkwi heute mit Trauer und ' mit' Stolz /i h.r,.e.-r iu'di s c h e'n Kamera d e n, denen dieses Denkmal für ihre Treue und Tapferkeit errichtet wurde.' Sie gedenken,, jener jüdischen Kameraden, die mit ihnen: auf der Walstatt gekämpft «nd gesiegt. Die Treue, die sie' draußen gehalten, werden sie ihren Kameraden auch'hier' halten. Auch, im „Deutschmeisterwerk" sind die Taten der jüdischen Helden aufgezeichnet, die die Aufgaben ihres, Regimentes pflichttreu und ganz erfüllt'haben. Redner.legte, im Namen, des „Peutsciimeisterbundcs" einen mächtigen Ifranz nieder, - ...... Nun stimmte Obenkautor M a r >g u 1 i e s mit dem Chor das Lied „Seele", was 'betrübst du dich?" an. 1273 3eder Strenggläubige kann ohne Bedenken zur Zubereitung der Speisen Kunerol verwenden. Die Kunerol*Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Natur« fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirks« rabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Das Denkmal steht am Rande des halbkreistförmigen Gräberfeldes, das r u n: d t a u s e n d Gräber umfaßt. Eine Birkenaliee führt dahin und das mit' Zinnen '.gekrönte Oktogon des Denkmals wird mit Schlinggewächsen umwuchert. Durch das mächtige Portal, dessen Farbenwirkuug durch Rotbuchen gesteigert wird, gelangt man in einen gedeckten Vorbau. An der Decke steht die Inschrift „Die dsraeli-tische K u 11 u s g e ine i n d e Wi e n ihren im W ei.t k r i e g 1914 -18 gefallenen S öh n e n". •Durch ein zweites Portal gelangt man in das offene Okto-. >gon, in das das Tageslicht frei einfällt. Auf sieben mächtigen Tafel auf Laaser Marmor sind die. Namen der Heiden verzeichnet. Die dem Beschauer,zugewendete Oktogonwand tragt eine hebräische' -^'Ihsbtirift-,^'^fei.e'''.'in'-■'■deii'tscih'er""-Spracfhe lautet: „N i c h t ni eil r wjrid -^-^ehe-n Votk(~g-e gen Volk das Schwert, und .nr^ f ür d e r de u K r i e g.. Jesaias;- 2*4DjÄ^ehmchc; Form, die .abgewogene, verstreute Profilierung, die fein empfundenen Proportionen und die gut durchgefühlte Idee der Baugestaltung geben dem Denkmal das Gepräge stimmungsvoller Weihe. Der Zug der Trauergäste bewegte sich schließlich zu der Grabstätte der russischen Kriegsgefangenen jüdischen Stammes, deren Gräber vollkommen gleichgeformte, niedere Grabsteine aus Mamiersdorfer Kalk mit Namen und Sterbedaten zieren. Im Hintergrund überhöht ein größerer Steh» mit der Inschrift: „Die israelische Kultusgemeinde Wien den fern v*vn der Heimat an dieser Stätte des ewigen Friedens zur letzten Ruhe gebetteten russischen Kriegsgefangenen." Auch hier wurde ein Gebet verrichtet. Darauf defilierte die Bhrenkompagnie vor dien Ehrengästen. Die Gedenktafeln in der Zeremonietthalle und die Denksteine der Kriegsgefangenengräber sind nach Plänen des Leiters des Technischen Amtes der Kultusgemeinde Ing. Ernst L i n d n e r ausgeführt. Eine Feier in Görtingen. Auch in G ö 11 i n g e n ist dieser Tage atuf' dem jüdisohen Friedhof ein Ehrenmal für die 19 Gefallenen der ■dortigen jüdischen Gemeinde eingeweiht worden. , Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. R»southal, der : unter anderem ausführte: „Die Geschichte unserer Gemeinschaft istt die Geschichte eines alten Heldentums.:Nicht nur 'wegen . mancher Kriegsgestalten, von denen Bibel Und Ueber* lieferung berichten, sondern auch we g e n d e s s ti 11 en Heldentums zahlloser Märtyrer, die deii Tod wählten, um nicht ein Leben in Untreue führen zu müssen, Ais die Juden heimisch geworden waren in deutschen Landen, als der Staat von ihnen den Einsäte ihres Lebens verlangte für Volk und Vaterland, da haben sie bereitwillig den Blutzoll dargebracht gleich ihren christlichen Volksgenossen. Dennoch erhebt sich d i e S t i mni e d e'r V c r 1 eu m d u n g; noch im Grabe schändet man das Andenken unserer Toten. Doch hier ist unsere Jugend: Vor dem Blute dieser 19 Toten aus der Gemeinde Güttingen, wie vor dem Blute der zwölftausend töten jüdischen Deutschen erkannte alle Welt dievVerleumdung,'4 Einstein raft England zur Pflicht! ->'•' '•' "•' ■"■ '■ ■ ■•' O Der „M a n c h e s t er G u a r d i a n" vom 12. Oktoberveröffentlicht die nachstehende Zuschrift von -Prof. Albert Einstein: Sehr geehrte .,Redakfcionl?r/Jc4)- .habe; .niit tiefer Besorgnis die Meinungsäußerungen der englischen Presse über die kürzlichen Ereignisse in Palästina verfolgt. Was ich dort gelesen habe, hat auf mich>eiuen so tiefen-Eindruck gemacht, daß icii mich trotz meincsv.a 1 l g c rn e i n c n W i-:, de r willens gegen p o 1 i t i sc he s Auf t r e t e n veranlaßt fühle, die nachfolgenden Zeilen an Sic zu richten. •: Mit großer Begeisterung und tiefer Dankbarkeit emp-: fingen' die Juden, die mehr als jedes andere Volk von dem Chaos uiid den Schrecken des Kriegesgelitten hatten, :die Zirsibheruhg Englands, daß es die Wiederaufrich-" tuhg ' des jüdischen N a t i n al h ei m s in Palästina' unterstützen würde. ' •- - \ Das jüdische Volk in seiner schweren physischen und moralischen Erniedrigung sah. in dem englischen Worte den sicheren Felsen, auf den es ein jüdisches aar tjonales Leben in Palästina würde wieder aufbauen können, '\ das. durch seine Existenz und < durch seine '■materiellen undgeistigen Leistungen die jüdischen .Massen, die über die; ganze Welt zerstreut sind,-mitineuer.Hoffnung, mit Würde ünd' Stolz erfüllen würde. GrpßQ^Oipjier an menschlicher . Energie und materiellem Gut wurden von den Juden der ganzen Welt gebracht zur Verwirklichung der Sehnsucht, die .die jüdische Gemeinschaft während eines jahrhundertelangen Martyiums aufrecht erhalten Uiatte. In einem kurzen ■ Zeitraum von zehn Jahren wurden durch freiwillige Spcn-< den gegen 10 Millionen Pfund aufgebracht und hunderttausend erlesene jüdische Pioniere kamen nach Palästina, um mit ihrer Hände Arbeit-das fast öde ( Land zu erlösen. Wüsteneien -Vu'r^denbewässert,' Wälder gepflanzt; Sümpf© ausgetrocknet ^tutdihre: verheerenden Krankheitsherde ausgerottet. Ein W e r k des F r i e d eu s wurde geschaffen,' das, wenn vielleicht auch noch be-; scheiden an Größe, Bewunde-fung jedes Besuchers her- ' vorrief. ,. '... Ist der Fels, auf den wir gebaut hatten, ins Schwanken geraten? Ein beträchtlicher Teil der englischen Presse begegnet unseren Bestrebungen jetzt mit Verstäudttisloslgkeit, mit Kälte und Abneigung.. Was ist geschehen? / . ' ^Ara'bischer Mob, organisiert und verhetzt von politischen Intriganten, die den religiösen Fanatismus der unwissenden Menge ausbeuteten, sind über - isolierte jüdische Siedlungen hergefallen und haben gemordet und geplündert, wo'kein Widerstand geleistet wurde. In Hebron wur< den die Schüler einer rabbinischen; Lehranstalt, unschuld i.g e, j u n g e M e n s c h c n, die nie in ihrem Leben eiiio Waffe in der Hand gehabt hatten, kaltblütig n i;ed e r g e ni e t z e 11. In. Safed ereilte dasselbe Schicksal aitc'/Rabbiner und ihre Frauen und Kinder. Erst neulich fielen einige Araber über eine jüdische Waisensiedlung her, in der diese bejammernswerten Hinterbliebenen der großen russischen Pogrome eine Zuflucht gefunden hatfen. Ist es da nicht erstaunlich, daß eine Orgie so iprirnitiyer Brutalität gegen eine friedliche Bevölkerung dann von einem Teil der e n gl is ch e n, P r e s se zu einem Propagandafeldzug, nicfit gegen die Urheber dieser, BrutaliV. täten und ihrer Helfershelfer, sondern g ege li i hr e, Op;fe,r ausgebeutet wird?. '-'^ Kaum weniger, enttäuschend aber ist die;erstaunliche. Unkenntnis von dem..Charakter und den. Leistungen,,des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina, die in vielen,Organen der Presse jetzt zutage tritt. Ein Jahrzehnt istverflossen, seitdem die Politik der Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina von der britischen Regierung-.mit. der fast ei n s t i m m i g e n Un t e r s t ü t zu n A ß t. ge-. sam te n c ngli,sch,en Pr esse und de r. Führe r aller politischen Parteien initi 1 ert,w-uirde. Auf. Grund, dieser offiziellen Anerkennung,, die-wonden. Regierungen fast all er K u 1 tu r s taa t e n mit Zustimmung aufgenommen wurde und die ihre staatsrechi;liche Formulierung im Palästinamandat erhielt, haben, die Juden ihre Söhne und Töchter nach Palästina gehenlassen und haben ihre freiwilligen Spenden für dieses große -Werk des friedlichen Wiederaufbaus gegeben. ^Ich glanteej Ttesrda-rf ohne Uebertreibung gesagt werden, , r - daß mit Ausnahme der Kriegsleistungen de* europäischen Völker, unsere Generation keine nationale An» :. Spannung von so geistiger Intensität und so heldenhafter Hingabe erlebt bat, wie diejenige, die (H© Juden während des letzten Jahrzehnts in Palästina geleistet haben. , Wenn ,man, wie . es mir vor einigen Jahren .vergönnt war, durch,das Land gereist ist und die jungen..Pioniere, Männer und Frauen von herrlichem geistigen/, und. moralischen Kaliber, in der Glühhitze des palästinensischen Rhinas Steine brechen und Straßen bauen gesehen hajt; wenn man sieht, wie unter der hingebungsvollen. Arbeit der jüdischen Kolonisten .blühende landwirtschaftliche Siedlungen au s -dem lang verödeten Boden emporwachsen; wenn man sieht, wie die Wasserkräfte des Landes entwickelt werden und eine den Bedürfnissen und naturgegebenen Möglichkelten des Landes angepaßte Industrie sich zu entwickeln beginnt und vor allem wenn man beobachtet^'; wie -sich dort ein ETziehungssystem in der alten Kultur spräche der Bibel aufbaut, das sich bereits vom Kl n d e rg'arten bis zur Universität erstreckt welcher Beobachter, wes Stammes und Glaubens er sei, könnte sich dem Zauber so erstaunlicher Leistung und solcher fast übermenschlicher Hingahe entziehen? _ \ Ist es nicht unglaublich, daß nach aH dem die brutalen Metzeleien eines aufgehetzten Pöbels die Wertschätzung der ganzen jüdischen Leistung in. Palästina untergraben und sogar dazu führen können, daU der Widerruf der feierlich gegebenen Zusagen öffentlichen Schutzes und Unterstützung gefordert wird?- Der Zionismus wurzelt auf doppelter Grundlage, Er

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