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Die neue Welt · 1929-10-18 · Heft 109 (18.10.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 109 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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it Seite "4 DIE NEUE WELT Nr. 109 Settfeöern umfonft oder auch halb umtontt kann kein Mensch liefern, hingegen kaufen Sie bei uns Original böhmisch« Bettfedem und Daunen besonders billig von S I.SO pro kg. Tuchente, Pölster Möbel aller Art, Mafratsen, Orafifeintats« und Kinderwagen tu konkurrenzlosen Preisen — Kastapreiso auch bei Teilzahlung - Eisler Nachf., wisniljratenM 45 mißhandelt. Das Rektorat der Universität (bat in einem von ■dem Professoren verlesenen Erlaß gegen die Ausschreitungen Stellung genommen, doch bleiben die Juden den Vorlesungen fern. Die neue Bewegung hängt mit den Innerpolitischen Ereignissen zusammen. Der Führer der Erwachenden, Gömbös, ist Honvedminister . geworden und dies signalisiert einen neuen Kurs, die Rückkehr zu den früheren terroristischen Methoden. Eine richtige Interpellation. Budapest, 15. Oktober. (Privat.) Der sozialdemokratische Abgeordnete Karl P e y e r hat in das Interpellationsbuch -folgende Anfrage an den Ministerpräsidenten eingetragen: Der Vertreter der ungarischen Regierung hat während der jüngsten Tagung des Völkerbundes um Schutz für die Judenschaft in Palästina angesucht, .mit Berufung darauf, daß die Judenverfolgungen Iii Palästina bei der zahlreichen jüdischen Bevölkerung Ungarns einen äußerst sohlechten Eindruck gemacht haben. Die Regierung möge eine Antwort auf die frage erteilen, ob sie geneigt sei, den für die Palästinaer Juden angeforderten Schutz auch auf die jüdische Bevölkerung Ungarns zu erstrecken, Abgeordneter Peyer wird diese Interpellation in einer der. nächsten Sitzungen" des Abgeordnetenhauses mündlich begründen. An dej Technischen Hochschule haben sich heute die antisemitischen D em o-nst ra:ti on en,. erneuert, wobei mehrere jüdische Studenten i -n s u i 11 e r t und verprügelt wurden. An den übrigen Hochschulen hat sich kein- Zwischenfall ereignet, da die jüdischen Hörer den Vorlesungen 'ferngeblieben waren. ' Ueberfäll auf eine Synagoge. Ukrainische Räuber. Lemberg, 9. Oktober/- (£• <T£. A4 Erst heute, erfährt man in Lemberg über' blutige Vorfälle," die sich ani Sonntag, den 6. Oktober,, dem , zweiten Rosch Haschanah* Tage,, in^dem galizisehen. Städtchen:Jariczew Now.y" abgespielt habep. . .'.tyahigiid ^^a'^Qottesdienstes in der Stad|'s^i^Qief|,;<>^ng . jfhjie; Bap^e von zehn jungen Ukrainern in idie'Fr.auen.JEmpore ein, rief „H^nde hocWl*1 'und ^Viß*;deii' festlich'' jekllefdeten Fraüeö; '"den' Schmück von ff als und Tirigern! Es'entstand ein Tumult, einige Frauen erlitten Nervenschocks und fielen in Ohn« macht. Als Polizei vor der Synagoge erschien, flüchtete die Bande, die Polizisten sandten1 ihr Schüsse nach, durch die vi et M i t g 1 i e d e r d e r B a n d e g e t ö t e t und zwei •verwundet wurden; nur vieren gelang es zu entkörn* men. Durch' Verirrte Kugeln der Räuber und der Polizei wur* den auch' einige ' jüdische junge Leute verletzt. Aus Rache überfielen am 8; Oktober junge Ukrainer eine Gruppe jüdischer Käufleute und brachten einem von ihnen lebens* gefährliche Verletzungen bei. zu belegen. Worüber in der Gemeinde große' Aüfre entstand, die sich erst legte,' als der/radikale 'Pöli auf dem Rabbmatsstuh'le'für ein halbes jähr seines A enthoben'wurde.;Dde. Livorneser Juden samt .ihren, Spitzen,, die st reiche Handelsherren waren, lagen nicht nur dem En ob., Sic waren keine hundertprozentigen Kaufleute, nur ein Ideal hatten: Geld verdleneu'/'Sie 'galten wöh die anerkannten Vermittler des Handels zwischen-:Eu und Nordafrika, insbesondere .Aegypten, fanden ' immer Muße für geistige Uepungen.-Jüdische Gelehrs i^eit war jhier, tzu Hausc^ eine eigene, Buchdruckerei m sich um die Verbreitung des Wissens, ja sogar di< so vielen Gemeinden verpönte kabbalistische Geheimli fand hier eine gastliche Stätte und eifrige Förderer. Wissensdurst der Livorneser Juden kannte keine Gren und die Gelehrsamkeit der Völker hatte unter ihnen > Jünger: Medizin, Astronomie und Philosophie wurdei der Judenstadt sehr viel betrieben, wie es Ja in diesem Livorho. — ganz abgesehen da.von, daß der. sefardische Ritus bei weitem milder ist als sein erschwernisreicher deutscher Bruder — ganz anders zugegangen sein mag, als in einem deutschen oder polnischen. Ghetto. Die Fredheitsliebe und das Selbstbewußtsein der Livorneser Juden paarten sich aber stets mit der Liebe zum Judentum und dem Gefühle der Gemeinbürgschaft. Immer wieder bemühten sie sich, oft um den Preis großer Opfer, um die Auslösung von jüdischen Gefangenen aus den Händen der Piraten, und als 1648 der Kosakenäufstand unsägliches Leid und namenloses Elend über die polnische Judenheit brachte; hoben die Aeitesten der Gemeinde eine eigene Umlage zum Besten der verfolgten Brüder ein. Die Wohlhabenden verwendeten ein Viertel vom Hundert ihres Einkommens für diesen Zweck; Mit Recht wurde diese jüdische Handelsstadt Jahrhunderte hindurch das „kleine Jerusalem"' genannt. (Schluß folgt.): '' ' ' ' Lotiis Brandeis bei Olberricliter Louis B r a n d e i s und der Präsident des amerikanischen Senatsausschusses für äußere Politik, Senator B o r a b,' haben dent englischen Premierminister Macdonald einen gemeinsamen Besuch abgestattet, urh mit ihm die Vorfälle - in Palästina m besprechen. * . , .V Diese Meldung ist für die Ziondsten von großer Bedeutung. Nach jahrelangem Schweigen tritt der größte amerikanische Zionist wieder in die Oeffentüchkeit, um für den Zionismus zu wirken. Brandeis hat als hervorragender Rechtsanwalt, als, Kämpfer gegen die Vertrustung des wirtschaftlichen Lebens seines Vaferla-ndes, als anerkannter Schiedsrichter bei" Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern/ die.;feÖch$te Stelle ' er-rungen, welche je ein Judein 'AmerJjra'-etrÄtvHit; 'ßt ist.;lebenslängllches Mitglied des S u fr i m e 'C &ifti; des h ö c h sie n G eirichtes der, Verein^ien^ta^ten,. welches übeY vdera Parlamente . steht' un^jt brochipsj.eile Gesetze pYüftvUnd verwerfen kann. „ "/ \ A; Vom Jahre 1912 bis. 1^20 war Brandeis Präsident der amerikanischen Zionisteh;%.Mit d'era Präsidenten Wilson eng befreundet, konnte Brandeis während des Krieges und in der Nachkriegszeit der, zionistischen. Sache unvergängliche Dienste leisten. Seine .Bemühungen bei Wilson, seine Unterhandlungen mit .-dem, damaligen außerordentl. Gesandten Englands in Amerika,. Lord R e a di n g, förderten wesentlich .und'flihrten^lefzten. Endes zur Herausgabe d e r B a J f,o u.r - D.e k l,ä r a. t i o,n. . Die Sorge um das Schicksal der Balfour-Deklaration führte ihn auch während der "Friedensverhandlungen nach Europa. ' ' '' Als in San Remb die Balfour-Oeklaration im türkischen Friedensvertrage anerkannt wurde und die Nicht- WIEN VÜ., KÄlSEBSTiRÄaSe 123 :. (, IX.. A L 'S E XST RASSE6 fernspr6:cheP«'-'ö:9'ö-o.'43'- ''';■' ., . . .(.;.. .«.:: >./:> TZ A'• .....•'•••• zioiüst'en dii,:Amerika! die'grbßen-iMögUdhlifeiten -delr ■2ioriisti-: sehen Organisation erkannten; [ versuchten sie von Brandeis Auskunft über die Bedingungen-einer Zusammenarbeit zu' erlangen. Die Antwort des bewußten Juden und Ziönisten lautete: „Sie können, Ihre 'Aufnahme in■ die Zionistische Organisation beantragen!" Brandeis kam zur ersten zionistischen. Konferenz nach dem Kriege, zur Jahreskonferenz! 1920, nach London.. Ervglaubte^.»-daß :dw^ion.isrmjis politisch bereits gesichert, sei ,und . wpilte unterseinem Vorsitze >eine Exekutive aus Lord R e a d i n g, Lord M e Iche11, Baron James Rothschild, Weizmann, So- ) w, Simon, de Lieme bestehend, bilden, welche jZionisteÄkohgresse*^ sein sollte. Scheitern-seines Planes ff^erhättebereits bindende ren.d.ergenapiiteniPerspnen -fr,führte dazu, daß-er sich k'zpg.»..Brandeis^ wurde, zum .Ehrenpräsidenten der tischen Organisation gewählt. Als einige Monate später die Zionistische Exekutive jrschlägederReö^ganfsieruhgskommission' (Mitglieder: Sim'on, .Neheiniäiide iLleme?- Robert Szöld,' Sekretär bräham;Sc^'e):Ve^waff--iünd'--©ränUeis' mit Präsidenten riann 'in offenen Konflikt geriet, gäb 'er endgültig seinession. - . ' v ':',;',;;- -1 Die Meldung der1 'Jüdischen Telegrapihen-Agentur, 3randeis eine-Besprechung mit Macdonald hatte, läßt i,.daß;dieser große:Mann' und Jude/-um das Los der ur-©eklaration besorgt,-wieder in die vorderste Reihe lionismus treten wird;. -. ■ elwu. Alfred DrCTfus 70 Jahre. Der Märtyrer von5 der Teufelsihsel. I ■ ":' -. v -. •,. \fj Arn 10. Oktober, wurde Qapitain Alfred Drey f u.s, dessen „Affäre" ernst,die' AVeiterschütterte, 70 Jähre alt. Er lebt jetzt als Oberst im Ruhestand in Paris. Die „preyfus*Affäre" um die Jahrhundertwende spiegelte den letzten großen' Angriff der militärischen Reaktion und der Monarchisten gegen; die republikanische Staatsform in Frankreich wider, und. durch sie wurden die Repu* bl'ikaner zur letzten großen Verteidigung angespornt. So würde Dreyfus zum passiven Retter der Republik. Im Oktober 1894 wurde der französische Hauptmann Alfred Dreyfus, Sohn eines reichen jüdischen Kaufmannes in' Mülhausen, wegen Spionageverdachtes zugunsten Deutschlands verhaftet und im Dezember 1894 vom Militärgricht zur Degradation, und lebenslänglichen Ver* bannung nach der Teufelsinsel verurteilt. Das Beweis* material gegen ihn stand auf sehr schwachen Füßen, allein unter dem Kriegsruf: „Der Jude ist ein Verrate rl" sammelte sich die Reaktion zum entscheidenden Augriff auf die Republik. Per jüdische Schriftsteller Berand La« MNMMMT Billige Bücher jeder Literatürrichtung im Antiquariat Hermann Tuchner Wien, II.. Grone Sfadtgufgaste 7 Ecke Taborttraße 52 Tel. R-41-4-20 % < ► Sehr mäßige Preise. \\ <; Verzeichnisse umsonst. Ankaufganzer Bibliotheken..:: zare trat als erster für die Unschuld Dreyfus' ein, ihm folgten der brühmte Romanschriftsteller Emile Zola, Anatole France, Joseph Reinach, Clemenceau, Jaures, Senatsvizepräsident Scheurer < Kestner und andere hervorragende republikanische Politiker. Zolas offener Brief „J'accuse" (Ich klage an) brachte den Stein irts Rollen. Der Retter von Dreyfus wurde Oberst Picquart, der 1897 zum Leiter der Spionageabteiluhg des Generalstabes ernannt würde und beim Studium der Prozeßdokumente auf Beweise stieß, die den Major Esterhazy gravierend belasteten. Picquart wurde, näch* dem er hierüber Bericht erstattete, von den antisemiti* sehen Militärbehörden zu einer Expedition nach Tunis abkommandiert, er hörte aber nicht auf, für Dreyfus' Un* schuld einzutreten. Fünf aufeinanderfolgende- Kriegs?» minister und die Chefs des Generalstabes sträubten sich gegen eine Revision des Prozesses. Schließlich wurden mit Hilfe , der Freunde Dreyfus* hohe französische Offiziere, unter ihnen Oberst. H enry, als Fälscher von Dokumen* ten zu Ungunsten von Dreyfus entlarvt. Henry würde ver« haftet und beging Selbstmord. Nachdem Dreyfus vom Militärgericht in Renn es'zum zweitenmal yer* urteilt wurde, hob der Kassationshof im Juli 1906 das Urteil von Rennes auf und setzte Dreyfus in seine frühe« ren Rechte wieder ein. Präsident Pick — 70 Jahre alt. Am 15. Oktober hat der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Hofrat Professor Dr. Alois Pick, seinen 70. Geburtstag begangen. Hof rat Pick,'der zu den'her* vorragenden ärztlichen Gelehrten Oesterreichs zählt, ge* hört der Union, der Mehrheitspartei des Vorstandes an, hat aber durch seine vornehme Objektivität sich die Sympathie aller Gruppen erworben. P?r Vorstand der Kultusgemeinde* hai am 16. d. im Rahmen eines Fesfaktes seinen Präsideriten geehrt. '•; : ' ' Zionistischer Streit in Deutschland. ./ Auf 'deimnächste«/ Zionistischen .v-Deitegterteiiitag; in. •piutscjhiland dürfte es. zu' schweren Aus^ina^ersel^n^en imj't .der' fetzigen^ ^Äu'^nl>J iHr^"'Ör&ali;\;Ü" ii'd'Fk'&h e Ru n'ds eh au" kommen. Die' Opposition macht;der■ "Lef- tumg des Parteiorgans zuim Vorwurf', "daß sie in Fragen des Uefberfalfcs der Araber au* die'Juden die zionistische SäcHe' in; schwerster 'Weise schädigt. "Die .^Rundschau" gehe'so weit, von einer „Mitschuld" der Juden'zu sprechen, obzwar von einer solchen keine" Rede sein kann. Die Opposition ntomt gegen diese' Haitu.ng iimimer schärf er Stellung. In . einer Enklärutiig der Frankfurter Ziönisten kdnimt dies-'zuim:' Ausdruck. Der Vorstand der .^Frankfurter Ziomstisohe'-n Vereinigung" Übermittelt uns in dieser Angelegenibeit die folgende Resolution1 mit dem Ersuchen um Veröffentlichums: . .vAnläißlioh der traurigen Ereignisse im Palästina warnte der Geschäftsführende. Ausschuß der Z. V. für Deutschland (Amm. d.- Red.; Dasist die Leitung der deutschen Zioniisten) mit Recht davor, siclh zu Aeußerungen hinreißen zu lassen, die einen irreparalblen Schaden toerlbeif-ühreil können. Der Vorstand der Frankfurter Z. V. stellt fe_st,. da'ß;'0e' „Jüdische 'Rnridscihaiu" vom 30. Auigust einen solchen irrepar a lb I e n Schaden verursacht hat. Der Vorstand der Frankfurter Z. V. verurteilt entschieden das Vorgehen der Redaktion der „Jüdischen Rund-" schau",' dm jetzigen 'Moment die beiden Artikel, gezeichnet ,,R. W." und Dr. Ernst' Simon", zü forlnigen. Der Vorstand der Frankfurter Z. V. ist der Ansicht, daß diese Artikel den ' Tatsachen zuwiider als Material 'für unsere nichtjüdischen und jüdischen G e g oi e r dienen können, wie auoh daizu 'geeig'net sind, die uns bisih&r' wohlwollende oder neutrale Oeffentlicbkeit bzw. Presse dahiinigeihend zu beeinflussen, uns als Schuldige oder zuanindiest als M i t s c ih u 1 d i g e ah den gegenwärtigen Vorgäangen in Palästdna zu. beiträchten, .Der Vorstand der Frankfurter Z. V. spricht daher der JRedaiktioin der „Jüdiisohen Rundscihau" wegen dieser Artikel sel^i sclhärfstes Mißtrauen aus." Glücklich IIJH durch den Besitz eines Ingelen Neophon der idealen Vereinigung von Radio und Schallplattenmusik. (An jedes Gleichstromnetz, anzuschließen) Ingelen Wien XVII, Bergsteigs. 36

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