Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 109 (18.10.1929)
- Date
- 1929-10-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE N£UE> WELT Nr. 109 PELZWAREN GEBRÜDER BRAININ rsgn i Bauernmarkt 2 a, nt U-Z2-3-59 1BI1 iL, Glockenga$se 8, Tel R-45-4-33 Rasche Hilfe für Palästina. Siebenter Spendenatiswels. . Mäddhengruppe „Gordonia" S 15; :W. Walöh S 10, P. Gefbert S 10, Dir. A. Wurmfeld S 20, V. Läszlo (Läoben) S 5, J. Chari S.iO,v$am»ilttii« SaU.Korner: Sonntag S 50, Frankel S 20, Max Zwirn S 20, Dreßler GoJdhärsch S 100, Moses Goldhlr'seh 8 10, 2Msammen~S'200; Sammtarig Doktor Boxer: Dr. Pahmer S 5,. J. Neumann S 5, Dr. Spindel. S 5, SchmittbockS 3, St. S 2, Nußbaum S 3?iDr. B. S 5,. sammen S 28; Sammlung Jenny TRoth S 28; Sammlung Jugendgruppe S 3.S0; Sammlung Bzi Nußbaum: A. Geller S 2, M. Singer S 3, D. Töpf'S 5, O* Gersfcl S 5, <Dh. Mangel S 5, Dr. Mondsdhedn S 5. A^Ka-mlPS 2, S, Schäfer S 2 M. Schwarz S 5, J. SCftwarz S 5, J. Mann S 2, J.. Lammerstein S 1, H. Leber S 2, E. N. S 2, zusammen S 46;. Leo Zimet S 5; S u m m e S 3 8 0.5 0. Bisheriges Gesamtergebnis: S 13.193.60, Schw. Fr. 75, engl. PI. 6, tsch. K B0,Z16t$r 35, Pengö 80, RM. 10, Dollar 7, Bisher wurden atis dem' Ergebnis dieser ..Sammlung S 11.800 an den Herrn;'Bürgermeister M. DJz-engoff in f e 1 - A w i w überwiesen. Wie schützt man Palästiiiä? Allgemeine Lage. Der Führer der Zionisten-RevisionTs-ten, dessen Kritik an den SlGherfoeitsvorkehraflgen in Palästina durch die blutigen Vorgänge leider vaeKaoh bestätigt wurden, stefllt uns diesen Artikel zur Verfügung. Darüber zu reden, daß das jüdische Palästina •geschützt werden muß, ist jetzt leider nicht mehr; nötig. Aber über den technischen Inhalt des Wortes; „Schutz" herrscht in den jüdischen Köpfen Verwirrung. Man wirft so verschiedene Dinge, wie: Polizei* Selbstschutz, Militär in einen Topf. Man spricht von „Reorganisierung der Polizei" als einem' Mittel zur Verteidigung der jüdischen Kolonien usw. Die Frage ist aber so wichtig, daß die Leser es mir wohl nicht übelnehmen werden, wenn ich diesen Artikel dem technischen Inhalt der verschiedenen Formen des Ordnungsschutzes widme. Vielleicht ist das im gewöhnlichen Sinne „uninteressant". Aber die Wichtigkeit der Angelegenheit erfordert Klarheit in allen Einzelheiten. Darum müssen die drei Organisa-i tlonsfownen des Schutzes abgesondert behandelt; werden: Polizei, Selbstschutz. Militär. Die Polizei ist ejn unentbehrliches Element im täglichen, normalen Leben. Die Gesellschaft braucht' sie'' aucl in' der' riihigstW' Friedehszeit;- Sie -Reguliert den Verkehr, sie forscht Verbrecher aus und verhaftet sie. Dazu bedarf es keiner großen Zahl , von Polizisten., London, hat;{aoht Millionen Einwohner und* etwa drei^g^aus^tÖ.-feoii^is^|j': gfiien auf 266 Bür-; ger. Tel-Awaw^ .au'f zirka- 100 Einwohner. Eine .kleine ' Kolonie von etwa 200 Seelen wird noch „mehr" haben müssen, drei odef» vier .oder fünf. Aber dies ist natürlich' schon das Maximum. F,s genügt, um den Verkehr auf. gefähr-, liehen Straßenkreuzungen zu regeln oder um einen: Dieb zu fangen. Es reicht vielleicht auch dazu aus,: um eine Rauferei auf ,dem Markte zu i beenden, so-' lange die Zeit. normal ist.. Die Bürger sind sich in; solcher 'Zelt der PfHcht'bewußt, dem Befehl der. Polizei Folge "zu leisten. Der. Polizist wirkt auf sie als. Träger der Regierungsmacht. . Aber in Zeiten 4es Sturmes, wie ^sfe das iüdi*;; sehe Palästina jetzt durchlebt hat, können die fünf Polizisten die kleine Kolonie gegen einen Ansturm von tausend Banditen nicht beschützen. Deshalb muß man begreifen, daß auch bei bester Organisation und Reorganisation die, Polizei kein wirksames Mittel gegen einen Pogrom oder, einen Bürgerkrieg darstellt. , Und das Militär auch nicht. Eine Garnison kann, nicht so zerteilt werden, daß sich in jedem Dorfe Soldaten befinden sollen. Eine militärische Garnison ist gewöhnlich in einigen wichtigen strategischen Punkten konzentriert. Wenn eine Kolonie in Gefahr gerät, muß man telephonieren oder telegraphieren, um militärischen Schutz herbeizurufen. Wir haben aber derzeit schon fast hundert Siedlungen, zerstreut in ganz Erez Israel. Und wir hoffen, noch mehr zu bekommen, noch weiter zerstreut, da wir die Absicht haben, Juden in allen Gegenden des Landes anzusiedeln. Falls sich der Ueberfall gegen eine Kolonie richtet, die von einem „strategischen- Punkt" weit entfernt ist, muß es einige Stunden dauern, bis das Militär eintrifft. Besonders in Erez Israel, wo es wenig Eisenbahnen gibt und die Regierung nicht gerne neue Straßen baut, weil sie ihren Eisenbahnen keine' Konkurrenz schaffen will. Was geschieht im Verlaufe dieser „einigen" Stunden in der Kolonie? Mit dem „Schutze" von fünf Polizisten kann sie zerstört,' ausgemordet und verbrannt werden, bevor das Militär eintrifft. Dies ist aber nicht alles. Was ist zu tun, wenn die Banditen die Telephondrähte zerschneiden? Sie taten es schon vor dem Ueberfall auf K ef e r J ei o* d i m, sie kennen die Kunst. Und was geschieht bei i einem allgemeinen Aufstand im Lande* wie es der letzte war und ein ärgerer kann.noch kommen. Eine kleine Garnison (an eine große kann man doch nicht denken) kann sich nicht zerreißen und gleichzeitig Polizei. —- SelbstscbutÄ.!— Garnison. Von Wladimir Jabotinsky. überall sein. Das heißt, daß die Aufgabe, eine Kolonie <oder ein jüdisches „'Vierter4' in einer gemischten Stadt) zu schützen, vVeide r'de r Pö Hz ei -hoch dem Militär überlassen werden kann. Da kön nen nur die Einwohner selbsf die'Äuf gäbe übernehmen. Das heiJJt;:Jj'e 1 b'S t ä;_c h;ü/i z. "Wenn die Polizei'.- nicht' nur. aus' 'yfi^eh'lDe'stelieh Würde, wenn;;sie aus,Gottesr Engeln'bestünde und di? Armee auch, könnten, .wir. unter.jVcteh.^ Bedingungen , in Erez Israel ohne Selbstschutz nicht existieren. Den Selbstschutz a,u.fiösen wäre Sei b s t- •'......•••• >>.*•••■•;.••., v\c- ••••>..'!••''» «.. ' Die führende Sich Wiedens fteste Rasierklinge mit liaarscharfelr Schneide Richert schnelles ' ■ , angenehmes Rasieren I «c h Wedlso he W al tmaik e I m o r d. 'Natürlich 'Warden die Jüdefi-'dies auch nicht tun. Weder Verbote noch : Str;afeii werden dies bewirken: könnem •.;-,>.»:.v, Es darf ^beBv.vnicüife.etiwa- .. der Schluß,gezogen werben, ..daß eine ,Ga^s£n,:ujui ö-tig ^t,r,Der.beste Selbstschutz ..kann.. $U£?%n. v Ort ^sMtÄ/ wo er, sich bejindet. Er^k^ Eisen-: bahnen " nicht .rjewa^en;;.''^ kaW^dle 'Verbindungen; von Ort ziröVf^icfif^i^e^rn; er'Kihii ä£n lEinbrucll äUSwärtf ger .<'Bdhditeir«über die.f.'L.a-iidesÄr^flzen., nicht hindern, er. -kann .eine*^roße*. Ja^de.,.mprdlustjger' Beduinen,. be.ypr rSje Balje,- gejk$^nm^n sjn^,. nicht aus-: eina.^derjjigen, ler„ kann,ein sch^idiges Dorf ' wederbestrafen noclii 'durchsu'clien.' W noch die Polizei' :k'öhtfe'n lWiesev*'lMW$rBi:{bfesörg^h.;- Wir sehVn 'alsö^hier;;,dre^ dene Organe:' Poli'zei,-vSelrMs6li'äl:i, Garnison. Jedes hat seine eigene Aufgabe, welche die beiden anderen nicht, lösen, können;;: deswegen ist jedes dieser drei Organe notwendig aind jede&• rnuß..reorganisiert Werden .:-r:~K : :•;. ' V.'-V-i.' V. .:.•»..( *.y^ fS.."^ /''iK*?/. .v'::/.-.i-4;. ^JV-- ..... Di©;Polizei, '. ' \r\ Die Reorganisation, der Polizei muß vor allem- — und darin sind alle einig in einer Vergrößerung der Zahl der jüdischen Polizisten , bestehen,; Nicht nur in jeder jüdischen Kolonie, in jedem jüdischen Stadtviertet müssen .die Polizisten- Juden sein und ihre -Zahl ■ "muß: aiUent/n o: r, m.a l.e.n Bedürfnissen genügen;; - ■■? i--rb-^- ■ -.lt-,, :•; ■■. ■, Was nicht alle' 'bei^'uns -verstehen, ist die- Tät^. sache, daß man jüdische^PoIizisten nicht haben kann, Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwanden ständig;■, - '-.'li-b!.' J%i;;:-i>-:M; j\ ■-.<■.'r-i™. ... > zur Pflege und. zw jStöhlung. ihres Körpers den .; >■;.vie|feeh bewahrten , FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHPI. Kräftigt durph tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund* und Haarpllege Uberall erhdltilch WerüpseNachähmungen sind energisch zurück-' iuweisea ' Vtrband demokratischer ZlonUten Dienstag, den 22. Oktober um '/,9 Ühr abends im Hotel „Münchner Höf", VI., Mariahüferstr. 81, 1. Stock, Oelber Saal, frei zugängliche VERSAMMLUNG Tagesordnung: Dia politiicHe Lage In Ousferreich - DI« Lage in Palästina Referenten: Oberbaurat Robert Stricker - Oekter Leopold Plaschkes wenn nicht besondere jüdische Polizeia b teil u h ge n geschaffen werden. Die Erfahrung hat es klar bewiesen, jüdische junge Leute.' besonders aber solche, auf deren Ehrlichkeit, Würde und Takt man sich verlassen kann, sind gebildete Menschen. Zwischen ihnen und ihren arabischen Kollegen besteht ein Unterschied, nicht nur der Rasse, dem .Glauben, der Sprache nach. Zwischen ihnen liegen einige Jahrhunderte Kultur. Was dem einen, paßt, paßt dem anderen nicht. Daraus ergeben sich zwei Folgen: Die Leitung der Polizei ist mit den Juden, unzufrieden, andererseits können die Juden diesen Polizeidienst nicht ertragen. Dies ist die Ursache, daß die Juden nicht nur aus der Polizei verdrängt wurden, sondern auch daß jüdische Kandidaten in kleiner Zahl und ungern kommen. Die Ursache, warum aufgenommene Juden bald den Polizeidienst verlassen. Es ist keinesfalls der niedrige Lohn, der sie abschreckt. Er ist tatseächlioh sehr '.niedrig. Unsere Jugend hat in Erez Israel bewiesen, daß sie sich im Dienste für die nationale Sache mit sehr wenigem begnügt. Aber der Clialuz, der im Jahre 1921 Steine auf der Straße geklopft hat, hat seinen Trost im Elend gefunden. Er hat unter seinen Menschen gelebt, er hat in seiner Umgebung wenigstens die Illusion des nationalen Heimes 'gefunden. 'Man kann aber doch nicht verlangen, daß er, trotzdem der Polizeidienst schwer und unangenehm: ist, trotz des Hungerlohnes und trotz der groben Behandlung seitens seiner Ofiziere, die ja nicht alle . Akademiker sein können, auch ..auf dies© Illusion •verzichten soll. Es wird ganz einfach „nicht gehen". '•Unter dern Einfluß;.der. jüngsten Ereignisse '..-werden sich natürlich viele' finden, welche•' siclr ''opfern" und in' die gemrschte,h Pojizeiabteilungeneintreten werden.' Aber seöhs lÄ'oriate später wird,' besonders wenn im Lande Ruhe eingetreten und der Einfluß der blutigen Tage .^ge'^h^^Jjgseln:.-^rä* mit eiserner NotwendigJ$|iyd^ dem Poliz;feidienst^jwiect^ Regi.erung klägerß T daß d|e >Judenv 'ein zii . selbstbewußtes Benehrnen, an.,dep..Jag legen,, daß man ihnen kein Wort sagen darf" und dergleichen mehr. Andererseits" werden die jüdischen Polizisten allein den Weg suchen, wie man einen Dienst los wirdj der sie aus der jüdischen Umgebung herausreißt und sie zwingt, sich nicht nur materiell, sondern, auch geistig an die Gebräuche des-"o*de-ntalis-chen Mit-t-e4-a-1 -teirs zu gewöhnen. . ■ Das sind, keiriö Vermutungen, iol 'spreche aus Erfahrung. Schon im Jahre 1919 habe ich im „Haarez" eine Agitation-- entfaltet und gefordert, daß * jüdische junge Leute in die Polizei eintreten und keine besonderen Bedingungen stellen sollen. Seit jener Zeit, während meiner Besuche und während meines Aufenthaltes in Erez Israel kommen die jungen Leute zu mir, welche damals meinen Rat befolgt hatten. Viele haben zu mir gesprochen, von allen Lippen dieselben Worte: Besser Steine klopfen, besser sogar Erez Israel verlassen, dehn ein Leben in dieser Polizei ist doch kein Efez-Isräel-Leben. Von der-Kindheit an haben wir von einer Sache geträumt: Unser Land bauen, in der Mitte unserer Pioniere leben; unter Freunden, unserem die hebräische Sprache, redend. Dann sind wir bereit, in Armut zu leiden, das rauhe Benehmen von Vorgesetzten und: das Unschöne des : 3olizeiberufes auf uns zu nehmen. Aber so wie es leute ist, zu leben, unter Arabern, erniedrigt zu werden, wie ein Araber sich erniedrigen läßt, nur die arabische Sprache zu hören, kein Wort hebräisch," dies kann man Von einem Zionisten nicht verlangen, das kann er nicht auf sich nehmen. Die einzigen, die nicht so sprechen, sinddie Polizei 1 e u f e V o n T e 1 - A w i w, weil sie eine r ei n j ü d i s c h e Abteilung" bilden. (Ein zweiter Artikel folgt.) , . Die arabische Exekutive gegen „Brith Scltalom'V Jerusa 1 em, 10. Oktober. (J. T. A.) „FelestiIi", das offizielle Organ der arabischen Exekutive Palästinas, druckt einen Teil der Erklärung von „Brith Schalom", der Gesellschaft arabischer und jüdischer Intelligenz zur Herbeiführung von Frieden und Verständigung in Palästina, ab und knüpft an diese Wiedergabe die Bemerkungi „Brith Schalom" sei zu dem Zwecke gegründet worden, um die Araber irrezuführen und sie über die wirklichen Ziele der Juden zu täuschen. ' . . : .