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Die neue Welt · 1929-10-18 · Heft 109 (18.10.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 109 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen V« b« ba BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.~, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien, monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSOEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland moriatllCh Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—. Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätssiraßp,6*-8 Telephon: A25-2-82 •— Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den l& Ölftober 1929 Nr. 109 \\m\ Wladimir Jabotinsky: Wie schützt man Palästina? Seite 2 Einstein ruft England zur Pflicht. Seite 5 Die Judengemeinde von Leningrad aufgelöst. Die Vorstandsmitglieder zu Zwangsarbeit verurteilt. Aus Moskau, 11. Oktober meldet die J. T. A.: Nach einem mehrtägigen Prozeß wurden sämtliche elf Mitglieder d e r V e r w a 1 tu n g der jüdis c h «n G e m e in d e L e n i n g r a d von dem Leningrader Geweiht zu Zwangsarbeit von vier bis sechs Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten befindet sich auch der 77 Jahre alte .hebräische Schriftsteller Leon Rabbino* witz, der einstige Ohefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung „Hameliz". . . Der Prozeß begann am ersten , Rösch Haschanah- Tag. .Seinem Ausgang wurde, mit äußerster Spannung ent-. gegengesehen. Grauhärtige Juden und junge Kommunisten ölten - das '-große Gerichtszimmer bis aiuf.'d'en letzten .Platz. :. ..Die Anklageschrift : .'.•„,.. . warf den Angdtlagten vor,, daß''.sie' sich" als /die, Führer- •der jüdischen Gemeinde behördliche Rechte angemaßt haben.'Im einzelnen lauteten die B;eschudUgu.ngen wie folgt: 1. Die Gemeindeverwaltung wandte sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf, G e I d e r f ür d i e Renov i er u n g der großen Cihorsynago g e zu spenden. 2. Die 'Gemeinde hat einen Teil des Verwaltungsgebäudes an eine Produktionsgenossenschaft vermietet, sie hat also Privatgeschäfte gemacht. 3. Die- Gemeinde hat mit Kaschruth-Aufsehern, Tempeldienern und änderen religiösen Beamten Abmachungen getroffen, wodurch sie sich a d m i n i s t r a t'i v e .R e c ih t e anmaßte, die ihr nicht zustehen. 4. Die Gemeinde versuchte,, die Verteilung von K o' s chre r-Fleisch uniter den Gemeiiidetnitgliedern zu bes einfhissen. 5. D i e Giern e i n d e s t andm i.t ausländische n, j ü d i sch e ri O r g ani sati o nenin Ve r.b indungrund erhielt von diesen zud.en vergang; e n-e n P e s s a ch-'T a g e n 8 0 P u d' M a z <z o t h. 6. Die Gemeinde; erhielt' Beträge für die,- Bestattung ' jüdischer Leichen auf dem. jüdischen Friedhof,;, obwohl, der Staatssowje.t sich als-Inhaber des Friedhofes; betrachtet. ■' Die/Verteidige/r Advokat K r.as nä - Ad m.on i und Advokat." Le v i-d o w; wiesen darauf hin, daß die; Ghorsynagöge eine Warnung der Beihörde:erhalten -hat. daß sie,' wenn : sie. nicht bald renoviert wird,; der Beschlagnahme verfaJlen/werd.e; die Gemeinde .mußte also Mittel zur Renovierung der Synagoge beschauen.; SchJießlioh habe die Gemeinde von Leningrad nicht 80.000,, sondern 18.000 Pud Mazzo'th. a/us dem' Ausland, und1 zwar ■ ■; " a*f{': Grund einer Erlaubnis der' Zentralregierung Erhalten.' .....- : '■ '■ : ,'X.'.\ Pef Richter hielt die Anklagepunikte 'für liioht eilt-' kräftet und/ fällte, die erwähnten Urteile.. . D/e; Yeryfaltuiig. der Gemeinde wurde für aufgelöst ■ '. " :;" ' erklärt. ■, . . . Unter der Judenschaft von Leningrad herrscht tiefe Niedergeschlagenheit. Die Leningrader jüdische Gemeinde ist nach Moskau die zweitgrößte Gemeinde der Sowjetunion. Vor einiger Zeit wurde ihr vo'n der Regie r u u g d i e Erlaubnis eV-t 'ei'l t,: eine .'Konferenz aller jüdischen Gemeinden SöW'jetrußlands eihzaiberufen. Die Konferenz kam aber nicht anstände: ■ > ' '••'.: Ueberfall auf eine jüdische Kolonie in Rußland. Eine Frau ermordet. Moskau, 11. Oktober. (J. T. A.) Russische Bauern 4es Dorfes Strugowo Bude (Kreis Klintzi) überfielen die jüdischen Kolonisten, die 1934, dort angesiedelt worden waren, zerstörten Häuser und ilnneneMriohturig und sahlugen auf die Kolonisten, deren Frauen sind Kinder, ©in. Eine Kolonistenfrau mit Namen Zlate R i'c h o w s k i wurde zuerst blutig geschlagen und dann, als sie aus dem Hause lief und um Hilfe rief, vom Anführer der Pogrombande, Afanasi S c h k a p a, mit einer E i s c h s t a n g e auf den Kopf gea schlagen, bis sie tot hinfiel.. Dert Ueberfall geschah. am hellen Tage. Die Bande hielt im -Hause eines der Dqribauern eine regelrechte Beratung ab und marschierte von dort geschlossen zu der jüdischen Siedlung, ,geger» die ein planvolles Zer'störüngswerki begann. Die. Mitglieder des Dorfrates, an die sich die Juden, un) Schutz wandten, verhielten sich gleichgültig "und ließen es zu, daß der'Mörder Scihkaipa und einige aridere .Rädelsführer des Pogroms zu P f e r d e d as D o r f ve rli,e'.'J3;e n^;'als die Rayousmiliz kam. Die. jungen Dorikörnmuhistenv &ahen untätig dem Pogrom zu' u.tid'; trafen ke;inerlei^r^öJtiJrM>.'die. ^ngegr^feneu jüdischen Kolonisten, zu ^©r^eidig^iii!|;i>er Miji2j, j^ilang-.es, am" folgenden-.tag^ zu verhaften.;Schkapa " wurde' vom; Distrlk.isgericht.;.'wegen- Mordes zum Tode ve'fu>rtei 11. Zwei seiner Mithelfer wurden zii acht,' beiziehungswiedse sechs Jaihren. Kerivers und zu Deportation nach Verbüßung der Strafe vemrteilt. ■ ■ In Strugöw-o B-ödeleben' etwa 600 russische Bauern, die über hinreic-heud „ Boden verfügen. Im Jahre 1,924. wurden dort auf Staatsboden ueun jüdische Kolp-f niste n f. a ni i 1 i e n angesi ed el f; Sei t - dieser Zej t:. wü rde eine - antisemitische Propaganda, in dem . Dorfe betrieben, die in einen B o y k o 11 ausartete. Die jüdischen Kolonisten durften an keiner'Dorfversammking, die Kinder nicht an' einer Kinovorstieiliung teilnehmen. Eine Untersuohungskommission weilt gegenwärtig im Dorfe-um Ursachen und Verlauf des'Pogroms-zu untersuchen. Die Untersuchung dehnt -sichauch auf. die Mitglieder des D or.f r,.a t e-s, der. die Zustände •geduldet hat, aus. Das Interview mit Luke^ Die Äeußerungen änitlich dementierr.Van Paässen wiederholt seine Behauptungen. , Wir haben am 4. Oktober nach einem B.eiru,ter Telegramm der „Neuen Freien Presse" ein Interview des Journalisten Pierre van Paassen mit dem Chefsekretär der Palästiuar'egiemng L uke wiedergegeben, welcher in Gegenwärt -des- Obenkommissärs vollstänjdig den aiitijüdischen .Standpunkt, - der -.Araber . rechtfertigte. Die Unverfrorenheit dieser Äeußerungen' wirkte sensationell, obzwar die innere .Wahrheit! des Interviews nach den Geschehnissen nicht .zu bezweifeln war.. Die Palästinaregierung, der schließlich das Interview doch -peinliche Stunden bereitete, beeilte sich mit' einem Dementi, das am 10. Oktober den Jerusalesmer; Zeitungen zuging. In dem Communiquewird gesagt, Luke habe Herrn Pierre van Paassen gewisse Erleichterungen und Vergünstigungeh durch besondere Information über Palästinaverhäl:t« nisse gewährt, wie sie auch anderen ausländischeir Korrespondenten nicht versagt werden. Herr van Paassen hätte abfer. Äeußerungen •wiedergegeben, die .Herr- Lulfc nicht getaii^ hat, andere Äeußerungen habe er m i t' „f a lso h e m N a c h d r u c k" wiederholt, so daß; ein! unrichtiges' Bfld des Verlaufs der Kon versa tioii entstanden'Ist, Pierre van Paassen reagiert auf dieses Görnmuniqtt$ durch ein Schreiben an „The Pälestine Bulletih", di? von Alle im redaktionellen .Teil befindlichen entgeltlic?ben Notizen sind durch ein b^iggftgt& E be>zelctoieti KOHLE KOKS ANTHRACIT höchster QualHÜI BÄSCH. IV. Argentlnierstraße 22 Telenhon ü?4«..408 Telephon o.^^.ay der J. T. A. herausgegebene Tageszeitung in ertglischeir Sprache, in welchem er erklärt, daß er Inhalt und Verlauf des Gesprächs vollkommen getreu wiedergegeben habe. Sein Besuch bei Luke; schreibt er, sei kein gesellschaftlicher Akt gewesen, er habe Herrn Luke nicht in Zweifel' darüber gelassen, daß;er ein Interview wün.schft und Lukes Äeußerungen in der Form eines Interviews wiedergeben wolle. ' Herr Luke' hat durch nichts:. angedeutet, daß es sich um private und vertrauliche Informationen, handle; er, van , Paassen, habe demnach das Recht gehabt, Liikes Äeußerungen>a 1 s die Ansichtder .R.egierung aufzufassen. ,, \ ■ We"nri: Herr Luke, schließt'. van Paassen, die Frage der; WahrhäfHgkeU autwirft, so möge1 er 'dies mit seinem eigenen Gewissen abmachen; ich pWsÖn'10!^ ' mir das Recht vor, gegen die Urheber und Verbreiter, des Reglerungscpmmuniques die notwendigen. Schritte zu ergreifen. p Diese Erklärung van Pa-assens hat in Palästina/ großes Aufsehen hervorgerufen. . : Van Paassen und der Groß-Mufti. Wiie die J. T.( A. aius Kairo meldet, berichtet vain ' Paassen interessante Eiiizeliheiten über seine Unterredung mit dem Groß-Mufti, die dann dementiert wurden. Der GroßsMufti hat sämtliche Interviews nachher abgeleugnet und alle Mittel angewendet, van Paassen für sich: zu gewinnen. Aüc-h' Fra u en :hat er ihm angeboten... Da der Journalist. sich, unzugänglich zeigte, \vurde er zweimal attackiert, .wobei seine Aufzeichnungen 'verloren gingen. Auch wurde Am in einem Drohbriei niitgeteilt, .er werde das Land hicht 1 eh end'ig verlassen. Die Telegramme, die er in.Jerusalem der;Post übergab, wurden sofort d e m ' G roß-Mufti Jzur Ke n n t n i s' gebracht. „loh bedawre", ' - sagt: van Paassen, „dies mitteilen zu müssen, aber es ist notwendig, [ um den Hintergrund der Lügen, des Ter ro,r s und der; Erpressungen zu erkenuen, denen ich ausgesetzt war,_: weil ich dem Mufti nicht gefällig sein wollte;" ' . ] Jörn Kippur in Jerusalem , ruhig verlauten. ' Jerusalem, 15. Oktober. (Privat.) Der gestrige Jörn Kippur ist in voller Ruhe vorbeigegangen. Es hat sich nirgends ein Zwischenfall ereignet. r Die Chaluz-Einwanderung,! 626 im September, über 800 im Oktober. Das Zentralbüro der Weltorganisation „Hechaluz" teilt mit, daß die britischen Konsulate der verschiedenen Länder bis zum 1. Oktober insgesamt 2296 Mitgliedern des „HechaUtz" auf Rechnung der.für das Halbjahr April* September 1929 von der Palästina*Regierung. beNyilügten 2400 Einrei.sezertifikate Visa erteilt haben. Im Verlauf des Monats September begaben sich 626 Personen nacli Palä* stina, irn Oktober werden ihnen mehr als 800'weitere Chaluzim folgen. Außer den Chaluzim»Zertifikateh wur» den 800 Visa an Verwandte von PalästinasEinwohnern, Fachleute usw, erteilt. Ferner wurden die Pässe von 108 Palästina^Einwanderern, die über eigene Mittel verfügen, vidiert.' ' .. / .'.''..■■'.:■>

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