Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 108 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 108 DIE NEUE WELT Seite 7 1 Alarm ruf an die Jüdische Welt zu senden, daß die Jüdischen Flüchtlinge hungern, well die Regierung die Verteilung von Lebensmitteln an diese Flüchtlinge eingestellt hat. Durch die Einstellung der Nahrun«simittelvertei1«nig witö die Regierung die Flüchtlinge zwingen, in ihre verlassenen Heime zurückzukehren, ahne die vollkommene Garantie für ihre Sicherheit zu übernahmen und ohne die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zu trefifen. Eine große Abordnung der Flüchttiinige erschien fan Bureau der Ziondstisohen Exekutive, xvm gegen die Einstellung der Lebensmittelverteilung seitens der Behörden Protest einzulegen. Die arabische Exekutive gegen die Hulda-Kolonisten. Jerusalem, 2. Oktober. (J. T. A.) Die arabische Exekutive hat dagegen Beschwerde erhoben, daß die Kolonisten von Hulda, die jetzt in ihre zerstörten Heime zurückgekehrt sind, nicht wegen Waffenbesitzes bestraft werden. Bekanntlich haben die Kolonisten von Hulda mit 26 Gewehren Tausende Araber 24 Stunden lang in Schach gehalten, bis englisches Militär herbeikam. Von den Kolonisten war einer gefallen, während auf der Seite der Araber 40 Tote gezählt wurden. 26 arabische Dörfer wurden vom Militär im Zusammenhang mit der Nieder-brennung und der Plünderung der jüdischen Kolonie Beer Tobiah durchsucht. Gegen mehrere dieser Dörfer wird eine Kollektivbestrafung ausgesprochen werden. Jüdische Studentenl Vergesset nicht, gelegentlich der Inskription in die Rubrik „Volkszugehörigkeit" das Wort: „Jüdisch" zu schreiben. Brief aus Polen. (Von unserem Warschauer N.-R.-Berichterstatter.) Austritt des „Hajnt" aus dem jüdischen Schriftsteller- und Journalistenverein. — Abgeordneter Grünbaum über die innerpolitische Lage in Polen. — Instltutum Judaicum. Dem jüdischen Literaten- und JournaUstenvereln in Warschau gehören jüdische Schriftsteller und Redakteure verschiedener Richtung an. Die Vereinigung hat mehr gesellschaftlichen Charakter, die Standesinteressen werden vom jüdischen Journalistensyndikat gewahrt. Es gibt auch in Polen einen jüdischen Penklub. Die Einstellung des Journalisten- und Literatenvereines gegenüber den jüdischen Renaissancebestrebungen, dem Zionismus, deT nationalen Politik, der kulturellen Tätigkeit, der Wiederbelebung der hebräischen Sprache war besonders in den letzten Jahren keine so günstige, wi« man dies von jüdischen Literaten und Journalisten hätte . erwarten müssen, oft sogar eine feindselige. Vorsteher und Wortführer des Vereines, Vertreter des „Bund" (Organisation jüdischer Sozialdemokraten), des Kommunismus traten auch nach außen hin bei gegebenen Gelegenheiten gehässig gegen alles Jüdischnationale auf. Diese Richtungen drückten der Körperschaft den Stempel auf, und dies in einem Lande mit der größten jüdischen Bevölkerung Europas, deren überwiegende Mehrheit für den Zionismus, für das Wiederaufleben des Judentums eintritt. Besonders grell wurde dieser Zustand nach dien überaus traurigen Geschehnissen in Palästina beleuchtet. Während die jüdischen Schriftsteller Palästinas sich mit einem Aufruf a<n die Literaten und Intellektuellen der Welt wandten, während der Jüdische Schriftstellerverein J. L. Perez in New York, der unter seinen Mitgliedern Männer aller Schattierungen zählt, die kommunistischen Mitglieder wegen ihres Auftretens gegen das jüdische Palästina, im Zusammenhange mit den letzten Ereignissen, ausgeschlossen hat — hüllte sich der jüdische Schriftsteller- und Journalistenverein in Warschau, in ein unter diesen Umständen beredtes . Schweigen. In Palästina sind 125 Menschen in Verteidigung des jüdischen Bodens gefallen, mehrere hundert wurden verwundet, Arbeit jüdischer Generationen verwüstet. Der jüdische Schriftsteller- und JomrnaJistewverein in Warschau hatte für die Opfer nichs übrig, fand es nicht nötig, gegen die Schuldigen ein Wort zu sagen; im Gegenteil: er sowie der Bund und die Kommunisten spielten «Ich als Bundesgenossen der Araber auf. Die Verhältnisse gestalteten sich demzufolge für jeden aufrechten Juden so unerträglich, die Atmosphäre wurde für Jeden national Gesinnten derart stickig, daß alle Redakteure der größten Tageszeitung Polens, „Hajnt", korporativ aus dem Verein ausgetreten sind und vom Jü- Cüfe Ä H.,Ob. Donaustr. 47, Tel. R<49-1»509 R-45-1-39 (Ecke Unt. Augart enstraßt) nach vollkommener, bis ins kleinste Detail reichender Renovierung wiedereröffnet I Eingebaut« modernst« H«i*un«* und Int» lültungsonia e Geeamteusführung; J. Müller, V!» Webgasae Ni, 3ö L, und E, Knöpf macher\ dachen JournaMstensyndHtat die Lösung der technischeil Zusammenhänge mit dieser Körperscftaft verlangen. Auch der Jüdische PenkJub Polen«, der bei jeder Ungerechtigkeit das Wort ergreift, in dessen Präsidium Schalom Asch sitzt, hat sich bis jeUt Über die Geschehnisse in Palästina ausgeschwiegen .. , * Das polnische Parlament befindet sich seit Monaten in Zwangsferien. Es wifdi im Laufe des Jahres lediglich zu einer Budgetsession einberufen, wobei es so eingerichtet wird, daß die Beratungszelt von möglichst kurzer Dauer ist. Kaum ist das Budget unter Dach und Fach, werden die Abgeordneten und Senatoren heimgeschickt. In der letzten Zeit gab es, wenn auch eigenartige Versuche der Regierungskreise, eine Fühlung mit den Füll rem der Parlamentsparteien herzustellen. Zuerst sollte über Einladung des Ministerpräsidenten Dr. Switalski und in Anwesenheit des Marschall Pilsudski eine Aussprache über „bessere Methoden der, Budgetbera tung" im Ministerratspräsldium stattfinden. Zu dieser Besprechung wurden von den nationalen Minderheiten nur die Vertreter der Juden und Deutschen ge laden. Zufolge Absage seitens der Führer der polnischen Linken und Zentrumsparteien ist die, Aussprache nicht zu standegekommen. Das Ganze hatte einen ArtJkelwechsel zwischen Marschall Pilsudski über die „sterbende Welt" (gemeint ist der polnische Parlamentarismus) und dem Sejmmarschal'l Daszynskl zur Folge. Auch eine Ein ladung seitens des Obersten Slawek, des Führers der Regierungspartei, in einer Aussprache die Verfassungs Snderung w behandeln, wurde von der Mehrheit der Ein geladenen abgelehnt. In diesem Balle wurden von den Min' derheiten ebenfalls nur die Juden und die Deutschen eingeladen. Die Antwort des jüdischen Parlamentsklubs lautete dahin, daß er an der Beratung, falls die Mehrheit der Ab UFA-TON-KINO Wien, iL, Taborstr.8 Tel. R-42-S-41 Das Filmtheater der guten Gesellschaft zeigt: Tfiglloh Uraufführung MAMOLESCU (Der. Kfinig der Hochstapler) mit Brigitte Helm, Ivan Mosjukln, Heinrich George, Dlta Parlo, sowie das erste deutsche Tonfilmlustaplel ALTE KLEIDER mit Paul Morgan und Siegfried Arno, Beginn: Wochentag 5, 7, 9 Uhr, Sonn- und Feiertag Vt4, 5, 7, 9 Uhr. geordneten an dieser vertreten sein sollte, teil-zunehmen gewillt wäre. Der sonstige Standpunkt der Vertreter de* Parlamentsfraiktionen ging im wesentlichen dahin,, daß' die Behandlung des Budgets und der Verfassungsänderung nur im Parlament, also nach dessen Einberufung, vor sich gshen kann. Die Lage wird durch die tomer tiefer greifende Wirtschaftskrise noch verschärft. Die polnische Ostagentut interviewte den Präsidenten des jüdischen Parlamentsklubs, Abg. Grünbaum, über die derzeitige innerpolitische Lage in Polen. Abg. Grünhaum äußerte sich wie folgt: „Nach dreijähriger Dauer der Regierungen, welche nach dem Maiumsturz im Mai 1926 ans Ruder kamen, wäre festzustellen, daß diese die in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllten. Die Fragen, zu deren Entscheidung der Umsturz erfolgte, wurden nicht gelöst. Manche von ihnen befindet, sich im Zustande einer besonderen Zuspitzung. Immer mehr wird die Unzufriedenheit aller Schichten, sowohl der polnischen Gesellschaft wie auch der nationalen Minderhelten sichtbar. Das unverhältnismäßige Anschwellen der Steuerbelastung und die ruinöse Politik des Staats-Etatismus: (Gründung, beziehungsweise Finanzierung von Industrien und Banken durch den Staat. Anm. d. Red.) tragen hiezu selbstverständlich bei. Die wirtschaftWche Kris-is wächst. Der Zettabschnitt der voll-' ständigen Sicherheit nach dem Westen hin geht zu Ende. Leider wurde er nicht In genügendem Maße für <lie Innere Konsolidierung ausgenützt. Das Problem der nationalen Minderheiten steht weit von der Lösung. Die Versuche, die nationalen Minderheiten wie auch einzelne Parteien zu zerschlagen, hatten nur ein Chaos und eine Demoralisierung zur Folge; sie zeitigten nichts, außer dem Entstehen von liebedene« rischen Gruppen, deren Einfluß täglich zusammenschmilzt. Das Parlament, dessen Autorität ernstlich unterbunden war, wird wiederum der Zentralpunkt des Interesses. Das Parlament gewinnt langsam an Ernst und Autorität. Die Erfahrung der letzten Jahre überzeugte Immer mehr und mehr, daß eine. :V«rfassungsänderung, die Vernichtung des Pariamentaristrmg und die übermäßige Stärkung der Exekutivgewalt nur Schlechtes bringen muß, indem es die Inneren Konflikte verschärft und zu einer Explosion führen kann. Die Parlamentssession muß vor allem eine entscheidende Antwort geben auf die Frage der ausführenden Macht und den Umfang ihrer Verantwortlichkeit vor dem Parlament, Ob sie diese Antwort erteilen wird, wird abhängig sein, von der Entschiedenheit der Parteien. In erster Reihe steht selbstverständlich die Sicherung de« Budgets und de* Kontrollrechtes des. Parlament* Der Bttdgetvorschla« wurde noch nicht vorgelgt, NE PPER (hausierende Teppichiiändier) bedrohen SIE indem sie Ihnen für Ihr outes Ge'd f minderwertige Orientteppiche anbieten* Kaufen Sie daher nur bei einer sesshaften protoftolllerten nrma, die ihnen Gewähr für gute Ware bietet PHILIPP HAAS & SOHNE W'en,l. SrocMm-Eisen-Platz 6, IV. SuHnerplatz I VI. Marlahliferstrasse 75, vm. Hiserstrasse 21 aber höchstwahrscheinlich wird er dem vorjährigen ähnlich sein. Was uns Juden anbelangt, haben wir keine Hoffnung, daß irgend eine unserer Forderungen erfüllt werden sollte. Demzufolge wird auch unsererseits keine Aenderung unserer negativen Stellung dem Budget gegenüber erfolgen. Sollte der Sejm seine Budgetrechte im Kampfe um die Demokratie ausüben wollen, so werden wir uns an diesem Kampfe entsprechend beteiligen." Die Kriegerdenkmäler auf der Israelitischen Abtei-' hing des Zentralfriedhofes. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat dem An«! denken an jene Angehörigen der Gemeinde, die im Welt«! kriege in treuer Pflichterfüllung ihr Leben auf den Schlachtfeldern geopfert haben, ein dauerndes Denkmal gesetzt. Inmitten der Heldengräber auf der Israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes wurde von Künstlerhand das Denkmal aufgerichtet, welches die Namen jener jüdischen Soldaten verzeichnet, die durch den Krieg.dahin«, gerafft, auf den Wiener Friedhöfen ihre letzte Ruhestätte; gefunden haben. Gedenktafeln, die in der Zeremonien* halle an würdiger, Stelle angebracht wurden, verzeichnen; die Namen jener Gemeindeangehörigen, welche voi dem; Feind gefalle fern von der Heimat zur ewigen Ruhe ge» bettet worden sind., Pietätvoll wurden aber auch di«; Gräber jener Juden mit Denksteinen versehen, welche, naohdem sie in treuer Pflichterfüllung auf der Seite de» Gegner gekämpft, in Gefangenschaft geraten und hier den Kriegsverletzungen erlegen waren. An dem Vortage des Versöhnungsfestes, an wel* ehern es dem alten jüdischen Brauche entspricht, die Gräber teurer Dahingeschiedener zu besuchen, wird nun in diesem Jahre die Enthüllung und die Weihe der Krie« gerdenkmäjer stattfinden. Die Feier wurde für Sonntag, den 13. d. Manberaumt. Die Vertreter der Regierung und der Behörden versammeln sich um halb 10 Uhr in der Zeremonienhalle am Zentralfriedhofe (I, Tor), die sonstigen Teilnehmer um 10 Uhr beim Kriegerdenkmale, nächst der Gruppe 76 b. Höovers Rosch-Haschanah-Botschnft. New York, 7. Oktober. (J. T. A.) Der Präsident der Vereinigten Staaten Herbert Hoover hat einen Gruß an die amerikanische Judenheit aus Anlaß des jüdischen Neujahrs ergehen lassen. Das Neujahrsfest des Judentums, heißt es in der Botschaft des Präsidenten, ist allen Bürgern unseres Landes ein willkommener Anlaß, mit Bewunderung und Dankbarkeit an die von ganzem Herzen stammende Loyalität und die hochgesinnten Ideale des jüdischen Teiles der Bevölkerung zu. denken. Ich beglückwünsche Sie nicht allein zu diesen für unser bürgerliches Leben so wertvollen Eigenschaften, sondern auch zu Ihrer unentwegten Politik der Förderung der gegenseitigen Achtung unter den Nationen, die immer mehr Fortschritte) macht. Herr Franklin Roosevelt, der Generalgouverneur des Staates New York, hat aus Anlaß des Rösch' Haschanah einen in sehr herzlichen und anerkennenden Worten abgefaßten Gruß an die Judenheit des Staates New York ergehen lassen. „Haboneh" Bund zionistischer Absolventen höherer technischer Lehranstalten. Am 17. <!.. prttalse S Uhr abends, findet In unserem Klublokale. Wien. 1., Rotenturmstraße 24, enle vom Präsidium einberufene außerordentliche Generalversammlung mit äußerst wichtiger Tagesordnung statt. Erscheinen Pflicht, Wochen-Kalender Oktober 1929 nwn »nn Tischrl 5690 11 Freitag 7-1 Sabbateingang 5.05 12 Samstag 8-n Sabbatausgang 5.51 "3 MI 13 Sonntag T1D3 Dil 3iy 14 Montag 10--» ITWJ TOO 103 ov 15 Dienstag 11-jo ncovn 16 Mittwoch 12-^ 17 Donnerstag 13-*