Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 108 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DK NEUE WELT Nr. 108 [S== 39 T » SITMAR « Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfent IC 4t ffllVIfVIllll 99i Rundrahrl«ii Im Mitt«lm««r Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünite: .Sitmar", I. Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon ü-45009 ik=;tn Bökor Gha#m geplündert hatten, verhaftet. In Biikor ChajJim beendet sich das Haus der Eltern von Marihayiim, da« während der arabischen Angriflfe geplündert und teilweise zerstört wurde. Marhayim soll gegen die plündernden Araber vorgegangen sein. Er wurde gegen eine Geld'bürgsohaft vorläufig aus der Haft entlassen. Zwei Züge britischer Soldaten erschienen in Abugosh, ein^m großen Dorfe in der Nachbarschaft der jüdischen Kolonie Kirjath Anavkn (Dil'b), pflanzten in der Mitte des Dorfes die englische Nationalflagge auf, ließen ailk Männer dies Dorfes sich versammeln und bildeten um dieselben ein Viereck. Der leitende englische Offizier hielt an die Bewohner des Dorfes eine Ansprache, in der er daran! hinwies, daß die britische Macht von den Dorfbewohnern loyales Verhalten und friedliche Gesinnung erwartet- Es verlautet, daß solche friedliche militärische Exkursionen die Dörfer fortgesetzt werden würden. Die arabischen „Theorien". Eine Kundgebung der Berliner Araber. Aus Berlin wird uns geschrieben: Das „Arabische Büro" unter der Führung von Wassel Rassan, Mohamed Nafi und Khalil Dabbagh ließ es sich nicht nehmen, auch seinerseits zu einer Kundgebung aufzurufen: nicht so sehr zu einem Protest, der ja nur die arabischen Bluttaten vor der deutschen Oeffentlichkeit ins rechte Licht gesetzt hätte, sondern mehr zu einer Diskussion über das jüdische und arabische Palästina. Die arabischen Redner sprachen davon, daß ihr Volk, sich „seiner nationalen Mission" bewußt, von der arabischen „Freiheitsbewegung" ergriffen worden sei. Der politische Hintergrund besteht in Englands Versprechen, ein unabhängiges Nationalreich zu schaffen. Diesem Versprechen folgte ajs erster Verrat der Geheimvertrag mit Frankreich, Vorderasien in Machtsphären der europäischen Länder aufzuteilen, als zweiter Verrat die Balfour-Deklaration vom Jahre 1917. Die Zionisten, so behaupten die arabischen Intelligenzler, kommen als Handlanger der englischen Politik ins Land, nehmen der einheimischen Bevölkerung den Boden weg« um sich „unter englischem Schutz" zu Herren des Laiides zu machen. Die Araber sind also die Verfolgten und Eni rechteten, die allen Grund haben, sich zu wehren. Diese primitive, den Tatsachen ins Gesicht schla gende Anschauung fand in Dr. Nahum Goldmann, dem radikalen Zionisten, ihre Widerlegung, der sich die Versammlung nicht verschließen konnte, mit Ausnahme natürlich der arabischen Chauvinisten» die nur auf Ziele» aber nicht auf Taten hinweisen konnten. Goldmann legte die Wurzel des Zionismus bloß, in dem er ausführte, daß die Lösung der Judenfrage, die Erhaltung des jüdischen Volkes nur in der Wiederanknüpfung an die alten Tra ditionen auf heimatlicher Scholle möglich sei. Dem Recht der Araber auf einen unabhängigen Nationalstaat (wenn sie ihn wollen und zu errichten vermögen) stehe das Recht des jüdischen Volkes gegenüber, seine Existenz, sein geistiges und physisches Sein, in Palästina vor dem Untergang zu retten. Goldmanns Logik war zwingend: er gab zwar zu, daß die Zionistische Organisation noch nicht die Mehrheit der Judenheit hinter sich habe, dafür aber stehen die Kulturvölker der ganzen Welt hinter der Palästina-Idee, die deswegen lebenskräftig und unzerstörbar sei. Das Vertrauen aller vernünftigen Menschen auf die rationale Entwicklung des Palästina-Aufbaues sei so groß, daß schon vor der Vollendung des jüdischen Nationalheims eine staatsrechtliche Verständigung zwischen Juden und Arabern erfolgen werde. Das arabische Reich der Zukunft, das von Mossul bis Aden, von Akaba bis Bagdad reichen soll, könne durch das jüdische Element im kleinen Raum Palästina nicht in Frage gestellt werden. Goldmanns Argumente waren eine Verständigungsbrücke. Aber die Araber enthüllten sich selber, als sie LERNET FREMDE SPRACHEN In der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch das Wesen des jüdischen Aufbaues charakterisierten, indem sie erklärten: die Juden haben die ganze westliche Zivilisation, ihre Arbeitsenergie und ihre Technik in sich aufgenommen, sie haben große Geldquellen hinter Sich, vor allem seit der Erweiterung der Agency auch das jüdisch-amerikanische Kapital. Sie kommen ins Land wie ein Schnellzug, mit einer kolossalen intellektuellen Ueberlegenheit, sie drohen durch ihre eigene Kultur dem Arabertum den Weg zu einer eigenen Wirtschaft zu verlegen. Das heißt so viel Wie: Da wir mit euch nicht Schritt hajten könnei^#vinüssen. w|reucji erschlagen. Genau betrachtet, ergibt sich wieder einmal das Symptom der Verleumdung des Rückständigen gegen die Macht des sozialen Fortschrittes. Auch in Berlin sprach aus dem Munde des „Arabischen Büros" die Machthaberei der Effendis, die „Sklavenmarkt" meinen, wenn sie von „Kultur" sprechen. AUS PALÄSTINA. Die Palästinaregierung erzielt weher Ueberschüase. Jerusalem, 3. Oktober. (J. T. A.) „Officiai Gazette" teilt mit, daß in den ersten sieben Monaten dieses Jahres das Schatzamt der Palästinaregierung 1,268.250 Pfund eingenommen hat. Die Ausgaben betragen 1,021.534 Pfund, so daß sich ein Ueberschuß von 246.716 Pfund ergibt. Ein- und Auswanderung im August. Jerusalem, '3. Oktober. (J. T. A.) Wie heute mitgeteilt wird, sind im Monat August 319 Einwanderer, unter ih^en 265 Juden, 51 Christen und 3 Moslemiten, in Palästina eingetroffen. In dem gleichen Monat sind 217 Personen, unter ihnen 151 Juden, 44 Christen und 22 Mösle« miten, ausgewandert. Im Hafen von J a f f a ist am 2. Oktober ein Dampfer eingetroffen, der 300 jüdische Einwanderer, unter ihnen 120 Chaluzim» nach Palästina gebracht hat Justin Godard und Professor Balla über die Hetze der Effendis. Aus Jerusalem, 2. Oktober, meldet die J. T. A.: Senator Justin Godard, der bekannte Staatsrechtler, früheres Mitglied der französischen Regierung, Begründer und Präsident des Pro-Palästinakomltees in Frankreich, der gegenwärti« in Palästina weilt, erklärte in einem Gespräch mit dem Sonderkorrespondenten der Jüdischen Telegraphen-Agentur Pierre van Paassen, er habe den Eindruck gewonnen, daß gewisse Führer der Moslemiten den religiösen Fanatismus der arabischen Bauernschaft durch schändliche UnWahrhaftigkeit und Verzerrungen aufgepeitscht und die arabischen Bauern zum Angriff auf die jttdschen Kolonien aufgehetzt haben. Dazu kam noch das Moment der Habgier. Als die Effendis den Bauern versicherten, daß die Regierung die Niedermetzelung von Juden und die Plünderung von jüdischem Hab und Gut billigt, waren alle Hemmungen überwunden. Der gleichen Ansicht gab auch Professor Balla, das Oberhaupt der Theologischen Fakultät an der Leipziger Universität, in einem Gespräch mit van Paassen Ausdruck. Prof. Balla sagte, die Efefndis, die Feinde des Fortechrittes, waren eben dabei, durch einen systema. fischen Feldzug mittels Lüge und Verleumdung eine Katastrophe heraufzubeschwören, und fast wäre ihnen das gelungen. Diese Effendis fühlen ihren Einfluß schwinden, sie merken, daß die arabischen Bauern nicht mehr willenlose Sklaven sein wollen, und sie suchen durch Propagierung von R e ligd ons- und Rassenhaß ihren Einfluß wieder zu befestigen. Das arabische Proletariat, fuhr Prof. Balla fort, obwohl in seinem Gefühl noch primitiv, wird sich sicherlich bald vergegenwärtigen, daß es aus dem jüdischen Tätigkeitsprogramm großen Nutzen ziehen könne, daß die Juden seine Freunde sind. Sacher und Ruthenberg bei Chancellor. Jerusalem, 2. Oktober. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der Ermordung des jüdischen Schubmachers Sellman Mouhajez erschienen .Pinohas Ruthenberg als Repräsentant des Waad Leümi und Harry Sa eher als Repräsentant der Zionistischen Exekutive beim Oberkommissar Sir John Chancellor und erörterten mit Ihm die Frage der öffentlichen Sicherheit in Jerusalem. Sie teilten dem Oberkommissar mit, daß die jüdische Bürgerschaft noch immer das Gefühl der Unsicherheit habe. Der Oberkommissar gab die Versicherung ab, daß die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen nicht gemindert wurden, daß im Gegenteil die Behörden eine immer größere Wachsamkeit an den Tag legen. Auch die Sicherheit in der Gegend zwischen Jaffa und Tel-Awiw läßt viel zu wünschen übrig. Nach einer Prügelei zwischen einigen Arabern entstand eine Panik, arabische Ladeninbaber schlössen ihre Läden und rannten In ihre Wohnungen, die jüdischen Ladenlnfoaber von Jaffa flüchteten nach Tel-Awiw. Erst nach einer halben Stunde trat Beruhigung ein. Die Arbeit der Gerichte. Jerusalem, 4. Oktober, (J. T, A.) Vor dem Richter Litt in Haifa hatte sich Josef Kranit« wegen versuchten Mordes zu verantworten. Er hatte am 24. August gegen eine Menge von etwa 500 bewaffne ten Arabern, die gegen die jüdische Villenstadt Hader Hü* karmel vorrückte, Schüsse abgegeben. Richter Litt erschien vor Gericht, begleitet von einem britischen Soldaten, der während der ganzen Dauer der Sitzung in seiner Nähe sicli miNiiult. Es verlautet, daß Araber ein Attentat gegen Richter Litt wegen seiner strengen Urteile gegen arabische Plünderer planen. Das Urteil gegen Kfanitz ist noch nicht erflosscn. Heute wurde in Haifa der Prozeß gegen Nahum Miller, seinen Sohn Baruch und drei seiner Ange- Die Feinwaschanstalt ,Habsburg< entbietet ihren Kunden anläßlich des Jahreswechsels die besten Glückwünsche stellten eröffnet. Sie werden beschuldigt, während der Unruhen einen Araber getötet zu haben. Das Jerusalemer Gericht verurteilte heute zwei jüdische junge Leute, die während der Unruhen im Besitze von Revolvern angetroffen wurden, zu je 25 Pfund oder zwei Monaten Gefängnis. Das Gericht in Jaffa verurteilte den 23jährigeu Juden Eliazer, Angestellter eines britischen Konzerns in Jaffa, der während der Unruhen einen Araber verletzt hatte, zu vier Jahren Gefängnis. Sein Verteidiger, der Anwalt Horowitz, führte aus, daß die Araber an jenem Tage sich in einer solchen Erregung befanden, daß jeder Jude um sein Leben bangen und fortwährend auf Selbstverteidigung bedacht sein mußte. Das strenge Urteil gegen den jungen Juden hat in Jaffa und Tel- Awiw Aufregung hervorgerufen. Arabische Anwälte. Jerusalem, 4. Oktober. (J. T. A.) Das Gericht in Jerusalem tagt gegenwärtig unter dem Vorsitz des Bodenkommissärs, Herrn Abrannsohn, um zu entscheiden, welche Dörfer in der Nachbarschaft der jüdischen Kolonie A r t u f f in der Nähe von Jerusalem wegen der Ausplünderung und Niederbrennung dieser Kolonie kollektiv zu strafen sind. Die arabischen Anwälte beantragten, daß gegen solche Dörfer, in denen Einzelpersonen bereits wegen Plünderung abgeurteilt sind, nicht mehr vorgegangen werden soll. Als das Gericht diesen Antrag ablehnte, vef- Heßen alle arabischen Anwälte demonstrativ das Gerichtszimmer. Das Gericht beschloß trotzdem, die Verhandlung weiterzuführen. Bodenkommissär Abramsohn, der frühere Gouverneur des Norddistrikts, wurde wegen seines jüdisch klingenden Namens oft von. arabischen Nationalisten und Araberfreunden in London angegriffen, er . ist aber Nichtjude. Der Distriktskommissär von Jerusalem, Major Reith Roach, Hat sich entschlossen, gegen Boykottagitatoren persönlich zu judizieren. Für jeden Fall einer Boykottpropaganda vor jüdischen Geschäftsläden legt er eine Geldbuße von 25 Pfund auf. Arabischer Waffenschmuggel. Jerusalem, 5. Oktober. (J. T. A.) Die Aufmerksamkeit der Regierung wurde auf einen von Arabern betriebenen intensiven Waffenschmuggel gelenkt. Große Schiffsladungen mit Wjaf-feftkontrabandle treffen täglich in Haifa ein und werden hinter dem Rücken der Behörde in das Land geschmuggelt. Es handelt sich meist um Filmten, Revolver und Munition italienischer Provenienz. Der Stadtingenieur von Haifa informierte die Militärkommandantur über diesen Waffenschmuggel und unterbreitete ihr Zahlen, aus denen hervorgeht, daß in den letzten wenigen Tagen Tausende Flinten und Revolver unter den Arabern verteilt wurden. Bs heißt, daß reiche syrische Araber ddesen Waffensohmuggel finanzieren. Die jüdischen Flüchtlinge hungern. Jerusalem, 7, Oktober, (J. T. A-) Die Führer der orfentaltfscben jüdischen Gemeinden Jerusalems hielten eine Besprechung ab, in der sie Ihre Absicht kundtaten, einen VerotDiste VersicheruDos-Aktien-Gesellsehaft 2 M Mauz: Wien II Otto TßlerjdGn B-43-5 2d Serie sMUm SwliHMmfsHitmiu m ta kulanten» IsflHingra wi Wid 1 .nHHiirRiiiiHimHHninHMmiiniHmiiinuiMii MiiiHiiiiuiiuiiiirftiHiiintiiiiiiii i niitiiiii iiiiiiiiiitii iirii riniitii Iii iiiiit^