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Die neue Welt · 1929-10-11 · Heft 108 (11.10.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 108 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Seite 5 KUHEROL ist verbargt reines Fett aas Kokosnüssen. Die Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld 2U Mattersburg. K U tN E R O L kann daher von jedeni Strenfgläübljen auf Zubereitung der Speisen verwendet werden. Rußlands Krieg gegen die jüdische Religion, Ein Aufruf an Kinder. Die jüdische kommunistische Sektion in der Ukraine hat. ein'Manifest an die jüdischen Kinder erlassen, in welchem diese aufgefordert werden, das Fest des Hosch Haschanah und des Jörn Kippur uieht zu halten und. statt die Synagogen zu besuchen, zugunsten «sozialer Zwecke zu arbeiten. Die Kinder werden aufgefordert, bei ihren Eltern zu agitieren, daß auch diese an den hohen Feiertagen ihre Arbeit tun sollen. Das Manifest enthält! 12 Punkte, in denen die KiDder aufgefordert werden, den Kampf gegen die Religion zu führen und d e n K It o r n d e n G e h o rs a m z u v e >• w e i g e r ri, wenn diese sie zu religiösen Handlungen auffordern. „Tag der Kol lektivisnltion'1 aiii Jom Kippur. Die Regierung der Sowjetunion hat den t4. Oktober als „T a g der K o 11 e k t i v i s a t i o o" prok lamiert; an diesem Tage sollen alle Bauern der Sowjetunion zum Besten der Kollektivisierung der Landwirtschaft iu Sowjetrufiland-arbeiten, d. &. den Ertrag dieses,, Arbeitstages einem Fonds für. Ko'Üektivisierung zut'iihren. Da der 14. Oktober auf den jüdische n V e rs'öhnungstag fällt, sind die jüdischen Kolonisten in, eine große Verlegenheit geraten. Sie fürchten, daß die jüdischen Kommunisten mit allen Mitteln versuchen werden, die Arbeit auf den Feldern, der jüdischen | Kolonien zu erzwingen, damit die Solidarität mit dem allgemeinen Bauerntum gewahrt wird. Die Kampagne der jüdischen Kommunisten gegen die jüdischen Feiertage hat sich in den letzten Tagen verschärft. Ucbcrall wird die Forderung nach Wegnähme jüdischer B c t h ü u s c r für Arbeiterklubs erhoben. Die frommen Juden errichten in der TN'ähc der Synngogen groRe Holzbarocken, um für den Fall der Beschlagnahme der Synagogen über eine Andachtsstattc zu verfügen. Unter dem 7. Oktober meldet die J. T. A. aus Moskau über ein Eiulenken der Regierung: Der Vizepräsident der Sowjetregierung Herr Smido witsch versandte heute auf telegraphiscbem Wege eine Instruktion an die Regierung der Krim und Ukraine, die lautet: „Sollte der Arbeit am' „Tag der Kollektivität" in den jüdischen Kolonien Schwierigkeiten begegnen, so hat das Zentialexekutivkomitee nichts dagegen, daö für d i e ' j ü d i s c h e n Kolonisten ein anderer Tag für die Arbeit zugunsten der Kollektivität bestimmt werde. Die Regierungen der Krim und der Ukraine mögen die ihnen unterstellten Organe dahin informieren« dal? die Juden an ihrem Versöhnungstage von der Arbeit zugunsten der Kollektivität befreit werden sollen." .. Diese Anordnung ist., eili; Schlag für diejenigen Kreise^die gegen die jüdischen; Feierlage agitierten. Die Moskauer Zeitung ..Fmess" fordert die jüdischen; Kolonisten auf, trotz dieser Anordnung, am Jörn Kippur zu arbeiten. '•'"'>"" Wie die Juden „beschützt" wurden. Wie zu Zeiten der Zaren. — Englische Beamte gelehrige Schüler der Russen. Zuversicht. Jüdische Einer. d«r angesefeusten Aerzt-e Wiens stellt der „Neuen Welt" nachfolgenden Brief eitles Freundes und Kollegen, welcher in Palästinaan einer leitenden Stelle tttltf iaX. 'mt Verüüg'U'ng. Die zum Schlüsse angeführten; 'Namen zweier europäischer"'zionistischer Parteib-Iätter wurden weggelassen 'und durah Punkte ersetz!. Jerusalem, den 2L September 1929. Lieber Dr.....; "Nun sind es vier Wochen nach dem Aus breche der Unruhen und. alimählich, läßt sieh die Sache übersehen.\. Es wird. Dich sicherlich interessieren, einen^.Bericht zu haben;, dabei will ich das aus den Zeitungen Bekannte nicht wiederholen. Schon drei Tage früher wußte jeder, daß es am Freitag losgeht./Am'Donnerstag erschien der von der Regierurig eingesetzte Leiter des; Sanitätswesens in Palästina,'Dr. Heron, ein hochnas*Ser Antise mitj im Spital und verlangte, . man solle .jtött^.vorberjeiteii. Was nicht vorbereitet wurde/ wär ein Polizeiaufgebot Die einzige Vorbereitung waren 'ein paar Wassertanks, um eventuell Demonstranten zu bespritzen. ' i : .' vH; v ' . : Am;I^rei:tag; morgen sah man massenhaft Fellachen in Clriippen^; mit Stöcken bewaffnet, in die Stadt kpmmeh. Um 1 Uhr, als sie vom Gebet aus der Moschee: kernen, :t.ö;t e t e n sie beim Herauskommen , vom Jaffaton d e nersten J u d c n, der ihnen be- gegnete.; Die.Polizei schaute zu und als die Leute zu plündern anfingen, trat besagte Spritze mit lächer-: Ilcliem Erfolge.in :A}ction. Die Araber überfielen dann das. jüdische'.Viejtel. Monteriore,, welches neben, dem Jaffator liegt. Sie hätten sicherlich' alles umgebracht, wenn .'nicht1:. "efte" Jüdische Selb.stwehr sie mit Schüssen zurückgetrieben hätte. Die; Araber' hatten-hier ihre ersten Toten. Derselbe .' Vorgaug wiederholte sich, als die Araber nach Mea- S c h e a r im eindringen wollten. Sie kamen vom Damaskustor, wo sie einige.; Juden, die: sie auf der \ Straße erlischt hatten, getötet hatten.: P o 1 i z e l> sch'a u t e a uchiii e r zu und sie wären sicherlichin die jüdischen . Vierte! eingedrungen, wenn nicht ein einziger; Mann'der Selbstwehr deii Arabern entgegengetreten jwäre. Drei er.sehoß er, einige wurden verwundete und der Rest, einige Hundert,; flüchteten. ,;'■'-. "' - Allerdings muß bitont werden, daß die wenigen englischen Polizisten mjt Genugtuung den Juden schießen ■•!Sie waren selbst empört, daß sie dem Morgen ruhig zusehen mußten und den' strengen Auftrag hatten, nicht zu schießen. Einige <2^h später wurden ■; die Araber, zum Teil unter Regierjmgsschutz, in die Dörfer zurücktrynsportier^. Am nächsten Tage beschossen die arabischen Dorfleute von den Feldern aus die Vorstädte Jerusalems.'Einfee Versuche, in die Stadt einzudringen, wurden von der Selbstwehr zurückgewiesen. Die Regierung benahm sich ganz kopflos. Bald bewaffnete sie die Juden, bald entwaffnete sie sie. Wir wußten nicht, wie weitMnän bei der Verteidigung den Engländern — die Beamten wurden'bewaffnet und als Polizisten verwendet, einer ist gefallen — trauen durfte, und wir waren in der tragikomischen Lage, einerseits die Angriffe abwehren zu müssen, an-, dererseits die Waffen vor den Engländern verstecken zu müssen. Man erzählt, daß Leute, die zusammen mit den Engländern gekämpft hatten, später wegen Waffen tragens verhaftet wurden. ~ Am Montag war es in Jerusalem schon ruhig. Der ,-Kampf" wurde insofern noch fortgesetzt,' als Araber vereinzelte Juden überfielen und töteten. Die Juden — meist kurdische und persische — taten dasselbe. Seit zwei Wochen ist es in Jerusalem ganz rübig; Ueber die Kämpfe im Lande dürftest Du aus den -''Zeitungen informiert sein. Zu erwähnen wäre nur nqcii Ha if a, wo die Araber zuerst vereinz e-I t e Juden töteten und dann einen' Ueberfäll auf den Hadar Hakarmel versuchten, aber solche Prügel bekamen, daß, wie die englischen Zeitungen richtig. erwähnen, die landenden Matrosen e'he'r die -A r'3her vor den Juden als umgekehrt zu schützen hatten. Wenn die Engländer nicht gekomnfeh wären, wäre es den Arabern in Haifa sehr söhleeiit-' gegangen. Sie hatten. aber auch so sehr gröjße Verluste. Man kann es schon daraus ersehen, daß'der Oberkominissär nach Bagdad melden ließ, daß, die Meldungen über die arabischen Verluste übertrieben seien.; $eli'r schlecht hat sich der englische Polizei kommandant von Haifa benommen, Als die Juden ihm vor den Unruhen sagten, daß dje. Araber sich zum Angriff vorbereiten, erklärte er dem jüdischen 'Abgesandten zynisch: 'i*:- ' i »Du kannst ruhig sein, ich werde rechtzeitig, komrnen. Zwei Minuten nach deinem Tode werde 1 V, ich schon da sein.** V. ' .< Der gute Mann und die ganze Regierung hier glauben: anscheinend — ich mache keinen Witz da!ß: die Juden sich abschlachten lassen müssen wie in'Hebron. Dabei ist es Tatsache, daß es nur dort, wo die Juden sich selbst verteidigt haben, nichts ge» schehen ist, und wo sie. sich auf die Versprechungen der Regie* •rimg verlassen haben, s|e ohne Scfcut« abge. |ir ,' schlachtet wurden (Hebron und Safed). i; Die Verteidiger von Haifa, bei denen man Waffen fand, ..wurden nicht wegen verbotenen Tragens von Waffen, sondern wegen Mordversuch-an» ( gekiagt. Um das Verhalten der arabischen Polizei zu beurteilen, genügt zu erwähnen, daß bei allen Unruhen nur ein einziger arabischer Polizist verwundet wurde. Dieser hatte das Pech, daß er vom englischen Polizeioffizier beim Morden — es war in Hebron — erw i s c h t u n d angeschossen w u-r d e. Die Engländer sind systematisch dann erschienen, wenn alles vorüber war. Am empörendsten war es in Safed, wo die alten Juden um Schutz flehten, es war schon sechs Tage nach dem Ausbruch des Austandes und es waren schon tausende englische Soldaten im Lande. Und die Regierung versicherte, es wäre alles ruhig. Als dann der Pogrom ausbrach, erschienen die Soldaten erst, wie die halbe Stadt verbraunt war und über 20 Tote dalagen. Die Bevölkerung wurde dann ins Regierungshaus gebracht, während die Araber ruhig plünderten. Die gesamten Verluste der englischen Armee betragen in diesem „Feldzuge", wo doch die englischen Zeitungen von Aufständen des ganzen Arabiens, der Beduinen, vom Amoklaufen der Fellachen logen, einen Leichtverwundeten! Außerdem wurde ein Hauptmann in Jenin, als er bei einein Araber Kaffee trank, vergiftet.; Von einem Aufstand aus religiösen Gründen war keine Rede.. Die Fellachen wurden zum Rauben aufgehetzt, indem ihnen von ihren Führern erzählt wurde, daß die Engländer . ihnen .nichts machen werden, w.as in der Tat zutraf. Die .ganze Stadt lachte» .-auch die Juden, als man während der ärgsten Schießereien die englischen Flugzeuge s p a z i e r e n f 1 i e g e n s a h, ohn-e einzugreifen. Die größte Schuld trägt d i e . h i e sj.g.e englische Regierung. Sie hat das Ganze inszeniert — es ist ihr. allerdings über den Kopf ge- - wachsen —■ hat mit Zynismus, der mir absolut.nicht, begreiflich ist, die wehrlosen . Juden in Hebron . und. Safed abschlachten lassen, wo es ruhig gebliehen wäre,' wenn sie nur z w ei S o ld a ten. gesell i c k t hat t e. Sie hat uns daran gehindert,: uns;. selbst , zu verteidigen und hat auch keinen einzigen ihrer Soldaten riskiert. Der Dank, den die Juden jetzt der Regierung für die Herstellung der Ruhe ausdrücken, kommt so vom Herzen wie die Politik der 1 Engländer den Juden gegenüber bis jetzt. Vielleicht werden wir auf diesem Wege weiterkommen, denn wahre Freundschaft verdienen sie nicht. Am erfreulichsten war das Benehmen der Juden.;und,;es ist. meine sichere Ueberzeugung, daß wir von dies.ejn Unglück nur profitieren werden. Das Wichtigste ist, daß wir gelernt haben, daß wir uns,.n;u:r;a uf uns selbst verlassen müssen und dürfen. Die Stimmung ist zuversichpich, denn wir haben gesehen, daß, wo wir uns allein/verteidigt haben, die Araber trotz ze hn f ach.e r U e b e r m.a c h t; z u r ü c kg e s c h 1 ä g e ft,. w; ü r- '■ den. Unangenehm berührt hat hier, der Ton .der., jüdischen Presse, sowohl der . .'. (die Araber'.berufen sich schon auf sie), als auch der'... ./mit ihrem Wehgeschrei und ihren Gedichten. Beste Qrpe Dr. ."-, .' ," :.. Die Sicherheit im Lande. General Dobbie in Chedera.; , Jerusalem, 7. Oktober. (J. T. A.) General .D-obb'le, der Kommandeur der brltisaben Truppe^ in Palästina, der in Gesellschaft des Polizieikomimari^nten Mü v r o g o d a t o auf einer kspaieruiirgsrei-se dfarch Judfa und Samaria 'begriffen ist, besuchte auch die Kolonie Chedera, wo er an den Leiter des ikakalen Rate« die Frage stellte, . :' : wie sich die Kolonie im Falle der Zurückziehung der britischen Truppen zu befestigen und zu verteidigen ■ '•■ gedenke.' •' -'- '■'-:; ■ ' Die.Frage des Militänkommandanten setzte d$e ßewobuer von Chedera in Erstaunen. Die Frage wurde night' beantwortet, aber es wurde an d«n Mahtärkonirnaijdanten das. driiiigeinde Ersuchen gerichtet, einen ständiigen Militärposten änj dier Kolonie zu belassen und ferner m veranlassen, daß die' vor etwa sechs Monaten aais dier Kolonie' entfernten versiegelteen Arsenale wiiedser nach der Kodonie gebracht werden sollen. <•;. Herr - M a r h a y i im, der während des Palästinalelär üuiges Unterquartienneister des jüdischen Regiments gewesen war, wurde auf Grund e'iner Anizeiige der Araber von Bait Zefaifa, -dii« die Jenisatoroer iiidisehie Vorstadt

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