Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 108 (11.10.1929)
- Date
- 1929-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 108 DIE NEUE WELT Seite 3 "1 Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Sun44f^ den demokratischen Spuk verjagt. Damit sich diese New Yorker Judenkerle nicht einbilden, daß ein deutscher Student zu kaufen ist! Den Kaufpreis für ihre Gesinnung haben sie genommen, aber die Ware haben sie — nicht geliefert. Nicht sehr feinl Aber wenn man näher zusieht, erkennt man, daß die New Yorker Juden, welche für ihr Geld keine bessere Verwendung finden, diese Behandlung reichlich verdient haben. * Im Münchner Organ der nationalsozialistischen Ar* beiterpartei Deutschlands „Illustrierter Beobs achter" ist unter dem Titel: „Der Araberkampf gegen die jüdische W e 11 p e s t" ein Artikel über die Vorgänge in Palästina erschienen, in welchem es heißt: „Der Außenmiinister des britischen Weltreiches, Henderson, bat auf der Vollversammlung des Völkerbundes in Genf, an der, was an sioh gar nicht auflässig war, auch der jüdische Führer Weidmann teilgpnamunen -hat, voller Betrübnis und Zerknirsormn« bekanntgegeben, daß bei den Unruhen in Palästina bedauerlicherweise bis jetzt schon mehr als zweihundert Juden den Tod gefunden hälfen. Aus .dieser M.iüeüwg kann man also den höchst erfreulichen Schluß ziehen, daß die eingesessenen Araber ihrer uns voll verständlichen Wut und berechtigten Empörung gegen die frechen jüdischen Eindringlinge und A u sbewter in einer Weise freien Lauf gelassen haben, die eiiner nachhaltigen Wirkung hoffentlich nicht restlos e n i ib e ih r e n w i r d." Für die Partei, welche in ihrem Organ s o schreibt, haben die Heidelberger Studenten in überwältigender Majorität gestimmt,-nachdem .sie von den ateu gefälligen New Yorker Juden o i u i g e M i. 11 i o n e n Dollar geschemkt erhalten hatten. Es leibe der jüdische Verstand und d,er jüdische Stoliz! * Im Vormonat fand in Rostock eine Tagung der ,q<*j}« u t s c h e n F r e i h e d t s b o w •© g u n g" statt. Alle Referenten hielten blutrünstige Reden g'egen die Juden und legten Resolutionen— übrigens cinstiiiTimig.angenommene — vor, welche leisten Endes zur Veranstaltung von Pogromen in Deutschland aufforderten. Der als Ehrengast erschienene Ministerpräsident des Bundesstaate* Meakleti'biirg- Sohwerin begrüßte nach Anhörung der Reden den.Kongreß und erklärte, daß sich die Regierung des Bunde s- Staates mit der Tagung u n d i h r e n B e s c h 1 ü ssen einig fühle. Jetzt schickt die Regierung von Mecklenburg-Schwerin Einladungen an alle Banken, auch an die jüdischen Banikiers, eine achtprozenUge 15-Miltionen- Anleihe ihres Staates aufzunehmen. Einiige jüdische Zeitungen schreiben voLl Entrüstung Über diese Frechheit und glauben, daß sich kein jüdischer Bankier so weit erniedrigen werde, dieser Einladung zu folgen. Na! Es soll schon einmal vorgekommen sein, daß jüdische Geldleute sich eine Ehre daraus gemacht halben, antisemitischen Regierungen Geld zat leihen. Auch, für weniger als acht Prozent ... * „Judenrepublik" — wjfiide:njustiz". Im Bauernprozeß, der vor dem in Rendsburg tagenden Kieler großen Schöffengericht stattfand, wurden die Angeklagten Guth und Dr. Peters freigesprochen. In der Urteilsbegründung heißt ' es, das Wort Verband demokratischer Zionisfen | Mittwoch, den 16. Oktober um halb 9 Uhr abends im I „Goldenen Saal1* des Cale Siliert I., Schweden- §§ platz n Versammlung} Gegenstand: § Politische Lage in Palästina 1 Politische Lage in Oesterreich 1 Der Zustand in der Zionistischen 1 Organisation Oesterreichs | Gäste willkommen! Eintritt frei 1 j Achtung! Die Veranstaltung findet im 1 »Ooldenen Saal* des Cafe Silier, I, Schweden« I platz, statt i 3 »UAfiSfiUftG« anrufender bequemste „Judenrepublik4' sei nach Ansicht des Gerichtes kein absolutes Schimpfwort, wie dies auch in einem Reichsgerichtsurteil ausgesprochen sei. Es ikomtne darauf an, ob die republikanische Staatsform verächtlich gemacht werden solle. Dies habe aber nicht festgestellt werden können. Dazu bemerkt „Vorwärts": „Das Reichsgericht hat in seinem bekannten Urteil das Wort „Judenrepubllk" nicht als Beschimpfung ansehen wollen. Infolgedessen häufen sich die Urteile anderer Gerichte, die dieses als Beschimpfung gewollte Wort straflos erklären. Das Reichsgericht feiert heute sein 50jähriges Bestehen in dem erhabenen Bewußtsein, durch das Wort „Judcnrepublik" auch das ähnlich klingende „J u d c n j u s ti z"' sanktioniert xu haben." Die Hakenkreuzler im Rheinland. Ley von einem Juden gezüchtigt. „Frankfurter Zeitung" meldet aus Koblenz, daß die Nationalsozialisten am Mittelrhein und an der Mosel, im Taunus und im Westerwald und an der Lahn seit Monaten eine äußerst rege Werbetätigkeit entfalten. Die Agitation ist in der Hauptsache antisemitisch eingestellt. Die Bewegung verfügt über reiche Geldmittel und die Stoßtrupps, die meist aus Erwerbslosen bestehen, haben nichts zu tun, als ins Land zu fahren und zu agitieren. Vor vierzehn Tagen wurde in Cröv an der Mosel der 9 IMMMM&> gegen Krampf-Adern un"1,1 VgrüESSETungdErBeinfiirm Gommiwarenbaus „ALPHA" Dr. D. Goldenzweig nur I. Adlereafese 8 quemsre waschtag! TEL' 4ä 2^-5-20 S£ft)£ nationalsozialistische Führer im Rheinland Landtagsabgeordneter Dr, Ley- Köln von einem jüdischen Metzger und Viehhändler, den er in einer Versammlung schwer beleidigte, so gezüchtigt, daß er eine Zeitlang daran denken wird. Die ganze Gemeinde stand zum Schutze ihres geachteten jüdischen Mitbürgers gegen die nationalsozialistischen Rowdies zusammen, so daß diese den Ort fluchtartig, verlassen mußten. Am tollsten geht es aber in der Fremdenstadt Koblenz zu. Es vergeht kaum ein Tag oder eine Nacht, in der nicht die Hitlermannen Zusammenstöße zu provozieren suchen, Tag und Nacht läßt die Polizei Patrouilleu gehen, um Zusammenstöße im Keime ersticken zu können. Leys Ritualmordhetze. Der nationalsozialistische Landtngsabgeordnete Dr. Ley war, wie erinnerlich, im Juni dieses Jahres wegen Aufreizung zum Klnssenhaß und Beschimpfung der jüdischen R eligionsgemeinschaft zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte in seinem Blatt einen Artikel veröffentlicht, in dem er behauptete, daß der Primaner Daub einem Ritualmord zum Opfer gefallen sei, und hatte in einem Bild einen angeblichen Scliüchtungsakt an einem Menschen dargestellt. Gegen das Urteil hatte sowohl der Staatsanwalt wie der Angeklagte Berufung eingelegt. Als er in der Verhandlung das Ritualmordmärchen aufrechterhalten wollte, wies der Vorsitzende in scharfen Worten darauf hin, daß Dr. Ley mit der Angelegenheit sich nur in sachlicher Form, nicht aber in solch verhetzender Weise hätte befassen müssen. Der Staatsanwalt Doktor Rauker betönte in seinem Plädoyer, daß es erschwerend ins Gewicht' falle, daß Dr. Ley in seinem Kampf gegen den politischen Gegner "selbst vor den heiligsten Gütern der Religion nicht halt mache. Er beantrage eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht verwarf die Berufung und bestätigte das Urteil erster Instanz. In der Begründung wurde ausdrücklich betont, daß die in dem inkriminierten Artikel enthaltenen Behauptungen außerordentlich schwere Beschimpfungen der jüdischen Religionsgemeinschaft bedeuten. Der ehemalige Minister Friedman gestorben. Kowno, 20. September. (J. T. A.) Im Alter von 70 Jahren starb an Herzschlag das Mitglied des Kreisgerichtes von Poniewesch, Advokat Bern a r d F r i e dm a n, der seinerzeit Minister für jüdische Angelegenheiten der litauischen Regierung gewesen ist. Neue hebräische Sammelbücher über Palästina. Historische und folkloristische Forschungen. Bis*vor kurzem haben sich die. Juden gar nicht an der Erforschung Palästinas beteiligt, bis auf geringe Ausnahmen, die neben der reichen Tätigkeit nicht jüdischer Forscher auf diesem Gebiet gar nicht ins Gewicht fielen. Es mangelte nicht an Interesse, sondern an Geldmitteln, so daß das ergiiebige Reich wissenschaftlicher Studien fremden Gelehrten überlassen werden mußte. So kam es, daß die palästinensischen Forschungen nicht vom jüdischen Standpunkt aus unternommen und gerade jene Momente vernachlässigt wurden, die den jüdischen Interessen entsprechen. Erst in der letzten Zeit ist hier eine Wandlung zum Bessereu eingetreten, tjiue große Zahl jüdischer Gelehrter in Palästina hat begonnen, sich für die Geschichte und Geographie des altjüdischen Landes zu interessieren und verschiedene Forschungsresultate auf diesem Gebiet zu veröffentlichen. Dies geschah ini Rahmen der jüdischen Gesellschaft, die in. den letzten. Jahren zwecks historischer und ethnographischer Erforschung des Landes unter dem Namen „Pälästina-Gesells c h a f t f u r Geschichte und Et h n o g r a p h i e" gegründet wurde. Diese Gesellschaft gibt unter dem Namen „Z i o n" spezielle Sammelbücher heraus, von denen bisher zwei erschienen sind, allerdings nicht wegen Mangels an wissenschaftlichem Material, sondern wegen finanzieller Unzulänglichkeit. An wissenschäftUcheni Material ist die Gesellschaft sehr reich, zumindest so reich wie die nicht- | jüdischen Iristitute, die zahllose Sammelbücher und periodische Druckschriften herausgeben. Die Leiter und Herausgeber der hebräischen Sammelbücher haben ihre Arbeit auf eine breite Grundlage gestellt. Ihre Tendenz geht dahin, alle Dokumente und Materialien zu veröffentlichen, die sich auf die Geschichte Erez Israels und des jüdischen Jischuw von den ältesten Zeiten bis zur Jetztzeit beziehen, ferner jene, die die jüdischen Jischuwim des Morgenlandes rings um Palästina und ihre Beziehungen zu Palästina und zu den Ländern der Diaspora von der Zeit der Zerstörung des Reiches bis zu den lagen der neuen nationalen Bewegung umfassen. Daran schließt sich die Erforschung der Lebenshaltung, der Sitten und der ganzen Folklore der Juden in Erez Israel. Der letzte Abschnitt, der ethnographische und l'olkloristische, ist in den Sammelbücheni „Zion" vorläufig nur durch einen Beitrag vertreten, der eine Sammlung spaniolisch-jüdischer Sprüche aus der Feder des bekannten Gelehrten J. J. Jchuda darstellt. Diese Sjirüche sind in spaniolischer Sprache mit hebräischer Uebersetzung wiedergegeben. Der Autor beschäftigt: sich in diesem Artikel mit der Gewohnheit der Sepjiardim» die Wohnung an dem Tag, an welchem .eines der Familienmitglieder das Haus verläßt, nicht, auszukehren, indem er beweisen will, daß dieser Besen-Aberglaube sich im Midrasch „Echa" findet; während andere Fprscher diesen Brauch auf einen alten, rein sephai'dischen Aberglauben zurückführen. Ins Gebiet der jüdischen Folklore gehört auch, der Beitrag von A. Marmorstein über alte palästinensische Bräuche. Prof. Marmorstein behauptet darin, die Juden der ältesten Zeit seien von dem Aberglauben frei gewesen, daß das Blut eines Getöteten die Neigung zu J Krankheiten mit sich bringe, ein Glaube, der. sich bei verschiedenen Völkern, wie Griechen, ilömern und Germanen, findet. J 1 Ueberaus reichhaltig ist der zweite Band, der Beiträge über die Geschichte der Juden im alten Palästina enthält, besonders interessant der Artikel von Benzion Dinaburg über die Geschichte der Juden in Erez Israel zur Zeit des ersten Kreuzzuges. Während die Literatur über die Judenverfolgungen in den Abendländern in der Zeit des ersten Kreuzzuges überaus reich ist, findet sich wenig über die Zustände dieser Epoche in Erez Israel. Diese Lücke füllt die Arbeit Dinaburgs aiis, der die Schrecknisse des ersten Kreuzzuges auf palästinensischer Erde mit strenger Wissenschaftlichkeit schildert. Nicht minder wertvoll ist der Artikel des Prof. S. Krauß „Die religiöse Diskussion in Erez Israel, am Ende der byzantinischen Herrschaft", der überaus wichtige Dokumente in griechischer Sprache behandelt. Besondere Bedeutung besitzt der Aufsatz von Prof. Schwabe, der das Judentum nach der Eroberung- Jerusalems durch Omar behandelt und damit' eine Epoche erhellt, die bisher im Dunkel gelegen war. Auf derselben Linie bewegen sich die Beiträge von M. Aso w über die Geschichte der Juden auf der Insel Malta und über die Geschichte der Juden in Erez Israel und Aegypten. Wie grundlegend auch diese Arbeiten sein mögen, sie sind doch nur Vorarbeiten, Bausteine für weitere Forschungen über die Geschichte des jüdischen Volkes. " Und aus diesem Grunde müssen die Sammelbände „Zion", die jetzt periodisch in Palästina erscheinen, auch das Interesse jener Kreise finden, die das Leben und Werden des jüdischen Volkes in den Epochen seiner Vergangenheit und Gegenwart studieren und die neue Zeit des Judentums verstehen wollen.