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Die neue Welt · 1929-10-04 · Heft 107 (4.10.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 107 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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[ Seife 8__ "jg"^'11"'";^ SIEGM. KORNHEHL] OROSSPLIISCHHAUUIII Zentrale IX., Bergga«se 19. Telephon 17-3»99 u. 16«9»34 Lieferant iü r Heilanstalten JlbteHijmg^ Unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinata der Isr. Kul» taggemeinde Wien Autosustellung kottentos IX., Bcrggasi* 15 / XVIII., Währlngtritr. 97 Sibh 111 u i ii iwih wintimii ibi Mtitini?! nun ti im mummt niinmrunRiuinii mniiiiuHnin iittininniiiHiwnnwn mm n im nftintt timt niwiiftitnt itnmntK iffl>ii«mmnmHuimiwuiiiinimiromf^ Radio-Sendestation errichtet. Die Station wird der beunruhigenden Legendenbildung entgegenwirken. Außerdem wird die Station ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm verbreiten und auch einen finanziellen Nachrichtendienst einrichten. Der Boykott. rJ erus a l e m, 28. Septemlber. (J. T. A.) Der Gouverneur von Jerusalem Major Keith Roach hid eine Abordnung der mosl'amitiseben Kaufmannschaft zu sich ©in mnd teilte ihr mit, daß die Jüdische Kaufmannschaft die Initiative zur Aufhebung des gegenseitigen araibisch- Jüdischen Boylkotts ergriffen «,nd den Text zu einer Proklamation formuliert fear, die von den jüdischen undi arabischen Kaiulleuten erlassen werden soll und in der an die Bevölkerung apelliert wird, den Boykottparoiem nicht zm folgen und die Fireilbeit des Handels zu unterstttteen. Diie mosleimiiJischen Kattfleute lieh intern es ab, die ProJcla matio« zu un t er zeichnen und! erklärten, sie können nicht vom nationalen Pfade abweichen. Wie .die J..T. A. erf ährt, haben die- Leiter der palästiinensi'scihen Banken eine Beratung abgehalten, in der die Gefahren des Boykotts fnir die aligemeine Wirtschaftslage Palästinas besprochen wurde. Für den Fall, daß der Boykott nicht bald aufhört, besteht die Entschlossenheit, rrii't K r e d i t © i n s c h r ä n k u ai g gegen jene Kreise vorzugehen, die an dem Boykott festhalten. Di© Räuber von Kfar Jeladim. Jerusalem, 28. September. Q. T. A.) Die Spuren der oirabi'schen Räuberbande, die den Angriff auf die " Kinderkoloaiie Kfar Jeladim im Emek Jezreel durchgefiührt tmd den Wächter der Kolonie getötet haben, führen nach T r a n s j o r d a n d e in. Die Regieirunig hat Order gegeben, diese Spuren auch in Transjordanien zu .verfolgen. Zwei Beamte der Shell Company, ein Jude und ein Araber, im Dorfe Mejdal wurden von dam Donfsc'heiclh und einem Teil dier Bevölkerung schwer terrorisiert und am Leiben bedroh*. Sie mußten unter Anwendung 'besonderer Vorsicht das Dorfver lassen. Der Scheich behauptet, die Shell Company-sei .ein©;j^«cjie4 Fir-ma 'und' müsse1 vernichtet werden. '■' ■-■>?■?<■-<■■:■;■■.■ Die, Arbeit der Gerichte. Jerusalem, 27. September. (J. T. A.) Herr. G alten t ha 4, dier GeschäftsfüihTer der Haafaer Zweigniederlassung des Palestine Syndikate, wurde uwter der Beschuldigung/während der arabischen Angriffe aaif das. Geschäftsviertel von Haifa einen der angreifenden Araber, getötet zu haben, verhaftet. Er wird sich wegen M.ordes zu verantworten haben. Der Antrag auf Haftentlassung unter Stellung einer angemessenen Bürgschaft wurde vom Gerächt abgelehnt. Das Haifaer Distrilktsgericfbt hat David1 Syn.g'aräsky, bei dem eine Waffe .gefunden wurde, zur Leistung einer Geldbuße von 25 Pfund verurteilt. In der Urteilsbegrimdung. erklärt das Gericht, dias Verbrechen wäre mit drei Jahren Gefängnis eu ahnden, allein das Gericht habe die Tatsache in Rücksicht gezogen, daß der Angeklagte andere Menschen verteidigte, die ohne seine Verteidigung vielleicht ihr Leben hätten lassen müssen. Syngarisky hat sieh in der Albwehr eines plötzlichen arabischen Angriffes auf das Stadtviertel Newej Schaan an besonders ausgezeichnet. Die Klagemauer in den Feiertagen. Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) Im Hin» bjick auf die bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage haben die Behörden die Bedingungen für die jüdische Andc Ht an der Klagemauer auf das peinlichste festg$« setzt und sie den jüdischen Gemeinden mitgeteilt. Für die hohen Feiertage zugelassen sind ein einziger Wasch* Ständer für das rituelle Waschen der Hände, ein kleiner „Aron Kodesch" (Thora*Schrein), ein kleiner Tisch für das Lesen der Thora. Verboten sind Stühle jeder Art, die Aufrichtung einer Wand zwischen den männlichen und weiblichen Andächtigen u. a. m. Wie verlautet, stimmen die jüdischen Behörden diesen Einschränkungen, solange die. Festsetzung des Status quo in der Schwebe ist, zu und stellen als einzige Bedingung, daß während der Gottes» dienste jeder Durchgangsverkehr vor der: Klagemauer verboten werde. Eine erregte Gerichtsverhandlung. Hebron, 26. September. (J. T. A.) Die Vernehmung " der dreizehnjährigen Judith Reiz mann und;ibres zwölfjährigen Bruders durch das Gericht in Hebron, war sehr reich an dramatischen Momenten. Juditih Reizmann schilderte in schlichten Worten, wie ein heulender arabischer Pöbel ihren Vater, ihre Mutter «od ihren Onkel verfolgte m4 wie sie nachher die Leichen der Eltern und des i __DIE NEUE WELT__ Onkels im Rinnstein fand. Colone! Maxton von der walisischen Garde <un<ä andere hohe britische Offiziere und der Gouverneur von Hebron, BaiJey, wohnten persönlich der Vernehmung bei. Judith Reiz mann erkannte unter den ihr vorgeführten arabischen Gefangenen sofort die Mörder und wies auf Ibrahim Abd el Assiz, einen jungen arabischen Kaufmann aus Hebron, der ein Nachbar ihres Vaters war, als auf den Rädelsführer hin. Sie sprach den Mörder an und fragte ihn: „Ibrahim, wie konntest du das tun, wo du doch in meinem Vater einen Freundhattest?" Der junge Araber senkte voll Scham das Haupt. Mr. Bailey, der neue Gouverneur von Hebron, hatte bei dieser Szene Tränen Sri den Augen, viele andere Anwesende schluchzten auf, auch General Maxton wurde von Rührung übermannt, ging zum Fenster und starrte hinaus. Judith erzählte weiter, als die Araber an die Vordertiüre ihres Hauses hämmerten und sie schließlich einbrachen, habe ihr der Vater zugerufen, sofort einen Baum im Garten zu erklettern und sich in den Zweigen zu verbergen. Das gleiche tat auch ihr Bruder. Van der Baumkrone aus 6-aih sie, wie die eingedrungenen Araber Vater, Mutter und Onkel verfolgten, diie sich durch Ueberkletteru des Gärtetieaunes zu retten versuchten. Ibrahim Abd el Assiz war mit ci»em gezückten Messer dicht hinter ihnen her und schrie ebenso .wie die anderen Verfolger: »Wir werden eueih die Ke'lrlen diu r chschn eiden!" Was hinter dem Gartenzauiie geschah, sah sie nicht mehr. Aber als sie dann auf die Straße trat, sah sie die Eltern und den Onkel leblos im Rinnstein Wegen, alle drei wiesen zahlreiche Messer- Ui»d Dolchstiche auf. Dem Vater war der Kopf fast vom Rumpfe abgetrennt. 1 Der zwölfjährige Knabe Reiz mann machte seine Aussagen in einem vollendeten Englisch, Arabisch und Hebräisch. Er schilderte die Vorgänge bei der Ermordung seiner Angehörigen eindringlich, aber ruhig., Nach Beendigung seiner Aussagen sah sich dier Richter im Kreise der Juristen, Beamten und Militärs um und sagte: Ich glaube nicht, daß irgend jemand anderer hier über gleiche sprachliche. Talente verfügt. Die arabischen Anwälte, die diie Verteidigung der angeklagten Araber innehatten, versuchten, den Knaben durch ein Kreuzverhör in Verwirrung zu, bringen, was ihnen aber nicht gelang. Der Richter beendete das Kreuzverhör .mit der Bemerkung: Es ist nutzlos, diesen im Talmud .geübten Knaben in .seinem Denken, zu eiv schüttern; o r s p r i c h t d i e V o i 1 e Wahr h e i t. Dieser Knabe ist überhaupt nicht fähig, ei«« Lüge zu sagon; sie ist seinem Wesen fremd. Von den Aussagen, 'wurden 'drei Protokolle, in englischer, arabischer iwid hebräischer Sprache, angefertigt und dem Knaben zur Unterschrift vorgelegt. Der Knabe bestand darauf, alle drei. Protokolle « nc f s t d u r c h z u 1 e s e n, bevor er seine Unterschrift darunter setzt. Die arabischen 'Angeklagten;Äräfti^ten ihrerseits die Protokolle durch Daumenabdrudk. i Die Sitiziunigen. des Gerichtes Vurden vertagt bis ■zur ..Einvernahme .mehrerer., wichtiger jüdischer Zeugen, die an ihren; Wunden im Spital« daniederliegen und noch nicht, vernehmungsfähig sind.. Eine Wirkwarenfabrik in Tel-Awiw abgebrannt. Jerusalem, 28. September. (J. T. A.) TcbAwiw erlebte heute das größte Schadenfeuer seit dem Bestehen der Stadt. Ein von einem elektrischen Motor abspringen« der Funke verursachte einen Brand in der Weberei» abteilung der „Lodzia"«Fabrik. Die Weberei brannte voll* ständig ab, der Schaden beträgt 15.000 Pfund. Das Strumpf Warenlager und die übrigen Lagerräume der Fabrik wurden von dem Feuer verschont. Der Brand wurde durch das rechtzeitige Eingreifen der Feuerwehr gelöscht.; Zwei arabische Zeitungen verboten. Jerusalem, 28. September. „AI Namieh el Arabia", das/halboffizielle Organ der arabischen Exeku« tive, und die von einem Christen geleitete arabische Zeitung „Mereat el Shark", sind wegen Veröffentlichung aufreizender Artikel für die Dauer einer Woche verboten worden. Die elegante Mode für Herbst und Winter bringt Julius KRUPNIK NUR VII, KAISERSTRASSE 115 Das führende Haus, Nr. 107 Max Schiffmann und Frau It., Taborstraßc 48 wünschen allen Verwandten Freunden und Bekannten anläßlich des Jahreswechsels __naip n&rm navo Zum Tode Emil Berliners. Der Erfinder des Mikrophons und Grammophons. Viele sind der Meinung, daß die Sprechmaschinc, wie wir sie heute in dem noch immer nicht ganz vollkommenen Grammophon besitzen, auch eine Erfindung E d i s o n s ist. Lange Zeit hat darüber auch unter den Fachleuten ein Meinungsstreit stattgefunden, aber heute gilt es schon als entschieden, daß der Erfinder des Grammophons und des Mikrophons der jüngst in Amerika im Alter von 78 Jahren verstorbene, aus Deutschland stammende Jude Emil Berliner war. . Als Emil Berliner als neunzehnjähriger Junge aus seiner Geburtsstadt Hannover nach Amerika auswanderte, hatte er in der neuen Welt weder einen Verwandten noch einen Freund. Er war eines der elf Kinder seiner Eltern, die in Hannover einen kleinen Handel betrieben. Zu Hause konnte er nur die Norrnalschule besuchen und mußte schon mit vierzehn Jahren in die Arbeit. Eine Zeitlang war er in einem Sehnittwarengeschäft tätig. Als er in den letzten Junitagen 1870 in New York landete, suchte er gleichfalls in einem Schnitt Warengeschäfte unterzukommen. In Washington fand er einen längst vergessenen Freund seines Vaters, in dessen Geschäfte er einige Zeit arbeitete. Dann ging er nach New York, wo er die verschiedensten untergeordnetsten Arbeiten versah, bis er schließlich als Hilfsarbeiter im Laboratorium des späteren Entdeckers des Sacharins. Dr. F a 1 b e r g, als Hilfsarbeiter Beschäftigung fand. In New York verbrachte Emil Berliner, wie so viele Arbeiter, seine Abende in Bibliotheken. Berliner widmete sieh hauptsächlich physikalischen Studien, und da er keine Vorbildung hatte, mußte er alles aus Fachbüchern selbst lernen. Sein besonderes Interesse fesselte die Frage der Elektrizität in Verbindung mit der Akustik. Als im Jahre 1876 Bell das Telephon erfand, konstruierte Berliner in seiner Wohnung ein\ solches Telephon, und begann daran lictumzuexperimentieren. Und da stellte er fest, daß Beils Telephon nicht nur unvollkommen, sondern für den uligemeinen Gebrauch insolange uuverwendbar bleiben wird, als es nicht gelingt, den Empfänger klqngrein zu machen. So kam Berliner zur Entdeckung des Mikrophons. Das erste von Berliner aus einer Seifenschachtel hergestellte Mikrophon befindet sich im . ^merik^ Washington. Interessant' ist,' dah' als Bcfliuer mit seinem Mikrophon in die Oeffentlichkeit trat, ein bedeutender Physiker erklärte, daß diese Erfindung „nicht .mit den Grundsätzen der Wissenschaft übereinstimme . . A\s Berliner seine Erfindung fertiggestellt' Hatte, fehlten ihm die'60'Dollar, die er für die Anmeldung des Patentes benötigte. Er begnügte sich daher mit;!einer sogenannten Voranzeige im Patentamt, deren. Kosten 10 Dollar betrugen. Erst jetzt wurde die Beil-Kompanie auf ihn aufmerksam und bestellte Berliner zum Leiter dieser großen Tolephongesellscliaft. Damals war Berliner 27 Jahre alt. " Im Jahre 1888 erfand Emil Berliner die Grämmophonplatte. Er wurde vom Franklin-Institut in Philadelphia mit den zwei größten Ehrenmedaillen ausgezeichnet. Von dieser Zeit an hat Berliner eine ganze Anzahl von wichtigen Erfindungen auf dem Gebiete des Telephons und der Sprechmaschine gemacht. Aber auch auf dem Gebiete der Sozialpolitik hat Emil Berliner Hervorragendes geleistet. Seit dem Jahre 1900 stand Berliner an der Spitze der von ihm geschaffenen Bewegung zur Bekämpfung der Tuberkulose und der Verbesserung der sanitären und Hygienischen Zustände in den westlichen Staaten. Ihm ist es zu danken, daß der Kampf um die Einführung der pasteurisierten Milch in den ärmsten Bevölkerungskreisen von großem Erfolg begleitet war.. Auf diesem Gebiet traf er sich mit einem anderen Vorkämpfer der gleichen Richtung, mit Nathan Strauß, der gleich Berliner nicht irur publizistisch und propagandistisch, sondern auch durch materielle Opfer dem vorgesteckten Ziel der Bekämpfung der Tuberkulose uäherrückte. Das Ansehen, welches Emil Berliner nicht nur als einer der reichsten Männer und. erfolgreichen Pioniere der Wissenschaft, sondern auch als Wohltäter des amerikanischen Proletariats besonders in Amerika genossen hat, wird vielleicht am besten durch das Vorwort charakterisiert, welches Präsident Hoover zu einer Biographie über Emil Berliner erst vor kurzem schrieb. Präsident Hoover faßt sein Urteil über Berliner in dem Auspruch zusammen: „Emil Berliner hat ein Leben reichen materiellen Erfolges mit der Krone wirksamer und außergewöhnlicher Menschenliebe geschmückt." Freitagabendgebete. Eine wertvolle Veröffentlichung aus der Feder des Rabbiners Dr. A. Postier (Kiel) sind die „Freitägabendgebcte", eine Uebersetzung und zusam« menfassende, fließend geschriebene Erklärung der Psalmen und Gebete, die den Kern der Freitagabendliturgie 'darstellen. Die Broschüre kostet bei portofreier Zusendung nur M. 1,75 und wird jugendlichen, nicht im Erwerbsleben stehenden - Interessenten, ferner auch Lehrern zu ermäßigtem Pr.eise geliefert. Eine Verbreitung des Büchleins ist sehr zu wünschen, es wird die Weihe des Freitagabends sicherlich heben,

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