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Die neue Welt · 1929-10-04 · Heft 107 (4.10.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 107 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r Seite B DIE NEUE WELT Nr. 1« niEaurra mm. jvmmL Ib&CSifcmsRi £tm wmmmx Die Haganah (Selbstwehr) sei mit der Tel Chay- Bewegung nicht verbunden. Das politische Hauptproblem des Tage9 ist die Frage der Sicherheit, weil sie mit der Frage der Einwanderung zusammenhängt. Diese Frage könne nur gelöst werden durch die Schaffung eines legalisierten Selbstschutzes, Errichtung einer jüdischen Polizei unter Kontrolle der Regierung, womit eine jüdische Teilnahme an der palästinensischen Polizeimacht gemeint ist, sowie durch Schaffung; von jüdischen Einheiten in den Palästina- Garnisonen. Diese Aktion geht nicht darauf aus, die Zionistische Organisation zu zertrümmern oder auch nur die Zionistische Exekutive anzugreifen; diese Forderungen stehen vielmehr im Einklang mit denen des Waad Leumi und somit des Jischuw. Die Cuzisten-Exzesse in Rumänien. Die Regierung verspricht. Bukarest, 26. September. (JTA.) Der jüdische Deputierte aus Kischinew Dr. Michael Landau intervenierte beim Unterstaatssekretär des Innenministeriums wegen der jüngsten antisemitischen Studentenexzesse auf den Eisenbahnen und erklärte, solche Geschehnisse würden sich gegen die jetzige national-zaranistische Regierung ebenso fatal auswirken, wie seinerseit die siebenbürgischen Studentenexzesse das Ansehen der damaligen, liberalen Regierung untergraben hatten. ' Staatssekretär Joanicescu erwiderte, er habe einen speziellen Inspektor an den Ort der Geschehnisse entsandt und ihm Vollmacht gegeben* alle Schuldigen und auch die Beamten, die die Exzesse geduldet haben, in Haft'zu nehmen. Abgeordneter Landau wies darauf hin, daß die Konferenz der antisemitischen Führer in Rumänien, die jüngst in Jassy abgehalten wurde, den Beschluß gefaßt hat, die höheren Beamten der Polizei, die Führer der Armee und der höheren Administration für die antisemitische Bewegung zu gewinnen. Der Staatssekretär erwiderte, er werde ein Zirkular versenden, in welchem ein Verbot für alle Staatsbeamten, einer antisemiti-; sehen Organisation anzugehören, ausgesprochen sein wird. - „Curierul Israelite", das Organ der Union rumänischer Juden, erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß bis jetzt keinerlei Maßnahmen gegen die an den jüngsten Studentenausschreitungen Schuldigen unternommen wurden, und daß keiner der Schuldigen-zur Verantwortung gezogen wurde. Die Cuza «Studenten hatten freie Fahrt auf den Eisenbahnen und genossen die. Gastfreundschaft der Regierungsbehörden in der Bukowina, die sich bei den Ueberfallen auf die Juden sehr passiv verhielten. Nicht einmal die Namen der Schuldigen seien der Oeffentlichkeit bekanntgegeben worden. Die Zeitung erklärt, man habe mit den stereotypen Deklarationen, wie die Versprechen über Bestrafung der Schuldigen; traurige Erfahrungen gemacht; will die Regierung, daß man zu ihren Erklärungen Vertrauen haben soll, so müsse sie ' die Namen der Schuldigen nennen und die Art ihrer Bestrafung bekanntgeben. Der Halsmann-Prozeß. Der Halsmann*Prozeß wird am 16. Oktober vor dem Innsbrucker Geschworenengericht weitergeführt werden und in zwei bis drei Tagen beendet sein. Die medizinische Fakultät in Innsbruck hat bereits mit der Ueberprüfung des Gutachtens begonnen. Eine Zurückziehung der An* klage, wie dies von den Verteidigern beim Justizministe* rium gewünscht wurde, ist abgelehnt worden. . Die arischen Sommerfrischen. Der letzte Akt der Regierung Streeruwitz war die. Erledigung der Beschwerde der österreichischen israelitischen Union gegen . antisemitische Gemeindever» waltungen österreichischer Kurorte und Sommerfrischen, die jüdischen Kurbedürftigen Aufenthalt und Kurgebrauch verweigern. Die vom Vizekanzler gezeichnete Ant* wort der Regierung lautet dahin, daß diejenigen Ge» meinderäte, die Juden den Aufenthalt in ihrem Ge» meindegebiet verbieten, gegen die Verfassung der Bundes» republik und gegen die Bundesgeeetze handeln. Der Union wird empfohlen, gegen solche Gemeinderäte die Klage vor den zuständigen Verwaltungsbehörden (Be> zirkshauptmannschaften) zu erheben. Die Regierung müsse es abiebnen, eine allgemeine. Verfügung gegen den Sommerf rischen* Antiseraitis* ' mus zu,erlassen und empfehle die fallweise Anrufung der zuständigen Behörden gegen gesetzwidrige Verstöße. Der bolschewikische Antisemitismus. Eine Anklage Moskau, 27. September. (J. T. A.) Tiefen Ein* druck macht auf die führenden Moskauer Kreise ein Artikel Maxim G o r k i s in der „Prawda", in welchem der Dichter , gegen die Sowjetregierung die Beschuldigung erhebt, daß sie den Kampf gegen den Antisemitismus nur in oberflächlicher Form führt. Gorki erzählt: In diesen Tagen wurde mir ein Blättchen ins Haus geschickt, das die Ueberschrift „Befehl an alle Kom* munisten" und die Unterschrift „Kommunistisches Komitee" trägt. Darin werden alle Kommunisten aufge« fordert, einen Pogrom gegen die. Juden zu machen. Der Aufruf schließt: „Auf, ihr russischen Menschen, ihr Tataren, ihr alle Völker, und schlachtet die Juden abl" Solche schmutzige Blättchen sehe ich nicht zum ersten Male. In den dreißig Jahren, in denen ich den Kampf gegen Antisemitismus führe, sind mir solche Blättchen in großer Zahl zu Gesichte gekommen. Ich hege keinen Zorn gegen den Auswurf der Menschheit, der solche Blättchen abfaßt; ich bin überzeugt, daß diese Leute eine Niederlage haben werden.. Was mich in Er* regung versetzt, ist eine ganz andere, ernstere Erscheinung. Ich frage: Wie ist es möglich, daß im 13. Jahre der Sowjet* revolutioh solche Blättchen bei uns noch verbreitet werden können? Was ist das für eine kulturelle Sphäre, die einen solchen Schmutz, eine solche Schändlichkeit erlaubt? Ist es mög* lieh, daß Leute sich vorstellen können, man könnte Kommunisten mit Antisemitismus identifizieren und sie dazu bringen, den böswilligen Behauptungen der weiß* gardistischen Zeitungen zu glauben? Ich persönlich, fährt Gorki fort, bin überzeugt, daß die Verfasser des „Befehls" keine Kommunisten sind; sie. bedienen sich nür des populären Namens der kom* munistischen Partei, um die Häßlichkeit ihres Auftretens LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz Schoo!, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch zu* maskieren. Trotzdem, ich kann es nicht verstehen: Avie kommt es, daß in einem Lande, in welchem die Regierung auch durch Täten, cjen nationalen Haß be» ■kämpft, der Antisemitismus, der greiflichste Ausdruck des menschlichen Hasses, in einer so schändlichen und so zynischen Weise . sich aufbläht? Gorki schließt.* Niemand verkennt die Notwendig* keit, den Antisemitismus zu bekämpfen. Die Frage ist nur: wird dieser Kampf energisch genug und wachsam genug geführt? ■ Umwandlung von Synagogen in Arbeiterklubs. Moskau, 27. September. (J. T. A.) Aus Anlaß der bevorstehenden jüdischen Feiertage haben d i e jüdischen Kommunisten den Kampf gegen die jüdische Religion erneut aufgenommen. In Poltawa wurde die sogenannte „Bolnizer Klaus" in einen Klub umge* wandelt. Ebenso sind die Stadtsynagogen in Pastow, Zolotnasche, Potschep, Piriatim in Arbeiterklubs umge* wandelt. Der seit zwei Jahren1 von den jüdischen Kom* munisten geführte Kampf für die Umwandlung der Lenin* grader großen ChorsSynagoge in einen Arbeiterklub ist neu ausgebrochen. Der Numerus clausus in Polen. An der Warschauer medizinischen Fakultät werden von 280 jüdischen Bewerbern nur 25 aufgenommen, W a r s c h a u, 27. September. (J. T. A.) Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren hat durch seinen Vorsitzenden Abg. J. Grünbaum dem Volksbildungs* minister ein Memorandum überreicht, in welchem darauf hingewiesen wird, daß von den 280 jüdischen Studieren* will GeoeralreDrasGnlanz: Waooerplatz 5. fllserplaiz 3 UtMnt sMIidnr Sadisdiaienveisidiimiiip zu dm kulantesten II Otto I Mil Serie I Maxim Gotkis. den, die sich dem Qualifikationsexamen an der medi* zinischen Fakultät der Warschauer Universität unterzogen haben, bloß 25 aufgenommen wurden. Diese Fakultät, heißt es in dem Memorandum, wendet den ungesetzlichen, aber doch von ihr praktizierten Numerus clausus in einer Weise an, daß immer nur 10 Prozent der sich mel* denden jüdischen Kandidaten aufgenommen werden. Von den Nichtjuden, die sich zum Qualifikationsexamen ge* stellt hatten, wurden 80 Prozent aufgenommen. Man wird nicht behaupten können, daß die jüdischen Kandidaten dem Examen nicht gewachsen waren; die im Ausland studierenden jüdischen Mediziner erweisen sich als sehr fähig und stehen in keiner Weise ihren nichtjüdischen Robert Stricker: Wege der jüdischen Politik i Eine Sammlung von Aufsätzen and Reden Soeben erschienen/ Verlag R. Löwir, Wien Kollegen nach; warum soll dies in Polen anders sein? Das Vorgehen der medizinischen Fakultät stehe in Widerspruch zu der Verfassung, die die Gleichberechti* gung aller Bürger vor dem Gesetz garantiert. D i e medizinischen Fakultäten anderer Uni* versitäten Polens ahmen das Vorgehen Warschaus nach, so daß sich ein Zustand heraus* gestellt hat, daß 80 Prozent der jüdischen Medizin* studierenden gezwungen sind, ausländische Universitäten zu besuchen. Der Minister wird ersucht, das den Juden zugefügte Unrecht in einer unzweideutigen Weise gutzu* machen. 2300 jüdische Studenten an der Wiener Universität. Laut den kürzlich veröffentlichten amtlichen Ziffern zählte die Wiener Universität im abgelaufenen Studien« jähre zirka 11.000 Studierende, unter ihnen 2300 Juden. Etwa zwei Fünftel der jüdischen Hörerschaft bekannten sich zur jüdischen Volkszugehörigkeit, der Rest bekannte sich zu anderen Nationalitäten, vorwiegend zur deutschen und ungarischen Nationalität. , .. , . ... ■ *• ° ' ■ -— ....... - ■■• --■ .-. '■■; . v. J { t) '.- -. : . 100.000 Dollar für den Keren Kajemeth. Jerusalem, 30. September. (J. T. A.) Das Hauptbüro des Keren Kajemeth erhielt von den kanadischen Zionisten eine Summe von 100.000 Dollar auf Brüder Schiffmann II, Taborstraße 48 gratulieren allen Verwandten und Bekannten zum Neuen Jahre! Konto der von ihnen übernommenen Verpflichtung zur Aufbringung von einer Million Dollar überwiesen. Bis jetzt wurden auf diese Quote bereits 400.000 Dollar eingezahlt. Die jetzt gesandten 100.000 Dollar wären erst in sechs Monaten fällig gewesen, aber im Hinblick auf die letzten Ereignisse in Palästina erfolgte die Ueberwölsoing schon jetzt. _ Die Untersuchung in Palästina. Die juristische Vertretung des Jischuw. Wie schon berichtet, hat Herr Felix Warburg, der Präsident des Administrativ Komitees der Jewish Agency den Rechtsanwalt Jonas GoIdstein nach Palästina beordert. Seine Aufgabe ist die Mitarbeit an der Vorbereitung des juristischen Materials der Juden für die von der britischen Regierung entsendete ""Unter* suchungskommission; Beistand den amerikanischen Staats* bürgern, die bei den Geschehnissen zu Schaden gekom* men sind, Ueberwachung der Hilfstätigkeit der Jewish Agency. An dieser Vorbereitungsarbeit werden ferner mitwirken die aus London nach Palästina entsendeten Rechtsanwälte M e r i m a n und M e a r l y (ein Sohn Lord Readings und Schwiegersohn des Lord Melchett). Die Juristen werden unter Leitung Harry Sachers tätig sein und in Palästina zumindest so lange bleiben, als die britische Regierungskommission im Lande weilt. Nirgends besser und btfMger kaufen Sie als Im Teppdchhaus S. Schein A.-G., Wien, I., Bauernmarkt 10-12-H VII.,. Mariahilferstraße 90 (Ecke Qleslergasse), und Linz, Landstraße 66, Teppiche, Vorhänge, Decken, Linoleum, Läuferreste usw.

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