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Die neue Welt · 1929-10-04 · Heft 107 (4.10.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 107 (4.10.1929)
Date
1929-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Dil NEUE WELT Nr. 107 1 Settfebetn umfonft oder auch halb umtontt kann kein Mensch liefern, hingegen kaufen Sie bei uns Original böhmische Bettledern und Daunen besonders billig von S 1.SO pro kg. Tuchente, Pötster Möbel aller Art, Matratssn, DrahtelnaHtse und Kinderwagen su konkurrenzlosen Preisen -Katsapreise auch bei Teilzahlung — Eisler Nachf, Ii. 45 160.000. 16 Millionen Juden gibt es in der Welt, davon 160.000 in Erez Israel — eiifcr von hundert. Hat diese Rechnung vielleicht einen Fehler? Nein. Jeder hundertste Jude ist in Erez Israel. Und gerade diese 160.000 Juden in Erez Israel repräsentieren heute das Schicksal des jüdischen Volkes, das mit seinen 16 Millionen Seelen über die ganze Welt zerstreut ist. Noch nie, in keiner Epoche der Geschichte,, hat ein Splitter die schwere Last des ganzen Volkes auf seinen Schultern getrügen, wie heute, der palästinensische jüdische Jischuw die Geschicke des seinen. * Sechzehn Millionen und hundertsechzigtausendl Einer von hundert I Und doch ist das ganze jüdische Volk in den Tiefen seiner Seele aufgewühlt. Wir alle fühlen es instinktiv: es steht nichts Geringes auf dem Spiel. Es geht um das Schicksal des ganzen Volkes. * Den 160.000 Juden in Erez Israel wurde es zuteil, das Schicksal des ganzen Volkes in dem schweren tragischen Augenblick auf ihre Schultern zu nehmen. Wir waren uns bewüßt, daß es um uns alle ging: daß die 160.000 Juden in Erez Israel für das ganze Volk kämpfen, leiden und bluten. Darum sind sie uns so nahe, darum sind wir stolz auf ihren Heroismus, darum empfinden wir den Schmerz über die Toten und über die Tränen der Leidenden, die Genugtuung über die Taten unserer jungen Helden,- die für das Recht auf unser Land gefallen sind. : . * Wissen unsere tapferen Jünglinge in Erez Israel, daß das ganze Volk in der ganzen Welt hinter ihnen steht? Wissen sie, daß das ganze Volk jeden Tropfen des Vergossenen Blutes als sein eigenes empfindet? Wissen sie, daß viele tausende jünger Juden' danach streben, ihnen beizustehen, die Fäuste geballt in Machtlosigkeit und Gefesseltsein? * Ueberäll stehen die Massen desjüdischen Volkes und warten auf Nachrichten vom „jüdischen Kriegsschauplatz". Ein Monat ist vergangen und noch immer kommen traurige Meldungen aus Erez Israel und noch immer debattiert man über die englische Regierung, über die palästinensische Verwaltung, über die zionistische Politik, über das Mandat und die Balfour- Deklaration, über den — Selbstschutz. Und immer wieder dieselben Aeuflerungen der Machtlosigkeit: Mit 5000 bewaffneten Ghaluzim könnte man in Palästina Ordnung machen. Und die 5000 sind da, fünfmal 5000, zehnmal 5000, die bereit sind, zu gehen. Aber wer wird sie ins Land hineinlassen? So 3tehen sie und debattieren sie, unsere Jungen, zu Fesseln verurteilt, mag auch ihr Wille noch so stark sein, zu kämpfen für ihre Brüder, für sich, für ihr Volk, für ihr Land. Der tragische Augenblick zeigt ein tragisches Bild: ein gefesseltes Volk. * Ein gefesseltes Volk. Und überall stehen die jüdischen Jungen mit geballter Faust und niedergehaltener Leidenschaft,. auf Eust-Broadway in New York, Whiteshapel, in Wien und Warschau, in allen jüdischen Zentren der Welt, und warten — was für neue Grausamkeiten, neue Zerstörungen der blindwütende Haß des Feindes begehen wird; wo er brennen, anzünden, morden wird, Greise und Kinder! Sie stehen machtlos, können sich mit ihren palästinensischen Brüdern nicht vereinigen. Ein gefesseltes Volk. Und dabei muß man noch den Kopf klar halten, um den Anschuldigungen der Gegner entgegenzutreten, der Gegner von allen Seiten. * Ein gefesseltes Volk. Was tut England, dessen Beamte nichts getan haben, um die angekündigte Feuersbrunst im Keime zu ersticken? Was tut die englische Regierung, die uns das feierliche Versprechen gab, an der Aufrichtung unseres nationalen Heimes mitzuwirken? Heute heißt es so, morgen anders, Balfour hat erklärt, daß es an seiner Deklaration kein Rütteln gibt. Auf der anderen Seite gibt es Erklärungen, die wie Rätsel aussehen. Die Juden, heißt es, haben ein Recht auf Entschädigung, aber sie werden keine bekommen. Schon spürt man in Erez Israel die dunklen Hände der Untersachungskommiseion. Die Juden, heißt es, haben ein Recht, sich gegen Angriffe zu wehren, aber man.entwaffnet sie. Und die Balfour-Deklaration besteht weiter und das Mandat besteht weiter, unterschrieben von ein paar Dutzend Mächten. Und alles geht weiter, die Sorgen eines Sechzehnmillionenvolkes, das sein Recht auf einen Platz an der Sonne, auf palästinensischer Erde, beansprucht und verteidigen will. Und doch! Mögen alle feindlichen Kräfte sich gegen uns erheben, unser Werk unterminieren, mit Verleumdungen und Gehässigkeiten und Gewalttaten aufzuhalten versuchen, so werden wir uns doch den Platz an der Sonne erobern. Das sei unser Neujahrswunsch: wir wollen kein gefesseltes Volk bleiben. Vandervelde über die Vorgänge in Palästina. Eine Rede in Frankfurt. Frankfurt, 28. September. ,• Die Frankfurter Zionistische Vereinigung, das Frankfurter Keren-Hajessod-r Komitee und die beiden Frankfurter Mitglieder der Jewish Agency hatten zu Sonntug abends zu einer Kundgebung für den Aufbau Palästinas in. den großen Saal des „Frankfurter Hofes" eingeladen, bei der nach Begrüßungsansprachen von. Ernst Kahn, Stadtkämmerer Asch und Dr. Artur- Rosenblatt der ehemalige' belgische' Staatsmihister Emile Vandervelde und seine Frau über ihre Studienreise nach Palästina berichteten und dabei auch zur Frage Palästina als Problem Stellung nahmen. Zuerst schilderte Frau Dr.'Vandervelde ihre guten Eindrücke von den sozialen und sanitären Einrichtungen in Palästina, worauf Minister Vandervelde in einem längeren, von warmer Begeisterung und mitreißendem französischen Temperament getragenen Vortrag ausführte, wie er auch als Sozialist sich zum jüdischen Nationalismüs bekennen könne, da dieser kein gewöhnlicher Nationalismus sei; sondern einen Son* d e r f a 11 i n der Weltgeschichte darstelle. Er setzte sich mit starkem Nachdruck für das Recht der Juden auf Palästina als nationale Heimstätte ein und. schilderte, welche tiefen und gewaltigen Eindrücke er bei seiner Reise durch Palästina vom jüdischen IENT J^errl1che> MiswiftfeM^C^'.. Aufbauwerk erhalten habe; Trotz aller Schwierigkeiten schreite die Entwicklung in jeder Beziehung hoffnungsvoll voran. Für die;arabischea Ausschreitungen seien seiner Meinung nach nicht .so-sehr die: religiösen als vielmehr die materiellen Momente;; ausschlaggebend gewesen.. •.? : Die Beduinen,; die als7 Nomadenvölk mit ihren Herden jährlich nacti dem Jordan zu kommen pflegen, fühlen" sich? "in diesem Rechte bedroht, die Latifundienbesitzer sind über die jüdische Konkurrenz ' erbost und die niedere arabische Bourgeoisie der Städte, die' Händler, die Geistlichkeit, die Angestellten und die niederen Beamten fürchten die Ueberlegenheit des jüdischen Volkes und fühlen sich deshalb in' ihrer Lage bedroht. Vandervelde bat dann um; Vertrauen für die englische Laboür-Regierung, die sich streng an die B alf ou r r D e k 1 ar atio n hajten werde und schon weitgehend eingegriffen habe. Die Ordnung s.ei Wieder hergestellt, wenn auch die nächste Zukunft noch voller Drohungen bleibe. Er müsse .aber hinzufügen, so fuhr Vandervelde fort, daß auch den Juden bei diesem Versöhnungswerk eine große und wichtige Aufgabe zufalle. Sie müßten erkennen, daß nicht die Bajonette ihrem Werke die Zukunft sichern können, sondern daß sie nur zum Ziele kommen können, wenn sie sich von den großen Idealen des Friedens und der Verständigung leiten lassen. Die sozialistischen Zionisten müssen den Arbeitern und Bauern in Palästina zeigen und durch die Tat beweisen, daß die' Solidarität des Proletariats Stärker sein muß als die Religions- und Rassenunter* schiede und daß die wirklichen Feinde nicht die anders- III durch den Besitz eines ) der idealen Vereinigung von Radio und SchaUplattenmusik. (An jedes Gleichstromnetz anzuschließen) Radiofabrik Inseien Wien XVII, BergsUigg.36 Billige Bücher jeder Literaturrichtung-im > Antiquariat Hermann Tuchner Wien, II.. Große StadSguCgasse 7 i :: Ecke TaborsiraQe 52 Tel. R-4*.4-20 :; Sehr mäßige Preise. Verzeichnisse umsonst. Ankäufganzer Bibliotheken. MMMOAIMM«» gläubigen Arbeitsgenossen, sondern die ausbeutenden Feudalherren sind. Nach diesem begeistert aufgenommenen Vortrag sprachen noch Alfred Leonhard Tietz-Köln und Rechtsanwalt Dr. Landsberg-Wiesbaden, die Vanclciveldes Worte unterstrichen, daß der Kampf um das jüdische Recht in Palästina ohne Gewalt und ohne Waffen ausgetragen werden müsse. „Daily Express" fordert eine Untersuchung gegen die Palästina-Administration. London, 29. September. (J. T. A.) „Daily Express" veröffentlicht an der Spitze des Blattes einen Artikel seines Jerusalemer Korrespondenten, in welchem gefordert wird, daß die britische Administration in Palästina einer gründlichen Untersuchung und Reinigung linterzogen werden müsse; diese Administration habe ihre Pflicht nicht erfüllt und die ihr rechtzeitig übermittelten Warnungen der zionistischen Vertreter ignoriert. Hätte sie diese Warnungen. ernst genommen.. sie wäre durchaus in der Lage gewesen, den arabischen Aufruhr nicht aufkommen zu, lassen; ..... . < Der Korrespondent des „Daily Mail" telegraphiert, die Araber hätten den Konflikt wegen der Klagemauer künstlich aufgebauscht, um die Massen gegen das jüdische Nationalheim zu mobilisieren, * ■ - s Der Korrespondent drückt seine Meinung dahin aus, daß sich die Araber niemals mit der Idee des iüdische'n-Nätiörialheims aussöhnenwerden, und daß' das 'britische Marl* ' dat ausschließlich mit Hilfe der ■' Bajonette' diitcngeftihrT werden ikönne. ...;^ Emir Abdullah gegen das Mandat . . London, 1. .Oktober.- Emir Abdullah von Transjoj* danien gab ..in Amman dem Korrespondenten des „DjaSly.. Chronfcle" ein längeres . Interview, . in welchem' ,er sich,, für eine Erweiterung der Autonomie Transjördäniehs und g eg en die E r H c.h t u n g eines, Jüdis ch.en. .N.a-., fi o n.JLlh "e i nj's, i n,,? a1 ä^-i i n> a .rfiusspt#cf,; r^er(J Ejtnjrj. bei WIEN l, sroGR-invEisen-Platz 6 -IV, Surmerplatz i; VI, nariahilferstrasse 75 . - Vlli, ^iserstrassd 2 (J BWMMwWwafgWBHflnaawiwtaci sagte; u. a„ England habe sein .im Kriege gegebenes ..Ver^. sprechen," sämtlichenyairftbIscheth/'L^ern ,die volle Unab-. hängigkeit zu geben, noch nicht eingelöst. Wenn England an der Errichtung eines Jüdischen Naticmalheims in 'Palästina festhält, sq werde es immer , eine Armee .brauchen^ um dieses Nationajheim zu, Jhalten. Zum Schluß erklärte er, daß die Nachricht über den Einbruch transjordanischer Stämme in Palästina unwahr sei.. . . Schon im Jahre 1922 hat sich Emir Abdullah in einem Interview " mit dem Korrespondenten des „Daily Express!4 .gegen das jüdische Nationalheim in Palästina scharf ausgesprochen. Im-Hinblick auf das Aufsehen, ,das seine Aeußerung in London hervorgerufen hat, sah ■sich der damalige Vertreter Abdullahs in London genötigt, das Interview abzuleugnen. Der Emir selbst, hatte bald darauf in einem Gespräch mit dem Vertreter, der „Morning Post" erklärt, er sei mißverstanden worden, er habe sich nicht gegen das englische Mandat un4 geigen Englands Aufgaben. In Palästina wenden wollen. ,, - Israel Beikind gestorben. Berlin, 30. September. (J. T. A.) Am.28. Sep* tember ist Israel Beikind im Krankenhause der Jüdi« sehen Gemeinde zu Berlin gestorben. Beikind ist am 14. April 1861 in L a h o i s k in Weißrußland geboren.. Mit 21 Jahren ging er an die Spitze der „Bilu" nach Pa< lästiha, wo sie Rischon le Zion und nachher K a t r a gründeten. Später wurde Beikind in Jerusalem Lehrer. Seine LieblingssQh,öpfung war Kirjath Sefer, das landwirt* schaftliche Schufe und Erziehungswerk jüdi» scher Pogrom waisen. Louis Marshalls Testament. New York, 29. September (J. T. A.)- Am' 27. September wurde in New York das Testament Louisf Marshälls geöffnet. Es stammt aus dem Jahre 1921 und -bestimmt-' daß ein Zehnter seines Vermögens wohltätigen Zwecken zugeführt, der Rest unter seine Nachkommenschaft verteilt werde. Das von Marshall zurückgelassene Vermögen beträgt rund 5 Millionen Dollar. Die Familie Marshälls ist 4er Ansicht, daß ein später datiertes Testamentvon Üarshall existieren tnttose,

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