Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 107 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 10? Ein neuer weißblankef Aluminium- {"""iöffel „Schichts" Alumin-Soda bleibt stets in warmer Lösung von:""1!! gewöhnt. Kristallod. Ammöniaks'oda wird in 5 Minuten Silberhell bleibt blankes Aluminiumfeschirr beim (einigen mit 3CHIGHTS Alumin-Soda Verwenden Sfe auch zum Kochen und Einweichen der Wisehe nur SCHICHTS Alumin-Sftda diese entfernt mühelos den größten Schmutz silberhell Erhlltiloh In Kerzen- und Selfangeschlftsn, Drogerien, Qsachlrrhandlungen usw. grau und matt Alleiniger Hersteller: Georg Schicht, Wien-Leopoldau Telephon-Nummer A-40-106 der „Poriz" verschnupft wird. Aber die Politik, die von der Exekutive gemacht wird, ist heute dieselbe wie vor zehn, vor drei, vor einem Jahr. Sie ist unveränderlich. Sie läßt die Dinge an sich herankommen und zuckt dann die Achseln. Es wird immer von Weizmann gesagt, daß ein Konflikt mit der Mandatsmacht vermieden werden muß. Das ist ja wahr, aber ist es schon ein Konflikt, wenn man darauf aufmerksam macht, daß ein Konflikt entstehen kann? Leider wird sich sehr bald ergeben, daß hier wieder ein verhängnisvolles fait accompli geschaffen worden ist. Wir treten also in das neue Jahr mit einem drückenden politischen Passivum ein. Es lastet ura so schwerer auf der Palästinaposition, als auch für die nächste Zeit keine klare jüdisch-zionistische Parole von der Leitung ausgegeben wird. Die Offiziellen scheinen geteilter Meinung zu sein. Die eine Richtung redet ununterbrochen von der Verständigung mit den Arabern. Das ist so, wie wenn ein Kind, das durch ein finsteres Zimmer läuft, laut singt, um sich Mut zu machen. Man redet so viel 'von dieser Verständigung und ihrer Notwendigkeit, als wäre sie ein funkelnagelneues Rezept. Aber es ist doch so, daß noch jeder Kongreß die Araber brüderlich begrüßt hat, wobei noch niemand gesagt hat, mit welchen Arabern^ eih$ Verständigung z% suchen wäre. Es gibt etwa ein putzend arabischer unabhängiger Staaten, wobei man sich hüten muß, Staat im Sinne einer Volksgemeinschaft anzuwenr den. Jede dieser Stammesdynastien verfolgt ein anderes Zielv Gewiß, wo ein Wille ist, ist ein Weg, und Weizmann' selbst hat einmal — es' war 1921 in Karlsbad —: erklärt, er werde an die Scheitelpunkte des arabischen Dreiecks, Damaskus, Bagdad und Kairo, politische Unterhändler setzen. Der gute Gedanke ist unausgeführt geblieben. Aber es hätte sich doch in Palästina die Möglichkeit geboten, zu den Arabern, in ein besseres Verhältnis zu kommen. Nicht durch den „brith schalom", der in schöngeistigen; Teestunden einigen arabischen Literaten die zionistischen "Grundelemente zum Geschenk macht, sondern einfach durch eine politische Führung des Jischuw. Die Exekutive, hat auch das' unterlassen. Sie hat es geduldet, daß die Juden in dem Familienstreit der Nashashibi gegen die Husseini Partei genommen haben, mit dem Resultat1; daß die Nashashibi in Reserve traten und die Husseini, die Sippsaft des Großmufti, das Messer geschliffen haben. Die Exekutive läßt den Waad leumi ohne Einwirkung und so sind selbst dort die Parteiverhältnisse verwildert. Die Exekutive tut nichts in Jerusalem, nichts in London. Den Verständigungspredigern steht eine an^ dere Richtung gegenüber. Sie wird von Weizmann selbst geführt. Sie ist durch grenzenlose Unter? würfigkeit England gegenüber gekennzeichnet. Daß es, von allem anderen abgesehen, gerade im Hinblick auf die arabischen Stimmungen nicht ratsam ist, die Üeberzeugung hervorzurufen, daß jüdisch und englisch absolut identisch sind. Im jetzigen Zeitpunkte haben wir in London, haben wir in England zu sagen, es habe sein Pflicht zu erfüllen. Doch müßte sich vor allem das Stärkerverhältnis ändern^ d. h. die Exekutive müßte alle Kraft, alle Personen und alle Machtmittel an die Stärkung der Organisation und des nationalen Willens setzen. Sie müßte zur jüdischenPolitik übergehen, eine öffentliche Meinung schaffen, Tageszeitungen in den Landessprachen herausgeben, politische Vertrauensmänner zu allen Regierungen und Parteien ent» senden, Beziehungen anknüpfen und den Juden wie den Nichtjuden die Üeberzeugung beibringen, daß eine Führung vorhanden ist. Dann würde die Zionistische Organisation in einem höheren politir sehen Sinn bündnisfähig werden, man würde sie suchen, weil sie stark ist, und dann, würde aueji England auf sie hören. Zurück zum Zionismus, zum Baseler Programm, zu den nationalen Kraftquellen des Volkes! Und die Aufgabe in Palästina ist, wirtschaftliche Arbeit leisten, die Siedlungen nach einem Plan anlegen. Ueberhaupt Planwirtschaft betreiben, systematisch die Einwanderung führen und die einströmende Jugend auf das Land verteilen. Es muß gearbeitet und Arbeit geschaffen werden, dann werden auch die Spukgeister des Klassenkampfes sich verflüchtigen. Wir sind für eine starke Exekutive, für eine Leitung, die ein Ziel hat, die suggestiv wirkt, die weiß, was sie will und was sie soll, die unter sich einig ist, das Parteiwesen niederhält, die Enthusiasmus verbreitet und den romantischen Sinn der Jugend für edler schätzt als die flügellahme Sympathie der Nichtzionisten. Wir wollen eine Exekutive, die nicht für England denkt und die nicht Zwischen Misradii und Poale Zion hin und her schwankt, eine Exekutive, die führen und befehlen kann, eine Exekutive, die dem zionistischen Willen Autorität gibt. Vielleidit wird das neue Jahr die Wandlung bringen. Rasche Hille für Palästina. Um den Abschluß der Sammlung zu ermöglichen, werden die Besitzer von Sammelbögen gebeten, dieselben bis längstens 8. Oktober zu verrechnen. Fünfter Spendenausweis: Buller 20, Sammlung Stocknlann: Stockmann 10, I. Willner 10, Scherfner 5, Karpeles 2, Süfikind 2, Feld 2, Babette Wittels 5, A. Wittels 5, Pepi Schwedens beste Rasierklinge mit Haarscharfer Schneide sichert schnelles angenehmes Rasieren! 05© führende sohweti Weltmarke. WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX., A L S E R ST RASSE 6 FERNSPRECHER B438-0-43 Schapira 3, zus. 44; Sammlung Frau Bauer: Benno Schwarz 25, Rainer 3, zus. 28; Ada, Bursztyn 5, Podhorzer 6, Dr. Hugo Fischer 5, Trachtenberg und Treinin 5, Tempelsmann 10, Dr. S. Winter 10, Malka Hauser, Klagenfurt 10, Nuta Pfau 15, Dr. L. Kubin 10, V. Weiß 5, Hugo Schwarz 4.50, F. Kreisel 3, Reifer, Baden, für Hochzeit Schwarz-Marpurgo 5, Albert Hausner 10, Holiczer 5, Rottenberg 5; Sammlung Wittlin: G. Wittlin 50, I. Ettinger 30, E. Stein 10, L. Baller 5, F. Gr. 30, diverse 5, zus. 129; S a m m 1 u n g E d e r e r: Gh. Ederer 25, N. Glaser 5, N. Goldstein 5, S. Kahane 10, I. Ederer 10, I. Mahler 5, L. Lebenschuß 6, T. Brecher 20, I. S. Augapfel 5, zus. 91; Sammlung Bäcker: 21; Sammlung Rudolf Weinberg: R. Weinberg 3, Dr. Kleiner 20, M. Wahltuch 2, Julie Geldbhaus 15, M. Stark 5, Rosa Merwin 5, zus. 50; Sammlung Grubner: I. Grubner 20, A. Winkler 20, diverse 52, zus. 72; Dr. W. Spahn, Konstantinopel Dollar 2, zus. S 568.20, Dollar 2, Bisheriges Gesamtergebnis: S 12.459.50, schw. Fr. 75, engl. Pf. 6, tsch. K 50, Zloty 35, Pengö 50, Rm. 10, Dollar?. _ Die Zionistische Ortsgruppe St. Pölten hat im Verein mit der israelitischen Kul'tusgemeinde St. Pölten eine Sammlung für die Palästinaopier veranstaltet, deren. Bndergebnis einen Betrag von' 1100 S aufweist. Der Betrag wurde an das Zentralhilfskomitee- 'für die PalästinaJNotopfer nach Wien albgeführt. Was wir Juden fordern! Eine Massenversammlung der demokratischen Zionisten. In der gegenwärtigen politischen Situation Oesterreichs hat es der Verband der demokratischen Zionisten als seine Pflicht erachtet, den Juden Wiens über die Gefahr, in die sie geraten sind, die Augen zu öffnen und Ihnen den Weg zu weisen, den sie. als loyale Staatsbürger und als Juden einzuschlagen haben. Diesem Zweck diente die am 1. Oktober im Hotel Stefanie abgehaltene Massenversammlung, zu der alle Berufsschichten der jüdischen Bevölkerung Wiens erschienen waren. - In der Eröffnungsansprache •stellte der Vorsitzende des Verbandes, Oberbaurat Robert S tr i c k e r, zunächst fest, daß die Juden -in -diesem Staate "eine Gruppe, darstellen,., die nicht .nur-als-■•Obiekt^- sondern-a u.ch a l's Sui bj,ekt das . Recht habe, , in die! Erschefminig. zu treten^,Hierauf referierte Dr. Leopold P l a s cvh 'k e süber-die. gegen.r wärtige politische -Lagein Oesterreich, und die Forderungen der Juden.- Dr. P1 a s C'h k e s" zeigte 'die ' unheilvolle- Entwicklung, die' die österreichische Politik'durch -die jahrelangen Drohungen von rechts und litiiks genommen' und dazu'geführt 'habe, daß der österreichische Kredit, die österreichische Wirtschaft, das österreichische Prestige im Ausland die schwersten Schäden davontrug. Es wird nichts nützen,, führte der Redner aus, wenn der. neue Bundeskanzler an die Besonnenheit der Bevölkerung, appelliert und die Machtmittel des Staates als ausreichend gegen jeden gewaltsamen Umsturz erachtet, solange nicht die Kernfrage des politischen Problems gelöst ist: die F.ara.g.e. der . ve r,f a s s'un g s^r e c_h liehen Steliu'n g Wi e n s. ..Die Juden haben Vertrauen zum neuen Regierungschef Schober, der in den letzten zehn Jahren im Gegensatz zu den Linksparteien unsere .östlichen Brüder mensch^ dich behandelt, im Jahre 1922 die Qualen des. Haikenkreuzterrors von uns genommen und. im Jahre 1925 Oesterreich vor der Schande bewahrt hat,,daß der Zionistenkongreß auf Drohungen der Hakenkreuzler und Frontkämpfer abgesagt geistige Frische afttd cBc feosftntrsten Cföter de« Lebern in d» Jugend wie insbesoodese im Alter Bewahren und mehren Sie diese SdtStxe dtwdi ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege —Einreibungen, Packungen (Umschläge), Mundwasser nsw. — ist Franzbranntwein mit Menthol Achten Sie ge*Mi smf die Marke „Diana". Weisen Sie alle Nachahmungen energisch atrttck. — Em Versuch ttbe»xeugt Ueh®ral! erhäfitSkh! werde. Nichtsdestoweniger aber müssen die Juden, von Feinden umgeben, ihre Forderungen erheben und Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte ergreifen. Man muß es als beschämend empfinden, daß auch ein Teil der Juden sich #an dem von rechts und links inszenierten Klassenkampf, anstatt der Versöhnung zu dienen, praktisch' beteiligt und dadurch die Gesamtheit der judenschaft schwer geschädigt hat. Dieser Klassenkampf hat der Heimwe'hr und-damit einergefahrvollen Abenteuerpolitik den Boden bereitet,- bis endlich aus dem Bedürfnis, der .Ruhe die Frage und, der Wunsch, nach der starken Hand. auftauchte. In einem Bürgerkrieg; der sich aus der allgemeinen Spannung entladen könnte, würden wir Jud(?h idjfe Leidfcagej&en sein, da er sich zunächst-.wirtsönattlijch in Handel,v Gewerbe und •Industrie auswirken .-würde. ••. . •;• ,. : y-'..\. . ••-*; Zu der allgemeinen Spannung kommen noch die a n t i s e m H i s c h. e n Tendenzen ,der Heimwehren, die genau wissen, in welchem Maße jüdische Wabstimmen für die S o z i ald em okr a -t-e-n abgegeben wurden. Das heutige Hinüberschieben dorthin, wo scheinbar die Macht ruht,; wird nichts nützen. Wir haben gewarnt-davor, sich reeh§ oder links" anzubiedern. Es gibt mir einen Schutz: den Selbstschutz und die Wahrung der. jüdischen Interessen durch eigene 5 üd is che Vertreter. Auch heute warnen wir wieder vor falschen Illusionen und erheben unsere Foderungen und natürlichen Wünsche: 1. Alle Einwohner, dieses Staates wahrhaft .gleichzustellen. 2. Wegfegung alles außerhalb der Machtvollkommenheit des Staates Stehenden lind nur eine Bereitschaft, die Friedensbereitschaft aller Menschen dieser Republik zum Sohntee des Ansehens, des Kredits und des Vertrauens. 3. Eine Neutralisieramg im wirtschafittiefoen Löben durch Schaffung obligatorischer Schiedsgerichte, welchem auch die Minderheit die Möglichkeit »hat,, *t Wort zu kommen. 4. Erweiterung unseres Wirtschaftsgebietes.. . 5. Die Möglichkeit, unsere jüdischen Interessen «a vertreten, durch Schaffung eines demokratischen Wahk rechts, in welchem auch die Minderheit die Mögliche keit hat, z-u Wort z>u kommen. Zum Schlüsse definiert der Redner die Grundsätze1 der wahren Demokratie, die für die Juden in dem Gedanken gipfelt, als die wahren Hüter des Friedens dieser Republik aufzutreten, durch eigene Vertreter in allen öffentlichen Vertretungskörpern. Nach diesen mit. einheitlichem BelfaiM. aufgenommen nen Ausführungen richtet Oberbaurat Robert Stricker den Appell an die Versammlungsteilnehmer, dem Verband1 der demokratischen Zionisten beizutreten, der es sieb, zur Aufgabe gemacht hat, eine die österreichischen Juden zusammenlassende Organisation zur Durchsetzung der genannten Ziele in die Wege zu leiten. Stricker zeichnet die psychologisch« Linie, die zum gegenwärtigen Zustand in der Republik Oesterreich 'geführt hat. Das Herabsetzen des Staates, in dem man lebt, wie es von so vielen Oesterreicherh geübt wird, ist unjudisch. Wir Juden müssen unseren Staat achten. Im Sinne der Versöhnung sind wir in der Lage, der Vernunft Gehör zu Verschaffen wie zur Zeit, da wir in der Nationalversamm- / i