Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 107 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Prot« 3S firA*rh«%n V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zlöty 6.- . Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—. Schweiz und die'übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX,, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint reden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 4. Oktober 1929 Nr. 107 im Bundeskanzler Schober über die jüdischen Fragen Aussprache mit Oberbaurat Stricker. Im Namen des Verbandes demokratischer Zionisten sprach ' Oberbaurat Robert Stricker am 28. September beim Bundeskanzler. Schober vor, um einige, Interessen und Wünsche der jüdischen Bevölkerung betreffende Fragen zu erörtern. Bundeskanzler Schober versicherte, daß er die Bedeutung der österreichischen Judenschaft, welche ein arbeitsames, friedliebendes und dem StaatetreuergebenesElement ist, immer zu würdigen wußte, und daß er es als eine selbstverständliche Pflicht seiner Regierung ansieht, den berechtigten Wünschen der österreichischen Judenschaft entgegenzukommen und sie in ihren Rechten und in ihrer Ehre zu schützen. Auf das Ersuchen, gelegentlich der bevorstehenden Refoxm des Wahlrechtes den Juden die Möglichkeit zu geben, die jüdischen Stimmen tunlichst zusammenzufassen und Vertreter jüdischer Interessen in die öffentlichen Körperschaften zu entsenden, erklärte der Bundeskanzler, daß er dieses Begehren berechtigt finde. Er würde das Erscheinen von. Vertretern der jüdischen Bürgerschaft im Parlamente nur begrüßen. Er werde beim Entwürfe und der Durchberatung der Wahlreforra diesem Umstände noch Möglichkeit Rechnung tragen. Oberbaurat S t r i c k e r kam auch auf die Umgestaltung des Preßgesetzes zu sprechen. Das be- Uiigeheuerlicher Vorstoß des Chefsekretärs der Palastinaregierung. Luke läßt die Maske fallen. Die Wiener „Neue Freie Presse" erhielt von ihrem Korrespondenten in Beirut nachstehendes Telegramm: r Der Chefsekretär der Palästinaregierung Luke gab in Gegenwart des Oberkom-! missärs dem Sonderkorrespondenten der „Newyork World" Pierre van Paassen in einem Interview folgende Erklärungen über die blutigen Ereignisse ab: Die Arqher sind im Recht e. Sie sehen die Juden das allerbeste Land aufkaufen und sich selbst schließlich auf die . Berge zurückgedrängt. Sie sind s c h w e r erregt ü b e;r.d.i e: a u-f„d e m Zü,ri eher Z i o n i s t e nkongreß beschlossenen Schritte der - J e w i s h A g e n c y, die die; jüdischen Investitionen .in Palästina vergrößern will. Die Palästinaregierung-beging den Fehler, wegen der in den letzten fünf Jahren herrschenden relativen Ruhe zu glauben, daß sich die Araber mit der Schaffung eines jüdischen Natiqnalheimes ausgesöhnt; hätten. Es ist aber jetzt klar, daß die Araber ihre Feindschaft nicht im geringsten aufgegeben haben. Unnachgiebiger wie je, schlössen sich die Massen der Bewegung an. Während diese früher auf die Führergruppe beschränkt war, ist sie jetzt »rabisches Nationalbewußtsein und im ganzen Lande verbreitet. Die Regierung fürchtet nach dem Abzug der' Truppen einen neuen, weitaus größeren Aufruhr, der dann schwer auf Palästina zu beschränken sein, undden ganzen nahen - Osten in Flammen setzen würde. Die Regierung sei bemüht, in dem jüdisch-arabischen Konflikt neutral zu bleiben. Die Zeitung „Near East", die zwar kein offizielles Organ, aber ausgezeichnet informiert ist, hatte geschrieben, daß die Regierung von dem stehende mangelhafte Preßgesetz bietet nicht die Möglichkeit, den durch'cUe Presse gegen die Ehre und Sicheriieit der Judenschaft gerichteten Verhetzungen und Verleumdungen wirksam zu begegnen. Hier müßte durch die Reform Wandel geschaffen werden. Der Bundeskanzler versicherte, diese durchaus gerechtfertigte Forderung im Auge behalten zu wollen. Er wird alle diesbezüglichen Vorschläge in ernste Erwägung ziehen. Ein Interview mit dem Bundeskanzler. Bei dem allgemeinen Presseempfang, der am 30. September im Bundeskanzleramte, stattfand, machte der Kanzler gegenüber dem Vertreter der J. T. A. bemerkenswerte Aeußerungen. Er sagte ihm: Versichern Sie die Judenschaft überall, insbesondere in England und Amerika, daß während meiner Kanzlerschaft und . 'Wohl - auch nachher in Oesterreich n i e m als eine d i e Rechte der Juden schmäle r n d e En t w i c k 1 u n g ,m ö g- 1 ich ist. Ich hoffe, daß auch die Juclenschaft mir vertraut. Seinerzeit hat: bei einem osterreichischen jüdischen Blatt - ein Lese^^aiigefrügt, oh Schober ein, Jude ist.. Die Redaktion a&wortete in ihrem Briefkasten: „Leider nicht". Ichhabe^ mit Herrn Stricker laufende jüdische Angelegenheiten be-, sprochen. Herr Stricker kennt meine Hodischätzung und Sympathie für den Zionismus. letzten Ausbruch vollkommen überrascht und ohne jede Warnung war. Demgegenüber drückt van Paassen sein Erstaunen aus, da in Paris, von wo er nach Palästina geschickt wurde, vorher bekannt war, daß in Palästina Dynamit in der Luft liege. * Diese ungeheuerlich klingende Meldung stammt aus einer zuverlässigen Quelle. Pierre van Paassen ist eine seriöse Persönlichkeit. Daß Luke, der allmächtige Intrigant und moralische Urheber der Progrome, übrigens ein getaufter ungarischer Jude, so denkt, wußte jedermann. Daß er es aber offen ausspricht,, und in Gegenwart des obersten Chefs der Verwaltung, ist erstaunlich. Von diesen Menschen hängt in einem entscheidenden Augenblicke die Sicherheit der Juden und des nationalen Aufbauwerkes ab. Gleichzeitig kommt die sonderbare Meldung, daß Präsident Welzin ann nach Amerika fährt, dafür der ehemalige politische Sekretär der Zionistischen Organisation, Herr Leonhard Stein, nach Palästina. Wir glauben, daß .eine Umkehrung am Platze wäre. Der verantwortliche Leiter der zionistischen Bewegung hat seinen Platz dort zu nehmen, wo die Entscheidungen fallen: in London und Jerusalem._ £ Wh-MwSteföfLmr Besichtigung unserer Mftefkomkflmm^^v ein, OSSli^ V /< Modelt überraschend! Sc/tutf* VII. KAI6BR.8TR.ASSE 46. IM STOCK KOHLE (oBewcm.) KOKS ANTHRACIT höchste Qualität BÄSCH, IV. Argentiniers!!1. 22 TMioMh U-46-403 Teleph. Um^.2.B7 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E b&zeicbnet. Ins neue Jahr. —y. Das. verseil windende alte Jahr läßt kein gutes Angedenken zurück. Es schließt mit den Unruhen in Palästina. Die politische Liquidierung dieser Ereignisse steht noch bevor und sie wird außerordentlich schwierig sein. Palästina ist, das haben diese Tage klar erwiesen, das Herz des Judentums, und dieser Umstand läßt eine bessere Hoffnung für das kommende Jahr zu. Politisch fundiert ist. der Optimismus nicht. Er stützt sich'einzig und allein auf die jüdische Stimmung. Von ihr abgesehen, ist die Lage so ungünstig als nur möglich. Denn nach wie vor steht die Palästinafrage dem Mißwöllen Englands: gegenüber. Es ändert nichts daran, daß seit ein paar Wochendie Reihe der Erklärungen und Versprechungen sich ansehnlich vermehrt hat. Von der pathetischesten Beteuerung bis zur diplomatischen Textierung sind alle Schattierungen anzumerken. Macdoriald, Henderson, Pakfield, Miß Swandrick haben gesprochen. Die Juden sind in Geduld geübt und wissen außerdem, daß gut Ding Weile ■ braucht. Und so wird die Glaubensfreude auch nicht dadurch beeinträchtigt, daß die parlamentarische Untersudiungskommission den Termin ihrer Abreise wieder verschöben hat, so daß für die öffentlich beschuldigten Beamten in Palästina neue Frist geschaffen wird, das belastende Material durch gefügigeres zu ersetzen. England hat politisch noch nichts unternommen, was dem Zweck des Mandates entsprechen würde. Dagegen aber hat es dem Irak zugesagt, die Aufnahme in den Völkerbund für das nächste Jahr zu betreiben. Dadurch vermehrt sich' die Zahl der moslimisch-arabischen Staaten, denen Europa die Gleichwertigkeit zu-> erkennt. Wehn man eine'Straße" legt öder einen Bau. aufführt, so werden die Anrainer um ihre Meinung» befragt. Im Falle Irak ist das, insoweit es.sich auf. die Juden bezieht, ■ nicht geschehen, und obgleich" jeder Jude den Iräkbewohnern die politische Mündigkeitserklärung von. Herzen gönnt, wäre doch im! gegenwärtigen Zeitpunkt die psychologische Aus-: Wirkung dieses Aktes zu prüfen gewesen. Für die arabischen Nationalisten ist diese Unterlassung ein bedeutsames Signal.; Die englische Regierung hätte diese Prüfung aus eigenem vornehmen müssen. Sie hat sicji dazu nicht. veranlaßt gesehen, weil sie aus Erfahrung weiß, daß die Leitung der zionistischen Organisation sich gerne überraschen läßt und, vor vollzogenen Tatsachen einfach den Hut abnimmt. Die Vorschläge Sir Gilbert Claytons, der dieser Tage in Bagdad gestorben ist, waren schon vor langen Monaten in der englischen, deutschen und italienischen Presse zu lesen. Die zionistische Politik nahm davon keine Kenntnis, und doch hätte eine A.ktion *!er zionistischen Oeffentlichkeit sich auch in London Beachtung erzwungen. Man hätte diese Oeffentlichkeit nur rufen müssen, auf die Gefahr hin, daß Rasche Hüte für Palästina. Bei der Verwaltung der „Neuen Welt" , sind 'bisher insgesamt S 12.459.50, Schweizer Fr. 75, engl. Pfund 6, tsch. K 50, Zloty 55, Pengö 50, Reichsmark 10, Dollar? an Spenden für Palästina eingegangen.