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Die neue Welt · 1929-09-27 · Heft 106 (27.9.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 106 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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leite 6 Die mm welt Nr. 106 SI TM A R g NMh Ägypten u** Palästina triff 4M U*««flwpf«rn III 91 19 ftimtffifcfffii Im Mfff trmair IT Qetiüä -* Meinet - »«fflen Aegypten PaJätttni — tyfitfn -* Zypern — KdMtantfnoje! - Athen - Neapel - Maf§elfle ~ om* s« feeeotiderf efmaWgten Preisen Auskünfte: ,SItmaf, I. Kartttnerring 18 (Ecke Sehwifzenbtrgplatit) Telephon U-45009 mmmmi^^ *£>le Araber «bid gegen da* gegenwärtige Regie* rungMystem in Palästina, ß& tot da^Syetem einer Kofo. «lalreglerurt* und keiner Märtdälswrweltoft*. Die Araber Wirde« *e Macht «nd Autorität der MamUtarttiacnt nach der Mandfttibistlfflniungdee | it atterkenneti, Nach diesem Paragraph hat England nur die Rolle eines Ratgebets in Pal&etina m spiele«/' .. . , „Was sollöti naofi ihrer Aflächt ,die Juden tun, um Pr«üittdschaft mit den Arabern herzustellen?" , „Dl« Juden müsse« vernünftig handein. Sie dürfen «löht fh&hf Rechte anstreben, als die Araber besitzen. Jüdische Immigranten dürfen nur nach Maßgabe der Aufnahme* fähdgk&lt des Wirtschaftslebens im Lande hereinkommen und haben die Bürgerschaft gemäß der Naluräillsatiortspraktik andern Staaten zu erlangen, d. b. «rat, wenn sie mehrere Jahre im Lande ansässig gewesen sind." ,/Wae fot der «äehste schritt Ihrer Exekutive?" «Die Erhtrtgtfng einer repräsentativen Regierung." „Wird Ihre Exekutive jetzt den seitterzeifefeen Vor* schlag einer Regierung des Sir Herbert Samuel annehme«?" (Es hwidelt* steh um eiiie Vertretuiig aus einer gewissen Anzahl gewählter ürtd Im der Majorität van der Regiening ernannter Mitglieder,) „Ndfl.44 ,,Wflttiffl WÖ1 die Exekutive jetzt. Aicht soviel Einfluö erlangen, wie die englische Regierung zu geben gewillt tot* «iH später mehr m verlangen?" «Wir Araber sind in einer anderen Situation als die Jude«. Wir müssen das bekommen, was uns nach dem Mandat gebührt, Das ist die Möglichkeit, unser Haus selbst 2ü vefWältett. Ich weiß", setzte Mösseinä fort, „Colone! Kish wird Ihnen sagen, daß eine repräsentative Regierung arabische Majorität bedeute; ' gegen die Interessen der Jude«. Aber die Juden braudien keine Angst zü haben, da sie deeti der Völkerbund schütze« wird" ttebifgehend auf-die Ö[Jpe<Htiidn - <ter Jtiden g*ge« diese araibiscihe Fordenitfig verflöt Musua KäsimE'l Husseltil tämti iüfolg&i, sachlichen To« «ürt& wiederholte die angeführte Dröhltn«; vom Ausbreche« de* arabische« Feuers, ind«m et hihrtgtes - HDle Juden suchen de« Schutz der Regierung statt der Freundschaft mit den Arabern, weil sie wissen, daß sie kein gleichwertiger Partner sind, da sie In ein Land von Arabern gekommen sind/' „Haben die Juden," fragte föH, „kein Recht auf mehr VmtMnte angeslcht* der Arb«itMdle der Monismus in den. newn Nacfokrlegsjahr&n in Palästina gemistet hat?" „Iah sehe den Nutzem n46ht Im Gegenteil. In den letzten seähis Jahren bat d-as Land' an ökortö.mii5C>h'er Bedeutung verloren. ÜMe erstem drei j-abre waren bes&sf. Alber niobt wegen der Juden. £s waren damale «och die englischen- Soldaten Jm Lande und. die ganze. Öevö1ker4ing, nicht nur die Araber, hatten einen. Vorteil davon. Aber seitdem die englischen Soldaten abgezogen, »lud. ist die Ökonomische Entwicklung zurückgegangen. Der Export ist tarnier noch kleiner als der Import lind die zionistischen Fonds, heften, hi dieser Hinsicht wenig, Bs herrscht eine Krise «n Baumen und , die freue |(ÄscW tadustri« hat vörUufi« zu nloht$ geführt. Auch die f aflsa&fte. daß J^eti Land Jwajan," *fh«tft keine ^bfttmh#. V^ '48*fM\9&fo Kolonien w^rden^ ver dem Krieg'|«t Lende gegründet, so daß in.den.letzten tjeiin Jahren von «j««'Juden 1« Palästina nichts .geschah wwrde. Und' wen« Sie die Wahrheit über d$n Zionismus wisse;« .wo)ie«,, trage« Sie die aiten Jüdischen Kojönteten»1' „Wehlen Sie etwae Spezlelfies für'die ameriiteaniseJten Jude« sagen?'' ,&i will, sie sollen wiese«* d*0 w*r? die Araber, mit den 'ju<le« immer in Fn)eden: gelebt taben» Sie hatte« keine besonderen Rechte Und aueji wir hatte« keki«. Da karrten die irfonlitischen Führer «nd rtefwi dwrdi Ihte po-li- Ufdien Manier MiOverstämdn-» st hervor tind braohtan Arabern und Juden Schaden. Ein groOer Te4 de« GeJdol, JMetes Frial rui gutir PflRillle» liflgere 2<lt im^uilend geweeen, «rt«lll Anfängern aritkiaeilgcn frangösischen und englischen Unttrrlellt. Mäßiges Honof«f " U f. IX., PICHTIftQMSI Nr, n/zu das HH AAisiand für Paiß^tina g«wmmeit wird, wird für Dinge ausgegeben, die «iemahd kennt. Mein Rät Ist, daB Joden und Araber etoie repräsentative Regierung fordern •otfeft," Besonders ic%lecht m spreche« Ist Mussa Kaslm aivf David Jeliln, den Führer der Jerusälemef J«denso1»tt, und auf Cdonel Klsh, de« politischen Vertreter der ziorvistbehen Exekutive In PaiästJjia. Jeliln hat bei de« Jerusakjftier ÖtadtraMwa-hfeft W27 die Familie der Nasohaschlbi (gwnäfflgte Araber) geg«« die H«s«einl*Gruppe (radikale Extremisten) uitterstützt u«d ihr zum Sieg verholfen. A«d«rereelte hat Colone* Kish es abgelehnt, sich in Be- «precbutigen mit den fte-etals ei««ttlasse«, da die$e steh gegen die Zlörtistüehe Exekutive und ihre Führer gewissenfloset Verleiumduiigieri "bedient hätte«, tei ganzen und «roßen ließ Kussel«! währertd de« GeeprÄches über die Jer.usalemer Stad-tratswiahUen durchbfierVe«, daß er die Juden für unerwünschte Gästt halt» uftd ibtten d^ier kein Recht auf politische A«teiin>3hm^ te Stadt und Land zusprechen kömne» Andere anwesende Mitglieder der Husseini-Familie ftu&ertensich in ähnlicher Welse. Hussein!? Sohn DIe mal Pascha,, der Sekretär der arabischen Exekutive, Mitknied des jeraisalemer Stadtrates, fügte den Worten seines Vaters hinaus Eiiie Verständigung könne nl6hf angebahnt werden, solange di« Joiden Jüdische Hände vorzögen und die Entwdcklttdg des eigenen Handels und d«r eigenen IrtctastHe betrielben. Die HM'f'eietefiung Nathan Straus' für die ariäibisohen Opfer der Erdbebewkatiastrophe wird von ihnen als politischer Soiiachzwtg ausg-eiegt, d^er auf die Sympathie deis Fellachen aaisgehe. Öle zionistischen Führer, sie (nannten bekannte Persönlichkeiten, hätten ab* fiichtflioh Gegenstäize zwisohen Juden und Arabern ge- Sachsel's Z«fltralei ' 11.; TabarstraB*89 XIV., SeChähauStritr. Ö XVII., Raivt tMbtogg.Si Hüte sebafifen, um durc<h Hi-nlwifschm^biing \ d*r Bodenpreise Prpifite eittzinsteoken» ali&rddngs ^konne, fügten . größ» müflg ihinz-u, bei Webmariii, «"UsslSchild«, Jabotimiky, Kish •Und Ben 2wi hitvon nicht-die Rede sein. Wie erslchtlloh, habe«, sich die arabischen Extremir sten nicii>t gescheutt, sich iäJs jdie Initiatoren eines ko'mmenden Mmtlgeh Auüstamdes «u bekehrnen, Ebenso klar ist es, daß die Klärwig der Venh&itnisie zwischen Juden und- Arabern mit mm anderen M-ethoden als blsOier erreicht werden muß. Der HdstoÄS^o^ß unterbrö<öheii. Kommt ein dritter Prozeß? . Abi 20. September ist in Innsbruck der zweite Prozeß gegen den Studenten, Philipp Halsmann abgebrochen worden. Nachdem der Angeklagte zehn Tage lang in einem außerordentlich rigoros geführten Verhör gestanden hatte, beschloß die Verhandlungsleitung plötzlich, von der Innsbrucker medizinischen Fakultät ein neues Gutachten Uber die Kurzsichtigkeit HfUßm&nns einzuholen. Pem Beschluß, der überraschend kam, war eine sehr lebhafte Auseinandersetzung vorhergegangen, In der die Verteidigung Über das Zustandekommen des psychiatrischen Fakultätsgutachtens einige sensationelle Feststellungen machte. Das Gutachten sei — so führte sie ays — nicht vorschriftsmäßig zustandegekommen, da statt des vorgeschriebenen Sechseraussehu&ses aus Professoren Und Mitgliedern der Fakultät ein Ausschuß gebildet wurde, dem nur ein Ordinarius, und zwar Doktor Camper, der schon vorher die Mordscbuld Halsmanns ausgesprochen hatte, also nicht unbefangen war, und vier andere Psychiater angehörten, von denen zwei Assistenten an der psychiatrischen Klinik sind, während sich die beide« anderen'$av nicht in Innsbruck Aufhalten, An der Innsbruckar medizinischen Fakultät herrsehe starke Verstimmung, weil der Oberste Gericbte,höf 4as geriflhtUcn-medizinische Gutachten der SÄenVerstürtdigen in der eisten Verhandlung als unr eeh)Ussi| bezeichnet und das Schwurgerichsurteil aufgehoben hat Bezeichnend für diese Stimmung sei, daß Professor EriAmann. der die psychologische Seite des Falles Halsmann eingehend studierte und sich darüber schriftlich Butterte, als Jude bezeichnet wurde, obwohl er einer urarischen Schweizer Familie enstammt ' In der Fekultlitsaitzung selbst sei auch nicht der fitafakt als folöher, sondern lediglich die vom Heferen« ten teifaßt« Vorgwehiobt© vorgetragen worden, so daß die Mitglieder offenbar ein einseitiges Bild e?» hielten, da alles, was zugunsten des' Angeklagte» sprechen kenti, außer a c h 11 e 1 a s s e n w u r d e. Die medizinische Fakultät habe einerseits die Iht gestellte Aufgabe also nicht gelöst, anderseits siesogarüber- «chritten. TÖas Gutachtea berücksichtige auob in keiner Welse drei Umstände, auf die die Verteidigung besonderen Wert legt. So wurden dem Angeklagten beim ersten Augenschein jene Indizien verheimlicht, die auf eine gewaltsame Tötung schließen ließen, ferner wttfde nicht berücksichtigt, daß der Angeklagte durch den Schrei und den Anblick des verletzten Vaters einen Schock erlitten hat, durch den seine Erinnerung gestört würde, und schließlich wurde auch nicht die Behauptung der Verteidigung berücksichtigt, daß Halsmann ein Mensch ist, der Schlüsse mit Tittsachen Verwechselt, der VofgKftge glaubt, nicht weil er sie gesehen bat, sondern weil sie so gewesen sein müssen. Der Vorsitzende verlas den Beginn des Fakultäti;- gutachtens, in dem festgestellt wird, daß es nach den gesetüHenen Vorschriften entstanden ist. Verteidiger Dr. Peßler: Ob die gesetzliebe Form eingehalten worden ist oder nicht, das zu entscheiden sind nicht die Mediziner berufen, das ist Sache der Juristen. Der Gerichtshof ließ es trotzdem bei der Darstellung der Universität bewenden und vertagte die Verhandlung. Nunmehr muß durchgesetzt werden, daß die Fakultät das geforderte Gutachten, das Jeder Augenarzt Im Gerichtssaal selbst binnen zehn Minuten hätte abgeben können, innerhalb der Frist von 30 Tagen erstattet Das hat seine Schwierigkeiten, da einige Professoren sich noch auf Urlaub befinden. Sollte also binnen 30 Tagen das Gutachten nicht zustande kommen, dann muß eine neue Verhandlung vor neuen Geschworenen angesetzt werden, wobei die Beweisaufnahme wieder von vorne durchgeführt werden müßte. Der arme jüdische Student müßte also die Marter ein drittes Mal über sich ergehen lassen. Er ist von dieser Wendung der Dinge ganz niedergeschmettert und Verweigert die Nahrungsaufnahme. Die Verteidiger wollen dem Justizminister Doktor S1 a m a die Bitte vortragen, mit Rücksicht auf die heute bereits unzweifelhafte Unschuld Halsmanns die Niederschlagung des Prozesses einzuleiten. Die Verteidiger beim Justizminister. Am 23. September erschienen die Verteidiger Halsmanns, Dr. Peßler, Dr. Mahler und Dr. Preßburg e r, beim Justizminister Dr. S1 a m a, dem sie in einer einstündigen Unterredung ihr Beweismaterial vorlegten. Der Justizminister erklärte, er werde von der Staatsanwaltschaft Innsbruck einen Bericht abverlangen. Neue Ausschreitungen in Rumänien. Passagiere aus den Zügen geworfen. Aus Bukarest, 20. September wird uns berichtet: Die yoh Professor C u z ä geführte antisemitische Studen* tenschaft, die in Putna einen Kongreß abhielt, hat schön bei .Beginn und Während des Kongresses die jüdische 'Be# Völketung von Putnä und Umgebung terrorisiert, Ihren Höhepunkt erreichten die Ausschreitungen nach Schluß des Kongresses, als die Teilnehmer die Heimreise an» trateh. Auf den Bahnhöfen in Putna und Radautz wurden alle jüdischen Reisenden beschimpft und verprügelt. Es spielten Sich seht turbulente Szenen äb. Als die Züge sich in Bewegung setzten, wurden nach Und nach alle jüdischen Reisenden, besonders die« jenigen, die den Schnellzug Gzernowitz—Bukarest be* ' nützten, aus dem Abteil geworfen, tn den Waggons spielten sich entsetzliche Szenen ab. Einige der Reisen« den wurden ausgeplündert. Aus den Zügen geworfen und verletzt wurden die folgen» den Reisenden: E. Schmierer aus Czernowitz, Sultan aus Calärasch, Berkowitz aus Piatra Neamtze, S e i d* ler aus Sulitza, Osias Wassermann aus Sutzawa, Davidescu aus Botoschani, Lazar Rubin aus Burdu* jehii, Anspacher aus Jassy, Weintraub aus Putna, Guttmann aus Gura Humora, RosenzWeig:aus Botoschani, Moses K o h n aus Sutzawa, Z u d l k aus Bacau, Weiß mann aus Botoschani (ein Krieg** Invalide mit einem Bein), Isidor Dankner aus •Gurahomora, Siegfried Schönblüm aus Jassy, Isak Woririann aus Suczawat Jossei Nußbaum und Schmiel Landau aus Itzkany. Am schlimmsten wurde der Familie Glücksmann aus Kisohinew mitgespielt. Zunächst wurden der Vater und die Tochter aus dem fahrenden Züge geworfen, dann drei Kinder Im Alter von zwei bte acht Jahren und schließlich die Mutter. Unter den Krtzedeuten taten sich besonders der berüchtigte Zelea Codreanu, der freigesprochene Mörder des Präfekten von Jassy, und Nikola To tu, der freigesprochen« Mörder des jüdischen Studenten FnUk, hervpr. Senator Dr. Mayer Ebner hat das Ministerium des Innern telegraphisch über die Ausschreitungen in der Bukowltt* informiert und sofortige Maßnahmen zur Bestrafung der Uebeitäter gefordert. In der Wohnung Cuzas fand eine Sitzung der Vertreter der Kreiskomitees der „christlichen Liga" statt In der beschlossen wurde, eine iutensiv* Propaganda im ganzen Reiche zu entfalten und Jedem Antisemitenführer einen eigenen Kreis anzuweisen. Zum Generalsekretär der Liga vwde Georg Cuza, der Sohn Prof et* ior Cuzas, gewählt, iß» w»f4« beschlossen, mit den (intjsemttischen Studentenorganiaationen in Deutschland, Oesterreich, Ungern und Bulgarien die Verbindung aufzunehmen. „Adeverul" teilt mit, daß die Regierung eine große Zahl antisemitischer Broschüren, die in den Zügen und Bahnhöfen verbreitet wurden beschlagnahmen ließ. Heue liöeiRp^^^^ I Wejl»«.r, Vlll, Stoteenthalergasje Nr. 18/1 ttoh«Uth Hett f 1.~ I

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