Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 106 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 106 DIE NEUE WELT KUNEROL ist verbürgt reines Fett ans Kokosnüssen. Die Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbinets S. Ehrenfeld zu Mattersbnrg. KUNEROL kann daher von jedem Strenggläubigen zur Zubereitung der Speisen verwendet Verden. geschützt sind. Es ist klar, daß, wie im einzelnen die Lösung auch sein wird, sie jedenfalls die weitgehende Verwendung von Juden im Sicherheitsdienst des Landes uns bringen muß. Für uns aber muß eine neue Periode zionistischer Politik beginnen. Wenn es das Wesen der Politik ist, Realitäten zu erkennen, um auf sie einzuwirken, so haben wir von heute an arabische Politik zu führen, während wir bisher — soweit von Politik überhaupt die Rede sein kann —r nur englische und Völkerbundspolitik betrieben haben. Wir reden nicht von Kongreß--Deklara(ioneti, nicht von Freundschaftsbeteuerungen, die gewiß in diesem Augenblick besonders unangebracht wären. Wir reden von etwas ganz anderem. Bis zum heutigen Tage wissen wir wenig oder nichts über die Kräfte, die Im arabischen Lager vorhanden sind. Niemals Jedenfalls 'haben wir versucht, die Araber aufzuklären, was wir wollen, wie wir uns die Lösung des jüdisch-arabischen Pro b'l emsvorstellen. In unserem Kreise haben wir immer wiederholt, wie viel Nutzen unsere Arbeit den Arabern brächte. Wann hätten wir je versucht, dies den Arabern zu zeigen? Ist es unsere Meinung, daß die Aufklärung des arabischen Fellachen nur durch den Effendi erfolgen soll? Wollen wir in Zukunft noch .einmal zulassen, daß eine an Blutvergießen interessierte Clique durch systematische Verbreitung von Lügen den phlegmatischen Fellachen aus seiner Ruhe aufscheucht und daß es erst der Waffen bedarf, eine Katastrophe zu verhindern? Unsere Politik hat bisher den arabischen Faktor vergessen und sie muß diesen Fehler schnellstens gutmachen. Wir brauchen in Palästina eine kleine Kommission, die ein arabisches Aktionsprogramm ausarbeitet, dessen erster Punst es sein wird, von uns aus die Aufklärung der arabischen Massen in die Hand zu nehmen. Wir halten viel weniger von der Erörterung von Verfassungs- und Parlamentsfragen als von dieser Aufklärung, die uns überhaupt erst die Basis zu späteren Verhandlungen schaffen muß. Jüdisch-arabische Verhandlungen werden erst dann zum Erfolg'führen,'wenn wir nicht mit der kleinen Führerschiaht, sondern mit dem Volk selbst zu tun haben. Das erfordert politische Erziehung und Aufklärung dieses Volkes, was nur durch uns geschehen 'kann. Denn das muß verstanden werden: je mehr wir den jüdischarabischen Gegensatz überbrücken, um so energischer werden wir von England die Berücksichtigung unserer Forderungen verlangen können. Heute argumentiert Engländ gegen uns mit der Rücksichtnahme auf die Araber. Wir müssen ihm diesen Einwand nehmen, ihm zeigen, daß nicht nach unserer Ansicht, sondern gerade auch . nach arabischer Ansicht eine Förderung unseres Werkes im Interesse des Landes Hegt. Nicht aus Liebe oder Haß zu den Arabern, sondern um unseres ureigensten Le.bensinteresses willen müssen wir den Weg zur arabisch-jüdisenen V.e r s ö h nu n g b e s c'h r e i t o n. Auch hier ohne Illusionen! Blut ist . geflossen, das Werk vieler Jahrzehnte äst an manchen Stellen in Flammen aufgegangen, und die Zeit wird erst lindernd einwirken müssen, ehe die Stimmung für systematische Versöhn ungsarbeit geschaffen werden kann. Aber schon heute muß die Richtung auf dieses Ziel klar werden, schon heute kann, man nachdenken, wie eine zionistische Äraberpolitik beschaffen sein soll. Verband demokratischer Zionisten | Mittwoch den 2. Oktober um halb 9 Uhr abends Im § i „Goldenen Saal" des Cate Silier, I., Schweden- | § platz § iVersammlungi Gegenstand: § Amerika und der Zionismus I Von Brandeis zu Weizmann J Referent: f§ Dr. N. Samonsky | Gäste willkommen!_ Eintritt frei! | Achtung! Ol« Veranstaltung tlndat im 1 tQoldenen Saal* des Cafe Silier« I, Schweden« I plats, statt i Eine Erklärung der Zionisten- Revisionisten, Gegen die Politik der Exekutive. Das Exekutivkomitee der Union der Zionisten« Revisionisten erläßt im Hinblick auf die Beschlüsse des zionistischen Aktionskomitees eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: Jahrelang hat der Revionismua versucht, dem VERBAND DEMOKRATISCHER ZIONISTEN Dienstag, am 2. Oktober um Va9Uhr abends im Saale des Hotels Stefanie» II, Taborstraße 12 frei zugängliche Dr. Ii* Plaschkes Referenten: Der politische Sturm in Oesterreich. — Was wir« Juden fordern. Oberbaurat Robert Strliker jüdischen Volke klarzumachen, daß Palästina entgegeu dem Geiste des Mandates und entgegen den Geboten einer gesunden Staatlichkeit regiert wird; daß auch hinsichtlich sein er Sicherheit der Jischuw einer ständigen Gefahr ausgesetzt ist, da die zur Verfügung der Regierung stehenden bewaffneten Kräfte vollständig unzureichend sind. Dessenungeachtet hat die Zionistische Exekutive immer darauf bestanden, daß die politische Luge in Palästina befriedigend sei, daß für den Jischuw keine Gefahr bestehe, und daß im Falle eines Angriffes die Juden geschützt sein werden. Die letzten Ereignisse in Palästina haben nun den vollständigen Bankerott der Politik Dr. Weiznnuins und seiner Exekutive klar zutage gebracht . . . Trotzdem haben wir uns absichtlich davon enthalten, die Demission dpr Exekutive zu verlangen, und haben versucht, ein Kompromiß zu erreichen. Wir unterbreiteten dem Aktionskomitee die folgenden Vorschläge: Ein außerordentlicher Kongreß soll spätestens für Dezember 1929 einberufen werden; bis zum Zusammentritt des Kongresses soll die in Zürich gewählte Exekutive im Amte verbleiben und alle laufenden Geschäfte weiterführen. Die gesamte politische Arbeit soll ausschließlich und. allein e i n e m N o t s t a n d skomitee übertragen werden, das aus Vertretern der Exekutive und der Opposition, unter Hinzuziehung eines weiteren, von beiden Seiten*-!einveTständlich gewählten Mitgliedes, p a r i t ä t i s c h zusamineng'estelllt sein würdet ... Im Laufe der Sitzung des Aktionskomitees gab Dr. Weizmann jedoch die folgenden zwei Erklärungen ab: a) Er sei von den Grundlinien seiner und seiner Exekutive.f rüheren io 1 itik befriedigt und gedenke die gleichen politischen Richtlinien auch in Zukunft aufrechtzuerhalten: b) er weise jeden Gedanken an eine Einheitsfront seiner Exekutive mit den Revisionisten zurück, die sich weigern,..in der erweiterten Jewish Agency vertreten zu sein. Nach Anhörung dieser Erklärungen lehnte das Aktionskomitee unsere Vorschlüge auf Bildung eines politischen Notstandskomitees und Einberufung eines außerordentlichen Kongresses ab; das Aktionskomitee stimmte ferner einem Programm politischer Forderungen zu, aus dem die a 11 e r w i c h t i g s t en e Ii m in i e r t sind, u. a. auch die Forderung nach jüdischen Militär- und Polizeieinheiten, sowie diejenige nach der freien jüdischen Einwanderung nach Palästina; .... Unter diesen Umständen ist es die Pflicht des Weltverbandes der Zionisten-Revisionisten, das Judentum zu warnen, daß eine höchst gefährliche Situation geschaffen wurde, die sogar die von den Juden der ganzen Welt gehegte Hoffnung, die schreckliche Lehre des palästinensischen Ausbruches werde wenigstens einen W e nd e pu n k t für eine bessere politische Zukunft bedeuten, untergraben könnte. . . . Wir sind daher gezwungen, unseren Kampf1 gegen die gegen1 wärtige Leitung und deren Politik" f ortzusetze n, und behalten uns das Recht vor, alle solche Schritte zu unternehmen, die wir als;notwendig.im Interesse der zionistischen Sache und des jüdischen- Palästina betrachten. ... Der Irak kommt in den Völkerbund. Englund legt das Mandat nieder» London, 24.. September. Die englische Regierung macht die aufsehenerregende Mitteilung, daß sie beschlossen hat, .im, Jahre 1932 das Mandat über das Königreich Irak nie de r z u 1 e g e n,- ,w ä h r end sie am Palästinamandat festzuhalten -gedenkt Dieser Beschluß geht angeblich auf eine Anregung des jüngst verstorbenen Oberkommissärs für Irak Sir Clayton zurück. Der Irak-Regierung ist bereits ein Bescheid zugegangen, wonach Großbritannien dessen Zulassung zum Völkerbund im Jahre 1932 unterstützen wird. Durch die Aufnahme des Königreiches in den Völkerbund geht das Mandat automatisch zu Ende. . Die Aufnahme des Irak in den Völkerbund würde die für die Juden höchst gewichtige Bedeutung haben, daß dann drei muselmanische Staaten, Persien, Aegypten und Irak dem Völkerbund angehören, von denen Aegypten und Irak arabisch sind. Aus der Vorgeschichte der Araberrevolte. Ein Interview aus dem Jahre 1927. Der glimmende Funke. — Wie Hussein* verleumdet — Haß gegen Yellin und Si§hv — Zionistische Führer als ^Bodenspekulanten". läs-tinaarbelt und nach dem Erdbeben, dessen. Hauptopfer die Araber waren, und die Juden, hauptsächlich der Arnerikaner Nathan Straus, ihnen beisprangen, wollte Ich diese Äeußerungen nicht veröffentlichen, zumal mir zwischen Juden und. Arabern Friede zu herrschen schien. . " ( Aber jetzt erhalten Husseinls Worte im Lichte , der letzten blutigen Ereignisse Ihre Bestätigung. Matt ersieht aus ihnen die Entschlossenheit, um keinen Preis - die Verwirklichung der Balfour-Deklaration zuzulassen, und die Strategie, die die antizionistischen Araber Im Kampfe gegen den Zionismus and die Balfour-Deklaration anwenden, Sie besteht aus Verleumdungen, künstlich konstruierten Verdächtigungen, aus der Gier, die zionistischen Erfolge in Palastina herabzusetzen und aus dem Versuch, den Jischuw zu spalten, indem der eine Teil als willens mit den Arabern In Freundschaft zu leben, der andere Teil als Störenfried hingestellt wird. Meine erste Frage ging dahin, ob die Balfour- Deklaration der Freundschaft zwischen' Arabern und Juden im Wege stehe. „Die Balfour-Deklaration?" antwortete HusseinI mit einer Frage, „Weiß denn Jemand, was sie ist?'* „Warum dann gegen sie sein?'* „Weil einige Stellen in ihr ausgesprochen gegen die Araber gerichtet sind."* v „Und was ist Ihre Stellung und die der muselmanischen Exekutive zum Mandat und zur Mandatsregierung England?." Der jüdisch-amerikanische Publizist B. Schcl wiivhat im Jahre 1927 Palästina bereist und bei dieser Gelegenheit mit den Führern'der arabischen Exekutive. Fühlunggenommen. Damals, beachtete man nicht die ' Versuche der / arabischen Führer, künstlich . eine Spannung zwischen luden und Arabern zu erzeugen und durch Verleumdungen der zionistischen Arbeit in Palästina die Atmosphäre zu vergiften. Sohelwin hielt es damals für unzeitgemäß. seine1 die Gesamtsituation ins richtige Licht rückenden Informationen zu ver> öffentlichem Wie begründet sie: waren., haben die letzten blutigen Ereignisse erwiesen;;yön denen allerdings, nur vdie.'zionistische Leitung' und die englische Palästina Verwaltung überrascht worden ist. Wir geben in gekürzter. Form das Interview Schelwins aus dem New Yorker .„Jewish Morning Journal" wieder,: Wie heute authentisch feststeht, war die arabische Rer volte-von langer Hand vorbereitet. Das beweisen zunächst die Worte'des Führers der antizionistischen Araber, des Hauptes des muselmanischen Rat^s" Mussa Kasim Paschaode r,' Wie auf seiner Visitenkarte zu-lesen ist, Mussa Kasim El Hussein!, die er mir vor zwei Jahren in seinem Hause sagte:' „Die Touristen sind im Irrtum, wenn sie glauben, > daß zwischen Arabern und Juden Friede herrsche und / daß zwischen beiden die Freundschaft wachse. Es ist , vielleicht nicht sofort zu bemerken, aber unter der Decke des Friedens glimmt ein Feuer, das früher oder später bell auflodern wird." Während der damaligen Krise der zionistischen Pa-