Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-09-27 · Heft 106 (27.9.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 106 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711722--1395-2714609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 4 DIE NEUE WELT Settfe&ern umfonft oder auch Halb umsonst kannkein Mensch liefern, hingegen kaufen Sfe bei uns Oi-fetosl bdhmltchd BQttfed«rn und ftauntn besonders billig von S I.SO pro kg. Tuchente, Pölster Möbal aller Art, Matratzen, Drftbtalns&t** und Kinderwagen tu konku rrantlosan Praisan - Kasaaprotse auch bei tellsahlun« - EislerNachf., mumm 45 Nr. 106 Sie gibt der festen Hoffnung Ausdruck, daß dank den vereinigten Anstrengungen der Mandatarmächte, der permanenten Mandatskommission und des Rates des Völkerbundes dieEinrichtungderMandate auch weiterhin das Ziel haben wird, die Ideale der Zivilisation zu verwirklichen." Frau Swansick (England) ergriff das Wort zu folgender Erklärung: Meine Delegation hat mich beauf* tragt, den Dank der britischen Regierung für die Art aus* zudrücken, in der die Versammlung die tragischen Ereig* nisse, die sich -in Palästina abgespielt haben, behandelt hafc Der Premierminister und der Minister für auswärtige Angelegenheiten meines Lahdes hab"eri : sich -zu diesem Thema bereits geäußert. Wir betrachten das Mandat, das uns anvertraut ist, als ein heiliges Gut, wir werden es in dem Geiste anwenden, in welchem es uns anvertraut ist. Wir erachten es als unsere Pflicht, die in diesem Man» datsterritorium lebenden Völker einander näher zu brin< gen, und wir sind der Meinung, daß solange es nicht möglich ist, diese verschiedenen Völkerschaften miteinander zu versöhnen, die Aufgabe, ihnen eine freie und auto* nome Regierung zu geben, auf unbestimmte Zeit verschoben werden muß. Wir haben in unserem Lande so viele Freunde der arabi* sehen Rasse und so viele Freunde der israelitischen Rasse und Religion, daß wir hoffen körinen, sehr wohl in der Lage zu sein, diesen Zwist zu beenden. Die Debatte in der Kommission. Aus der in der politischen Kommission durchge* führten Aussprache sind noch die folgenden Einzelheiten nachzutragen, die. wir dem offiziellen Bericht entnehmen: Der Portugiese Quevedo (der nach Frau S w a ri w i c k, der Vertreterin Englands, zum Wort kommt), spricht die Ueberzeugung aus, daß England die übernommenen Ver* pflichtungen erfüllen wird. Der polnische Vertreter Mi 11* stein gibt seiner Sympathie für die Opfer der Unruhen Ausdruck und erklärt, Polen mit einer jüdischen Bevölke» rung von drei Millionen Seelen, 'mit* Welchen ein großer- Teil der Palästina*Einwohner auf das innigste verbünden ist, sei besonders durch die Unruhen betroffen. Er wünscht der britischen Regierung, daß es ihr gelingen möge, das Mandat in einer Atmosphäre von Frieden und Sicherheit zu erfüllen. Der französische Delegierte Aubert betont, Frankreich sorge dafür, daß. die Un* ruhen keinen Widerhall in Syrien finden. Prof. R a p p a r d (Schweiz) erklärt, er spreche eher im Namen der Mandatskommission als im Namen der Schweiz. Die Gründung eines jüdischen Nationalheims beruht auf einer zweifachen Basis: 1. auf der Treue der Juden zum Lande, das sie als ihre Heimat betrachten, eine Treue, die sich in der hingebungsvollen Arbeit der Kolonisten und der Opferwilligkeit der Juden überall bekundet, 2. auf dem Schutz seitens Mandatarmacht und Völkerbund. Durch die letzten Geschehnisse ist die zweite Basis erschüttert worden. Die Juden vertrauten darauf, daß die Mandatarmacht sie schützen wird. Die Mandatar* macht aber reduzierte die Militärbesatzung, und die Polizei. Ein Journalist (William M o r fc o n, Redakteur des „Journal de Geneve") hat unlängst, geschrieben, die Hände der Mitglieder der Mandatskommission seien rot vom jüdischen Blute. Das ist ein zu starker Ausdruck, aber es Ist richtig, daß die Mandatskommission einen Teil, der Verantwortlichkeit trägt, Die Hauptverantwortung trägt aber die Mandatarmacht, die der Mandats* kommission stets beruhigende Versicherungen ab* gegeben hat. Regieren, heißt Voraussicht. Diese Kunst haben die Pa< lästina«Behörden nicht verstanden. Rappard schloß seine Rede mit der Versicherung, daß die Kommission ohne Leidenschaftlichkeit ihr möglichstes tun wird, um Licht in die Geschehnisse zu bringen. Der Rumäne $ totes erklärt, das-rumänische Volk habe mit tiefem Schmerz von dem: Tode jüdischer Ko» lonisten erfahren/ die es unternommen haben, eines der ältesten Orte menschlicher Zivilisation wieder, fruchtbar zu machen.. In Rumänien leben fast, eine Million, Juden. Er stimmt der Erklärung der britischen Regierung zu, daß die Geschehnisse nicht auf Rassenhaß, sondern auf verbrecherische Neigungen unzivilislerter Banden zurückzuführen sind und hofft, daß es Großbritannien gelingen wird, ein friedliches Leben der Juden auf dem Boden ihrer Väter zu ermöglichen. Der Spanier Palacias, Mitglied der Mandats» kommission, lehnt im Gegensatz zu Rappard eine Mitschutd der Mandatskommission ab. Die Balf our*Deklara» tion weist gewisse Widerspruche auf und müßte ergänzt werden. Er bedauere, daß die Völkerbundskommission für die heiligen Stätten infolge der Meinungsverschiedenheiten unter den Ländern noch nicht geschaffen worden ist. Der Vertreter Abessyniens, Lidy Andorgue Massai, erklärte, er spreche als Vertreter einer christ* liehen Macht in Afrika und als direkter Nachkomme des Königs Salomo. Er bedauere die Unruhen in einem Lande, das die Wiege des Judentums; Christentums und auch des Mohammedanismus ist. Er bedauere es, daß die palästinensischen Christen den Antagonismus zwischen Juden und Arabern verstärken, statt die Rolle eines unparteiischen Vermittlers zu über« nehmen. Sie handeln auf diese Weise gegen die Lehre des Christentums. Als letzter sprach Graf Albert Apponyi (Un* garn). Er gehöre, sagte er, einem Staate an, der eine große Anzahl von Juden zu seinen Untertanen zählt, Die Juden Ungarns sind um das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Palästina besorgt. . Untere den Juden Ungarns hat sich noch keine einheitliche Meinung über die jüdische Köloni* sation Palästinas herausgebildet; Doch sei er der Ansicht, daß jene Mächte, die an der Gründung der Kolonien in > Palästina Anteil hatten, / die moralische und menschliche Pflicht haben, den Unruhen ein Ende zu bereiten und ihre Wie* tderholung zu verhüte^n^Auch difc'Sicherheit der Christen in Palästina sei durch solche Zustände bedroht. Er hoffe, Großbritannien werde energisch 1 die Ordnung wieder* herstellen. Die Kommission wählte Frithjoff Nansen zum Berichterstatter. Der Vorsitzende der Kommission, der Belgier J a n s o n, ersuchte Nansen ausdrücklich, in seinem Berichte den Gefühlen Ausdruck zu geben, von denen alle Mitglieder der Kommission wie die ganze zivilisierte Welt im Hinblick auf die traurigen Ereignisse in Pa# iästina beherrscht sind. Er schloß mit der Erklärung, daß alle Mitglieder der Kommission mit Befriedigung d i e Erklärungen Macdönalds ünd Hendersöns zur Kenntnis genommen haben, daß sich solche Vorkommnisse in Palästina niemals wiederholen werden. Jüdisch-arabische Politik. Von Dr. Fritz Löwensteini Jerusalem,. zurzeit Berlin. Der Krieg ist beendet;. :der Kampf um den . Frieden hat eingesetzt. In Palästina .-.herrscht. Ruhe* garantiert, im Augenblick durch das britische- Heer und wohl auch durch die langsam wiederkehrende Einsicht-der Araber, daß eine. Fortsetzung des Kampfes\ ihnenkeine Vorteile-mehr zu schaffen vermag. Geht, man Warn. Standpunkt „Sieg oder" Niederlage" an die .Fragebherah^o wird, man; von einem ziemlichen*:«E-r f oLg: irnmr,«tfc.-^l W> .,spre.cty% dürfen. Die. .Araber; 'haben, gesiegt* :wb, '.:wifi - in Hebron, uij<t Safed, die Juden schutz'los.iBehörden und Polizei gegen .uns waren. Dort kam. es. nicht zu ,Kämpfen, sondern zu Pogromen schlimmster Art. W'^HgegfeH. wirkliche' Positionen des neuen Jischuw in Frage standen, wo die "Juden sich' zu verteidigen entschlossen; wären,kam ..es entweder überhaupt nicht;zu Kämpfen, wie etwa'im Emek und der Küstenebene, den eigentlichen Zentren unserer Kolonisation, wo es sich höchstens um gelegentliche Räubereien handelte. In den drei hauptsächlichen Städten hat die jüdische Verteidigung fast alle Positionen gehalten, in f el- Awiw und Haifa ohne Einschrähiküng, in'Jerusalem wurden nur Talpioth und die benachbarten Meinen Gruppenauf Befehl der Regierung, geräumt. Die. verlorenen Siedlungen in Judää konnten aller erst nach einem . langen Kampf der (kleinen Bewohnerzatol gegen weit überlegene arabische Banden genommen werden. Nun beginnt der zweite Akt: Untersuchung, Gerichte, Schadenersatz, Beamtenabsetzung, endlich die Hauptfrage nach einer veränderten Politik der Mandats-, regierung. Wenn die aktueller} Fragen,] die » sieh aus-.den' Unruhen ergeben haben, liquidiert sein werden, dann wird erneut die Frage zu klären sejn, wie die'Beziehungen der drei Faktoren —> Juden, Araber und Engländer —• zueinander geregelt werden sollen/ ■• •'■ Es Ist klar, daß wir im Augenblick auf das Ergebnis warten müssen, zu dem die Untersuchungskommission wird man leicht von Erkaltung befallen, Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tiagen,, daß im Hause nie fehle der. in seiner schmerz« lindernden Wirkung einzige Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung. Umschlags und als Ourgelwasser gleich unentbehrlich ist I Nehmen Sie nur Diana ) Wertlos« Ntchshmtitoflon weis «n Sl« •rttsctiladcn iwrUck l Uftlwall •rhUKUcli. Robert Stricker: Weöci der indischen Polifik IINII(llill|[lillllllfffl|[||||||[|[|||||||[|||!l!l[||||||[|j||||||[||ü Eine Sammlung von Aul «ätzen und Reden Soeben erschienen l Verlag R. Löwit, Wien * kommen wird. Wir haben die Untersuchung nicht zu scheuen, sie wird ohne Zweifel die systematische Aufhetzung der FeliachertbevÖi'kerung durch den Mufti und ändere Effendis erweisen, und der erstaunliche Versuch, die Juden als Angreifer hinzustellen, dürfte, .nicht noch einmal gemacht werden. Kein Zweifel, daß die, A f aber und die 'stützenden englischen Beamten versuchen .werden, eine Mitschuld, der Juden zu konst.ru ffleflr e n. (Dies ist inzwischen bereits eingetreten. Red.). Sie werderi Aeußerungen in Reden oder Artikeln hervorsuchen, die den Eindruck erwecken können, als ob Juden daran gedacht hätten, wirklich die Moschee anzutasten, sie werden manche Unbesonnenheit ans Licht zeihen, aber wenn die Kommission das Prädikat „unparteiisch" verdient, so wird sie nicht verkennen, daß die Juden, seit einem Jahr von den Mohammedanern provoziert und von der Regierung im Stich gelassen, gelegentlich einmal Worte,sagen konnten, die vielleicht nicht gesagt worden wären, wenn man alle Folgen hätte vorher wissen können, von denen aber niemand zweifelt, daß -sie nur die natürliche Reaktion einer Menschengruppe waren, in deren Adern eben Blut, nicht Wasser fließt. Und schließlich verblassen solche Aeußerungen ja völlig gegenüber den entscheidenden Tatsachen der systematischen- Hetze und ihrer unmittelbaren Folge, des Aufstandes. Jn der zionistischen Welt ging man im allgemeinen, als dieersten Nachrichten von den Unruhen eintraten, von der Voraussetzung aus, daß.■ nunmehr die Regierung .erkennen werde, eine wie falsche Politik sie in Palästina geführt habe,, daß., sie den, Juden volle; Satisfaktion, gewähren und eine neue Epoche der Palästina-Pplitik inaugurieren werde, die in wirklicher Förderung des Ausbaues des jüdischen : Nationalheims statt neutraler,, oder gar gegnerischer. Haltung ihren,Ausdruck finden w.erde^ In Wahrheit scheint es, uns, in diesem. Augenblick-eine..ziö-, nistische Rfliehtzu :se^ 1 u s i o n e n z u ,w a r n j n. PoßtikVist in?.djer,.4ieutt^ sondern .'eb^ .%tze.n.s,<..'WinßyVu;.:, unser R e c h t dem der . Araber gegenübersteilen, so, werderi sich ^dje Waagschalen, efwa auf gleicher Höhe halten. Dje Rechte der Araber stützen sich auf die Tatsache, daß sie seit Jahrhunderten in\;..Lande [eben und dem Lande noch heute unzweifelhaft denßtempel aufdrücken. Unser Recht stützt - sich auf. die jahrtausendelange Verbundenheit mit dem Lande und auf die. völkerrechtliche Anerkennung üh-' serer Ansprüche. Die Mandatarmacht (es ist völlig falsch zu glauben, . .England könne das. Mandat niederlegen) ist ge-7 •bunden: sie hat. eine Politik der Förderung des Aufbaues unserer Heimstätte zu treiben und hat gleichzeitig dafür zu sorgen,,, daß .die Interessen der Araber dadurch nicht gefährdet werden. Das Jcömtnt in praxi darauf hinaus, daß die Regierung jn jeder aktuellen Frage, in der wir ihre Hilfe verlangen, stets sehen wird, ob sich ein arabischer Widerstand dagegen erhebt, um In diesem Fälle sofort die Hilfe zii versagen. Dafür haben wir seit Jahren zahllose Beispiele erlebt, und haben auch gesehen, daß alle Berufung auf Balfour-Erk'lärung : und Mandat uns nichts geholfen hat, weil diese, selben Dokumente die Regierung auch verpflichten, Schädigung der arabischen' Interessen zu vermeiden. Wir glauben nicht, d a ß,: wenn wirklich friedliche Verhältnisse eingetreten sein werden, die M a ndatsregleruhg dann einen wesent lieh veränderten Kurs steuern wird. Auch in Zukunft wird England an der Ba'lfo'ur'- Erftlärüng festhalten müssen, xlenn ohne sie würde das Mandat 'Semen- Sinn verlieren.- England wird auch-In-•Zukunft uns machen lassen, w a s wir m Ii u n s e r e n K r ä ft e ri z u 1 e i s t e n v e r nro* ge.. n. Ob wir aber erreichen, wonach wir streben; eine weit positivere und aktivere Stellungnahme der Regierung zu, erkämpfen, steht auf einem gant" anderen' Blatte.'Hat England;' schon bisher .auf die vielen MifMo ne a M-o ka m nve.d.an.er, die. unter, seinem Zepter 'leben, die größte Rücksicht genommen, so wird es das In Zu'kunft. erst recht tun, weil einmal die Innere Zusarhmengehörigkelt' dieser mohamniedanlsch-arabiselien Welt -während des.-Aufstandls . unverkennbarem;. Ausdruok gekommen Ist und weil Un übrigen In England eine Regierung am Ruder ist, die soeben in Aegypten eine Politik des Nachgebens gegenüber der arabischen Bevölkerung begönnen bat und die geneigt scheint, in Palästina ähnr «che Kräfte am Werk su sehen, wie die, vor denen sie in Aegypten zuijüc^geiWlcben ist. Wie sollen mit letztem Nachdruck um die-gerechten Forderungen kämpfen, die In London in diesen Wochen vertreten .wurden, aber wir sollen nicht' verkennen, daß 'itie'buitäeiziiiig schwer1 sein:wirdi' daß kelpeswegs alle Forderungen ml,t absoluter Sicherheit zu erreichen sein werden, daß aber'auch die Zukunft unseres Werkes trotz alledem 4ettteTL Eudes davon nicht abhängt. Freilich, bestimmts Dinge brauchen wirr«n4 zwar in erster.Linie die Lösung des. Si.che,rheitsprob 1 e«s in einem Sinne,.daß wir in,Zukunft m ähnlichen Dianen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.