Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-09-27 · Heft 106 (27.9.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 106 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711722--1393-2714607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. IM Immam^ In anerkannton Qualitäten - *■ nlMlFliif«*JrtlfteHi Vi im ka>»i ft*Hit iuf#, ybn s f Sooktn > « j» » 8 &8Q K«l»» rtmpt«. Wadinttaek«, ftnftitipptn ' i^aos „ALPHA" nun t. M!«rfl««se S :- das r*ynisehe, verlogene Wort' Vom' „z i o n i's t'1 s c h * anti» semittsch*l5ürgerliclien Heimatbund'V1; (|;f: ',.! \ So ist es dahin gekommen, daß die österreichische Judenschaft, welche in dem tobenden Kampfo die ehren* volle Rolle des Hüters der Demokratie und der Klassen* Versöhnung spielen könnte, zu . entwürdigender Hand* langerschaft herabgesunken ist, dem Staate zum Schaden und sich zur Schmach. Die Situation ist übel genug. Aber sie gibt der jüdischen Demokratie Gelegenheit, aufklarend und werbend auf den Plan zu treten. Jetzt hat ehrliche politische Arbeit einzusetzen. Rasche Hille für Palästina. Vierter Spendenausweis. Durch Frau P ö 11 a k von eiirem :„G u t e n j u d e n" S 1000; Sammlunfe ,Dr. S. ÖBterer: Gisela Herzog S 100, Dr. S. Üsterer,50, Ella Herzog 40, Paul Albrächt 35, Sab Dukes 30, Dr. MacWust-Wo'If 30, Helly Hörzog 30, Rudolf Neusbiel 30, Dr.' I. F. 30, Hermann Stelner 20. zusammen 305; SammungDr/Neubörger, Mattersdorf: Dr. Neuber«er 10. Körper 5-, Schimha 2, Heiniich 2, Schön 5, Braudel 3. Deutsch 2, Roth 2, Löwy 1, Koppel 2, zusammen 34: Dr. Max Weiß 10; Kuppermami 1;' Sammlung Mann: Ine. Altmarm 10, Kephan, Krems 10, Blum 1. Zwlskower 2, zusammen 23j durch Ifig. Börger, Innsbruck, „Ungenannt" 1 engl. Pfund; C. fellner 5; N. N. 20; Sammlung Bressmann 29; Frau Dr. Fanny Fried 20, N. N. 10; N. N. 3; Dr. Scherlag 4; Gutenstein 5, Prof. Neuburger 5; A. Freiwillig1 J0; Ing; Viktor Gehler 30; Le* wanon 10;' I. Kaufmann, 'Mötilltig 10"; N. Spiegel 5; Kohn, Aussee 2\. lüg. 1. Lerner 5;. S. -Engel .5; I. Klinger, Salzburg 20; Gastfiaiter 2; Paul Müller 20; B. A. 12; Fa. A. Schachter & Co. als Telegramrnablöse .für Hochzelt" Ben.edikf. Kphn, 'Mattersburg : 5r Bani.olr David ' 10;' * Alfred Steiner 10; Josef Weis 8; Sammluhg Inspektor Sie rn: Ignaz und Paüia Stern löi Heinrich ßäfoät 20; Schnürmacher 6; Josef Stern 10. Gebr. Mtirchfeld 20; Natan Deutsch 10, Emma Deutsch -6; DiV/19:50; zusammen: 101.5ÖÜ I. Fröhlich 3; Sa m fnlu n g ,K a t z: Moses Seidmann 10... H. Kottenberg 5, Julius Katz 5, David Sperling S, Joachim^ Rubin 5, zusammen 30 Zusammen S 1857.50, 1 engl. Pfund. Die Gesamtsumme inklusive' des} v o r wöchentlichen Ausweises lautet rieht.lg S i0.033.80. ,( >"v Bisheriges Gesamtergebnis: Schilling lt480ii3O, scHwV Fr. 75, englische Pfund 6. tsch. Kronen 50. Zloty 35, Peögü 50, Reichsmark 10, Dolfar 5. Die Metzelöieti in Meöföh. ■ : < Jerusalem,' 20.;, Septenitfer.: : Ifj;;';ti; A:)' äisher lieg* noch kein end^üttlketV'Spftiöh; '-äelf •\k^*^«lfiftlern, judefi und Arabern Äusamraerigeset^te^. Aferzt^kömmlssion, die die Ausgrabung •uftd.*,^'ef^chüng;;.;d'fer Leicheft In Hebron vorgenommen hat, vor, Die'jüdiischen A&rks haben'' ,/ Verstümmelungen, die den Opfern noch bei lebendigem Leibe zugefügt worden sind, festgestellt; die arabischen Aerzte. bestritten dieä. Die Regierung wil l den .arabischen W ünschen nachkommen und. fos.tstc 11 en, daß die englischen Mitglieder der Aerztekommission der Meinung der ]üdi*ehen Aerzte, daß Verstümmelungen bei lebendigem Leibe vorgekommen seien, nicht beipflichten, die Engländer bestätigen wohl, daß von* öftreren .Leichen Arme und andere Gliedmaßen abgetrennt worden seifen, daß aber nicht feststeht, ob die. Abtrennung der Gliedmaßen geschah, als die Opfer , »och lebten. Der politische Mitarbeiter des „Palegtlne Bulletin*' unterzieht die von der Regierung herausgegebene M*ttellung, In der Im Sinne der Feststellung der arabischen , Aerzte gesagt wird, daß be-i den Metzeleien in Hebron! Verstümmelungen von Lebend eh nicht vorgekommen sind, einer scharfen Kritik, Dieses Dokit- : ment, schreibt der Politiker, Ut nicht nur schlechten \ Glaubens, sondern auch im höchste« Maße ungeschickt. Die Regierung Palästinas Steht gegenwärtig ncht so hoch in Ansehen, daß sie es sich leisten könnte, Zielscheibe des Spottes aller vernünftig Denkenden zu wir den, Das Dokument Ist von einer Art, daß man wÖHsc-hen 'müßte,, es i wäre nie geschrieben und veröffentlicht worden. ■ Einwanderung in Palästina Im Juli. Jerusalem, 14. September. (J. T. A.) Im Monat Juli waren in Palästina 336 jaden, 91 Christen und 8 Mosiemiten eingewandert. Im gleichen Monat verließen das Land 183 Judeii, 11 Christen und 22 Moslemiten. In den letzten Tagen sind mehrere hundert Cbaluzim aus Polen, Rumänien und anderen Ländern in Palästina eingetroffen. Kautskys Dolchstoß. —y. Karl Kautsky, der Theoretiker der deutschen und österreichischen Sozialdemokratie, hat »ich dazu entschlossen, dem Zionismus ein ktKftiges und entschiedene* .Wort mit dem Messer zu sagen. Er beweist in der „Ärheiter-Zeiltung" vom 22» September, daß der Zionismus, diese „romantisch-reaktionäre Utopie", unausführbare Dinge sieh vorge* hommen hat... und daß der jtingste Araberpöfrom in Palästina ein warnende« Menetekel ist, das beachtet und richtig gedeutet werden möge. Wie ei zu beachten und zu deuten wtire, da« auch nur anzudeuten, halt Kautsky nicht für notwendig, Wir meinen, dafl es vor allem die Pflicht des Autors wäre, seiner absprechenden Kritik auch eine Angabe darüber anzuhangen, wje er sich die Sache ^eigentlich vorstellt. Es gibt doch, wie ja Kautsky weiß, ein Judenprobleiri, das sogar in die Internationale hlneinapielti['■> Wiei soll dieses Problem gelöst oder der Lösung uähergeführt Werden? Der Zionismus ist falsch. Schön. Was schlügt Kautsky vor? Gar' nichts. Er kommt - Über däs Menetekel nicht hinaus. Kautsky Ist ein Prophet." Nicht nur der des Alkh Marx, sondern überhaupt. Er hat das ganze, das da gekommen ist, schon vor sieben Jahren vorausgesagt. „Der Zionismus — hat er damals gesagt — verleugnet, das Recht deir Seipstbestimmung der Nationen und proklamiert ihm gegenüber das historische Recht." „. . . Da dreht man von zionistischer Seite den Spiefl UM (wo war denn der Spieß vorher?) und preist die. jüdischen Kolonisten .in Palästina als Bundesgenossen Englands gegen die nach Selbständigkeit dürstenden Araber", .„. ...' weil sie (die jüdischen Ansiedler) durch ihre Ansiedlung beweisen, daß* sie im Lande bleiben und die früheren Einwohner nicht bloß in Abhängigkeit bringen, sondern völlig verdrängen wollen". iDas hat Kautsky, wie. er stolz .hervorhebt,. sclion -192i in seiner Schrift. „Rasse und Judentum4! geschrie- Sdnvßdens hoste Rasierklinge mit h a a r schar f er Schneide . macht Rasierpn angenehmleicht 01e folirende säsweffisdie Weffiaarke ben. In diesem .•• Jahr.^, .s|aiid;. .der;Zi$uismus: im Beginn der ..Arbeit Tu^d.l.f^. $V arbeittni. mußte,, konnte er den WahrÄBgü^B^.^K^it^ky«;--night.,,^ie;: gebUhrende Aivfpierjfsainkeirischenjeen. Beute liegt die - f........• ~. *''9Sy»fl*SJW!WT?<-^''•'!\A'-»r- Vir- '-lt oaene anders. Jede Aeußefüng eines europäischen lAUfd^s wird ^yon arabischer Seite begierig aufgegriffen-u^ erkennen, wi0 wenig7 füfi^ofili^ getan worden ist5, 'wird•ösrdo^bl^notwendig, Verdrehungen und Ver- Ifeumttongeiri?^chtzettigr entgegenzutreten, auch :^Änö; w^Äft.^fl^Vyon einem abgefallenen Juden mit li^r.heblich:er;; MentorgQste;. vorgebracht Werden, ^öh 'dann^w^iiti sie.rgiii. abgefallener Jude auf Grund* feirie| ubgruUdti^fenyIghoranz vorträgt. Es! 'seij also-mit aller Hochachtung, die nur t|rirdhI'di(g;'Erihfeun^ äÜ^die Toten in Palästina be- •elütrdehti^t;\d¥fl,: erklärt: nie hat „man" von z i o li i s 11 k c Ii er Seite' d ie jüdische h Ko 1 o n ig t e n a 1 s.1B ji^n d e_s g enossen Eng- 1 an^ds'g<egen ^fetlß'ab^r^geprieseti, nie hat ein Zionist erkennen lassen, daß der Zionismus 'die früheren Einwohner verdrängen will. Auch ein abgefallener Jude, auch ein Jude, der ein Buch schreibt, hat nicht das, Recht zu lügen, am .wenigsten,, wenn aus seinen papierenen Lügen Messer iiftd, Patroneil Werden. Auch .Kautsky hat, ehe er schreibt, die Pflicht, eine Bodelistätistik Palästinas zur Hand zu nehmen. Er wird dort erfahren, däfi die jüdischen Siedlungen sich, auf früher unbewohntem Land erhebeh, in dessen Mal arias ü m p f e n kein Araber lebte! es wird erfahren, .daß die Zioni«ten; sehr ernste Beschwerde gegen England erhebeh, das] ihnen die Völlig menschenleeren KröndömHnen vorenthält, Was dann in Weiterer Folge zu einer Stockung in der landwirtschaftlichen Siedelung, zü Arbeitslosigkeit Und zu einer schweren Krise der Einwanderung geführt hat, zu jenem Rückgang, den Kautsky schon vor acht Jahren aus politischen Gründen erklärt hat, ohne die Wahrheit auch noir zu ahneüv Es ist kein einziger Araber VerdrKngt Wörden, ÄtabisoheProleta r i er h a h en dUFch die WIEN VII., KAiSgRSTRA9$fe 1&3 ix:, a u S MH £J n AI S, © PERNSPReCHEER 8-38.0-48 : Vollständig neu adaptierter ROSA-SAAL fUrHöChxeiten u. sonst ige Veranstaltung gen bestens geeignst - Im - ' m CAFE f ALTES RATHAUS* 1. Wlpplingerslraße 24 Catetieic i«0 Lttwjf ¥ MMMHM......«M<M»MM.....MMMMKMMMM»M» jüdische Tätigkeit der reaktionären Utopie Arbeit und Brot gefunden. Aber die Erzählung vom völligen Verdrängung ist für die Theorie Kautskys von dem historischen Recht und dem Selbstbestinimungsrecht sehs wichtig, Wenn abendländische Nationen ihr historisches Recht auf Land und Staatlichkeit in Anspruch nehmen, dann haben sie Kautskys Zustimmung. Siehe Tschechen und Polen. Bei den Juden ist's anders. Nun ist aber das historische Recht der Juden auf Palästina nicht durch zweitausend jähriges Alter brüchig geworden, wie Kautsky behauptet, sondern ununterbrochen lebendig geblieben, Kautsky ist da9 unbekannt. Die jüdische Geschichte kennt er nicht. Er dekretiert, daß Jerusalem nach 538, der Wiedererbauung unter Cyru§, nicht die Hauptstadt eines nationalen Reiches wurde, sondern ein Wallfahrtsort. Hätte Kautsky ein ganz gewöhnliches Lexikon zur Hand .genommen, so-'hHtte er erfahren, daß das jüdische Reich, wenngleich unter persischer, makedonischer, ägyptischer und syrischer Oberherrschaft, doch als nationale Einheit fortbestand, sich unter den Makkabäern um 164 die Freiheit erkämpfte und bis zum Jahre 8 nach Christi ein Staat blieb. In diesem Jahre wurde es von den Römern mit Syrien vereinigt und erst im Jahre 70 brach mit der Eroberung von Jerusalem durch den blutigem Titus, der letzte Rest der Unabhängigkeit zusammen. Kautsky streicht also nicht weniger als 600 Jahre und dies zu dem Zwecke, den Zionismus als eine völlig aussichtslose' romantisch-reaktionäre Utopie hinstellen zu können. Die Römer führten die überlebenden Juden in die Sklaverei, in den Klüften der Berge blieben aber Flüchtlinge zurück, die später von. Bar Kochba; noch einmal zu einer Erhebung mitgerissen wurden, die von Hadrian in Blut erstickt wurde. Aber auch weiter lebten Juden, im Land, auch in Jerusalem, immer in ständiger ,Verbinduug mit dem Judentum draußen in der Welt; immer wieder im: Lauf der Zeiten gab es Xersviche der Juden, ihr Recht nicht verjähren zu lassen; :undr,che...'d^^^ 0f>l?.e_?eit|£jjtj{i:li- , sc%^.jfcqJo.pjeA, jp.'.Pö.l^?tiu.a und a^. jjli.rp;..5xisjfönz konnte der Zionismus ank hüpf en und ".sie "sogar yor der. PaiM'Selv'Friedenskonferenz als direktes Argument anführen. Auch davon weiß Kautsky nicht3. Er Stellt dem, „brüchigen" historischen Recht das Selbstbestimmungsrecht der Araber gegenüber, das der Zionismus angeblich, verleugnet. . Das hat der Zionismus niemals, mit keinem Wort, mit keinem. Akl getan» Aber er hat etwas getan, was in den Augen jüdischer Renegaten, die über das Lös der Deutsehen in der Tschechoslowakei und in Südtirol bittere Tränen vergießen, die den Zusammenschluß der deutschen Nation aus dem Selbstbestimmungsrecht heraus fordern, als größte Schändlichkeit erscheint\ der Zionismus verlangt für das jüdische Volk das Selbstbestimmungsrecht; jenes Reohtrclas Kautsky so definiert: „Dem gequälten Judentum eine Heimstätte zu schaffen, in. der es. frei über sich verfügt, gesichert gegen jede Mißhandlung." Diöses Ziel war Kautsky äußerst sympathisch Und erst nach dem Weltkrieg kam er zu einer anderen UeberzeUgung. Das ist nämlich so: insolärtge der Zionismus im ersten Stadium stand und sein Ziel nebulöS Schien, hatte er Kautskys Beifa'U. Als er aber nach dem Weltkrieg auf die politische Bühne trat und seine politische Forderung zu Fleisch und Blut wurde, schwenkten Kautsky und die Seinen — er sagt „wir" wieder ab. Jetzt wurde Palästina, das vorher ausreichte, auf einmal zu klein. Kautsky ist ein Jude gewesen, also stellt er sich gegen die Juden, gegen den Zionismus, der im Gefolge deB britischen Imperialismus kommt. Nebenbei erwähnt, hat der britische Sozialismus die Balföur-Pölitik vor zehn Jahren akzeptiert und erklärt Sie auch heute noch als Bestandteil der britischen Politik, sogar Vom Ehrenstandpunkt aus. Kautsky anerkennt das nicht. Sein Herz schlägt für die Araber. Ef ist Sozialist und verdammt die Zionisten, die dem Araber das Land wegnehmen. Aber wer sind die Araber, für die sich Kautsky in die Bresche stellt? Auch hier ist die Ignoranz des illustren Gegners ehrfurchtgebietend. Welche sind die Gründe für die Revolte, die sich in Palästina abgespielt hat? Der Ueberfall wurde von armen, verhetästenv religiös. vernetzten Menschen ausgeführt, denen man eingeredet hatte* daß die Juden von der Klagem&uef aus die Ömar-Moschee ' sich aneignen wollten. Diese ^man",. das waren der Großinufti und die ihm nahestehenden Effendis, die Großgrundbesitzer, die, wenn sie nicht gerade ihr Geld In Monte Carlo und Nizga vefspielen, in ihnen Häusern in Palästina sitzen und sich darübei *»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.