Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 106 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'8? J*h pruH 3S Gr<M<**tt V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: RÖlERT STRICKER .••f •••, Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A2S BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark I.— vierteliährig Mark 3.—; Bulgarien monat. lieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweis «nd die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1*50. vierteljährig Schweizer Francs 4;5Ö. -2-82 Erscheint reden Freitag Jahrgano 3 Freitag den 27< $?pt*jnhei 1929 Nr. 106 Was in Palästina vorgeht Die Mordbrenner von Safed. 220 Araber verhaftet. Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Unter der Beschuldigung, an den Plünderungen und Brandstiftungen in Safed teilgenommen zu haben, wurden 150 Araber aus Safed, unter ühnen mehrere Scheichs und Schriftsteller sowie etwa 70 Araber aus den Dörfern der Umgegend von Safed, verhaftet. Gegen zehn der Verhafteten wird die Anklage wegenMordes erhoben. Heute wurden achtzehn der Verhafteten, die des Raubes und der Brandstiftung beschuldigt sind, verhört. In einigen Fällen zögern die angegriffenen und beraubten Juden, aus Furcht vor Racheakten, gegen die beschuldigten Araber auszusagen und Beweismaterial auszuliefern. Der Scheich von Thalit, einem Dorfe in der Nähe der angegriffenen und ausgeraubten jüdischen Kolonie Jessod Harhaalah, der die Angriffe organisiert' hatte, ist, als ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, geflüchtet. Sein Sohn und sein Bruder wurden we'gen Mitschuld an der Organisierung des Raubzuges gegen Jessod Harn aal a.h. verhaftet..... , ...,,:.;". - ■ Junten, d^r-^Juden^^ Erjegti'Wi' Iwögerijdes Uiristandes,'"daß m|hr ajs 40, Haifaer:. .Juden, die an der Selbstverteidigung teilnahmen, in der ZH ad eile" von A'cco noch im-mer eingekerkert sind und trotz des Angebotes einer angemessenen Bürgschaft nicht freigelassen werden. Bekanntlich stehen die Behörden dieses Distrikts auf dem Standpunkt, daß Waffenbesitz gleich versuchtem Morde zu ahnden ist, wobeit kein Unterschied zu machen ist, ob die Waffe Zwecken des Angriffs oder der' Verteidigung dienen sollte. Das Gericht in Jaffa 'verurteilte einen Araber aus Yavne, der im Besitz von Waffen befunden wurde, zu achtzehn Monaten Gefängnis. Ein zweiter Araber, der -zum Angriff auf Tel-Awiw gehetzt hat, wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der jüdische Kaufmann Kvasso wurde auf Grund der Aussage eines Arabers, daß er bei der Verteidigung der von Arabern angegriffenen jüdischen Villenvorstadt Bajith Wegan einen der Angreifer getötet hat, verhaftet. Der Jerusalemer Jude Rabinowiitz, bei dem eine Waffe gefunden wurde, erhielt eine Geldstrafe von fünfzehn Pfund zudiktiert. Das Verhalten der Christen. „Palestirie Bulletin", die etoige englische Tageszeitung Palästinas, veröffentlicht die Zuschrift eines „treuen Christen", der die christlichen Gemeinschaften Jerusalems anklagt, daß sie gegenüber den 8000 gehetzten Juden, die in Todesgefahr-aus .ihren Heimen flohen, wenig Hilfsbereitschaft gezeigt haben. Warum, fragt der „treue Christ", haben christliche Institutionen wie YMCA und Kirchenmission die notleidenden Juden nicht unterstützt? Warum haben die französischen, italienischen und deutschen Hospize nicht die Tp're ihrer umf an gj eichen Gebäude der Flüchtlingen geöffnet? Wie trauri« stellt sich eine solche Knauserei dar, angesichts der eifrigen und freigebigen Hilfe, die, wann'immer Christen sich in Not bef anden, seitens der Juden gewährt worden dst!\ Die Untersuchung der Ereignisse. ■ London, 19. September. (J. T. Ä.) Der New Yorker jüdische;Anwalt Jonain. J,' G öl d s te in ■ wurde > vom Rasche Hilfe Bei der Verwaltung' der „Neuen Welt" sind' bisher insgesamt S 11.891.30, : §chw. Fr. 75, engl, Pfund 6, tschech. K 50, Zloty 35, Pengö 50, Reichsmark 10, Dollar 5 an Spenden für Palästina eingegangen, die im Innern des Blattes ausgewiesen werden. Präsidenten des . Administrativ; Committees der Jewish Agency, Herrn Felix M. Warburg, ersucht, sich nach Palästina zu begeben, um an' den Untersuchungen der Ursachen der letzten Ereignisse teilzunehmen. Dr. Goldstein schiffte sich vor einigen tagen an Bord des Dampfers „Bremen" naoh Palästina ein. erhielt aber auf dem Dampfer von Dr. Weizmann ein Telegramm, in welchem er ersucht würde, im .englischen Hafen den Dampfer zu verlassen und nach London zu kommen, wo Dr. Weizmann mit ihm über eine Zusammenarbeit amerikanischer und britischer Stellen bei. der Untersuchung beraten will. Dr. Jonafrh Goldstern traf heute in London ein und setzte sich sofort mit Dr. Weizmann in Verbindung. Er wird in den nächsten Tagen die Reise nach Palästina fortsetzen. <; ' Mit Ihm reist seine Güttin, die in Palästina die Verwendung der Joint-Gelder\k|ntrollieren wird. Frau Goldstern ist Revisorin des Joint-" Distribution Committee. Arabischem lj< Kfer Ö -.'-.T-..,' -vvilli'-;^eitf^m^SrtlÄ^c^tÄ Jerusalem, 2& September. Der-Sonderberfchterstatter der Telegraphen*Union, meldet: In, der Nacht■'«uin"' Dfehs* tag ist das Kinderdorf-K far J e la'di m von einer Be duinenbande überfallen worden. Der einzige Wächter, des Dorfes wurde niedergemacht. Unmittelbar nach ihrem Ein» dringen schnitten dieiBeduinen die Telephonvef» bindung ab. Das gesamte Vieh wurde geraubt. Als nach er heb 1 ich er Verspätung eine Truppens abteilung heranrückte, waren die Beduinen bereits wieder verschwunden. Die Jeschiwah-in Hebron verlangt von der Re» gierung in Jerusalem 1,200.000 Mark für die Hinterblie» benen der ermordeten 35 Schüler. Außerdem haben noch eine Reihe amerikanischer * und litauischer Bürger An* Sprüche geltend gemacht. (Das Kinderdorf Kfar Jeladim wird von Pogromwaisen aus der Ukraine bewohnt. Die Verwaltung des Dorfes liegt zum Teil in den Händen der Kinder selbst.) Der Scheik von Hebron unter Mordanklage. Jerusalem, 24. September. Der Scheik von Hebron, Taleb Markah ist unter Mordanklage gestellt worden. Es ist festgestellt, daß er einer der Hauptanstifter des Massakers gewesen ist. _ Weizmann Bei Macdonald» Ueberreichung der Beschlüsse: des*Aktionskomitees. L o n d o n, 24. September. Professor Weizmann wurde gestern nachmittags vom Premierminister M a c< donald empfangen, und überreichte diesem die grund« .sätzlichen Forderungen der zionistischen Weltorganisation zur Wiederherstellung der normalen Verhältnisse in Pa* Iästina. Diese Forderungen umfassen folgende Punkte: 1. Die Mandatsmacht muß die notwendigen Maß* nahmen ergreifen, um Leben und Eigentum der jüdischen Bewohner sicherzustellen. 2. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Reorganisation der Landespolizei und der trans» jordanischen Armee notwendig. 3. Die Mandatsmacht muß gemäß der BaIfour«Note eine aktive Unterstützung für die wirtschaftliche Entwicklung und die Erweiterung der kolonisatorischen Tätigkeit der Juden gewährleisten. Alle im redaktionellen Teil befindlichen - entgeltlichen Notizen sind 'durch ein beigefügtes Ebezeichnet. Komplett« Ski hend aus 1 P*an gute E*ohenteltfdltfblnitang, Bp?ken. Inklusive ors Stööke. Teil r, S?h'auf en, itkl««9lg«r Montags Sport vatter aa Wien I, Wippllngerstr. iU ' Der österreichische Wirrwarr und die Juden. Oesterreich, um welches sich die große Welt in normalen Zeiten herzlich wenig kümmert, steht jetzt im Brennpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Jetzt, da der kleine Staat ein Herd der Unruhe geworden ist, da sich in Oesterreich zwei bewaffnete Haufen in kriege* rischer Stifamung gegenüberstehen, beginnt die Erkennt* nis zu dämmern, daß von diesem im Herzen Europas ge* legenen Flecken großes Unheil seinen Ausgang nehmen kann. Wenn es in Oesterreich zu einem Bürgerkriege kommt, dann können die Nachbarn Italien, Ungarn, Jugö» slawien und die Tschechoslowakei nicht ruhig abseits stehen.. Und wonn diese hineingezogen sind, dann müssen auch die Großen, dann müssen auch Frankreich und England heran. So kann man es überall lesen. Und aus* nähmsweise ist das, was in den Zeitungen steht, in die* sem Falle Wahrheit. Im fröhlichen Jahre 1914 fing es auch so an. Merkwürdig ist die RollOj welche die Juden im österreichischen Wirrwarr spielen. In Oesterreich leben nich^ feänz^vier Prozent Juden, aber in Wien, der Zentrale, •^in^sie^.-übe^-zwolf^Prozent.-- Ihre Bedeutung findet , tau. tiieien'V^a^l'^n/ai^ijt-^'^iciit'' arihähernd den .ehtsprecb%rtden Ausdruck. -Inr;. wtrtsphäf tlichen Leben, in der Industrie, im Handel, im ^anzwesen, im Kunstleben und vor allem in der Presse findet man auf den wichtigsten Posten Juden. Gäbe es eine- Zusammenfassung jüdischer Kräfte auf politischem Gebiete, so würde sie von beachtens* Wertem Einflüsse sein. Gäbe es einen jüdischen politi* sehen Willen, im Sinne der Demokratie und sozialer Ge* rechtigkeit gerichtet, er wäre ein überaus wirksames Hindernis für die von rechts und links her nach der alleinigen Macht; strebenden Elemente, für alle jene, die. in der Gewalt das Heil .sehen. Jüdischspolitischer Wille könnte segensreich wirken: für Oesterreich, für den, Welt* frieden und nicht zuletzt für die österreichische Juden* schaft selbst, welche ja bei allen Erschütterungen politi* scher und wirtschaftlicher Natur den Großteil der Zeche zahlen muß. Aber dieses jüdisch*politische Wollen ist nur bei einer Minderheit zu finden, bei den jüdischnätional ge* sinnten Demokraten. Die Mehrzahl' der österreichischen Juden ist heute in den um die Gewalt ringenden Gruppen eingeordnet. Nicht als Führende, sondern als Handlanger, als Geldgeber, als Stimmvieh. Solange die Sozialderao* kratie das Schlachtfeld souverän beherrschte, waren die Juden dort. Nun, da die Gegenpartei, die Heimwehrler, .wirklich oder scheinbar im Aufstieg begriffen ist, tritt auch bei ihr der jüdische Handlanger häufiger in die Er* scheinung. Hier .und dort jüdische Journalisten als Schürer der Hetze, hier und dort Juden als Geldgeber. Mancher, .der noch vor wenigen Wochen die rote Nelke trug, lieb* jäugelt jetzt mit dem Hahnenschwanz. Am. gleichen .Tage, konnte man lesen, daß Gruppen der sozialdemokratischen .Händler und Gewerbsleute — zu sechzig und mehr Pro* zent jüdisch — dem roten Schutzbund, beigetreten sind und daß sich die „Demokratische Mittelpartei", im wesent* Richen die Partei der antinationalen, antizionistischen Juden, in ihrer Majorität den Heim wehren anschlie* ßen will. Die Wirkung dieser Ziel* und. Charakterlosigkeit ist verderblich' für Oesterreich und verderblich für das österreichische Judentum«: Sie liefert den' Hetzern Geld und routinierte Agitatoren. und vermehrt die Unruhe im Lande» Den Juden aber bringt sie Feindschaft und Ver* achtupg. '-Pier jüdische.: Hilfe ' wird' gern, jedoch still* schweigend , abgenommen, in der 'Öffentlichkeit aber -stürzt :;man vehement; über den jüdischen Helfer auf . der anderen Sejte ier. pie Heirawehrler schimpfen über „rote Juden", ■ die Sozialdemokraten wieder legen besonderen Wert, darauf, rin jeder Versammlung hervorzuheben, 'daß Rothschilei und andere "jüdische Kapitalisten die Haken* kreuzler finanzieren. In der sozialdemokratischen' Presse werden jeden Tag „jüdische" Journalisten als Helfer der Reaktion angeprangert. Um ja nicht in den gefürchteten Ruf der Verjudung zu kommen, leistet sich die „Arbeiter* Zeitung", in deren Redaktion Arier schwer zu finden sind,