Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 104 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 104 DIE NEUE WELT Seite 3 Unverständnis, Uninformiertheit und Feindschaft; Die Palästina-Unruhen in der englischen Fresse. pje nachfolgende Zusammenstellung von Stimmen der englischen Presse wird vo n d c r Zlon istisclh cn Exekutive selbst versende t. Diesö Konstatierung ist notwendig. Sie zeigt, daß die politische Arbeit der Exekutive gleich Null gewesen ist. Es bedarf Heines Wortes, um festzustellen, daß die Vorgänge der letzten Wochen in Palästina in der .gesamten englischen Presse, ahne Unterschied der Parteirichtung, einen s&Jir starken Widerhall gefunden haben. Wenn Schlachtschiffe, Aeroplanc und Betaiilone im Verlauf weniger Stunden von Malta mobilisiert werden, wenn man Truppen von Aegypten durch die Luit befördert und zufällig als Touristen dm Laude anwesende Oxfordstudenten als außerordentliche Miliztruppe organisiert, kann es keine Zeitung «eben, die diese Vorgänge übersehen 'könnte. In der Tat haben die Pa'Iästiiianachrichten, obwohl sie im Schatten des großen Sieges englischer Politik im Haag gestanden-halben, «durch meihrere Tage die traurige Sensation beinahe der gesamten englischen. Presse dargestellt. Obwohl in den ersten Tagen der Zusammenstöße die Kiagemauerangelegen'helt noch im Zentrum der Diskussion stand Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke ■und Juden und Araber etwa im Licht von fanatischen und wilden Vö^k'erstämjnie« erschienen, die um irgend welcher verschimmelter Fetische willen Amok laufen — (die Zeitungen übersahen -geflissentlich mit Ausnahme einiger we-, niger Brieifschreiber, daß Zusammenstösse verschiedener christlicher Sekten in Jerusalem im Laufe der Zeit viel häufiger gewesen , sind als die zwischen Moslems und Juden) traten allmählich doch immer mehr die politischen Elemente im arabisch-jüdischen Konflikt in den Vordergrund. Die Beleuchtung, die das jüdische po- Htischie Prchlem und die Situation im Lande während dieser so tragischen und kritischen Tage in der englischen Presse, das heißt in der englischen öffentlichen Meinung erfahren hat, ist aufscMuJJreich und wichtig' genug, daß es verlohnt, sie etwas näher zu untersuchen. Es giiht einige; Pun'kte,-in" denen; sich die gesamte englische Presse ungefähr einig ist. Der erste, Punkt ist die .Feststellung der Tatsache, daß durch die Vorgänge in Palästina das Prestige und die Ehre, der britischen Administration einen schweren Schlag erlitten haben. „Daily Telegraph" vom 26. August faßt diesen Tatbestand vielleicht am besten zusammen, indem er sagt: " " ' . „Die ganze Angelegenheit ist demütigend. Palästina .. wird-unter einem Mandat .regiert, eine nationale. Heimstätte für die Juden aufzurichten. Jüdische Imrmigation und diie Begründung lanid'wiritschaftiicher Kolonien in verschiedenen Teilen der Landes sind ermutigt worden. Und doch sind selbst in der Heiligen, SJadt mit ihrer beträchtlichen Bevölkerung eirigese&se.ner jüdischer Familien die loikaien Behörden nur mit halbem Herzen bemüht gewesen, die bestehenden Rechte der Juden zu schützen. Das britische Prestige hat .in den Vorgängen der letzten Woche: einen schweren Söbia-g erhalten, und es ist zu hoffen, daß alle Beteiligten einsehen werden, daß die Stadt in Zukunft unparteiisch verwaltet werden muß." Einen Tag später schreibt sogar der „Sunday- Expreß": , . „Unsere Regierung, unser Prestige, unsere Fähigkeit au administrieren, alles steht auf dem Spiel." . ' ' . Der zweite Punkt, über den Übereinstimmung herrscht, ist der, daß sobald die Ruhe im Lande wieder hergesteilt ist, die erste Notwendigkeit elfte tiefgreifende Untersuchung der Ursachen der Unruhen und der Verantwortung für ihren Ausbruch sein muß. Gegenüber allen Beteuerungen des Kolonial» amtes, das die Situation*1 im Lande nunmehr wieder fest in der Hand der Behörden sei, wird immer wieder die Frage aufgerollt: Wie ist es möglich, daß sie jemals der Hand der Behörden entglitten ist? Die „Times" vom 28. Augwst sitzen in hinein Leitiarrikel — „Unsere einfache Pflicht" — die Frage ausführlich: „Die Gefahr mehr oder weniger furchtbarer Unruhen und Aufstände in Palästina' ist chronisch. Sie ist Jahre hindurch bekannt gewesen und studiert worden. Während der Anfangsstadien des jetzigen Aufruhrs wird behauptet, daß das Fehlen: genügender militärischer Kräfte stärkere Maßnahmen unmöglich gemacht habe. Wie 'kommt es, daß ungenügende Kräfte da waren, um den Frieden «u hüten; wo es offenkundig war, daß jeden beliebigen Augenblick eine Störung ausbrechen ikonnite...;?. Es' würde interessant sein, festzustellen, ob bei.der, Zentrairegiierung darüber Vorstellungen erhöben worden sind, und ob .man unter anderem ihr mitgeteilt hat, daß die militärischen Kräfte an Ort und Stelle nicht ausreichen würden, um den Frieden aufrechtzuerhalten, wenn irgend etwas Größeres als eine lokale Stneitigikeit ausbrechen würde. Es würde noch interessanter sein, zu wissen, ob und welche Antworten auf solche »UA*S«U*G« anrufen- 10 Blatt Papier iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiii 10 gute Bilder iii[iiiiiiiiuiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiii|i»imiM'[iiiiiiiiii eizielen Sie mit ■'■ EPVKI PfSB' Ein Versuch wird es beweisen! Lehrreiche Broschüre kostenlos durch: ino-K ITOwravu i 1 X\\> i\v} 4>pW>»i>>JAWi;fli>- 'S /iW^s^f |Sflrl5RflP|, ■; A.-G. Repräsentanz In Wien : VI., Webgaffe 2a WS tagt TEL' «2^-5*20 S£ftf£ q .Vorstellungen hin erfolgt sind... Das britische , Publiikum uiid die Oeffentlicihike'It aller Staaten, die unter ,dleilißli|v^öhnern Palästinas .vertreten sind^haben das Recht,,die wnirtiftelbaren mnd. die weiterreichen- : den Gründe für die beklagenswerten Vorgänge der letzten Tage ikennemzulernen." In äibn'Woher Weise schreibt am 1. September der einfhißretthe „ObservetV:.;; '. '■ „üfe Pogrome in Palästina Laiben einen-Schau. . der durch ,d|e. ganze - Welt gehen, 'lassen» Wir, wollen . riieht versuchen, den Ernst dessen, was geschehen äst, .zu .verkleinern.' Es ist in der Tat ein schwerer ' ' Vorwurf, -daß;Ve'rJus-te a» Leben aus Vertrauen M . Britannien^ähig'keit, Gesetz und Ording zu^üten, eiütedtd-deji'.it&tofk-."Dje Qualität; e'mer Verwaltung, dtfe unfähig.gewesen ist, solchen;Söhrecknissen Ein-: . halt zu gebieten, erfordert eine umfassende Ünter-;süchung." Vf :;1 ■ l\' : Der dritte Punkt1 endlich, .überi.d«n; sidt-.dfe Scflwift-' gelehrten anscheinend'einig sind,ist der,:daß!n dter Kritik .der,palästinensis'ohen;Regierung nichts so sehr in die Augen: fällt, wäe; . ' ihre Unfähigkeit, ein derartig elementares Recht wie das der FreÄbett deirReligJonsübung der Juden gebührend in Schutz zu nehmen. "Inf:'dieser''tf(n^ö1f fcann';<He' iWfterimg-äer •j.Äätibh" vom 31. August:als.charaikteristSsch abgesehen werden:!! '„SoHveit wieirgend .jemand" hier" •unferaohtet ist." hat rhan^sfah)in der* Angelegenheit einfach treten \ lassen, 'i bis vdas;; Unglück da war.; Die' Verachteten . . /Türiken ihab^n-auf jeden Fall,damulU^hen,.daß, zu ihren L©b.zeäten.:-.Frieden gehalten .wurde. Zu ihrer . - ljhVe^söl;es: gesagt, daß säe* Ifirew^ösle'titfscliÄn'Gla'u- . ■ > ,;,b^ensgenpssel.ri;jwem4Iserlaubt .haben, die, Jitdeii .«u . , ib'eJ^stigeii, wierin sie sich' versÄinmelten. um, den . ">-v-\'lÄterga»iK'iKt^js?:T.eim)c*s zu tocÄ^äg'en." .' ..■.<••:•''.!■•-• '■' •, v-v-". ■ •' " "; ■. Di.e-ser. erniedrigende Vergleich, njit.. den Zuständen unter türköscher rÄd;n)i|iistratioii Ikchrt^^,de.n. verschiedensten Varianten .in ipÜt. fielen iBl^ttem fiwieder. Siehe ,ySatur^ay•Review'.4 yojfc:M.^kxLm&i> - , -. ^r|öcih-- cwej--*BiJ«eUietten, die .mehr, oder weniger dm C%r-der;Presse 'vorgetragen werdenrverdienen besonders Erwähmjng. Je .länger]^^' 'Qiie. Üniruhen anhielten otnd je mehr;DeHt'^!s\%^>ri.llH>en^^^:räfctec (bekanttt-zwur^en,- desto mehr vers'tär'kte sich-döe Ättsohauunig, ■■■■•,->.. . daß es rfch Wer1^nlcftfe' einfach um einen plötzUchen Aus> bruch i^ligiö^n Fflflattemas handelte, sptktern um eine von länger Hand vorbereitet vorbedachte und durchorgani- ■';WH&.'Aiir^bewek^K;''' Moses Meüdelsohn. Von I. . Hellenberg. Die, sich, an den Namen Moses Mendelsohus kijüpfende gßjstesgeschiditliche Bewegung im deutschen Judentum, die später auch bei den außerhalb Deutschlands wohnhaften, aber der deutschjüdischen Mundart! sich bedienenden Juden des Ostens — hier unter der hebräischen Parole: „Haskala" — starken Nachhall findet,, hat in Ost und West die gleichen politischen, .soziologischen und wirtschaftlichen Grundlagen: Das Emanzipationsbedürfnis der damaligen Judenheit, die unabweisbare Notwendigkeit, aus der drückenden politischen Itechtlosigkeit, bürgerlichen Aechtung und wirtschaftlichen Verkümmerung befreit zu werden, die, unter den gegebenen Verhältnissen, zunächst nur in geistiger Selbsjbefreiung zum Ausdruck kommen konnte. Der weitere Verlauf der Bewegung ist jedoch im Osten, ein anderer als im Westen. Während sie liier in rascher Ausbreitung über die allerdings dünn gesäte jüdische Bevölkerung weit über den von Mendelsohn ursprünglich geseheneu Rahmen hinausging, in ihrer praktischen Auswirkung beinahe zur Auflösung und jedenfalls zum nationalkulturellen Verdorren der jüdischen Gemeinden führt, dringt sie im Osten unter geänderten historischen Bedingungen nur sehr langsam vor und führt in den meisten Fällen tatsächlich zu jener geistigen Selbstbefreiung, die schließlich in die nationale Emanzipationsbestrebung mündet. Aus dieser verschiedenartigen Auswirkung einer geistigen Bewegung in Ost und Westf die im Grunde auf ein und dieselben Ursachen zurückzuführen ist, geht schon hervor, wie unrecht man im allgemeinen Moses Mendelso/hn tut, wenn ,man ihn als den geistigen Urheber nicht nur der Emanzipation der deutschen Judenheit, sondern auch der Assimilation, jener bis zur nationalen Selbstverachtimg und Untreue gegen die eigenen Volksmassen ausgewachsenen Mimikri, bezeichnet. Moses Mendelsohn, der am 6. September 1729 zu Dessau im Anhaltschen geborene Solln des Thora- Schreibers Menachem Mendel, Lieblingsschüler des nachmaligen Berliner Rabbiners David. Fränkel, spätere Freund- Lessings, Verfasser aufsehenerregender philosophischer Schriften, Begründer der deutschen populärphilosophischen und ästhetischen Literatur, war nicht nur ein glänzender, von der gesamten; geistigen Elite des damaligen Deutschland (Kant, Herder, Wieland, später auch Goethe) mit Begeisterung aufgenommener, von der Berliner Akademje der Wissenschaften preisgekrönter deutscher Schriftsteller, sondern dabei auch ein Mann, der in der Kultur seines Volkes, im. hebräischen Schrifttum, abgesehen von dem zu einem bestimmten Zweck verfaßten Bibelkommentar, auch, als P/riyatmensch lebte und dachte. In seiner Privatkorfesppndenz mit Bekannten, die noch-, ein hebräisches Wort verstehen, bedient er sich gerne talmudischpr Bonmots, um seine Gedanken in lapidarer Form zum Ausdrück zu bringen. Sein Festhalten am Judentum' als Religjohsphilosophie, seihe entschiedene 'Zurückweisung der'!?un\ütüngen des Schweizer Pastors Lavater, zum Christentum überzutreten, sind ja allgemein, bekannt/ Ab>r, die Art, wie er später einem Schriftsteller, der dieselbe Frage aufwarf, antwortet; ist geeignet, auch den 'modernen Menschen,, der den Gedankengängen des „Pliädon öder über die Unsterblichkeit der Seele" nicht mehr zu folgen vermag, anzusprechen: „Wenn es wahr ist, daß die Ecksteine meines Hauses austreten und das Gebäude einzustürzen droht, ist es wohlgetan, wenn ich meine Habseligkeiten aus dem untersten Stockwerk in das oberste rette? Bin ich da sicherer? Nun ist das Christentum, wie Sie.wissen, auf dem Judentum gebaut und muß notwendig, wenn dieses fällt, mit ihm über einen Haufen stürzen." Kein Zweiiel':■vDj'e im Gefolge, der Mendelsohnschen;; Geistesära ' später entstandene,; rqmantische Bewegung der Ber^'ner; jüdischen, Salons,, die direkt zum Abfall * vomVjÜ^ führte^ und auch an dem früheren - Kreivse^; und in der Familie: Mendelsohns eine arge .Taufepidemi^\.^ >^rd von jedem ino^e^iieli,:'. seineili- ,*^[kstams bewußten Juden auf das entschiedenste^^abgelehnt Werken. Aljerj diese war nicht mehr! der Ausdruck';des Lessing-Mendelsohnschen Humanismus, sondern des Schleierrafi.cher-Schlegelschpn Romantizismus,: djer äeta. ersteren geistesgeschichtlich als Antithese gefolgt: war und von Mendelsohn selbst schön viel;'früher^gründlich abgelehnt wurd<?, Sie ist eine spezifisch deutsche Erscheinung und in den deutschen'Verhältnissen* begründet. Vor allem in* den geistigen und seiidlo^isehen'' vYer'hjattnissen'' der danialigeh deutschen Judenheit, die in ihrer grenzenlosen Vereinsamung. und Entfernung von; allen Quellen der'eigenen jüdischen Kultur; jeder neuen Strömung in dein' erst frisch rezipier jten? deutschen' Kulturleben widerstandslos erliegen njußteri. Im Osten. hatte die ebenfalls an' die Meiidelsohnschie Geistesarbeit anknüpfende „Haskala"-Bewegüng ganz andere Folgen. Fast alle „Chowewe Zioh", die begeisterten ^pätfjren Nationaljuden' und Ziönisten, sind ursprünglich«. .jMaskilira", Aufklärer, Aufgeklärte und-sind es ihr Leben lang geblieben. Äher keinem oder fast keinem fällt -es ein, deswegen ihr Volk zu verlassen. Im Gegenteilj .'sie' entwickeln in logisejier Konseqnehz •'die--Ide,e.4'e'r$$«iclividueUeri -Emanzipation zu der der; nationalen Emanzipation, für die sie mit dem größten'Feuereifer eintreten. Eine Erscheinung, die* nachher unter den ihiwischen geänderten Verhältnissen des "Westens auch bei einzelnen West juden bemerkbar wird. - ..... ' Es soll damit freilich nicht gesagt werden, daß Mendelsohn etwa die moderne jüdischnationale zionisti-