Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 103 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711719--1358-2714569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 3× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
r Seite 8 DIE NEUE WELT Nf. 105 (l Ehe Sieetnenlau lassen Sie sich kaufen, Ingelen Ramona vorführen! Massenmeeting der Juden in Czemowitz. Demonstrationszug zur großen Synagoge, Das Totengebet tu der Nacht. Die Jüdischen Geschäftslokale und Werkstätten geschlossen. Aus Czeroowit-z, 29. August, wird uns geschrieben: Im Fe-stsaaJe 'des Jüdischen Hauses und in den Nebenräittimen fand heute eine Massenprptestversamraking gegen die blutigen Vorfälle in PaJästina statt, an der Tausende von Personen teilnahmen- Die Versammlung war von den Ziondsten^evisioflisten eJuberufein, doch nahmen an ihr sämtliche jüdisch-politischen und zionistischen Parteien teil. Es «referierten von den Zionisten-Revisionisten deren Präsidenten Iwg. Steraberg und Prokurist Geiger. Es hielten Ansprachen: Oberrabibiner Dr. Mark, der frühere Kultuspräsident und Deputierte Dr. Strauch er, Senator Dr. Ebner,, der Präsident des Distriktes; Bukowina der „UinlönrumänlsohieT Juden" (U E, R.), Stadtrat Dr. Salomon Kassn e r, das Mitglied/ der, städtischen Interimarkommission Dr. Krämer und die Vertreter. aller Fraktionen. Protestresolutionen an den VÖllkerbund, an den englischen Botschafter in Bukarest und an den Waad Leumi wurden angenommen. Nach Schluß "der Versammlung formierte sich eine nach Tausenden zählende Menge, an dier Spitze die jüidisclhen Führer aüer Parteien und Organisationen, zu einem Demonstrationszug,' der darrch die Hauptstraße zur großen Synagoge ini Jüdischen Viertel von Gzernowitz sich bewegte, woselbst unter freiem Himmie! In «der Nacht Oberkantpr Gut mann das Toten geh et für die Seelen der in Palästina gefallenen jüdischen Helden verrichtete. Am 30. August zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags waren alte Jüdischen Gesohäftstokale, Fabriiken, Werkstätten, Ateliers und . Büros von Czeraowitz zum Zeichen der Trauer geschlossen. . Der Eindruck auf die polnische Judenheit. Massendemonstrationen in den Straßen. Warschau, 28. August. (J. T. Ä.) Die Nachrichten über die Ereignisse in Palästina nahen das polnische Judentum tief erschüttert. Iri allen Städten finden Trauerkundgebungen statt. In .den .Strafjen von Warschau demonstrierten zehntausende Juden, die ihrer Solidarität mit dem jüdischen Jischuw in Palästina, der heldenhaft' um , seine Existenz kämpft, Ausdruck gegeben haben, .Polizei patrouillierte .in dem Stadtviertel, in welchem das Haus der englischen Gesandtschaft ist. Die Polizei verbot weitere Demonstrationen, die auch nicht mehr stattgefunden haben. Die ■ Chaluz-Organisationen ganz Polens, in der Stärke von vielen tausenden jungen Leuten haben sich bereit erklärt, sich nach Palästina zum Schutze de« jüdischen Jischuw zu begeben. Der . Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde, i der größten jüdischen Gemeinde Europas, hat eine Trauersitzung abgehalten, in welcher der tiefen Trauer für die unersetzlichen jüdischen Opfer und der Empörung über die Mordtaten Ausdruck gegeben wurde. Es wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt, der Hat der mehr als 300.000 Juden . zählenden: jüdischen Gemeinde von Warschau protestiert gegen die englische Administration, jdie im Widerspruch zur Balfour-Deklaration die Rechte der Juden an der Klagemauer nicht gewahrt und es.,zugelassen hat, daß der Boden des jüdischen Nationalheims mit jüdischem Blut getränkt wird. s In Syrien.; r l Beirut, 27. August,, (J. T. A.) 20.000 Araber demonstrierten heute in den Straßen von Damaskus und gaben ihrer Solidarität mit den palästinensischen Arabern Ausdruck. Es wurden starke Truppenkräfte in das jüdische Viertel entsandt, um es vor möglichen Angriffen seitens der Demonstranten zu schützen. London, 28. August. (J. T. A.) In Damaskus fand am Dienstag nachmittags eine erneute Massenkundgebung der syrischen Araber statt. Trotz des Verbotes der Polizei ging die Manifestation vor sich, da die Polizeikräfte nicht stark genug waren; um die Masse der Demonstranten zu zerstreuen. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Manifestanten, wobei zwei Araber und ein Polizist verletzt wurden. Die militärische Bewachung des jüdischen Viertels von Damaskng wurde verstärkt. Tanks wurden zum Schutze des Viertels herangezogen. (Bekanntlich war Damaskus vor einigen Wochen Schauplatz von Ritualmord-Tumulten.) In Beirut hat am Mittwoch eine große Manifestation der Araber stattgefunden. Polizei und Militär sperrten die Eingänge in die Stadt ab, niemand wurde eingelassen. In den Straßen patrouillieren Truppen, Tanks beschützen das Gebäude der Anglo Palestine Bank. Ein französisches Kriegsschiff kreuzt vor Beirut. Erst zu Del-Ka ... dann zur Schule! Beachten Sie SdbulstiefeWnserat, Seite... E Eine große, fremdsprachige Buchhandlung in Palästina iuehl einen gelernten Buchhändler als § Qeschaftsffflhrei'i Kapital von 250 engl. Pfund als Kaution er- I wünscht. Offerten mit Photographie und Re- 1 ferenzen an die „Neue Welt" unter „Buchhandi lung in Palästina". I Das brennende Land. Ununterbrochene Kämpfe in Palästina« — Die Ueberfalle auf die Kolonien. antijüdischen Behörden. Die . In Nr. 102 der „Neuen Welt"; war die Berichterstattung über die Vorfälle in Palästina bis einschließlich den 25. August geführt worden. Die Situation war an diesem Tage dadurch gekennzeichnet, daß der amerikanische und der polnische Konsul Interventionen vornahmen. Auch die amerikanische Regierung hatte durch ihren Londoner Botschafter Erkundigungen einziehen lassen. In Jaffa waren Kriegsschiffe, in Jerusalem Infanterieverstärikungen eingetroffen. Die vorliegenden Nachrichten, die wir In der Reihenfolge des Einganges wiedergeben, zeigen die Heldenhaftigkeit des Jüdischen Selbstschutzes, der sich überall dort, wo ihn die Engländer gewähren ließen, durchgesetzt hat und Leben und Eigentum retten konnte. Ein ergreifender Notruf. London, 36. August. (J. T. A.) In London ist soeben das folgende Telegramm aus Palästina eingetroffen: „Wir kämpfen um unser Leben! In allen Gegenden! des Landes finden Metzeleien statt. Die Gefahr für den Bmek Jezreel wächst mit jeder Stunde. Die arabische Propaganda wird sehr intensiv geführt, in aller Oeffentlichkeit werden Kämpfer gegen die britische Macht geworben. Das Verhalten der 'Regierurig ist schwächlich, sie kommt uns in unserer Selbstverteidigung nicht zu Hilfe!" , Üeber Kairo eingetroffene Meldungen au? Tel-Awiw 'besagen, daß die britischen Soldaten, die am Montag dort eintrafen, so f o r t die j üdis ch e S elb a twehr entwaffneten.' ':' Ben Zwi hat am Montag, 9 Uhr abends, nach Kairo telephoriiert, daß die arabischen Angriffe sich über alle Teile des Landes ausdehnen. Die jüdischen Verluste sind groß. Die Mitteilung von Ben Zwi schloß mit den Worten: „Wir Werden ent<w&ifh e f,•'• riicht"die Araber:" Kämpfe in iden Städten. Der Emek schutzlos. — Die jüdische Selbstwehr. Beiruth, 26. August, (ji, T. A.) Der Korrespondent der Telegraphen-Agentur in Beiruth, der Verbindung mit Haifa, hat, erfährt, daß in der Nacht auf Montag und am Montag vormittags an verschiedenen Stellen der, Stadt H a ifa Juden von; Arabern angegriffen worden sind. Die Zahl der Toten und Verwundeten wird nicht genau angegeben, soll ober erheblich sein. Die Lage wird in Haifa als sehr ernst empfunden, da die Araber den offenen Aufruhr gegen die Mandat^rmacht proklamieren. Ein Eisenbahnzug, der englische Truppen nach Haifa . bringen sollte, wurde von Arabern überfallen, ein Teil der Truppen wurde von den Angreifern entwaffnet. Sri Versuch der Araber, die Villenvorstadt Hadar Balkarin el. anzugreifen, wurde zurückgewiesen. ' Aus den Kolonien des Emek Jezreel treffen immerwährend Notrufe ein. Der Emek'fühlt sich schwer bed r oh t u nd s chu t zl o s. : . ] Tel-Awiw und Jaffa. ton Verlauf des Montags kam es an der Peripherie von Tel-Awiw wiederholt zu schweren Kämpfen, indem Ärabertrupps immer wieder versuchten, in die Stadt einzudringen. Die jüdische Selbstwehr erscheint rechtzeitig an den gefährdeten Stellen und schlägt die Angreifenden / zurück. Im Verlauf des Montagnachmittags sind 200 britische Soldaten in Tel-Awiw eingetroffen. Sofort *wurde der Kriegszustand proklamiert, 70 Zivilisten aus Tel- A'wjw wurden für den Polizeidienst mobilisiert. Alis aeh Vorstädten von Tel-Awiw zieht die Einwohnerschaft in die innere Stadt. Das Zentrum der Stadt s zeigt e 1 n außerordentlich bewegtes Bild. , D ie ersten Kämpfe in Tel-Awiw am Sonntag haben sich in, folgender Weise abgespielt: Eine Trauerprozesskm yon Moslemiten marschierte aus Jaffa an die Grenze von Tel-Awiw, um einen in den Kämpfen mit der Polizei getöteten Moslemiten auf dem zwischen Jaffa und Tel-Awiw SchSnes Zittimei* ' für v: oder 2 Dairien mit ritflb- oder Oanzpension (rituell) * w vermieten. Karrael, IL, Steineckplatz 13/36 gelegenen mohammedanischen Friedhof zu bestatten, Plötzlich, wie auf ein Signal hin, brachen die Moslemiten in die Straßen von Tel-Awiw ein. Die Polizei feuerte auf die Angreifer, von denen sechs getötet und mehrere verletzt wurden. In dem Tel-Awiw unmittelbar benachbarten Viertel von Jaffa entbrannten schwere Kämpfe. Von den Bürgern Tel-Awrws, die hier auf Vorposten, um Angriffe auf TelHAwiw abzuwehren, standen, wurden einige getötet und mehrere verletzt. Unter den ersten Toten von Tel-Awiw befindet sich Benjamin Goldberg, ein Sohn des in der ganzen zionistischen Welt populären Führers der russischen Zionisten Jizchak Goldiberg. Araber versuchten die Poliaeifcaserne in Jaffa zu stürmen; sie wurden zurückgeschlagen, wobei 5 Araber getötet und mehr als 30 verwundet wurden. In Jerusalem. Kairo, 26. August. (J. T. A.) Am Montag, den 26. August, 3 Uhr nachmittags, hat der Jerusalemer Waad Halr folgendes telephonisch nach Kairo gemeldet: In diesem Augenblick greifen die Araber die Jerusalemer jüdischen Viertel „Machne Jehuda" und „Schaarej Ohessed" an. . Um sieben Uhr abends kam eine zweite 'telephonische Mitteilung vom Jerusalemer Waad Hair, in der es hieß, die Araber greifen immer wieder verschiedene jüdische Viertel Jerusalems an; an verschiedenen Punkten der Stadt wird gekämpft. Die jüdische Kolonie B e t h Alpha, eine Kwuzah - an der Grenze von Galiläa, die von Chaluzim aus der Tschechoslowakei bewohnt ist, wurde von Arabern angegriffen. Der Angriff konnte zurückgeschlagen werden. In der Jerusalemer Altstadt wurden drei Juden durch eine ex.pl od'i'ereinde 'E1 o-m;B;e ^verlfelzff.^' hitl Vier jüdische Arbeiter, die beim Bau des* Rookefeller-Museums beschäftigt sind, würden von arabischem Pöbel angegriffen; die jüdischen Arbeiter;wurden durch ihre arabischen Kameraden aus den Händen des Pöbels gerettet. Die Stadt Jerusalem ist' von jüdischen Flüchtlingen aus den kleineren Orten1 der Umgebung1 überfüllt; es kommen immer neue Flüchtlinge in die Stadt. Das Jerusalemer jüdische Viertel „Nachlath Zion" ward; soeben, Montag nachmittags, von Arabern angegriffen; Panzerwagen eilen an den stank gefährdeten Punkt, um den Angriff abzuwehren. Castinah angegriffen, Chulda geräumt. ' Die Angriffe der Araber dauern an. Kairo, 27. August. (J. T. A.) Nach telephonischen Meldungen aus'Jerusalem und den übrigen Teilen Palästinas wat die Lage am Dienstag morgen unverändert. Die Araber erneuern ihre Angriffe au verschiedenen Punkten. In jeder Stunde erfährt man über, neue arabische Angriffe. Die neue Jüdische Kolonie Castinah, die isoliert liegt, wurde von Arabern angegriffen. Bei der Albwehr des Angriffes wurden f ünf Mitglieder der Klonie getötet. Angriffe von Arabern auf Juden in Haifa haben sich heute wiederholt. Vier Juden wurden getötet, 57 Juden verwundet. Die britischen MHitärpersonen helfen die Angriffe abwehren, .aber sie stören auch die Selbstverteidigung der Juden. Die Araber griffen die Kolonie Mischar Haemek an und wurden zurückgeschlagen. Die Kolonie Chulda in Judäa Ist von den Be^ Wohnern geräumt worden. Aus verschiedenen Teilen des Landes treffen Nachrichten ein, daß die Araber jüdische Synagogen zerstören und niederbrennen. In mehreren Fällen hat arabische Polizei an diesem Zerstörungswerk teilgenommen. Das Telephon «wischen Palästina und Kairo ist fort* während besetzt. Zahlreiche Einwohner Palästinas var» suchen mit Kairo zu sprechen, um Notrufe m Angehörige und an die Außenwelt zu senden. In allen diesen Ge* sprächen wird dringend gefordert, daß die Zentralregierung endlich durchgreifende Maßnahmen zur Abwehr der arabischen Revolte treffen möge. Die Verwundeten von Hebron, Jerusalem, ZI. August. (J. T, A.) In der. Kolonie. Nahalal ist die Stimmung «Ine gute. Die. Kolonisten V