Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 103 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 103 DIE NEUE WELT Settel Status quo? Das sind jahrtausendealte Ausreden jeder Regferomg und auch der Palästina/Verwaltung, die sich um ihre Pflicht heramdrüoken will! Die Klagemauersache war ein Anlaß, die Ursachen liegen viel Weier -und an Ahnen »hat die zionistische Exekutive ihr wdhlgerüttelt Maß von Schuld. Wir bedauern Lebhaft, daß wir — die radikalen Zionisten und die Revisionisten — richtig prophezeit haben, daß viel Blut und viele Tränen .fließen mußten, bis unsere Exekutive sich da,ziu bequemt, zoi erklären, die Lage ist niaht „satSsfao tory", sie ist im höchsten Grade unbefriedigend. Jetzt wenigstens müssen "d»ie ernsten Mahnungen -und Warnungen der letzten Jahre beherzigt werden! Die Exekutive hat jahrelang In allzu nachgiebiger Welse unterlassen, Verletzungen des Mandatsvertrages ab« stellen zu lassen, Uebergriffen der Palästinaadmlnlstratlon entgegenzutreten, antizionistische Beamte zu bekämpfen, auf die Auswahl des Oberkommissärs Einfluß , zu nehmen, mit einem Worte: mit stärkster Betonung unser Recht zu vertreten. Statt dessen bat man es immer billiger gegeben, d e n Gedanken -des Judenstaates a I s I ä c h e r 1 i c n a b g e l eh n t und sich in Phantastereien mit einem b'i ji a t i o n a 1 e n Staat eingelassen. Jedes Problem endete für die Executive in einer Sackgasse, besonders aber das Araberproiblem. Wenn man in verhängnisvoller Einstelking von der Heimat für beide Nationen spricht, so hört der Araber nicht unsere Versöhnlichkeit, sondern unsere Schwäche un'di läßt sich nicht beirren. Wenn aiuoh der Kongreß die Araber in seine „brüderlichen Arme" schließt, die Antwort sind immer — tote Juden. Entweder wir wollen den jüdischen Staat, dann bauchen wir die jüdische Mieihrihedt und sie .muß von uns mit Hilfe der Mandia-tsmacht geschaffen werden, oder wir wollen ihn' nicht — wozu fließen Ströme jüdischen iBkitles, Ströme jüdischer Tränen!? In Kürze <rmiß sich zeigen, ob wir recht haben mit unserem Glauben, daß sich der Völkerbund und die Mandatsmacht nicht mit Wortbruch beflecken, sondern treu an der Erfüllung des Mandates wenigstens in Zukunft arbeiten werden. Wollen sie das, dann müssen sie alle notwendigen Maßnahmen treffen: d i e S i c h e r »b e i t d m Lande h >e rsteilen, die sohwldiigen Beamten absetizen, den Einfluß der Zionistischen Organisation verstärken, die Schäden gutmac'hen und den Aufbau des jüdischen Gemeinwesens in Palästina tatkräftig fördern. Was aber haben wir zu tum, wir Juden in der Dia Spora? Unsere Sympathien genügen, nicht, unsere Resolutionen genügen nicht. Helfen kännen wir, indem wir denen . Geld geben, die den Boden Palästinas ndoht nur bebauen, sondern auch mit ihrem Blute düngen, indem wir die Selbstwehrorganisationen fördern, die sich opfern, um das Ideal zu verwinkldchen, das in ihrer und unserer B-nist lebt. In beiden Versammlungen wurden nachstehende Resolution angenommen:;„Mord und Raub 'sind «über unsere Brüder, in Palästina hereingebrochen. Die Juden, welche an . aufopferungsvoller Weise das Nationalheim aufbauen, sind schmählich, ''meuchlerisch überfallen worden. Wir sprechen ihnen unser tiefes brüderliches Mitgefühl aus, und wir danken denen, die heldenhaft gekämpft und die palästinensische Judenschaft vor dem Aeußersten bew a h r. t habe n. Wir danken vor allem der j ü d i s c h e n Jugend Palästinas, welche als erste aufgestanden ist, um, die jüdische Sicherheit und die national Ehre zu wahren. , „Wir erheben vor aller Welt Anklage gegen den ungeheuerlichen Wortbruch. Im Vertrauen auf das Wort des Völkerbundes und das Wort der Mandat a r m acht, auf das Wort Englands haben wir Juden die Aufbauarbeit in Palästina begonnen und fortgeführt. Wir haben hiebei niemandes Recht berührt, niemandes Ehre gekränkt. Die Antwort auf diese friedliche Arbeit waren Mord und Raub in scheußlichster Form. Die ehr- und pflichtvergessene Palästina-Regierung hat alles getan, um diese friedliche Arbeit zu stören und die Feinde dieser friedlichen Arbeit zu ermutigen. Sie trägt die Verantwortung für die zum Himmel schreienden Untaten. Wir fordern vom Völkerbünde und seiner Mandatarmacht, von England, Erfüllung des mit dem Kidischen Yolke geschlossenen Vertrages. Wir fordern die Entfernung der ehr- und pflichtvergessenen Palästina-Regierung, restlose ■ Gutmachung allen Schadens, Ermöglichung der Aufstellung eines jüdischen Selbstschutzes, E i n s t e 11 u n g v o n J u d e n i n a u s r e i c h e nder Zahl in das Polizei- und Gendarmer!ekorps. Für die Zukunft fordern wir die Erfüllung der im Mandate festgelegten Pflicht der Mandatsregierung, den Aufbau des jüdischen Nationalheims tatkräftig zu fördern." Von der Zionistischen Organisation und ihrer Leitung fordern wir eine Politik, welche fortab keine gerechte zionistische Forderung zurücks't'e'J l1," keinen zionistischen Grundsatz preisgibt und unbeirrt dem zionistischen Endziele zustrebt." " * Die Versammlungen verliefen in Ruhe und Würde. Zu heftigen Ausbrüchen des "Zornes und der Entrüstung kam es aber, als~ Oberbaurät Stricker über das unwürdige ' Verhalten einer, gewissen Gruppe von Zionisten sein Bedauern aussprach. Er verwies auf den Artikel des Direktors der Jerusalemer Nationalbibliothek In Jerusalem Dr. Hugo Bergmann Im „Präger Tagblatt". Direktor Bergmann erklärt in diesem Artikel, daß auch 'die Zionistische Organisation an den Vorfällen einen Teil der Schuld trage, weil sie „gewissen nationalistischen Gruppen im Zionismus, welche gegen die Araber hetzen, nicht genügend entschlossen entgegengetreten sei!" Diese unverantwortliche, unwahre Behauptung, welche Mangel an Würde beweist, und den Feinden des Judentums und des Zionismus Waffen gegen die genug hart geprüfte Judenschaft Palästinas in die Hände liefert, löste hellste En trüstung aus, die in den Rufen „Schande!" und „Verrat!" zum Ausdruck (kam. * Donnerstag, den 29. August, veranstalteten alle Wiener ■zionistischen Gruppen im Saale, des „Bayrischen Hof" eine Demonstrationsversammlung, welche massenhaften Besuch aufwies. Es sprachen Dr. Desider Friedmann und Oberbaurat Robert Stricker. Dr. Friedmann entwickelte in einem längeren Referate den Werdegang, der Ereignisse in Palästina. Er forderte mannhaftes Auftreten gegenüber der Mandatarmacht und Abkehr von den bisherigen polirischen Methoden der zionistischen Leitung. Er bedauerte, daß die War nung en J ab o ti n sky s nicht Gehör fanden, daß man diese Warnungen verlacht Zum Schulbeginn! I Turn-Leibchen I Turn-Hosen ■ Turn-Schuhe ■ Sportvatfer Oft! Wien I, Wipplingerstr. A\ß ■ Herr-Singer, scharfe Worte gegen die österreichische So* zialdemokratie und ihr Zentralorgan, die „Arbeiter-Zeitung", die kein Verständnis für die Idee aufbringe, für weiche die zionistische Arbeiterschaft kämpfe. Der Palästinenser Abraham Kat^enellson erklärte, daß alle Positionen in Palästina durch die jüdische Arbeiterschaft errungen worden seien. Den Beweis, wie gesund diese Positionen seien, hätten die Siedler bei der Abwehr der arabischen Angriffe geliefert. Die Konsequenzen in bezug auf die zukünftige Politik bestünden in folgendem: Die Frage der Be« «Jebuhgen zur Mandatarmacht, mit welcher bisher noch nie ernstlich verhandelt worden sei; die Frage der Beziehungen «um arabischenNachbarvolk; die Frage der englischen Verwaltung, wobei man nicht allzuviel von der Arbeiterregieru-ng erwarten dürfe; die Frage des Selbstschutzes, die durch die Errichtung einer Arbeiterwehr zu regeln sei. — Zum Schluß wurde seitens der ChalUtzim eine Resolution «ur Verlesung gebracht, in welcher die Palästina-Regierung für die arabische Revolte verantwortlich gemacht wird und die wichtigen Forderungen der Reiferenten, wie freie Einwanderung, Bestrafung der Schuldigen, Ersatz für Gut und Blut, Selbstschute des Jiscfouw, nochmals präzisiert wurden. Versammlung der „Unitas*. Am 4. September fand eine Versammlung des Alten-Herren-Verbandes der Verbindung „Unitäs" statt Den Vorsitz führte Herr Dr. Kurt E p 1 e r. Nach den Referaten der Herren Dr. Max Rosenzweig und Julius Löwy wurde beschlossen, dem in Palästina verwundeten Mitglied Dr. Wolf gang Weisl die herzlichste Sympathie auszusprechen. Die Versammlung richtete an die Exekutive ein Telegramm, in welchem die nachdrücklichste Vertretung der nationalen Ansprüche auf Palästina vor dem Völkerbund und England gefordert wird. Weiters beschloß die Versammlung die Arbeiten zum Zusammenschluß aller Alte-Herren- Verbände aufzunehmen und zu diesem Zwecke zunächst die in Wien bestehenden Verbände zu einer am 10. September stattfindenden Besprechung zu berufen. Dieser Beschluß wurde im Hinblick auf die gesamte.Lage der Zionistischen Organisation gefaßt. . _ i -. Besprechung der Jugendgruppen. Pas Initiativkomitee der zionistischen Jugendverbände Oesterreichs ladet die Vertreter sämtlicher Jugendvereine und -gruppen zu der Freitag, den 6. Ü. M.. um halb 9 Uhr abends im Cafe Produktenbörse, IL, Taborstraße, stattfindenden dringenden Besprechung ein. hat. Jetzt heißt es: Arbeiten für den Judenstaat. Stricker warnte vor Kleinmut und Verzagtheit..Die zionistische Idee hat keine Niederlage erlitten. Dem jüdischen Volke isi e.'n. Mißgeschick widerfahren,,wie so pftrin seiner Geschichte. Stolz treten wir mit unserem Schmerze und unserer Entrüstung vor die Welt und fordern weiter unser gutes Recht, Palästina für das jüdische Volk. Zum Schlüsse verlas der Vorsitzende der Versammlung Dr. Leo G o 1 d h a m m e r, Präsident des Zionistischen Landeskomifees, eine Resolution, in welcher Bestrafung: der Schuldigen, Entfernung der .pflichtvergessenen Beamten, Gutmachung aller Schäden, Einstellung von Juden in das Polizefkorps und neuerliches Bekenntnis zur" Baifour- (Deklaration gefordert wird. Die Resolution wurde einstimmig angenommen.;• ' ' \V! : r * Freiwillige nach Palästina. In Wien hat sich ein Komitee gebildet, welches für den Selbstschutz Freiwillige nach Palästina entsenden will., Mehrere junge Leute haben sich bereits gemeldet.-!Das Komitee sprach in der Wiener englischen Gesandtschaft, vor, um die Einreiseerlaubnis für die jungen Leute zu?r- -langen. Der Kanzler der Gesandtschaft versprach, das Ansuchen sofort nach London weiterzuleiten und stellte die Antwort für die nächsten Tage in, Aussicht. ,. Der ,yBrith Trumpeldor", dessen Zentrale sich in Riga befindet, hat der englischen ^Regierung 8000 Mann angeboten. In Amerika wird ein Korps von 10.000 Mann gebildet. Die rumänische Regierung hat die Aufstellung einer Südischen Legion 'für Palästina ge-' nehmigt. Kundgebung der zionistisch* sozialistischen Jugendgruppen. Im Alten Rathaus veranstalteten die zionistischsozialistischen Jugendgruppen am Montag, den \Z. September eine Protestversammlung. Die Redner stellten zunächst fest, daß von einem Aufstand der Araber weder in nationalem noch sozialem Sinne die Rede.' sejn könne, da die arabische Masse von keinerlei einheitlichem Willen besessen sei. Das Jüdische Aufbauwerk habe die Interessen der Araber in keinem Falle verletzt, es .seien im Gegenteil die Araber aller der durch die Juden ins Jpänd gebrachten und dprt entwickelten Kulturerrungenschaften teilhaftig.;. geworden. Eine; große soziale Tat, wie die; Er* riohtüng einer jüdischen rielmstätte, könne nicht durch die von den Effendis verhetzten Araber ins Wanken gebracht werden. Die Hauptschuld treffe die e n g 11s c h e V e t w a I« tung. In diesem Zusammenhang fand'der erste Referent* LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wiertl, Graben 13 ■ _Pro»p»kt 7aufWMM3h__.-. Tel-Chaj-Fonds. Das Initiativkomitee des Tel-Chaj-Fonds teilt mit, daß vom Pfadfinderbund Z'irenu und Brith yTiümpeldor" auf der Protestkundgebung der demokratischen. Zionisten am 31. August durch Verkauf von. Tel-Chaj-Abzeichen , S 586.32 gesammelt-wurden. - \; ' :V Protestversammlung in Graz. . Am 28. August fand eine Protestversamnflung der Juden.der Gemeinde Graz im großen Sitzungssaale der i Kaltusgemeinde statt, in .welcher na&stehehde Resölu- >tion gefaßt wurde: Die heute versammelten Juden der Gemeinde Graz,; tieferschüttert über die aus Erez Israel eintreffenden i Nachrichten, richten an die Exekutive der jewish Agency die Aufforderung, unverzüglich von der englischen Regie- ] rung die .restliche Erfüllung der den Juden im Mandatsvertrage zugesicherten Rechte zu verlangen, insbesondere die Absetzung aller den! Juden nicht wohlgesinnten Regierungsbeamten im Lande,- | die Besetzung des Landes mit ausreichenden militärischen Kräften, auf daß der Aufbau unter gesicherten Verhälti nissen fortgeführt werden kann. Sofern die englische Regierung diese Forderunge»; i nicht erfüllt, soll sich die Exekutive an' den Völkerbund wenden und vor. dem Forum; der Völker die Forderungen des 16-MiI« Honen-Volkes erheben.! Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinigungeft < Die Leitung des Kontinentalbundes zionistischer 1 Mädchen Vereinigungen hat im Namen der ihr angeschlos- senen 28 Gruppen in der Tschechoslowakei, Deutschland, \ Oesterreich, Polen, Rumänien und der Schweiz, der zioni- \ stischen Exekutive folgende Resolution, übermittelt: „Der Kontinentalbund zionistischer Mädchen- I Vereinigungen protestiert mit aller Entschiedenheit gegen \ die Vorkommnisse und Unterlassüngen, welche diei; Katastrophe in Erez Israel ermöglicht haben* obzwär die; Mandatsmacht und durch den Auftrag an sie alle ■ Kulturvölker uns ihren Schutz beim friedlichen : Aufbau unseres Landes garantiert haben, so lange wir selbst nicht in der Lage sind, unserem Besitz und unseren Menschen den nötigen Schutz angedeihen zu lassen. In tiefster Trauer gedenken die' Mitglieder des Kontinentalbundes der Opfer dieses blutigen Ueberfalles und erklären feierlich,, daß sie mit allen Kräften für den Aufbau des jüdischen Nationalheimes in Palästina arbeiten werden, In allen Gruppen des Bundes wurde sofort eine intensive Sammelaktion eingeleitet, deren Ergebnis wir der Exekutive mitteilen werden. Wir fordern von unserer Exekutive, daß sie d^g Vertrauen, welches die jungen Menschen in sie setzen, rechtfer tigt und alle Maßnahmen trifft, daß die Ruhe im Lande wieder hergestellt, die , Schuldigen unschädlich gemacht und den Geschädigten; .völliger Schadenersatz geleistet wird, i