Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 103 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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f Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 103 Der WaadLeumi an die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt. Hille für Palästina. Der jüdische Nationalrat in Palästina hat am 30. August einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt gerichtet, in welchem es heißt: Noch immer besteht große Gefahr für das ganze Erez Israel. Die Akte der Zerstörung von Eigentum und der Vernichtung von Menschenleben werden fortgesetzt. Heute steht die Stadt Safed in Flammen, viele Angehörige dieser alten jüdischen Gemeinde wurden getötet oder verwundet Das nördliche Galiläa ist gerade in diesem Augenblick der Gefahr der Vernichtung preisgegeben. Die Hilfe der ganzen Judenheit tut not, um den in seiner Existenz bedrohten Jischuw zu retten. Wir fordern dringend: erstens, daß die Regierung scharfe und schnelle Maßnahmen ergreift, um der Ver-r nichtung Einhalt zu gebieten und das der Zerstörung bisher entgangene Leben und Eigentum zu sichern. Wir fordern zweitens, daß uns auf telegraphischem Wege die notwendig gewordene dringende finanzielle Hilfe zur Verfügung gestellt wird, damit wir in die Lage kommen, die Tausende Flüchtlinge zu ernähren. Um viele Menschenleben zu retten, ist es notwendig, daß die Hilfe so schnell als nur möglich kommt. Die Geldspenden sind zu richten an die Anglo- Palestine Banc in Jerusalem für Waad Leumi. Ein Aufruf der Jewish Agency. Die Jewish Agency hat einen Aufruf an das Judentum erlass~n, der von Dr. Weizmann als dem Präsidenten, Lord Melchett als dem Vizepräsidenten des Council und Felix M. War bürg als dem Vorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency unterzeichnet ist. In dem Aufruf wird an das jüdische Volk appelliert, sich gerade in diesem Augenblick, wo so viel Unglück über den jüdischen Jischuw in Palästina hereingebrochen ist, stark an dem Aufbau Palästinas zu beteiligen und so der Welt zu zeigen, daß der Wille des jüdischen Volkes, Erez Israel wieder aufzubauen, unerschüttert bleibt und weder Terror noch Gewalt Weicht. Das jüdische ßlut, mit welchem in den legten Tagen der Boden Palästinas getränkt Worden ist| redet zu uns üncl fordert von uns, die Arbeit' für das Land in der Zukunft , zu verstärken. Die verantwortlichen Leiter der Jewish Agency haben schleunigst die nötwendigen Schritte getan, um Entschädigung für die Zerstörungen und Beraubungen, Bestrafung der Schuldigen", 'Entlassung der. Schuldigen oder ihrer Aufgabe nicht gewachsenen Beamten, eine gerechte . Lösung des Klagemauerproblems, erneuerte *und erhöhter jüdische Einwanjjder^ng. .und . eine unmißverständliche Politik der .'. j^a^däiU^gleirvm^ In der Frage des Wiederaufbaues , ' und der Sicherung Palästinas durchzusetzen. Englands BeileidL V An Amerika. Washington, 27. August. (J. T. A.) Der britische Botschafter Howard besuchte heute den Staatssekretär Stimson und drückte ihm das Bedauern der englischen Regierung über die Tötung von amerikanischen Staatsangehörigen in Palästina aus. 1 Hoover an das jüdische Volk Eine Riesenversammlung in New York. New York, 30. August. (J. T. A.) Im Madison Square Garden zu New York, der mehr als 25.000 Personen faßt, wurde eine Massenversammlung der New Yorker Juden abgehalten, um gegen'die arabischen Greuel in Palästina und gegen das Verhalten der britischen Administration vor den und während der Unruhen zu protestieren. Den Vorsitz führte Samuel.U n t e r my e r. Zu Beginn der Versammlung wurde eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herbert Hoover an die Versammelten verlesen. Präsident Hoover erklärt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten durch die Er* eignisse in Palästina tief beunruhigt ist. Er, der Präsident, ist dahin informiert, daß die britische Regierung strenge Maßnahmen unternimmt, um die Ruhe und die Sicherheit in Palästina wiederherzustellen. Die Ausbrüche des Fanatismus in Palästina sind eine schwere Belastung. Ich 'hege aber die Hoffnung, schließt die Botschaft des Präsidenten Hoover, daß au« diesen tragischen Ereignissen eine erhöhte Sicherheit und Festigkeit für die Zukunft Palästinas und für die jüdische Heimstätte erreicht werden wird. Senator Bor ah, der einflußreiche amerikanische Politiker, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Senat, war einer der Hauptredner. Er erklärte, die bestialischen Taten gegen die Juden in Palästina werden schwer lasten auf dem schuldbeladenen Gewissen derjenigen, die für diese Taten verantwortlich sind. Man muß sich jetzt fragen, ob Palästina das Jüdische Nationalheim wird, wie es verspro- GegrOndct 1871 Das Ftrnruf A«1S*4-21 „Wührlng" des Ersten EllKmelneii BeomteBvereines Schilling 13,400.000 nimmt eritgegän: 1. Spareinlagen Stand an 31. August'929 ...... . Höchstverzinsung 9 Prozent Ö. Ante II sä in lagen (dividendenberechtigt) Stand am 31. August 1929 ............. Schilling 4,800.000 und erteilt an Öffentliche und Bundesärigesfeilte allet Kategorien sowie an Pensionisten xu den günstigsten Bedingungen und gegen höchst annehmbare Rückaahlungsbedlngungen 3. Personal-Kredite ohne Lebensversicheruugs-Poilzie Ott monatlichen KOcktahlangen werden bei der Zinsenberechnung berücksichtig •, Die monatliche Rückzahlungsrate für ein Darlehen von S 1000.— beträgt S. -2\~. Zentrale: Wien, XVIM., WeimarerstraBe 26-28 Stadtbureaus: Wien, I., Uraniastraße 2 und l„ KSrntnerstraße 26 Eingang Schwangas.« 1) cheh und bekräftigt wurde, .oder eine internationale Schamlosigkeit? Die Ereignisse in Palästina halben ein Schwinden des englischen Prestige zur Folge. Die Aufgabe zur Begründung der jüdischen Heimstätte in Palästina w u r.d e von G r o ß b r i t a n n i e n nicht richtig ve^rstanden. Es muß nun anders werden. ...", , Nach Senator Boräh sprachen Samuel Unterm y e r, der Vizegouverneur Oberst Herbert Lehman, Max S'hulman, Rabbiner Märgolies u. a. m. Die Wertender Redner machfent einen tiefen Eindruck auf die fürJrun4zAyanzigt;aus^k5pfige ^V^reamimkng. Viele /Anwesende wunden vor* Rührung' übermannt und 'brächen in grünen au*. : :" ". *.< ,■; ■ t r 's . .' ' ■ V ■ •"' i ■: . ,v i < .7'.; \.; ■y ivQie-SliB^atepotitik. ] 0^ r. Italienische Stellungna^tne. Äjf ^o m, 3||^^u^^|t,:t^^d.^4eri ^eue^ Welt"; geschrieben mehrein sich die Ze|ä$p£^ sieht, nicht nur die Frage des'dortigen Mandats zu diskutieren, sondern'd i e' M a-n d>a ts f rage übe r h au pt anf zür'o 11 en. ' uebereihstimmehd stellen Bologneser "'und römische Blätte1f'''res?r-:dVßs<G'£oß'b:r'if&-nni^n es i h P'a 1 a s t f ti&'a ff4de^on' ö4i'g e 'V ö r b i c h t s'>m a: ßJl r e frß^xfehfrt, lp^Lß-nj» 1 a.s,s,,e jj, S;p.ns;.t .hi# t;..ten1,die Unr u.hen, nich t. a,ijjslaß e,c £'e n--V° nnen. , öerade der bekannte Fanatismus, der» Araber, hätte, y.o r b e ugungsmaßregeln veranlassen müssen. Die Verantwortung Londons für die riesige Zerstörung an Gut und Leben sei äußerst schwer. Mit bloßen Polizeimaßnahmen sei es nicht getan, zumal derartige Wirren leicht weitere Kreise in der ganzen mohammedanischen Welt ziehen könnten. Daher sei ganz Europa an der Frage interessiert, vorzüglich aber Italien, welches untätig zusehen müßte, wie die Mandatspolitik der Westmächte in Palästina und Syrien so giftige Früchte zeitige und Italien selbst bisher noch keine Proben seines Könnens auf diesem Gebiete habe ablegen können. Der Vatikan. Wie die vatikanische „Corrispondenza" betont, hat der Vatikan unmittelbar nach dem Krieg die Friedenskonferenz und die Mandatmacht auf die Gefahren der jüdischen Einwanderung aufmerksam gemacht, weil sie von den Arabern nicht gerne gesehen wird und eine künstliche Bevölkerungsmehrheit schaffen konnte, welche die einheimische Bevölkerung zurücksetzte. „Der hl. Stuhl, ist daher beunruhigt über eine Bewegung, die das Leben in Palästina in Aufruhr bringt, indem die politischen und sozialen Rechte und Interessen derEingebornen mißachtet und die Grundsätze der Freiheit und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker verletzt werden. Natürlich billigt der Papst die Vorgänge dieser Tage nicht. Der Vatikan bedauert und verurteilt die jetzigen Ueberfalle ebenso wie die gegen andere Völker. Wenn die Verteidigung der Juden vor den unzivilisierten Verfolgungen der Araber eine christliche Pflicht ist, schließt sie indessen nicht die Verpflichtung ein, die zionistische Bewegung zu billigen, durch die eine Minderheit durch eine kirnst* liehe Einwanderung sich über die Eingebornen hinwegsetzen möchte." Die vom lateinischen Patriarchen von Jerusalem dem Vatikan zugestellten spärlichen Nachrichten lassen ernste Besorgnisse über das Schicksal der Katholiken aufkommen, weshalb der Papst die Einstellung der Pilgerfahrten nach dem Heiligen Land angeordnet hat Ibn Saud bleibt neutral. London, 3. September. (Privat.) In einer Erklärung an die Nachrichtenagentur Reuter hat der Berater Ibn Sauds, des Herrschers von Hedschas und Nedschd, die Haltung Ibn Sauds zu den Unruhen in Palästina dargelegt. Danach erkenne Ibn Saud Palästina als das heilige Land dreier Religionen, der christlichen, jüdischen und mohmmedanischen, an' und hahe den lebhaften Wunsch, daß diese drei Religionen in Freundschaft miteinander leben mögen.; Ibn Saud werde von sich aus niemals versuchen, die' Lage in Palästina durch irgend eine Intervention zu erschweren.- Er habe, bisher seinen gesamten EinfTuIl aufgeboten, "die re x: t r ei^Wiiiiienitififfl'e; von einem Eingreifen In die Unruhen abzuhälten. In der'Erklärung heißt es zum Schluß, daß Ibn Saud sich als Freund Großbritanniens betrachte und großes Vertrauen in die englische Gerechtigkeit habe. Kundgebungen. Demonstrationen in Wien. * Versammlung des Verbandes der demokratischen 1 Zionisten. Samstag, den- 3h'Augifst,. veranstaltete der „Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs" zwei große Versammlungen. Die Säle waren überfüllt und mußten noch vor- Beginn der Versammlungen polizeilich gesperrt werden. Referate erstatteten Obeiibaarat Robert Stricke r,; Dr.; Leopold P 1 a s c h' Je e s, David N e b e n <z a h 1 und Dr.- Isr.. W a 1 d m a n n. Dr. Plaschkes führte'«.' a. aus: 1917 hat uns Seiner britischem Majestät Regierang feierlich versichert, für die Schaffung einer nationalen /Heimstätte in Palästina, für Erleichterung des Zieles die größten Anstrengungen zu machen. Vor sieben Jahren hal Großbritannien da-s Mandat die* Völikerbundes übernommen, im Sinne dieser Versprechungen tätig zu sein. Was hat die englische Regierung getan? Sie. hat eine Palästina-Administration eingesetzt und ihr die Verwaltung des Landes übergehen. ' , : ' . Diese Palästina-Regierung bat seit den Zeiten des jüdischen Oberkommissars Herbert -Samuel das Mandat so planmäßig mißachtet, daß beim Council der erweiterten Jewish Agency Lord Melchet, ein objektiver Verband demokratischer Zionisten I Mittwoch, den 11. Sept. 1929 um halb 9 Uhr abends im | Cate Produktenbörse, II, Taborstiv lO (Kiublokal) | Vers a m m 1 u 11 ö I =3 Gegenstand: .. . § Ple gegenwärtige Lage In | Palästina - i -„ =3 Referent: ' |f Erof. Löf f ermann m Tel "Aviv | ipipipuM Zeuge, mit Recht sagen konnte, keine englische He- I gierung und kein palästinensischer Oberkommissär habe das Mandat erfüllt. Das mußte sich der Jude Herbert Samuel ins Gesicht sagen lassen. Ja, wozu haben wir dde Palästina-iReigierun«? Doch niohi 'bloß, um jüdisches Geld den anderen au geben, wie die Hälfte des Kadiüdnachlasses oder die Kriegskoatri* bai'Honen an di eTürikei vorzeitig zto entrieh-« t e n, dioch nicht um eine aöctä<v>e Finaniaverwailtunig aat schaffen oder dafür zu sorgen, daß Gbancellor, Lulloe, Riota mond und Genossen hohe Gehälter beziehen. Diese PalÄstdtiaverwaütung ist daa« da, den Juden beim Aiulbain Mures Staates m helfen. Und tut sie das nicht, so muß sie doch wenigstens für den primitivsten Sicherheitsdienst sorgen. 1 Die Pää&tinaverwa'liu.nig kennt den Fanatäismws der verhetizten arabischen Grupipen und wie ßchitttet sie die atLein hedirdhten Juden? Indem sie den Arabern, die seit dem Krieg imÄzdeil genug Waffen besitzen, affizIeU Waffen in die Hand gegeben, indem sie fast 90 Prozent des PohV ,zei- und Grenz-körps aus ihnen bildet! Nehmen' wir an, tidese arabischen Polizisten hätten die Waffen nicht gegen die Juden erhoben, aber ftir die Juden und cau ihrem Sobutz sind sie ibe®timin.t nicht eingetreten. Die PoMaei «mußte versagen. Aber Aergeres ist geschehen! Nicht verschwiegen werden darf, und das ist uns aus PrJvatberichten genau bekannt, daß die Antizionisten «od Antüuden in der Palästinaregierung sich nicht nur als arabische Protektoren aufgespielt, sondern dten Hai? <$er Araber gegen die Juden geradezu geschürt, das Mandat sabotiert und diesen Kampf hervorgerufen haben, der sich allerdings letzten Endes gegen das Prestige Englands, gegen seine Weltgeltung richtet. England nennt sich den Freund des jüdischen Volkes uredi es muß dies jetzt vor aHer Welt wahr machen. Es muß zeigen, daß das Mandat kein Fetzen Papier ist und daß es den Aufbau des jüdischen Staates fördern» Jedenfalls die Sicherheit der jüdischen Arbeit im Land« gewährleisten ,wiil. Was heißt Ktomauer? Was hetßt