Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102 DIE NEUE WELT Seite ff "1 Bevor Sie refsen —| Badeanzüge, Frottiermäntel, Pyjama», Bamen-y UfJPf Herrenuntf Kinder-Wäsch c, trumpf- und nmu ■«^^^^^^ gi| W' i'ick^aren etd. Eh gtbs — en detail UUIIIIIHUU Miwl PI KOmmen »te ZU Ulis ■ infolgeklelnarRegien \pottblllig! I, Rabensteig3 Eh gtös — en detail BERGMANN (Ecke Seltensfettengasse) Austritte aus dem Judentum. Alt Lilly, geb. 21.11.1893 Wien, ledig, Rio de Janeiro. — Dr. Alischul Felix, geb. 3. Vit . 1886 Wien, ledig, IX Sobieskygasse 4a. — Aufrichtig Salamon, geb. 3. X. 1868 Boskowitz, verh., IL, Darwingasse 35. —- Aufrichtig Anna, geb. StrspuUSka, geb. 15. III. 1880f ichnedlo, selbe Adresse — Baum Heddy, geb. 22. VIII. 1901 Persianos, ledig, IX., Müllnergasse 4. BIß Therese, gebi 25. XL 1903 Wien, ledig, XII., Singrinerstraße 13. 7- Rothbaum Otto, geb 26. IL 1893 Berg, verh., VIL, Neubaugasse 50, dessen Frau Louise, geb. Tinall, geb. 1. VIII. 1900 Wien, und deren Kind Rothbaum Heinrich Peter, geb. i VI. 1926 Wien, r* Lipschüia Alexandra,' geb. Krzewinskl, geb. 2. IL 1886 Petersburg, ger.' gesch., iL, Wehlistraße 162. — Lipschiitz Louise, geb. 1. II. 1923 Wien, selbe" Adresse. — Saxl Paul, geb. 22. IV. 1896 Wien, ledig, IX., Hörigasse 9. — Moser Albert, geb. 12. IV. 1875 Freiberg, verh., XIX., Goltzgasse Nr. 3. — Weißkopf Grete, geb. 3. VI. 1906 Wieri, ledig, VI , Magdalenenstraße 33. — Schneebaum Eugenle, geb. 8. I. 1890 Wien, ledig, XX., Webergasse' 15. — Dr. Vajda Stefan, geb. 20. VIII. 1901 Budapest, ledig, VIL, Zicgler» gasse 73. — Adler Johanna, geb. 20. X. 1923 Wien, ledig* V., Fendigassc 35. — Hekler Rosalle, geb. 20. VI. . 1908 Wien, ledig, IL, Franz*Hochedliriger*Gasse 20. — Weih bach Maximilian, geb. 3. IV. 1893 Kotzmann, verh., XIV., Sechshauserstraße 77. — Wembach Rudolf, geb, 18. VIL 1925 Horn, ledig, selbe Adresse —Flandera Verona Viola, geb. Haas, geb. 7. III. 1904 Budapest, verh., IV., Rainer, gasse" 24. -r Lukas Malvine geb. Popper» geb. 1. VIL 1866 Prag, verh., L, Marc Aurelstraße 12. — Vajda Honka, geb. 26. III, 1907 Wien, ledig, VIL, Zieglergasse 73; — Engel Gertrud geb. Albrecht, geb. 1. I. 1901 Wien, ger. getr, L, Rotenturmstraße 19. — Glattauer Ernst, geb. 5. V. 1900 Wien, ger. getr., IL, Arnotzhoferstraße. 3. — Eiscr.berg Anna, geb. 15. I. 1907 Wi n, ledig, IX., Rotenlöwengasse 5. bahnstraße 15. — Tausk V?'<tor, geb. 29. V- 1892 Brünn, ger., getr., IL, Paffrathgasse 4.:, — Weltes Caroline, geb. 26, V. 1894 Wien, ledig, XIII., Türsgasse 14. — Schön Anna, geb. 15.1. 1907 Wien, ledig, tX., Rote Löwengasse 5. r- Berger Elise geb. Löwenthal, geb. 25. IX. 1894 Wien, ger. gesch., Vill., FoHanigasse i. — Spr'aider'Martha geb. Fein, geb.'2ßv VI. 1894,,Boskowitz, verh., XIII., Lainzerstraße 31. — Werfel Franz, geb. 10. IX. 1890 Prag"; ledig, L, Elisabeth* Straße 22. — Kulka Siegfried, geb. 26. III. 1883 Olmütz, verh., L, Dr.*KarlsLueger»Platz 2. — Hirsch Heinrich, ge)j. &' I874 Nieder-Fladnitz, v;erh.t' XVL,. Hayrherlegnsse Nr:- iö:r^ Viola Anria geb/F 9.' Vll. 1863-'Wien, vcrw., XVIII., SchÖffelgasse' 16. — Well Friedericke; geb. 16, X. 1906 Wien, ledig, III., Dapohtcgasse 13. — Neurath Lilly,geb. K,ruk rekte Proch, geb. ll.'XL 1902 Wien, verh, III.,' Csapkagasse '8. — Alt Elisabeth, geb. 15. X. 1898. Bisenz, ledig, III., Steingasse 38. Die große internationale iMz^öhfercnz, Bratislava, .'Diese;für die ganze internationale Holzwirischaft interessante Tagung wird jetzt vom 29» bis 31. d. M. in Bratislava abgehalten; Die ganzereiche Fülle ihrer hochbedeutsamen Fragenwird jn einer repräsentativen, über 50 Seiten -starken Kongreßausgabe der bekannten führenden Holzfachzeitung „Internationaler Holzmarkt, Wien" von prominenten Fachpersönlichkeiten so gut wie, aller Staaten umfassend dargestellt. ' . 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Ins Deutsche übertragen von P. Rosen hall. Nachdruck verboten, (40. For(Setzung) „Närfchen, das du bistl Soviel Jahr soll Schtschuppaks Kopf krank sein, wieviel Jahr ich mit Gottes Hilfe noch leben werde. Ich sage das so des* halb,, weil ich die Absicht habe zu .schreiben um meine Mutter ,mit meiner Schwester aus dem elenden Land •dort, vielleicht, werd ich dann weniger husten." Und Holzman verhustet sich für lange, atmet schwer,, dreht, sich mit dem Gesicht zur Wand und schläft so ein. Und es 'träumt ihm, daß er nicht in Wien sei, sondern in Lemberg. Er geht auf der Karl Ludwigstraße spazieren und erblickt von ferne den Direktor des Lemberger, Theaters Getzl ben Getzl, mit dem;„Burschen" Arm in Arm, geht direkt an ihm vorbei. Nicht einmal eines Blickes, wollen die Beiden ihn würdigen, brennt es in ihm und siedet in ihm auf und hebt ihn von der Stelle. Und' er ruft den Burschen an» zuerst leise: Rafalesco, dann immer lauter und lauter;: Rafalcsco, Rafalesco . . . Öer will sich nicht einmal nach ihm umblicken, als würde er ihn gar nicht kennen! . . . Holzman kann es nicht länger ertragen, ob . solchen Herzwehs kann'selbst der beste Mensch aus seiner Ruhe auffähren . .. . eh, was sein wird, mag sein . . er wird hingehen zu diesem Gesellen, zu diesem Jok'l ben Flekl, er wifd ihn vofr hinten mit einem Ruck bei seinem Schweinskragen packen, mit einer Hand, und mit der anderen wird er ihm einen Klatsch übers Maul schmieren eins zwei drei ... so, Krach auf Krach . . f-jajbtot. springt Rafalesco von s.einem. Bett hefunter •und lauft zu Holzthans Betl hin und sieht vor sich das Bild: das Nachtkästchen .neben seinem Kopfpölster liegt auf dehi Boden, die Fü'ß6 aüfwärtls gie'ichtet, eine zerbrochene Karaffe, ein zerstückeltes Olas Wasser, ein verbogener Leuchter' ~ auch Holzmans goldene Uhr, die er erst vor kurzem hier in * Wien gekauft hatte, liegt verwundet bei den Gefallenen. y „Was ist gescKehn?" 'fragt Rafalesco z"ü Holzman hin. ■ •' •; . ';-;'t. ' :;•- ' V\ Verwirft, hlick,t Höl?m*m\v'nW irrenden Augen ^iif Rafalesco, .der sich vom Lachen kaum zurückhalten kann, und auf die Verwüstung,' die :er angerichtet hat. , . Zufrieden, daß der Traum nur. ein Traum war, sagt er zu seinem jungen Freund lustig, wie. es seine Art ist: ■ , .; ■'•:>••'■ ' „Wahrscheinlich hafs;.. mir von Räubern geträumt oder was sonst der Teufel . . . Sieh nur, wie viel Schaden, die. Cholera soll über mich kommen diese. Nacht noch." Und Beide hielten sich an den Seiten und platzten in ein Gelächter aus. Lang, lang lachten sie, stark lachten sie, so stark lachten, sie, , daß. man im Nebenzimmer an die Wand klopfte,1 sie möchten aufhören zu lachen. Beide lachten. Aber beider Lachen war nicht das gleiche. Der eine lachte mit Appetit, mit vollem Herzeir. Und der andere lachte dem Lachenden zulieb, dachte sich •dabei: Nein, es ist nicht dpr Junge, der es einst war, selbst das Lachen, das er lacht, ist nicht das von Einst"... mtan muß ächtgeben auf ihn . . . man muß um die Mutter und Schwester schreiben . . . man muß weg von Wien dorthin, wo der, schwarze Pfeffer wächst... 72. Kapitel. ,,Eln Mensch mit Bildung/« Der einzig gebildete Schauspieler der Truppe Holzman, Schwalb et;Comp. war der ^Souffleur. Benje Gorgel, den Holzman aus dem Lemberger Theater zu sich herübergelockt hat. Der Direktor Getzl ben Getzl hat sich nicht nur einmal,,dessen gerühmt, daß keiner einen sqlchen Souffleur besitze >vie er, denn sein Souffleur, versteht;ihr mich, ist ein Mensch mit Bildung, und gerade deshalb, weil er ein;Mensch mit Bildung ist, hat Holzman ihn zusammen mit der Primadonna Z\x sich herftbergezogen. Holzman entschuldigte das vor sich selber. Ich weiß selbst nicht, ,zu: welchen schwarzen Jahren ich ein solches Wesen brauche, das, wenn man ihn so ansieht; niöht mehr wert ist als ein Heller. Aber tut nichts, ein Mensch mit Bildung wird sich sein Stück Brot schon Verdienern. . . >,\ , ■ .i ... MmiWPtft.frem<teprä«*|fI, Buchhandlung!n Kapital von 390 engl, Pfund als Kaution er* wUnscht, Oftoti^n mit^ Photographie und JRefereirten ah die *Neü* Welt« unter «Buchhandiurig1 Iii PalÄsttna^ < . 1 llüfUil|li||iPüipi|Uippi|l^ Holzman hatte recht. Wenn ihr ihn anseht, würdet ihr für dieses Wesen nicht einmal einen Heller gegeben, haben: ein schwarzer junger Mann, dürr, ausgetrocknet, „mit einer Nase aus dem Lande der Nasen", mit dürrem Hals und einem großen Adamsapfel, der, wenn ar spricht, auf und ab hüpft, als würde jener schlucken. Zerrissen! und zerschlissen, ein abgegriffenes Hütchen; iirid Haärei auf dem Kopf — ein Heuwagen. Würde er sie wenigsten» einfetten oder jeden Tag kämmen, wärs noch zu ertragen. Ist aber unser Souffleur kein Mensch, der sich mit solchen Dummheiten abgibt. Ein Mensch mit Bildung hat etwas anderes zu tun. Und wenn dem schon so ist, muß man es ihm verzeihen, daß er einen schmutzigen Kragen mit so seltsamem Schlips trägt, von dem es schwer ist zu er* raten, wie er wohl ausgesehen haben mag, als er,in die Welt gesetzt wurde. Wenn ihr all das zusammenfasset^ werdet ihr euch dieses sonderbare Produkt leicht vorstellen, können, von dem Holzman, versteht sich hinter seinem7 Rücken, sogleich sagte, daß einem die Lust vergehe, vor diesem Schlcmihl ein Stück, Brot zu essen. Und, ungeachtet dessen, daß er ein Mensch mit Bildung ist, zierte ihn Holzman immer wieder mit neuen Namen, zuerst mit .iSchlemihl", dann mit „Kreatur", dann gar rrift „Kuni Lämml". 1 Das ist nun einmal ein Gesetz, daß ein Menschj je gebildeter er ist, sich umso bescheidener trägt. Des'-: wegen wahrscheinlich war unser Souffleur nie beleidigt", ließ sich von allen herumstoßen, leistete für Holzmart Frondienste. Holzman hielt dafür, versteht ihr mich, daß ein Mensch, mag er gebildet sein wie tausend: Teufel, wenn er von einem andern sein Brot hat, sich daSu Brot verdienen muß. ■ ■ . .) , ■ •. ■, Zum Beispiel er selbst, Hötzmachl Ist ernicht eines Vaters Kind? Ünd' nichtsdestÖw'eniger m'ußjte'es ihm einmal genehm sein, nicht denken soll man mehr daran, für. drei zu arbeiten, wie ein Teufel zu schuften, Hunger zu beißen und bei Schtschuppak die Stiefel zu pufzen,,,seift Name, soll vertilgt, sein.„dort wo,;er steckt .,u>.,,'.].j,;>„ So entschuldigte sich Holzman bei sich im Herzen und unser armer Souffleur, der Mensch mit Bildung, trug1 das schwere Joch seines Daseins .still, beklagte ,.sich niemalsi trug niemandem sein Leid zu, , als. müßte es so sein.; .. '■>' ■ :■: ■■■■■ Aber jeder Mensch;hal seine Zeit, sein ^Glück, : sein nen Stern am Himmel. Es ist auch die Zeitgekommen.- fijri unsern Menschen mit Bildung. Sein Stern hat plötzlich aufzuleuchten begonnen und er ward erhoben, in aller Augen, selbst bei seinem Prinzipal Holzman. , ... Das war zu jener Zeit, als die Truppe Holzman, Schwalb et Comp, das „wüste Wien" verließ und,.wieder durch die Welt wanderte „theaterspielen" in der-ajten Ant: Operetten, Melodramen, abgedroschene alte Stücke,/ „wie Gott es befahl". Und es kam ein Tag. Einmal während des Prö* bierens, es sollte .Rafalesco drankommen zu spielen, und das Kind ist nicht da, nicht da der erste Liebhaber. Wo ist der Junge? Man sucht ihn eine' Stunde, man suchet ihn' zwei, Rafalesco-ist nicht da, nicht da. der Souffieür*, der Mensch imit Bildung.»'• > > ..;•-•,•.;,?> _,,..u.^ Wie Holzman damals nicht die Apoplexie bekam, Ist wirklich ein Wunder vom Himmel. Der Strom seiner Nerven ging über und er begann sich allerlei Möglichkeiten auszudenken, eine schreckliche^ als die andere. Nach dem Nein, das er damals im Wiener Burgtheater vom Jungen gehört hatte, ist alles möglich. So dachte Holzman. Und es packte ihn etn Krampf, schüttelte ihn durch und durch' auf. Die Mme. Tschernjak erschrak vor seiner spitzen Nase, die sich seltsam durch sein eingefallenes Gesicht zog, wie bei einer Leiche, und vor seinen spitzen Augerti» die mit einemmal ausgelöscht waren. Da begann sie ihn zu bemuttern und ihm das Herz-zu trösten, zu. bitten, daß er sich für eine Weile hinlege, damit sie ihm einen' Umschlag mit Essig und Wasser gebe, Worauif sie von ihm einen Umschlag bekam, daß sie und Kindeskihdef es sich versagen werden. Was ihr nur in den Mund kam, sagte er ihr. Er fragte sie, wer sie denn bitte, die . Zunge dorthin zu stecken, wo nicht am Platz, und er rief ihr „Brejn* dele -Kosak", „strahlende Schönheit", „Halbmond'?, „Mazeppa" und ähnliche schöne Namen zu, die von ihm ta hören und mit Schweigen aufzunehmen die Mme. Tschernjak in der letzten Zeit schon gewöhnt war. Denn was konnte sie mehr tun*'als alle' andern airmen Frauen, die verliebt sind ohne Hoffnung? Man wischt,sich die Augen, und — nur Ruhe... Unterdessen kam man mit der Nachricht: ,Ein Glück, das Verlorene hat sich wieder ge» funden/ ,Wo? Wo?' ,1m Gasthaus haben sich beide, Rafalesco und der Souffleur, irgendwo abseits zusammengesetzt, man liest ein Büchel.' Holzman griff nach Zylinder Und Spazterstock un4 mehr tot als lebendig kam er atemlos dahergerannt. ,Wai ist ips?« gefunden) gefunden «inen SctMUM