Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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d Seite 12 DHE NEUE WELT Nr. IO?r I Holzmaii umarmte Rafalesco, halste und küßte ihn: iW"as für Schatz? Was für Torte?' ,Uriel Acosta, dasselbe Stück, das sie von Sonnenthai in Wien gesehen haben, befindet sich beim Souffleur, Wort für Wort in die eigene Sprache übersetzt, in Jiddisch. Schluß. Rafalesco spielt keine andere Rolle mehr außer Uriel Acosta. Schluß. Aus mit den Operetten, aus mit den Melodramen, aus mit dem Purimgespiel, aus, aus!' So wie er da stand, Holzman, mit dem Zylinder und dem Holzstock, ließ er sich auf einen zerbrochenen Stuhl nieder und kalter Schweiß übergoß ihn: ,Was sind das für Worte? Was ist das für eine Redeweise? Was ist das für Sprache bei dem Burschen geworden? Und .was heißt das, er wird keine Operetten mehr spielen! Und wo bleibt er, Holzman der Direktor, hat er nichts mehr dreinzureden? Und was wird mit den Dekorationen gescheiten.. Kostümen, Rollen, Piecen, Noten, Affichen? Was gehl hier vor? Zuende mit der Welt?' Und Holzman war damals in der Verfassung, den Souffleur in Stücke zu reißen. Es hat noch gefehlt diese Bescherung über meinen Kopf — „ein Mensch mit Bildung!" 73. Kapitel. Welche Katze frißt die Butter? Von da ab ging immer wieder „Uriel Acosta"v Ueberall, in welche Stadt auch die Truppe Holzman/ Schwalb et Co. kam, gab man nach den ersten zwei drei Vorstellungen „Uriel Acosta". Und hatte man das Stück einmal aufgeführt, mußte man es wieder und wieder aufführen. In manchen Städten forderte man von vorn" herein keine Operette, sondern dieses Stück. Beispielsweise in Paris, wo die Kompanie zwölf Abende gab, führte man kein anderes Stück auf als „Uriel Acosta". Und es war, wie Holzman sagte', ein großer Rummel, man stürmte ( das Theater. In den Blättern, so wurde Holzman berichtet, verglich man R a fal es c o. mit.den größten Schauspielern und man weissagte, daß er den großen Sonnenthal und alle berühmten glänzenden Weltstars übertreffen werde. Gewiß gefiel es unserem Holzman, er wurde breiter und länger und hatte Freude darüber, daß ein solcher Schund vom Schund, Gott strafe ihn nicht für Worte, Wie . dieses Stück „Uriel Acosta" ist, fast so viel Geld in die Kassa bringt, wie die schönste Operette, obwohl es da keinen Tanz gibt, keinen Gesang, keine lustigen Couplets. Sonderbar. die Welt geworden, verkehrt, zu all den schwarzen Jahren. Altweibermoral gefällt ihnen besser als Couplets, ein Halbverrückter, wie der Acosta, auf der Bühne ist ihnen lieber als die schönste Primadonna. Mach was! Aber es ist gleich, mag vom Kosaken kommen, wenns nur zum Leben ist! Gesund soll er sein dieser Schlemihl, der Souffleur, der dieses Büchel ausgegraben hat. Wenn man sagt ein Mensch mit Bildung, chacha, gibts doch nichts. Man muß ihm einen alten Anzug, schenken, dazusehen, daß der Kuni Läml einen weißen Kragen mit einem neuen Schlips anzieht und dabei auch sich ein bißchen das Haar stutzen läßt t— er sieht ja schon aus wiei e;in Diakon in einem kleinen Ort, zu allen Teufeln!' So sagte sich Holzman und erhöhte dem Souffleur den Gehalt, ließ ihm die ."verdiente Ehre zuteil werden und hörte auf, ihm „Schlemihl", „Kreatur" und ähnliche Namen beizulegen, wenn Gott will, schießt ein Besen., sagte Holzman und drehte sich den Schnurrbart mit den Spitzen aufwärts nach Art Wilhelm II. oder spazierte umher, die Hände in den Hosentaschen, die goldene Doppelkette über der weißen Weste auffällig tragend, ufld dankte Gott, daß Er, gelobt sei Er, ihn auf einen Weg gebracht habe ohne Mäzenat und ohne berühmte Schau Spieler, sie mögen euch zur Hölle fahren zusammen mit Schtschuppak, ausgelöscht soll sein Name werdenl Eines nur fehlte unserem Holzmann, eine Fraü im Haus; das heißt, wenn man will, hatte er eine Hauswirtin und obendrein ohne Entgelt: es ist die Mme. Tschernjak. Sie führte ihm den ganzen Haushalt, hütete jeden Groschen, hielt das Wohnzimmer in Ordnung, war ihm treu wie ein Hund, flickte die Wäsche, stopfte ihm die Strümpfe, kochte ihm seine Lieblingsspeise, machte ihm manchmal das Gurgelwasser an, daß er nicht huste. Es hielt schon so weit, daß die Schauspielertruppe hinter seinem Rücken sie nicht mehr Brejndele Kosak oder Mme. Tschernjak, sondern Mme. Horzmdch nannte. Ein Glück, daß Holzman davon nichts wußte, sonst würde er sich doppelt geärgert haben; erstens, daß man seinen einstigen Namen kennt, zweitens, daß man ihm eine so unschöne Partie vorschlägt. Holzman hat Lust auf eine andere Partie. Holzman will ein Mädel haben, und dazu noch ein schönes. ,Züm Beispiel so eine Art „Zitrone aus dem Morgenland" wie diese Primadonna Henrietta. Warum auch nicht? Warum sollte das nicht passen? Vielleicht, daß sie nicht gerade ein solcher Philosoph ist, ist sie aber schön, daß ihn der Teufel paökt. Ein Fehler nur, sie ist ein bißchen zu lebhaft, dreht sich wie die gewundene Koloratur eines Chasen, pah, das ist aber nur jetzt, so» lange es keine Thora gibt, wenn er aber nur einmal den Ring an den Finger steckt, a ha ha, wird er sie schon hernehmen und ihr das rechte Kapitel Respekt beibringen, wie Gott es geboten hat . . Einmal, es war an' einem SamstagsNachmittag, - putzte sich Holzman; geckenhaft" heraus, wie er es dehn überhaupt letztens' gern den Gecken gleichtat, heraus» staffiert wie zu einer Leiche, sagte über ihn die Schau» spielergesellschaft, rasierte sich zurecht , drehte sich den Schnurrbart, übergoß sich mit Parfüms, nahm das Spazier* stöckchen und schlug der Primadonna vor, mit ihr ein bißchen spazieren zu gehen. Da sah sie ihn von oben bis herunter an und belustigte sich: wenn sie nach ihm Sehn» sucht empfinden wird, wird sie ihn rufen lassen. Holz* man blieb getroffen stehen >.nd wischte sich den Mund. Ein anderesmal begann er mit ihr. ein .Gespräch, einfach vom Heiraten. Schon Zeit, sagte er ihr, daß sie aufhöre zu springen, hoplahop, und ein bißchen darüber nachdenke, was aus ihr werden soll, worauf ihm Hen» rietta allerdings sehr grob antwortete, nicht ,wie man einem Direktor antwortet. Sie, sagte dhm:. „Warum soll er sich den Kopf für andere zerbrechen? Warum , behüte er nicht lieber die eigene NasJ; die wächst auf ihrem Gras?" Den Reim schluckte Holzman herunter und warf ihr die Frage hin, woher sie denn wisse, daß er nicht über sich nachdenke! Vielleicht habe er die Absicht, bald zu heiraten? „Wirklich wahr?", fragte sie mit frechem Gelächter. „Wen denn zum Beispiel, vielleicht den Todes» engel? . . ." Unser Holzman begann nachzuforschen, wer es denn sei, der wie ein Satanas zwischen ihnen stehe. Er fand allmählich den richtigen Weg. Brejndele Kosak kam ihm zuhilfe. Sie öffnete ihm" den Kopf, daß er ein großer Narr sei. Wenn die Augen, sagte sie, ihm nicht hinten, solide*» vot» stecken, müßte er selbst sehen, welch« Katze die Butter frißt ... Damit hat die Mme. Tschernjak wenigstensein bißchen sieh das Herz gekühlt, für die schlaflosen Nächte und für die vergossenen Tränen. Brejndele Kosak fürch« tete sich nun vor niemand mehr. Für sie war es klar wie der Tag, daß die Heirat zwischen der Primadonna und Rafalesco eine beschlossene Sache sei, wenn nicht heute, dann morgen — das Geschwür muß aufgehen. Dänin ist Bernhard Holzman ihrer. Darüber gibt es nichts zu sagen. 74. Kapitel. Holzman hat Gäste. Brejndele Kosaks Andeutung, daß zwischen der Primadonna Schwalb und Rafalesco sich ein Roman abspiele, war für unseren Holzman wie ein Hieb mit einem Holzstück über den Kopf. Außer, daß er eines schönen Morgens eine solche „Zitrone aus dem Morgenland" ver* liert, wird ihm noch ein sehr wichtiger, großartiger Plan zerstört, auf dem er ein ganzes Gebäude errichtet hatte. Dieser Plan wurde plötzlich in ihm eines schönen Morgens durch einen Brief geboren, den er aus der Heimat von seiner Mutter, der Witwe Sore Broche, be< kommen hatte. Wir geben diesen Brief Wort für Wort, wie er geschrieben wurde, wieder: „An meinen lieben getreuen Sohn Herschbär Holz* man leben soll er. Ich schreib Dir, mein lieber getreuer Herschbär, einen Brief durch Alter, das Söhnchen des Lehrers, daß erstens ich gottseidank bei bester Gesund« heit bin, gebe Gott das nämliche von Dir zu hqren, künf* tighin nicht schlimmer amen. Und zweitens schreib' ich Dir, mein lieber getreuer Herschbär, daß ich schon lange von > Dir keinen ■'« Brief gehabt habe, ich weiß nicht mehr was nachzudenken.'Und ich bitte Dich sehr, mein, lieber getreuer Herschbäre, Du sollst mir schreiben von Deiner Gesundheit und was du machst und es grüßt Dich Deine Schwester Sladke soll leben, nicht zu versündigen ein Mädel geworden, würdest sie sehen, würdest sie nicht erkennen, gewachsen ist die nicht zu versündigen und schön ist sie nicht zu versündigen wie der Tag, njeht ich sag' das, weil ich die Mutter zu ihr bin, sondern alle sagen das, wenn ich einen Blick auf sie tu, tut mir das Herz weh, Zeit sich in den Kopf zu nehmen, was ist der Zweck zu sitzen Tag wie Nacht mit der Nadel und fremde Blusen zu nähen, man muß nachdenken über eine Partie, Bräutigame hab' ich für sie tausend für einen, taugen sie aber alle fürs Feuer, einer ist Josseis, des Tischlers junger Sohn Fischel, der andere ist ein Fleischer* kerl, Rüben heißt er, will sie ihn nicht, sie sagt es riecht von ihm Fell und Jossei Tischlers Sohn ist zwar iü sie verschossen, ist er aber ein Auswürfling, ein Scharlatan und der Teufel weiß was hoch, er hat nicht einmal, daß Du sagen sollst, ein Paar Stiefel wie es sich gehört und dreht sich allen vor den Augen, ich hab' ihm schon einigemal angedeutet, er soll vergessen wie meine Tochter heißt, sonst werd' ich ihm den Weg zeigen, aber die heutigen jungen Leute sind wie die Schweine, treib sie hinaus zur Tür, kriechen sie Dir zum Fenster herein, ge* wiß wenn Dein Onkel Salinen, er ruhe in Frieden, da wäre, würde er mit einem solchen Kerl anders abrechnen, was kann ich schon tun, eine Frau, eine Witwe, eine Arme dazu? (Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, I, Bez., Seitenstettengasse 2, Telephon U-28-1'28 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 1. Tor, Telephon U-18-0-85 UllIIlIIIIIIIIIIIIIIIIIllIIIIIllllllllIIIllIIMIlIIIIlllIlIIIlIIIIIIIIlIllä ( Gegründet 1882 | 1 lebensuerslcherunss- PlinNIY' i § Gesellschaft ,rr1UmA \ Zentraldirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 jjj 2 MM 5 •; i j *i u:itr...j*_ PAtitt..« ■*» 2 __ _ 4,C 5 Prämien- und Zinteneinnabmen in Jahre 1928 91 Millionen Schilling S Garanliemittel Ende 1926 242 Millionen Schilling _ s Auszahlungen an die Versicherten im Jahre 1928 265 Millionen Schilling s § Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, s Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische s a Republik, Polen. Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechens £ land, Türkei, Aegypten und Palästina. äiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiHiiiiiiHHiiimi NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1929 S20,— monatlich ohne Angäbet ix.uechtenstelnstNBeNr.Z7 Tel. A 16-9-04 und A 1«-5-«5 IV. Wiedner Hauptstraße Hr.8 T«l. A 30-0-3« SPORT" UND TOURISTENARTIKEL £S IIIUIIMM' A i. bis 7. September 1929 (Rotunde bis 8. September) Sonderveranstaltungen: INTERNATIONALE RADIOMESSE Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel Bedarfsausstellung für Hotelbetriebe Ausstellung der U. d. S. S. R., Aegyptische Obst- und Gemüseschau, Ausstellung der Union von Südafrika, Technische Neuheiten und Erfindungen, Bau- und Strafienbauniesse, Der österreichische Bergbau, Französische Kunstgewerbe- und Luxuswaren-Ausstellung, Wiener Pelzmode-Salon Büro-Ausstellung, Reklamemesse Land- und forstwirtschaftliche Musterschau IV. Oesterreichische Gerstenschau, Gartenbau-Ausstellung, Milchwirtschaftliche Ausstellung, Kleintierzucht « Bundesweinkost II. Oesterreichische Tiermesse (5. bis 8. September 1929). Zuchtriehschau, Nutzviehschau, Pf erdeschau Bedeutende Fahrpreisermäßigungen I Messeausweise ä 8 7.- bei der Wiener, Messe-Aktiengesellschaft, Wien, Vil., Messeplate 1. -Eintrittskarten (zuni einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und dei Neuen Burg) ä S 3.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser für S &SO WochtnraUn erhalte* 81* ^mpjettc^dlQappartt« _ ^ü^Zt^Aitmita^Atm^i "ubI'!0l'l e''RW1ll^to»l»*«t*ll»«llRy|P MUSIKHAUS SCHI SINGER, Wien, VII.,BprflOM«122itf4 mit u. ohne Trjcjjter^ Schlager in e Maodölla U^ien, Violinen, HnslRIiiiiis SöUWIiiSCT OWH122 JU V, Eteentttmer. tV«rteg&, Herausgeber TT KerJagSsA.Ä und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, inr-afercaz SMmwsh beide WAsa. EU ^'