Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. Ktf DIE NEUE WELT Sittel , -- 1 liJiiUlLr S?IT!ISXWo.,m., ErdbergatraBt 36 Telephon U-11-0-97 teworden Jet« Groß int die Gefahr, daß nach der Brweite- Mimg der Agency da« zlontettecJi* Empfinden der zionisten BfWbiiöe erleide. Die Demokratischen Zionismen sind sieb der Pflicht bewußt, weiter die Träger des zionistischen Gedankens zn sein und das bedenkliche Nachlassen des zionistischen Gefühles in weiten Kreisen der Zionistischen Organisation zn hemmen. Für di'öses Nachlassen war ein« Reihe von VorfäMen •yntptofflartisch,. sowohl bei der Konstituierung dier Erweiterung der Jewi«h Agency ak auch bei der ZionisM- •ohen Exekutive, indem dl« sionistlscihen Partner sich welliger zionistisch, „exponierten" aJs die Nicnbzionfcten, wie beispielsweise bei der Aufnahm« der Baliout-D eklaration hi d*e Konstitution und bei <fer Anbringung des Horzlßiädes ton Saait der OowicH-Sitaung. Der .'.Nfcfetaiotttet" Einstein (töbriigems ein verbissener IfettoMtinde) sebtu« aadücalere Töne, an ate die zionistische Leitmwg. (Beifall.) Der Kongreß selbst stand in vielen Fragen unter Üer Wnciht der Erwägung, ob ddeses oder Jenes Problem riebt scihon eine Sadbe der erweiterten Agency sei. Dieser Umstand wirkte überaus lähmend. Das äußere Bild des Kongresses bot dieselben Men- •öhen, die schon seit fast »wand« Jaforen mm Kongreß kommen: für die Entwictofcun« der Bewegung .eine nieder- <küdkende Brsoheiniunig. Die Jugend war nicht zu sehen, ein Beweis, daß wir nicht verstanden haben, sie heran- «wzieben.. . Nur ein Zionismus, der der Jugend eine glanzvolle Zukunft vor Augen führt, kann sie erobern. (Belfal.) Ebenso betrübend ist das BM der Bürokratie. (Aber der Zionismus Ist keine Sadhe, die von einem Bea-mtenapparÄt gemacht werdendarf. Die Hypertrophie dies as Apparates droht jede lebendige Arbeit zu ifibtnen. (BeMaiU.) Md«t Genugtuung kann man das hone Niveau dier Bionistlscihen Redner und Reden konstatieren. Man war sieb der Würde und des Ernstes bewußti große Probleme Wurden aufgerollt und besprochen, und wenn der Kongreß aiudi nick in allen Dingen zu entscheidenden Beschlüssen gekommen ist, so wurde doch ein Wort, eine Idee gehört, die man söhoh als abgestorben betrachtet 'bat: Die Arbelt fn der Gahithl Es ist das Verdienst der radikalen Zionisten, daß sie diesen Gegenstand auf die Tagesordnung des Kongresses gebracht und im Referat J. Grüöbaum, die Notwendigkeit der Arbeit für. das 1 r;' Gafuthjuderitum erwiesen haben. Nicht minder wichtig war die von Robert S t r i ck e r Äohon seit Jahren mit allem Nachdruck erhobene Forderung einer strengen Kontrolle und der Schaffung einer Kontrollkommission, die endlich Wirklichkeit geworden ist. (Beifall.) Natürlicher und' wlrfelichikeitsnälher wurde auf dem Kongreß über diie wirtS9ihaflilciie Lage und über den wirtsclhaf tüclhen Aufbau Palästinas gesprochen./Bemerkenswert war die Rede Wetemahns über die Gefahr der Entstehung eines Groögrundbesitzes im Zusa^mmenhaing mit den großen Pflanzungen Lord. Melchetts, wobei aUerdlings die begründete Hoffnung besteht, die ausgedehnten. Ländereien pänzeliieT't an jüdische Siedler .zu übergeben. Dieses Werk müßte die Zionistische Organisation durch- und weiterführen, während der Grundbesitz iLoridl Rothschilds von seinem Sohn im Sinne des Vaters [weiter bewirtschaftet werden dürfte. Die Wichtigen Probleme des Kongresses, . die Jüdische Einwanderung und AnsIediuMg (wurden in ihrem ganzen Umfang aufgerollt und mit fachmännischer Gewissenhaftigkeit besprochen. Die radikalen Zipmisten haben aufrichtig erklärt, als iWertvoHe Mitglieder des Kongresses mitzuarbeiten und auch ihre besten Männer in die erweiterte Agency delegiert. Säe 'halben in allen Kommissionen redlich mdtgearbeitet und die bereits erwähnte Kontrollkommission zur Üeberwachuibg der wlrtschaftiichen Gewährung der Zionistischen Organisation durchgesetzt. Robert Stricker führte zum Schluß aus, daß er das in ihn seitens seiner WäWer gesetzte Vertrauen verdient m haben glaube. Seine Gruppe halbe; keine zerstörende, sondern aufbauende Tätigkeit entfaltet und den Beweis geliefert, daß Ihr Programm ein gutes, Ihre Arbeit für den Zionismus eine ersprießliche sei. (Langanhaltender Beifa*lt),. Die dieimoikmtiBchen Zionisten gäben, sich def, Hoffnung bin, daß auch d*e allgemeinen Zionisten mit ihnen zusammen 4m Sinn* dieses Programme« arbeiten werden, das lautet: , Wir demokratischen (radikalen) Zionisten wollen keine I neue Art von Zionismus schaffen, sondern wir streben | dahin, daß der Zionismus wird, was er w*r: die Volkse ' bewegung im Staue Theodor Herzls mit dem einen Ziel: „Judenstaat in Erez Israeli" Nach dieser mjt ^mfeobem £MfeD a^geoommenen Mfettttton aippeHierte ©r. keopoM PU«efakt« tu dü rion*s#sc(he Jugend* für das zionistische Idetal zu arbeiten und sprach Damkesworte an dien F-Öhrer der Demoknatf* sehen Zionisten, Robert S t r i c k e r, der an seinem 50. Geburtstag auf ein 32 Jahre währendes reines und kompromißloses Wirken im Dienste der JÜdischnationalen und zionistischen Sache zurückblicken könne und dem die uneingeschränkte Anerkennung seitens aller wahren Zionisten gehiihre. Der Verband demokratischer Zionisten hat anläßlich dieses Feettages eine, Strickers bedeutsame Reden enthaltende Schrift deT zionistischen Oef f entlieh k ei t übergeben. Im Gedenken an die in Jerusalem gefallenen Jüdischen Märtyrer schloß die imposante Versammlung. Agudah und Agency. Die bevorstehende Wiener Beratung. In den führenden Kreisen der Aguda scheint Ge» neigtheit zu bestehen, sich mit der Frage des Eintritts in die Jewiah Agency positiv zu befassen und diesbezügliche konkrete Vorschläge der am 10. September in Wien zu* sammentretenden Knessio Gedaulo zu unterbreiten. Der Züricher Beschluß des Council der Jewish Agency, einen Abschnitt über Wahrnehmung der Interessen der jüdi* sehen Religion in die Konstitution aufzunehmen, hat auf maßgebende Kreise der Aguda Eindruck gemacht. * Die feierliche Eröffnungssitzung der zweiten Knessio Gedaulo findet am 10. September, 5 Uhr nachmittags im großen Festsaal der Wiener Spfiensale statt. . Jüdischer Hochschüler-Weltkongreß verschoben. Das Komitee zur Vorbereitung des. Weltkongresses der jüdischen Hochschüier teilt mit, daß der Kongreß,, der Im September dieses Jahres in Berlin hätte stattfinden sollen, auf Anfang 1930 verschoben wurde. Woldemaras über die Pogrome in Litauen. Der Ministerpräsident bedauert die Vorfälle, Aus Kowrt(o, 19. August, meldet die J. T. A.: Ministerpräsident, Prof. Woldemaras empfing eine Abordnung der. Föderation litauischer Juden Amerikas, die aus Anlaß des Staatsjubiläums nach Kowno gekommen war. Woldemaras unterhielt sich mit den jüdischen Delegierten über die . Lage der Juden in Litauen und " sprach sein Bedauern über die antijüdischen Exzesse in den Kownder Vorstädten Slabadan und Sancain am 1. und 2. August aus. , Der Ministerpräsident Woldemara^ ersuchte die jüdischen Delegierten, ihn zur Forts'ef^urig der begonnenen Be«' sprechungen wieder, zu besuchen. Die jüdischen Delegierten aus Amerika hielten eine Beratung mit den Leitern von 35. jüdischen Organisationen Litauens ab. Es. wurde die kulturelle und soziale Lage der litauischen Juden besprochen. Die Schilderungen der Ver* treter der Juden in Litauen machten auf die amerikani« sehen Gäste einen sehr deprimierenden Ein« druck. ,,; ,; : : ■, , Die litauische Militär zensur hat die letzten: >|ummem der großen Rigaer jüdischen Tages« zeitung - „Frimorgn", die Aufsätze,, von W. L a t z k y* Bart holdi über die Pogrome in Kowno enthielten, in den Postämtern beschlagnahmt und zum Teil nach Riga zurückgeschickt.. Das Organ des Ministerpräsidenten setzt eile ''' Heucheleien fort. Das Organ. der litauischen Regierung „L i e t u w a s Aidas" nimmt:zum zweiten Male Stellung zu dem Po* grom in Slabadan (Slabodka) und .'gibt .diesmal offen zu, daß die Regierungsbeamten nicht nur die'Huligans gewähren ließen, sondern ^auch direkt an den Uebeis fällen auf die Juden teilgenommen haben. . Das offizielle Regierungsblatt schreibt u. a.: „Es hat sich herausgestellt, daß an den Exzessen, sogar Regierungs» agenten teilgenommen haben, die, statt den Banditen ent« gegenzutreten, mit diesen. Brüderschaft geschlossen haben. Aus dieser Tatsache ist zu ersehen,, daß der Bürgerschutz*Apparat in manchen Orten noch nicht auf der wünschenswerten Höhe ist. Im Zusammenhang mit diesen. Fehlern des Apparates hat sich der Direktor desBürgerschutideparte« ments vom Amte zurückgezpgen." Die Zeitung ftigt hinzu, in Litauen sei kein Platz für Antisemitismus; die litauischen Juden seien loyal und patriotisch gesinnt, und es sei Pflicht der Regierung^ die Schuldigen an Ex« zössen gegen Juden strenge zu bestrafen, In jüdischen Kreisen hat diese, späte Reue keinen besonderen Eindruck gemacht, da, man weiß, daß der Artikel, zu dem Zweoke geschrieben worden ist, dje ge« genwärtig in Litauen We ende Abordnung d»*r Föderation litauischer Juden in Amerika, die' sich eingehend mit den Geschehnissen in Slabodka befaßt hat, zu beschwichtigen;?|^fu^bem)fi9h^t,, da^e es bei diesem, Artikel sein Bewenden h|J*n wjrd^ejfc V' ^' „ ii S\ \; V1; t , bis heute ist noch kein an den Exzessen Schuldiger / ,k der Strafe zugeführt worden. U|$?olizi|ten, ^ie aktiv an den Pogromen in Slabadan ui^^fii^inlbvta: 'Chrten...' teilgenommen haben, versehen ihren £M.sn,|M«,#Pn-g».wokn.ten PHtzen, Per Als Fest für die Dame und tonangebende Richtlinie für die Herbst- und Wintermode findet im Rahmen künstlerischer Darbietuno en am 5. September 1929, V28 Uhr abends Im großen Konzerthaussaal die grandiose Modenrevue des Modenpalais Julius Krupnik VII. Kaiserstrasse 115 statt. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Karte, die nur an unseren Kassen erhältlich sind zur Demission gezwungene Direktor des Polizeideparte* ments der Regierung, S t a s c h k e w i t s c h, ist ein Prügel« knabe. Die Pogrome wurden, Während er auf Urlaub war, durchgeführt. Flucht der Juden aus Südarabien. Aus Aden, 21. August, meldet die J. Tf A.: Fast täglich treffen in Aden größere Scharen jüdischer Flüchtlinge aus dem Yemen ein, die erzählen, daß sich die Lage der Juden im Yemen unter der Hern schaft des Imams Jahija von Tag zu Tag verschlech« tert; die Behörden üben einen Druck dahin aus, daß die Juden zum Islam übertreten. Juden werden gezwungen, „trefe" (rituell verbotene) Nahrung zu sich zu nehmen. Ein erwachsenes jüdisches Mädchen, eine Waise, sollte mit einem Juden getraut werden. Im letzten Augenblick wurde die Braut auf Grund des Gesetzes, daß Waisen« kinder unter Obhut der Behörden stehen, weggeholt, damit man sie zum Islam bekehrt. Die flüchtenden Juden des Yemen lassen ihre ganze Habe zurück. Sie sind;in Aden in großer Zahl versam* melt, befinden sich aber wirtschaftlich in so elender Lage, daß sie betteln müssen. Ihre einzige Hof fnung ist Palästina, ihr ganzes Bemühen ist darauf gerichtet, die Einreiseerlaubnis nach Palästina zu bekommen. (Be* kanntlich hat der 16. Zionistenkongreß u. a. auch eine Protestresolution gegen die Verfolgung der Juden im Yemen angenommen.)' Vereinigung der zionistisch«demokratischen Jugend, Wien. Sonntag, den }. September 1. J. im ZentralkeUer, IL, Taborstraße 8, Uni 10 Uhr vormittags große Jugend« Versammlung über die Vorgänge in Palästina, bei der Dr. Leopold Plaschkes, Oberbaurat Irtg. Robert Stricker, Dr. Samonsky und Hans Kolb sprechen werden, Die Oesterreichisch«Französische Handelskammer, Wien, L, Burgring 1, teilt uns mit, daß die für den 5. Oktober angesetzte kaufmännische Gesellschaftsreise Wien—Paris—Wien, für welche noch Anmeldungen ent« gegengenomrnen werden, mit Rücksicht auf die j ü d i* sehen Feiertage auf den 6. Oktober verschoben wurde. Die Abfahrt findet demnach erst am 6, Oktober abends um 19.50 Uhr statt. Wochen-Kalender August 1929 UN tf'ain Aw 5689 30 Freitag 24--D . . Sabbateingang 6.10 31 Samstag 25-ro Sabbatansgang 7.13 ■ mvo my nniscn rwn 1 /Sonntag 26-p 2 Montag. 27-D •: c •■ '' 3 Dienstag - '. i : 4 Mittwoch l»p 3*> 5 Donnerstag 30~b '« dv »in mi I