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Die neue Welt · 1929-08-30 · Heft 102 (30.8.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 102 (30.8.1929)
Date
1929-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT iödischen Siedl ungswerfces und von fanattsierten Führern aufgestachelt, machten sie bisweilen ihrem Ummut durch verwegene Angriffe Luft." Das Blatt wendet sich gegen die Tatsache, daß gerade in der letzten Zeit den Mohammedanern erlaubt wurde» verschiedene Bauten an der Klagemauer zu errichten . . . „An der Balfour-DeiklaratiOJl kann »iolTt mehr gerüttelt werden, denn auf dem Wege, den sie gewiesen hat, gibt es kein Zurück. Nie und nimmer hätte deshalb geduldet werden diörfen, daß die Araber systematisch irregeleitet werden, daß man ihnen einerseits Gefahren einredete,- die für sie nicht bestehen, und daß man sie andererseits überjdie Kraft und Dauer der britischen Mandarspototrk täuschte v. . Nun sieht man in London die unheilvollen Versäumnisse ein. Die Klagemauer, die Jahrhunderten getrotzt hat. wird auch die Araiberstürme überdauern . , . In Palästina steht aber auch das Ansehen des hTitisohen Weltreiches auf dem Spiel. §edismidz-wa.mi<g Tote sind eine" schwere Anklage." Im „Neuen Wiener Tagblatt" gibt Sefotioiwrat a. D. Dr. Erich Veidl einen sachlichen Ueberblick über Englands MandatspoHtlk, weist auf die Bedeutung Palästinas für England nach dessen unvermeidöichem Positionsverlust in Aegypten hin und nach einer Besprechung der großartigen Kolonisationsaiibeit durch die Juden schließt er unit den Worten: „Die nächsten Maßnahmen Englands werden diie Richtlinien seiner wirfoliahen Kolonialpolitik zeigen: Palästina ist ein Angelpunkt des britischen Empire geworden." . '. Die .^denspost", da®, christldchsoziaile- Organ derös<terroicihisohen Regierungspartei, wärmt das verleumderische Märchen vom Plan auf, den Tempel Salomes wiederherzustellen, wodurch die Omar-Moschee fallen mußte. Sie findet die „arabischen . Beiürchtungen" gerechtfertigt, meint, daß 2000 Jahre kein historisches Anrecht auf ein Land geben und daß das jüdische Kdonisationstempo geeignet ist, die Araber zur Minorität zu machen. Gehässiger noch als;dlie „Reiohspost" geibärdet sich das volkstümliche Braderorgain der Wiener „Arbeiter- Zeitung", das sozialdemokratische „Kleine Blatt", das von relig Ions fanatischen Juden (!) spricht und vom englischen Bürgertum, das aus: gewichtigen Gründen die monistische Bewegung unterstützt, weil diese ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht gegen die nationale Bewegung der Arjäber darstelle. Das Blatt schließt angesichts so vieler Toten, die für die jüdische Freiheit gefallen, sind, mit den .höhnischen Worten:, „Hunderte gaiLizischer, polnischer und russischer Juden, die vor dem osteuropäischen Pogromtod nach Palästina flohen, müssen nun vor dem arabischen Pogrom zittern. . . ." So malt ein sozialdemokratisches Organ dem österreichischen Proletariat den Kampf eines Volkes um seine Ehre und Existenz, im Gegensatz zum ■ Zentralorgan der -reichsdeuteohen Sozialdemokratie „Vorwärts", der die arabischen Angreifer mit dem richtigen Wort „Arabische ' Pogrombanditen" bezeichnet. Den politischen Rahmen der ■ palästinensischen Ereignisse umspannt die Wiener „V o 1 k s z e i t u n g", -die nach einer Darstellung der jüdisch^nationalen Ziele zu' folgendem Resümee gelangt: „Die Riickwirfcung der; Mac-' dlonaldschen und Hendersonsdhen Politik' in Aegypten auf die palästinensischen Arbeiter gibt' dein Bürgerkriege im Heiligen Lande das ei«entliehe politische Relief; Die erste große Tat der englischen Arbeiterregierung, nämlich die UnabhängigsteWung Aegyptens, erweist sich als Fehlgriff, izwnäcihst auf palästinensischem Boden. Die immerhin beträchtliche Minderheit.der 170.000 Judien, die beinahe. ein Viertel der Bevölkerung ausmachen und von den Arabern gewöhnlich afe Fremde angesehen werden, kommt in Bedrängnis. Man macht England Vorstellungen, weil es entgegen seiner Manidlatsaufgabe nicht genügend für Wohl uind Wehe dieser jüdischen1 Minderheit gesorgt hat, und diese besorgten1 Anfragen an das Londoner Außenlind Kolonialamt sind, gewiß nicht dazu angetan, Großbritanmiens Ansehen in der Welt zu erhöhen." Die italienische Presse greift die englische Politik in Palästina scharf an, wo die durch, die unglückseligen Friedensverträge^ geschaffene Lage zu diesen Zusammenstößen führen mußte. Die offiziöse „Tr ihu h a" betont,der Faschismus sei nicht antisemitisch md s p r.e che de shalb dem Zdonis mu s. s ein ti ef es -Bel'ieid für die blutigen Opfer der letzten ta g \ au s. .Das Blatt des Vatikans, „Osservatore Romano",verfolgt mit großem Interesse die Ereignisse in Jerusalem, ohne jedoch diazu Stellung zu nehmen. Eine Stimme aus dem Grabe, In einem in der „Neuen Welt" vpm 2. August ver» off entlichten Aufsatz „Die Enttäuschung — John Chan» cellor" hat der bekannte hebräische Publizist Professor Sch. Ts'chernowitz, dessen kürzlich erfolgte Ab* leben den Zionistenkongreß zu einer Trauerkundgebung veranlaßte, von den Folgen des falschen englischen Kolo« nialsystems gewarnt. Ueber die Klagemauerfrage schrieb er: Ungeachtet des Proteststurmes der jüdischen Welt gegen die Beleidigung an dem nun berühmt gewordenen' Jörn Kippur des Vorjahres, eine Beleidigung, die auch der Völkerbund als solche anerkannt hat, vollziehen sich an der Klagemauer permanent und alltäglich freche Trotz* Provokationen von seiten der Araber rjnit der stillen Ge* nehmigung der Regierung. Uns erlaubt man nicht einmal die Aufstellung einer Zelttuch * Scheidewand wegen des „heiligen" Status quo. Und sie, die Araber, bauen «in neues „Medjed" bei der Klagemauer und legen einen Weg vom Omer*Medjed (Omar*Moschee) direkt zur Klage* nauer, um uns vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Regierung schweigt tr *z all unserer Proteste. Warnend wandte er sich gegen das indolente Ver# halten der Regierungskommissäre und schloß nach einer Äriführuhg bezeichnender Fakten: Alle Kommissäre von Herbert Samuel bis John Chancelior, gehen den Weg des passiven Verhaltens zu allem, was hier geschieht; die einen wortlos, die anderen, wie Charicellor, mit Lobgesängen für unsere Arbeit. Wird es jetzt nach der Niederlage der Konservativen besser werden? Werden jetzt vielleicht die Arbeiterführer vom Schlage Wedgewoods, die im englischen Parlament eine Rolle spielen werden, auf den Gang der Arbeit Wirkung üben? Auf den toten Apparat der Paläatinaregierung, die IlBWHUWilWIHI mmpM In liebevolle Pflüge wird Bub oder Mädchen von 10 bis 12 Jahren angenommen, bei Moses, Wien, Vfl., Kaiser« straße 8/44 zwischen den Versprechungen an die Juden und den ara« bischen Intrigen und antisemitischen Beamten hin und her agiert?! Ich glaube, daß der Zionistenkongreß in Zürioli darüber ein Wort zu sprechen hätte. t Die Versammlung des Verbandes demokratischer Zionisten. Bericht Robert Strickers. Kundgebung für die Märtyrer in Jerusalem. — Öer Wert der erweiterten Agency. -» Die wichtigsten Probleme des 16. Kongresses..—? Das Programm der Demokraten. — Schlußwort Dr. Plaschkes'. Wien, 24. August.- Der Beginn der Vefmammtaig, ja der garoze Abend stamd: umter diam Eindruck der tragischen Ereignisse, dieaus Jerusalem gemeldet worden waren. Der Vorsitzende Dr. Leopold PLaschkes widmete Worte tiefsten Sclhmenzes und ergreifender Trafaefr, allen denen, die in Jerusalem für .die große jüdische j||$e--. gefallen simd, besonders dem Heldentod der iWs|fön' Jugend in Erez Israel. Die Versammelten erhoibeh'Sich:; zum Zeichen der Trauer, worauf nach einer-Pause dei, Gedenikens Oberbaurat Robert Stricker als Delegierter "dler Wiener demokratischen Zionisten das Referat über, den 16. Zionisten* kongreß in Zürich erstattete. '.Robert Stricker 'hob zunächst äaMäRrobleme hervor, dle"> den Kongreß : beherrschten: D i e La g e ander Klagemäuer iunddie Erweiiteiruing-der Jewdiish ...' ". . ■ » '■ Ag e-nc y. ..... Die Angelegenheit der Klagemauer, führte Stricker aus, ist In ein Stadium getreteiij dessen Bedeu^ijng vom Kongreß nicht in seiner ganzen Tiefe und rGrgße erfaßt wurde. Es handelt sich nicht darum, darüber zu debattleren, ob gewisse Verpflichtungen der,. Mandatarmacht,wie Zuteilung von 'Staaifsibdeivien^^iioksichtlgung jüdischer Arbeiter bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten, Interesse für das Schulwerk, erfüllt werden; wirtschaftliche und/ politische^ Forderungen können Gegenstand von Mei%ungsverscbledenheiteti . sein. Aber In Angelegenheit der Klagemauer tritt unser Verhältnis zur Mandatarmacht unä zur arabischen Bevölkerung In aller^Schärfe hervoivIn der Angelegenheit v der Klagemauer ist nicht etwa eine Vernachlässigung :;: der jüdischen und zionistischen Rechte zu sehen, viel-i, mehr ist sie eine IProyokatlon der Juden, die sich früher nie hätte ereignen können, nicht einmal in der Zeit der >■# Türkenherrschaft. v Als wir demokratischen Zionisten äan März dieses? Jaihres Erez Israel besucihben, hörten wiir von unseren palästinensischenVFrcuniden das förcihterHcIhe Wort: „Wir sind im GolusV? , , , : ' •<.. ■ :\,^.f,. . Heute erikennen ms klar, daßdießes Wort keine .Uebertreübung war. Aber wir eiikennen^iiocih etwas, näimlicih die, Tatsache, däß wir selbst nicht frei voniScbuld. a n dies er! Si i u a t ion sin 4, Trotiz unserer großQPV Organisation, trotz unserer Stützpunkte im Palästina, trotz-* dem aber Pa/lästiiia bei offenen Fenstern verbanden, wird, haben wir n^t getam, was z>u tun Ist, zu $>pneohiem zu denen, die wie wir das große Ziel und) nidit das klejine .an^ streben; niohvt 'die Politik der PWlantihropie, sondern des Jüdenstaates wünschen, die all-ein den Aufbau Palästinas gewährleistet! - -; . Zum Glücik , halben wir in Palästina Merisetoen^ dfie, nur von dem einen Gedanken beseeft sind, das Gesohaifene gegen jeden Angriff zu sohiit'zen, ohpe d^Aim theore'tiscih'e Debatten zu Mipnwrn. , . < Unsere Jugend. In Palästina Ist aufgestanden und hat gezeigt, daß die Zelt der Diskussionen ein anderes Gesicht bekommen hat. Wir sind ihr zh tiefstem Dank verpflichtet. Sie hat getan, was wir bisher nicht zustande gebracht haj>en. Sie hat unsere Sache in den Mittelpunkt der Wejtdlskusslon gestellt und bei dieser Diskussion werden %lr nicht den kürzeren ziehen, sondern diejenigen, die gegen uns aufgestanden sind." l"\ . : '.(großer Beifall.) ,. Strick^.besprl^jt im wei-teren Verlaufe die;Absendung einer Delegation «adh London (vom Züricher Kongreß), die zwar ^vom Vertreter des eniglisahen ünterstaaleseikretärs hwiidMtih e«ipfa»gen wurde, aber aus dem Muuid© des Uwtersta^itss^kretär« 'keinwlei posi'riven Besohj^M erhielt, sonderu ^'^^bstätidise. Fuinktton der Paiäs#n£* regieruittg vwwejen iwwdie. Die Autwort w fo„ kär§14c4» und ausweichend, daß man sie nleiht' einmal denl K o n g r e ß. m i t <t ei 11 e. Verglelclht man t dfe' Antwort, welohe dße Delegierten des jildiiscihen, Voiksparla'ments, bekommen haben, mit derjenigen, die die Jüdische Jugendh delegation von der Palästinariegieruing ediidt, als säe die Entfernung des antiiziionls-täselheri Beamten verlangte, sieht ■man Mar den Unterschied!: Die Palästiuairegieru.ng fühlte sich gezwungen, das Memorandum umserer jiidise/hen Jugend .»ach;. I^ridon^.wel'te'^zuifelten und Abhilfe zu verspreohen. Man sieht, wie wlch/tig das Vertrauen unserer jüdisclhen Jugend int Palästini^ f§ty;jdlle unser Recht als Menschen und Juden sahüitzt und der der berdiöhste Dank 'für ffiwe mann-* hafte Tat gelbütort- Main, muß «loht annielhmen, daß die Vor^ gänge in ■ Palästina der Tendenz der englischen Regierung unidi des englischen Volikes entspreohen. Aber es wurden Beamte, Leute mindierer Ouailität, nach Palästina gesohldk*, in der Voraussetzung, daß dort die Zionistische Organn'sa-! tion mach deim Reohten sehen wird. Unsere jüdisohe Jugend enkkjrtej'daß siy'sich'auf dliese nieiht verlasse und die Ereignisse' halben Mit recihtgegeben. Bezügillcih der t J. Erweiterung der Jewish Agency erklärt : .Robert | Stricker, daß seine Gruppe bis zum letzten Augenblick j gegen sie gekämpft habe, jetzt aber, nachdem sie! Wirklichkeit geworden sei, mitgehe. Der Kampf I richtete sich nicht gegen die Nichtzionisten, die an der . zionistischen Sache mitarbeiten wollen, sondern gegen 1 den Geist, der zur Erweiterung geführt hat. Und beute wieder kämpft die demokratische (radikale) Gruppe daruim, dlaß der Geist des Zionismus ein zionistisclher bleibe. In diesem Kampfe, dessen' Notwendigkeit von vielen erkannt wurde, hat Strickers Gruppe beim Kongreß zwar keine Majorität, aber eine ausehkiclie Minorität auf Jitorer"Seite getobt. Unleugbar hat die Zähigkeit und Energie Weiz-. cm an ns die Erweiterung der Agency in einer Form ge- ^cttiaffen, die nach außen hin repräsentativ "winkt und nach ilroneij ©ine gewisse Stärke aufweist. Auf jeden Fall bedeutet djer Eintritt ,der amerikanischen Gruppe unter Führung jarshal I s,;eine Stärkung dies Aufbauwerkes, zumal an 'ar^hali&s gutem Wiillen und ehfHöhem Streben nicht zu zwieJifelin-ist, womit mam mit einer Verstärkung der z4omisf iscih en Position in Arne rika tec'hnen kann. Hlinigegen ist dieses Resultat In bezug auf Europa nicht-; vorhanden« *Das ö s t e r r e i c h i s c;'h> e Intermezzo läßt. vd'el Skepsis offen, auch in P o l e n ist. nichts rechtes zustaaildÄgekommen. Deutschland bietet nur eine s<Shein?|i{re. Ausnahme, da man wohl eimen'so wertvollen Mann wie Oskar Wassermann schwerlich als! Nichtzionisten bkzeichuVh. kann. "Die ungarischen und rumäniscj>,«n Ver*reter bemützten das Forum der Agency, um Wer ihre lajid^piartdlicheai Suppen zu kochen. ' Mit«, besjondearer Betrübnis ist zu konstatieren (wJe diies.aiudh an d^m jüngst In Wl<en abgehdtenen Referat dieis Delegierten'.. Golö||^ zu erse/hen war), daß sich das GefÜTM. der Verant^Äiig in allen wichtige^ Fragen durch die Agency-ErwelTOriMig - vermimidiert hat, währiend gerade jetzt unsere z 1 o n f^t^s o h e Verantwortung eine größere Kaufman 8» Jahre alt. schwiBtojßcher Staatsangehöriger (frUher Oesterrdchert, BesultiraripfB eoild fundierten und progperlereoden - GeschSftfj der Textilbranche, mit größerem Vertaögeh unf hohem Einkommen wünscht mit febenetuchtTger pame-,in ^|wech«el zu treten behufe Heirat',- ■', ., ■ ^l-'- ^^m»^ß^&ss wfaÄ Ä^JSSS1**« "ianvon ca. 15 bis f ^^Jällle 8cblilfng ist erwOwicht. QeH. klarorientierende Mitteilungen tnlt. neuerem Photo an Eo?tl»oerkorte, Nr. 283, ZUrloh 3 (Schwel») Fll. Sefdenga*««, e/beten. Vermittlung "™mm*miämp*mi m /

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