Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 102 DIE NEUE WELT Seite^l H für Eure studierenden Kinder im 1 | Aniquariat HERMANN TUCHNER I | Wien II, Große Stadtgutg. 7 I | (Ecke Taborstr. 52) 1 { Telephon R-41-4-20 | I Sehr mäßige Preise. Verzeichnisse umsonst. I | Größtes Lager antiquarischer Bücher | BfiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuifiiiiiifitiiiiuiittiiiiiiititiS Stätte, die den Juden als das Heiligste gilt — an der Klagemauer — verbrannt wurden. Zionistische Abordnungen bei Luke. Eine Abordnung, bestehend aus Mitgliedern der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und des Ober« rabbinats, wurde vom stellvertretenden Obefkommissar, H. C. Luke, empfangen. Die Abordnung überreichte Herrn Luke ein Memorandum, in welchem gegen d:e Haltung der Regierung während der letzten Zwischenfälle an der Klagemauer protestiert wird. Die Mitglieder der Abordnung erklären, das von der Regierung erlassene Communique sei in der Mitteilung der Tatsachen „uu* genau" und in der Schlußfolgerung „ungenügend". Gegen die Regierung wird der Tadel ausgesprochen, daß sie die arabischen Demonstranten nicht daran gehindert habe, sich auf dem Platze an der Mauer zu versammeln. Die Mitglieder der Abordnung teilten Herrn Luke mit, daß auch während des jüdischen Gottesdienstes an der Mauer am Sabbat«Morgen Massen von Arabern durch den neu hergestellen Durchgang an der Mauer den Platz be* treten haben. Die Abordnung forderte die Regierung auf, die Schuldigen streng zu bestrafen. Der Beginn der Unruhen. liert, ein Zögling mißhandelt. Ein 60 Jahre alter Mann Aurele ' durch'' Stöckschläge erheblich verletzt. Am Die Ermordung eines bucharischen Juden. — Am 17. August wurde im Viertel der bucharischen Juden ein 19jähriger Bursche namens Misrachi, der ruhig seines Weges ging, von einem Araber niedergestochen. Der Mörder wurde nicht eruiert. Der junge Mann starb haoh tagolangem Leiden. Sein Begräbnis fand am Mittwoch vormittag statt. Sämtliche jüdischen Laden in Jerusalem waren zum Zeichen der Trauer geschlossen, mehr als 3000 Personen schritten hinter dem Sarg. Am Jaffa-Tor erwartete ein Polizei-Detachement den Trauerzug, versperrte ihm den Hauptweg und zwang ihn, in einen Seitenweg einzubiegen. Die Polizei gab vor, daß diese Maßnahme notwendig sei, um einen Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden zu vermeiden. Angesichts des riesigen Zuges ließ sich die Maßnahme nicht reibungslos durchführen. Die Polizei hieb auf die Menge ein. 21 Juden wurden geschlagen drei von ihnen trugen erhebliche Verletzungen davon. Im Verlauf des Mittwoch wurden in verschiedenen Teilen der Altstadt,Juden von Arabemüberf allen. Vor einer Schule in der Altstadt wurden jüdische Schulmädchen von einem aus Yenieh stammenden P o 1 izisten mit einem Stock geschlagen. Das Haus des Jeschiwah „Thoräth Chajim" wurde mit Steinen bombar- ,„r).ni .. .. wurde durch Stöcksclüäge Abend würde in der Nähe des Nablus-Tores ein Jude überfallen und durch Mißhandlungen erheblich verletzt. Jüdische Arbeiter, die sich auf Fahrrädern zur Universität begaben, wo sie beschäftigt sind, wurden durch arabische Schafhirten angegriffen. Unter den Juden, die bei der Begräbnisfeier des getöteten Buchara-Juden durch die Polizei verletzt wurden, befinden sich Rabbi B e r m a n, Inspektor der Misrachi-Schule und Herr Braudo. Beide sind Beamte der Zionistischen Exekutive. Unter den Verletzten befinden sich außerdem zwei Juden, die über 60 Jahre alt sind. Agitatoren verbreiteten unter den Arabern Gerüchte, daß die Juden die Angriffe auf die Araber eröffnet haben und die Klagemauer wie die Omar- Mo s c h e e er o b e r n wollen. Diese Straßenszenen wiederholten sich immer .wieder, bis dann am 23. August die große Katastrophe eintrat. Schon in der Nacht auf den 22. August zogen Hunderte Araber aus der Gegend um Jerusalem gegen die ,von Juden bewohnte Vorstadt Yemin Moshi. Nach Mitternacht begann der Angriff auf die Vorstadt. Die Polizei, die rechtzeitig von dem beabsichtigten arabischen Angriff benachrichtigt worden war, erschien überraschend in der Vorstadt. Die Araber ergriffen die Flucht, es konnte keiner von ihnen festgenommen werden. Der über SO Jahre alte Jude;Abraham Rosenbaum, ein amerikanischer Staatsbürger, wurde auf dem [Wege zur Klagemauer, wo er das Mincha-Gebet verrichten wollte, von Arabern brutal mißhandelt. Eine j üdische Pflegerin, die sich zu ihrer Arbeitsstelle im Krankenhaus in der Altstadt begeben wollte, wurde, gerade als sie im Begriffe war, die Altstadt zu betreten, von Arabern roh * mißhandelt. In der Jaffa-Straße, der Hauptstraße von Jerusalem, wurde ein Jude von mehreren Arabern überfallen und schwer mißhandelt. In dem Stadtviertel Talpioth veranstalteten junge Araber; eine Hetzjagd auf einen jüdischen Mann und versetzten ihm, als sie ihn erreichten, mehrere Messerstiche. Der 25. August. Der 23. August war der erste schwarze Tag., Als Resultat 'der seit'Tagen von Agitatoren in ,den, Jerusalemer Moscheen und in den .Pprfern der Jerusalemer Umgegend betriebenen Hetze und der Ausstreuung der. Legende, daß die Juden die Besitznahme der Klageniauer und der Omar-Moschee,durch^ Gewaltanwendung; planen, hatten sich im Verjauf des Freitag große Mengen Araber, die starken Zuzug aus der Umgebung Jerusalems er-, hielten, zu einem Angriff auf die jüdischen Viertel gesammelt. Die Polizei sprengt einen jüdischen Leichenzug Wahrscheinlich wurde der Freitag als Tag des Angriffes gewählt, weil am Freitag Abend der Hauptgottesdienst der Judenschaft an der Klagemauer stattfindet. Die Juden setzten sich beim Herannahen der Araber zur Wehr, auch die Polizei zeigte sich bemüht, den An stürm der Araber abzuwehren. Es kam zu einem schweren Kampf zwischen Arabern und Juden, der zwei Stunden andauerte. Auf der Seite der Araber zählt man drei Tote, drei weitere Araber wurden so schwer verletzt, daß sie mit dem Tode ringen. 107 Ver wundete, unter ihnen 16 Schwer verwundete, werden auf beiden Seiten gezählt. Unter den Verwundeten sind der bekannte hebräische politische Schriftsteller Ben A v i, früher Chefredakteur des „Doar Hayom", jetzt Redak teur des „Palestine Weekly", Sohn des berühmten hebrä- 10 Blatt Papier llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllKtMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII 10 gute Bilder iniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiii; erzielen Sie mit UNIVERSAL! Ein Versuch wird es beweisen! Lehrreiche Broschüre kostenlos •"" " .durch: A.-G. Repräsentanz in Wien: VI., Webgasse 2 a ischen Sprachforschers Ben Jehuda (Verfasser des im Verlag Langenscheidt, Berlin, erscheinenden Monumentalwerkes „Thesaurus Ben Jehuda"), sowie der Korrespondent der „Vossischen Zeitung" und der „Neuen Freien Presse" Dr. Wolfgang von. Weisl. Dr. v. Weisl erhielt hinterrücks einen Messerstich in die Schulter. Seine Verletzung ist schwer, sein Zustand aber nicht bedenklich. Einem sehr großen Aufgebot an Polizei war es schließlich gelungen, die Kämpfenden zu trennen. Sämtliche Läden und Büros wurden geschlossen. Hunderte Polizisten, sowie Panzerautos durchstreiften die Straßen. In Jaffa versuchten die Araber ebenfalls zu demonstrieren, doch griff die Polizei rechtzeitig ein und zerstreute die Menge. In anderen Städten Palästinas herrscht große Erregung, da man auch dort ein gewaltsames Vorgehen der Araber fürchtet. Bei diesen Zusammenstößen in Jerusalem wurden 107 Personen verletzt, 9 Juden und 2 Araber getötet. Am Abend wiederholten sich die Ueberfälle. 21 Juden wurden hiebei getötet, drei Juden starben im Spital. Die Araber hatten über 30 Tote. Der deutsche Ingenieur Neumanu wurde schwer verletzt. Auf Verfügung der Regierung mußten die jüdischen Toten am Sonntag früh in aller Stille. bestattet •werden) Es sind cjies dje folgenden Cefaljteneh:.Nachraan S.e g a L Frau H&naaK'S o n j s c h.w e Tl. i, Elija S a s.s o n, die. Brüder Josef, und Jehuda Rothenberg, Mosclie ,T a b u r i, Schalbm S c h w; i Ii; ' Mordechai; B e n. M en a;s c.h-e, t Mosche B r an de s> Schaloni. B e n Sal e n,, Meir A p e 1 b a u m, Benzion D1 m a n s t e i n, W o h 1- .m a nn, B e:n Sc.h im o n und zwei,(andere, -Pje Tpjen . "wurden in der Nähe des Grabes von Ben Yehuda bestattet. SivUtfr* Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Der jüdische Polizeisergeant Norska wurde, als er mit anderen Polizisten die jüdische Kolonie „Bäjit wegan" gegen Angriffe der Araber verteidigte, getötet. Die Regierung gibt bekannt, daß bei den Kämpfen der Inspektor für Einwanderung, Herr Best, ein englischer Christ, getötet worden ist. Inspektor Best galt als einer der vornehmsten Beamten der Palästjnaregierung. Der Lage der Juden brachte er stets Verständnis entgegen. Kämpfe bei Tel-Awiw und Nahalal. Jerusalem, 25. August. (J. T.-A.) Am Sonntag nachmittags versuchten die Araber eine Attacke auf Tc 1 -Awiw. Sie wurde zurückgeschlagen.,Dabei wurden 13 Juden, 5 von ihnen schwer, verletzt. Die Verluste der Araber sind unbekannt. Bei dem Angriff auf die jüdische Kwuzah Nahalal, der zurückgewiesen wurde, wurden mehrere Juden, die> die Kolonie verteidigten, verletzt. Am Sonntag, 6 Uhr abends, dauerte der Kampf bei Nahalal fort. Panik in London. Verspätete Einsicht. Aus London, 24. August, wurde gemeldet: In den Ministerien des Aeüßern, der Marine und des Krieges herrschte wegen der ernsten Lage in Jerusalem eine geradezu panikartige Stimmung. Zahlreiche englische Orientkenner hatten bereits seit Monaten darauf hingewiesen, daß es im Spätsommer dieses Jahres infolge der schwächlichen Haltung der Mandatsregierung wahrscheinlich zu arabischen Pogromen gegen die Juden kommen würde. Die amtlichen englischen Stellen waren also nicht \ unge warnt. " y Englische Blätter geben heute abends zu, daß die Streitkräfte in Palästina, auf die sich die Mandatsregierung verlassen könne, viel zu geringfügig seien, um dauernd die Sicherheit und Ordnung im Lande zu gewährleisten, wenn die Araber aus den Landbezirken in großer Zahl in.die Städte ziehen würden, was sie anscheinend zu tun im Begriffe sind. Die umfassenden militärischen Maß-: nahmen, die jetzt getroffen werden, nachdem es zahlreiche Tote.gegeben ha.t,,,tragen der Bedrohlichkeit der Lage reichlich spät Rechnung. , Die Regierung sah zu spät ein, daß der Streit um die Klagemauer nur den unmittelbaren Anlaß zu den Exzessen gebildet hat. Ein tieferer Grund lag darin, daß die Mandatsregierung, während die jüdische Einwanderung stark kontrolliert und zahlenmäßig außerordentlich' beschränkt wurde, seit einiger Zeit die stammweise erfolgende Einreise von Arabern gestattete, die aus' dem Hedschasgebiet vertrieben worden waren. Nicht nur Zionisten, sondern auch andere englische und neutrale Orientkenner warnten die Regierung des Mandatsgebietes und die Londoner Zentralregierung vor einer kritiklosen und zahlenmäßig unbeschränkten Aufnahme dieser Elemente, welche die öffentliche Sicherheit stark gefährden müsse. Die in Palästina ansässigen t Araber, die sich mit der zionistischen Einwanderung bereits einigermaßen abgefunden hatten, wurden durch diese viel kampflustigeren und weniger seßhaften Elemente aufs neue zu einer aggressiven antijüdischen Haltung aufgestachelt. Chauvinistische arabische Kreise konnten so die ungeklärten Rechtsverhältnisse an der Klagemauer dazu benützen, die Gegensätze zum Aeußersten zu treiben. Das passive Verhalten der englischen Lokalbehörden trat den Agitationen nicht rechtzeitig entgegen und ließ sie dadurch immer größer und stärker werden. Im übrigen hatte die Einwanderung von etwa 60 00 kampflustigen Arabern aus den Küstenländern auf jüdischer Seite Anlaß zur Gründung von Hei matsch u t ^Organisationen gegeben. Truppenverstärkungen. Eine Erklärung des Koloninlamtcs. London, 26. August. Nach amtlichen englischen Meldungen ist aus Kairo ein weiteres Infanteriebataillon, ein Flugzeuggeschwader und eine Abteilung Tauks nach Jerusalem entsandt worden. In Malta sind ein Schlachtschiff, ein Flugzeugmutterschiff mit zahlreichen Flugzeugen sowie vier Torpedobootzerstörer für die Ausreise nach Palästina fertiggemacht worden. Das zweite Bataillon des Staffordshire-Regiments hat Befehl erhalten» von Malta nach Palästina abzugehen. Das Kolon i a 1 a m t veröffentlicht einen Bericht des stellvertretenden Oberkommissärs für Palästina über die Lage am Sonntag morgen, in dem es heißt: In der Altstadt von Jerusalem herrschte Ruhe, aber in den n.euen Vierteln fielen gelegentlich Schüsse und es kamen F ä 11 e von Brandstiftung vor. In den jüdischen Stadtvierteln und Vorstädten von Jerusalem ereigneten sieh noch Plünderungen und Gewalttätigkeiten. Die jüdische Gartenstadt Talpioth, nahe dgr 1 Eisenbahnstation, ist von den Einwohnern zeitweilig geräumt worden»