Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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f Seite 2 DIE NEUE WELT Mr. 102 was Sie seit Jahren suchen I Ii iiniiufiiiiiHiHHiHfiiiirfrlimiHnninnfiirffiiuiffiiff Näturtreue Wiedergabe Angenehmer weicher Klang Vornehmes Aussehen In allen besseren Radiogeschäften erhaltlich IL Palästinareise 5689. Wegen der Unruhen im Lande verschoben. Die Vorbereitungen für diese vom Verbände Demo# kfatischer Zlofflaten gemeinsam mit dem Falestirie Tourihg Club in Wien veranstaltete zweite Reise nach Erez Israel :wurden zu Ende geführt und die Reise sollte Programm« gemäß affi *V43eptember 1929 von Wien aus ihren Anfang nehmen. Die angemeldeten Reiseteilnehmer waren zur Reise vollständig gerüstet und eitt Teil der auswärtigen Teilnehmer ist bereits in Wien eingetroffen, um sich hisr der Reisegesellschaft anzuschließen. Durch die traurigen Ereignisse, welche in den letzten Tagen 1« Ere* Israel eingetreten sind, sieht sich die Reiseleitung veranlaßt, den Termin der Reise zu ver« schieben und hat hievon bereits sämtliche Teilnehmer Verständigt. . Der neue Termin-wird .rechtzeitig bekanntgegeben werden. "! 1- ______ .. •" . #■;, . ■ Der Aufruhr in Seine Vorgeschichte. Die Blutbilanz kann noch nicht gezogen werden. Der Aufstand der Araber ist zu einem veritablen Krieg geworden, dem die englische Verwaltung mit sehr unzulänglichen Mitteln gegenübersteht. Kämpfe in allen Städten und in den Dörfern, Flügzeuge mit Maschinengewehren — das ganze Land steht in Flammen. Die Nachrichten überstürzen sich, erst waren es zwölf Tote, dann 25, dann 50,* schließlich 100 und 200; gegenwärtig hält man bei der Ziffer von 500. Alle Spitäler sind überfüllt. Da die Telegramme ins Ausland unter Zensur stehen und alle Tageszeitungen eingestellt sind — in Pal astina gibt es n u r jüdische Journale —, - ist der Gerüchtemacherei das Feld offen, und es mag sein, daß vieles übertrieben wird. Prüft man aber die amtlichen Meldungen, die allerdings sehr spärlich aus Jerusalem kommen, dann erhält maii den Eindruck der vollkommenen Rat- 1 b "s i g k e i t und Hilflosigkeit. Der Verwaltungsapparat hat versagt, er hat eine Schwäche gezeigt, die. im Orient höchst gefährlich ist. Die Kämpfe dauern im Augenblick, da diese Zeilen in Druck gehen, noch fort. Das ist das Einzige und leider Bestätigte, das sich jetzt sagen läßt. Einen Ueberblick über die Ereignisse kann JhairnurgeWihhenV werlri idan 'sie4 chronölbglsdi betrachtet und auf den A u s'g a n -g s! p uirk t zurückgeht. Der Beginn der Affäre ist der< Versöhn u n g s t a g des V o r j a h r e s. Jüdische Beter an der Klagemauer hatten sich Stühle und ein Holzpult mifgebradit. Arabische Anrainer beschwerten sich darüber und riefen diePolizei an. DerDiktriktsoffizier, Major K e i t h R o a c h, ein schottischer Katholik, erschien mit zehn Polizisten — die Mannschaft ist bis auf wenige Ausnahmen arabisch — und forderte die Entfernung der Stühle/ Als dies nicht sofort geschah,' ließ er einschreiten. Seine Polizisten schlugen die alten Leute mit Gummiknüttelri nieder, zerbrachen die Stühle. und beschädigten den Thoräschrein. Es ist erinnerlich, daß dieser Vorfall in der ganzen jüdischen Welt Aergernis erregte und es wurde die Frage des Besitzrechtes ventiliert. Die englische Behörde schob die Sache auf die lange Bank und erklärte, ehe keine Entscheidung da sei, müsse der Status quo aufrecht bleiben. Natürlich galt das nicht für die Araber. Der mpslimische Rat ließ auf der Mauer ein Minaret aufbauen, und just, wenn die frommen Juden ihre Gebete verrichteten, trat der Muezzin oben heraus und rief Allah an. Die Empörung der Juden wuchs immer stärker an und sie Jcam auch auf dem letzten Zionisterikongreß in Zürich zum Ausdruck. Inmitten der Debatten wurde bekannt, daß die Araber einen neuen Streich ausgeheckt hatten. Sie brachten an den Seitenflügeln der Mauer Türen an, durch welche sie während des Betens ununterbrochen hin und her gingen. Oefters trieben sie Pferde und Esel durch die schmale Gasse oder veranstalteten zur Zeit des; Gottesdienstes Trommel- und Trompetenübungen. Auf dem Kongreß kam es zu erregten Szenen; die Exekutive gab eine feierliche Protesterklärung ab, die Sitzung wurde zum Zeichen der Trauer unterbrochen. Eine 'Abordnung, bestehend aus Colonel K i s h und dem Vizebürgermeister von Jerusalem, David Yel li n, wurde im Flugzeug nach London geschickt, um im Kolonialamt diese Stimmung zu vertreten. Der Unterstaatssekretär S h a c k b u r r y empfing die beiden Herren und eröffnete ihnen, die Regierung könne von ihrem Standpunkt bezüglich des Status quo nicht abgehen. Auf die Bemerkungen der Delegation über die drohenden Gefahren, zeigte tt-t Der Status quo. der Unterstaatssekretär ein »'Telegramm, das nach Jerusalem gerichtet war und die dortige Regierung anwies, „die Lage genau zu beobachten und dib entsprechenden Maßnahmen zu treffen". Die Ereignisse haben gezeigt,. wie diese Instruktion befolgt worden ist. Die Herren Mills und. Luke, gemeinsam mit dem Polizeikommandanten Keith Roach, trifft zunächst die Schuld daran, daß die Hetze unter den Arabern bis zum Aufruhr ausreifen konnte. Dann aber muß man auch an den Oberkpmmissär Sir John Chancellor denken, der sich zu jeuer Zeit in England befunden hat. Er war früher Gouverneur in Natal in Südafrika, amtierte dort zwischen reichen Pflanzern und Zulukaffern; inmitten starker Garnisonen. Als er Nachfolger Plumers in Jerusalem wurde, widmeten ihm sämtliche zionistischen Führer Vorschußlorbeeren in Hülle lind Füllje. Sir John, wurde gesagt, ist der proviclentielle Mann, er' wird das Mandat strikte ausführen... ' Zufällig wird gerade] jetzt , in diesen dunklen Stunden das Protokoll 'der Mandatskommission des Völkerbundes bekannt, das. die. Aussagen Chancellors über die Klagemauer;ünd den Status quo enthält. Dort begründete . er sein System des Abwartens, obzwar er im Prinzip die jüdischen. Einwendungen als richtig anerkannte. Demgemäß lehntd auch die Kommission. '^t&^Döfini^ü^g" d$s Status quo als ihre Kompetenz^liberschfeitend aK Nur der holländische und der' französische Vertreter erhoben Einspruch; unc| so wurde anstatt Status quo im - Beschlüsse .{jetziger yf4ktis^cherV Zustand" gesagt. Hier ist sozusagen die politische - Grundlage für das, waä sich "dann än der Klagemauer ereignet hat und was aUs den hier folgenden Erklärungen ersichtlich ist/ " ' : "< ' :; ' . Die Ereignisse an der Klage« } ■■ . mauer. > ■: -,■ : ..- -v f •' }l V : r,\ V. -\ : Die zionistische Exekutive über die Demonstrationen« Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation gibt zu den ..Ereignissen a n der Klarem a u e r m Jerusa* lern das Folgende bekannt: " " ■ Am Tischa b'Ab (15. August) zögert jüdische junge Leute, von einer Polizeieskorte begleitet, zur Klagemauer. Dort wurde1 eine vorher in TebAwiw gefaßte Resolution verlesen, in der gegen das Versagen der Palästinaregierung in bezug auf den Schutz einer freien und ungestörten Andacht der Juden an der Klagemauer, wie sie durch das Palästinamandat garantiert ist, prote* stiert wurde. Die Polizei war während der Verlesung der Resolution zugegen; die Resolution vurde auch formell dem Chefsekretär der Regierung mitgeteilt. Die Kund* gebung verlief ohne jeden-*Zwischenfall; Diese Demon* stration, deren Veranstalter vielleicht schlecht bera.ten waren, war — auf diese Feststellung wird besonderes Gewicht gelegt,—. das Ergebnis wiederholter Provokationen von der anderen, Seite und, sie trug den Charakter eines zulässigen. Protestes gegen die Palästinarqgierung wie auch-gegen die zionisti» scheiß Autoritäten wegen ihres Versagens bei der Durch* Setzung wirk' ' Maßnahmen seitens der Regierung. Hie Demonstration war in keiner Weise als ein. Akt der Feindschaft gegen die Araber gedacht. Am, folgenden Freitag, der ein moslemischer Feiertag w»r, hat die Regierung eine arabische D--non :i stration gestaltet, obwohl vorher bekannt waf,.daß die Demonstranten »die ^Absicht hatten, zur Klagemauer zt| ziehen, woraus sich die Schlußfolgerung aufdrängen maßte» daß die Ärisicht' böStarid, eltie KoÜislön mit>cteri jüdische!* Betern hervorzurufen Und den Frieden zu stören. Die* traf auch ein, wobei die Polizei sich als unfähig erwies, den Angriff zu verhindern; das Ergebnis war, daß die jüdischen Andächtigen von de* Ändachtsstätte fliehen mußten, und der jüdische Beamte an der Mauer tätlich * angegriffen und beleidigt wurdet Viele hunderte Araber strömten aus dem Haram* oder Moschee«v.cbiet herbei, wobei sich ein Teil derselben den Durchgang durctidaskürzlich an der Mauer geöffnete Tor erzwang. Die hebräischen Gebets« und Psalmenbücher wurden zerrissen, ein' verbrannt. Reh«» giöse Dokumente, enthaltend Gebetutensilien, die in den Ritzen der Mauer untergebracht waren, wurden heraus» genommen und verbrannt. Während dieser Vorgänge hat die. Polizei nicht eine einzige Verhaftung vor» genommen. Am Samstag morgens, während die Juden zur Sabbatandacht versammelt waren, passierte ein g e» seh los sener Zug Araber den Platz vor der Mauer» wobei er das neue Tor an der Mauer als Durchgang be* nützte. Obwohl die Polizei bestrebt war, den Verkehr zu regeln, gelang es den Arabern, die jüdischen Beter zu ver* drängen und , sie in der Andacht zu stören. Erst um elf Uhr. vormittags, ' als die zionistische Exekutive neuer* dings Vorstellungen bei dem zuständigen Regierungs* beamten erhob, wurde dem Unfug dqrch die Polizei ein Ende bereitet. Das jüdische Empfinden ist durch diese Ereignisse sowie durch die aus dem Regierungscommunique hervor* gehende Tendenz, eine Analogie zu konstruieren zwischen der arabischen Demonstration, die eine Entweihung der heiligsten jüdischen Andachtsstätte tatsächlich zur Folge hatte, und der Ausübung des traditionellen Rechts der Juden, sich am Tischa b'Ab vor der Mauer zu versam* mein — mag auch eine, solche Versammlung von einem übrigens friedlichen und in Ordnung verlaufend Pro* testakt gege" die Verletzung jüdischer religiöser Rechte begleitet sein — in eine tiefe Erregung versetzt worden. Die Regierungserklärung über die arabische Demonstration. Untätigkeit der Polizei. Aus Jer,usa(l pr*^. August, meldet die J. A. T.: Die Palästinaregierunfäng? hach den Geschehnisseh an der Klagemauer ' 'am, W äll£^Freitag Abend ein " offizielles Communiquö h'erausgtts&en, 'm' welchem Mitgeteilt, 'wird: •i.V . vi :'yi ":;■<"■ •:i^"i;»':;:>{'^'"; />r?:rv r'^-'-iyf Am 15. August (Tischa b'Äb) versammelten. sich mehrere hundert" jüdische junge Leute an der Klage» mauer. Sie ließen es aber nicht bei Gebeten bewenden, sondern es wurden auch Ansprachen gehal« ten und eine Fahne, wurde gehißt. Am folgenden Tag be« gaben sich zweitausend Moslemiten von der Omar*Moschee, wo sie den Geburtstag ihres Propheten feierten, zur Klagemauer. Ein an der Mauer stehender hölzerner Tisch (gemeint ist wohl das Vorbeterpult), wurde von der Menge umgeworfen und zertrümmert. Aus den Ritzen in der Mauer wurden Schriften, die Gebete und Amulette (Cameas) enthielten, herausgenommen und verbrannt. Betende Juden wurden dabei nicht verletzt. Die Regierung, heißt es am Schluß des CommuniquSs, werde die Verstöße, die an diesen beiden Tagen an der Mauer begangen wurden, und ,rar sowohl die jüdischen Demonstrationen am Tischa b'Ab und die arabischen Ausschreitungen a m darauffolgenden Tag, zum Gegenstand einer Untersuchung machen und geg d'- ermittelten Störer der Ordnung ein Verfahren einleiten. Dieses Communiqu6 der Regierung hat unter der palästinensischen Judenheit starken Unwillen und Empörung hervorgerufen. Das Communique wird als ein Versuch, die Untätigkeit der Regierungs« organe zu bemänteln, aufgefaßt. Es ist unumstößliche Tatsache, daß zahlreiche Gebetbücher, Pralmensamm* lungen und andere Utensilien in Gegenwart der Polizei, die keinen Versuch zum Einschreiten machte, verbrannt und daß die betenden Juden überfallen und ge* schlagen wurden, wobei zwei Juden Verletzungen erhiel« ten. Die Judenschaft kann es nicht verstehen, wie die Regierungsorgane es zulassen konnten, daß die Araber in einer nach Tausenden zählenden Menge sich in ge» schlossenem Zuge von der Ömar*Moschee zur Kläger mauer begeben, Oberrabbiner Kook empfing die Vertreter der Presse und erklärte ihnen folgendes: Die Engländer sind stolz darauf, daß einer ihrer Könige die Psalmen ins Englische über tzte. Heute sollte die britische Regierung vor Scham ihr Haupt verhüllen, weil unter ihrer Herrschaft d'? selben Psalmenbücher an der 10 fftfcj fW A #B de" 3I* Auguft MO ftW um halb 9 Mhr a**a. Im Hotel Continental, finÄltC ll„ Toborstrafta Nr« 4 ^KVIIB OielgniDtti Sprechen wird u. a. Abgeordneter J, Qrüiibaum (Warschau) / Regiebeitrag 90 OroacheU