Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 102 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 Gl ^chen Vi Iii' ba v BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Pölert monatlich Zloty 2.*-, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER:ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— i Schweix und die übrigen Länder monatlich schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Üniversitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgdm 3 Freitäg, den 30. August 1929 Nr. 10% mmm : 1 x~h ,' & . / Die letzten Meldungen. F Am Dienstag, den 27. August wieder Kämpfe in Jerusalem. Jerusalem, 27. August. (Wolff.); Nach einer Ruhepause wurde heute Jerusalem wieder zum Schauplatz arabischer Angriffe. In der letzten Nacht wurden die 'Juden im Bezink Rehavia und Yemin-Mosche von ■ Arabern angegriffen. In Kastiaiia wurden heute fünf Juden getötet und viele verwundet. Eine Kolonie wurde von Arabern in Brand gesteckt. In Jaffa mußten heute Panzerwagen eingesetzt werden, als die Araber die Regierungsämter angriffen. Bei diesem Zusammenstoß wurden drei Araber: getötet und fünfundzwanzig verwundet. Ein tendenziöser |leuter-Berichtc Ruhe in Jerusalem. — Die ^amtliche* englische Agentur beschuldigt die Juden undU'hl&^Kt die Araber. ■•<.*■',■' - }■'*> ' i* Jerü,sa 1 e:m, 28. Aüg.ust£rder«f: "Sonder korres>pip n dd e^s-R e ü t e r,s,c.Ein. \:Jßri tj,r o s meldet: Es^'sin^ um a 11 e Ru'h.estörungen, die über'vereji^.elte Ausschreitungen hinausgehen/zu ver>hindern. 'Äm Freitag und Samstag war die Lage äußerst kritisch, da nur 1200 Polizisten, davon 200 britische, zur Verfügung standen. Anzeichen für eine englandfeindliche Stimmung sind nicht wahrgenommen worden. Von arabischer S e i t e; ward erklärt, der Zusammenstoß sei die unvermeidliche Folge der aggressiven Politik des immer anmaßender. werdenden Tones und der immer weiter gehenden Ansprüche d e r Zionisten gewesen. Bin öffentlicher; Tadel der furchtbaren Ausschreitungen' von Hebron ist aber von maßgebender arabischer Seite nicht erfolg t. Der Reuterkorrespondent erklärt die Unruhen aus der Psychologie des arabischen Bauern, der alles solange über sich ergehen lasse, wie es möglich sei, und dann plötzlich Amok laufe. Es handle .sich, so sagt er, um den plötzlichen Ausbruch eines' länge, aufgespeicherten, aus Eifersucht und Angst gemischten .Gefühles, das durch das Selbstbewußtsein der Zionisten noch stärker geworden sei. Die Meldung schließt: Die Straßen von Jerusalem sind nahezu menschenleer. Die meisten Läden sind geschlossen, die Privathäuser verriegeirund verbarrikadiert. Die vormaligen russischen Pilgerhäuser sind in Kasernen umgewandelt, die mit Soldaten, Polizisten und Automobilen völliges topft sind. Alle älteren Beamten , sind freiwillige Polizisten geworden; Die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln, Wasser' und Beleuchtung ist gesichert. Die Zionistische Exekutive« Lord Reading in Spezialmission nach Palästina angereist. London, 28. August. (Priv.) Die Zionistische Exekutive ist unter dem Vorsitz Dr. Weizmanns zusammengetreten. Felix Warburg hat seine Ankunft angezeigt. Marquis Reading, der ehemalige Vizekönig von Indien, hatte Sonntag abends eine zweistündige Konferenz mit'-' dem -Premierminister Macdonäld. Es verlautet, daß Marquis Reading in Sondermission nach Palästina abgereist ist. Sir Herbert Samuel ist ebenfalls nach Palästina abgereist. ' Die isolierten Kolonien. Alle Straßen gesperrt. L o n d o n, 2?. August. Die Zentrale des ~ß T. A, erhält die folgende Meldung; „Ins Innere des Landes kann man nicht kommen. AUe Wege siÄd'gesperrt."__ Frankreich schützt die Ruhe, Arabische Kundgebungen in Damaskus, Paris, 28. August. Die französischen Behörden in Syrien 'haben alle .Vorkehrungen ««tröffe^ um für \>~äig/% 'v'-^-V - v.- w-A r«- \ *-Vx.::v^ v t"» i * '\91 ^'W ^JQeiSS1^ , den Fall eihes Uebergreifens ,des arabisch-jüdischen Konfliktes gerüstet zu sein. Sofort nach Bekanntwerden der Unruhen in Palästina hat Markeminister Leygues im Einverständnis mit Briand , .einen Panzerikreuzer n a ch Beirut entsandtuinvdie dort in der Hauptsache aus zwei Torpedobooten bdstehenden Orientstreit'kräfte zu verstärken. '$1 Gestern baben -etwa; 2ö|),00 Araber die Straßen von Damaskus durchzögen, u0: i'htfe Sympathien mit den aufständischen Brüdern in Palästina zu bekunden. Die Araber demonstrierten vor dem. englischen Konsulat und vor dem von dem Vertreter des Hedsc^as bewohnten Gebäude. Das Judenviertel steht lunter militärischem Schutz. Die; Läden sind auf mebrerelTage geschlossenworden. Bisher ist es zu. Zwischenflil^i von Bedeutung im französischen Mandatsgebiet iiicht^ge'kommen. _;;<5 Der blutige ptatus qiip. —y. Das Londone|? ^ldnialamt versendet am 28. August, eine ''Erk^u^g^Vr'^erzufolge,.; die .Palästina-Regierung wiederHerr^ jder La^fe ist> - Jn deii großen Städten sei die "Ruhehergestellt, doch sei die Lage weiter andauernd sehr ernst. Man nimmt diese Mitteilung trotz des im Nachsatz sich aussprechenden Pessimismus mit einiger Hoffnung auf. Da jetzt ununterbrochen Militärkräfte eintreffen, wird es doch möglich sein, der Bewegung Herr zu werden und den Aufstand niederzuwerfen., Die Blutopfer sind ungeheuerlich und die Palastiria,- Regierung, die sich , in der Stunde der Gefahr in ihrer vollen Unzulänglichkeit und. Jämmerlichkeit bloßgestellt hat, ist für Englands Macht uiid An- ■ sehen zu einer Belastung geworden, deren sich London so rasch als nur möglich wird entledigen müssen. Fast eine Woche lang haben die Kämpfe gedauert, in denen-von Kriegshandlungen bis zur bestialischen Metzelei alles zu finden war. Der j üdische Selbstschutz, den die Regierung be-~ waffnen mußte, hat sich h e 1 d e n h a f t g e s c h 1 ag e n, hat Jerusalem und Tel-Awiw gerettet. Nur diesem Selbstschutz haben wir es zu danken, däß nicht die Blutwoge über das gesamte jüdische Siedlungswe'rk hinweggegangen ist. Denn darauf war es angelegt, und der Reuter-Korrespondent,- der am Ende dieses Totentanzes von Jerusalem aus wieder , seine Berichterstattung beginnt,-hat vielleicht rechte wenn er das "Fehlen eines antienglischen Moments: feststellt. Dazu hätten auch die Mordbanden keine Veranlassung. Die britischen A n t i z i o n i s t e n und Antijuden, die im Regi e'r ungsgeb„ä.u d e ' s i t z e n, hatten sich seit, dem ersten Tag ihres Regimes — das u n t e r dem j ü d i s c h e/n Ober komm i s s ä r S a m ü e 1/ he g o;n-n e nh a't — als arabische Protektoren etabliert. Sie haben die Verhetzung: ermutigt und geduldet, das'Mandat •; sabotiert^ und die Vorbedingungen für das Massaker (geschaffen, das siebt freilich in seinen. politischen. 'Wirkungen gegen England f richje^ Die- Außen-: weit w nimmt zu dem schönen: c'Bf|rter-Bili} von dem amoklaufenden FellftcKeJl nient so Stellung, wie das den beamteten Funktionäre» paßt: sie sieht, daß die Verwaltung versagt hat, daß ein System zusammengebrochen ißt, Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet, IMMER REINE TÜREN 3&t.« /aschbare, extrastarke Zelluloid- -Tür TaX-Schoner an. Ersparen teuren Anstrich, Leicht anzubringen. I Alle Farben, Formen, Größen von S Provinzversand seit 1896 SPEZIALIST [Tel. R-47-1-85 WIEN, TABORSTRASSE 22 ^^J4onteuta das sich unterfangen hat, gegen Ehre und Pflicht das Phantom des statue quo aufzustellen. Es ist der status quo Ayerletzt, ( \ ."•. wenn sich alte Juden an der Klagemauer au|: einej». Sessel setzen, und er ist — das ist die Haupts'acjbe verletzt, wenn die Juden sich auf Mandat: und B a 1 f o u r - E r k 1 ä r u n g stützen und ihr Nationalheim bauen wollen. Die Palästina-Regierung, die in Palästina doch nur anwesend ist, weil sie ,deÄ Juden zu helfen hat, sah ihre» Aufga^ dari^^^^ .iJüdten;T.'Äb2ülfalte.n und sie auf dem Niveau. yöti ' ,;Eirigebor eiien" festzusdirauben. Diese Beamten haben gewußt^ daß sie von oben geschützt und gestützt werdend Ihr Rückhalt ist das famose Weißbuch Churchills — über das in einem anderen Zusammenhang noch zu sprechen ist — welches den politisch-nationalen Zwedc des Mandats in einen b I u t leeren, geistigk u 1 t'Ür e 11 e n umwandelt. Von der Mißachtung des jüdischen Elements bis zur Mißhandlung ist der Schritt nicht so weit und die Palästina-Regierung fanij willige Helfer. Sie fanden sich zusammen: Die von den Großgrundbesitzern ausgesogenen, von , den Muftis verdummten Fellachen,, die verelendeten, 'herabgekonimenen Beduinen . und die arabischen Nationalisten, Christen und Mohammedaner, denen Hendersöhs Fehlgriff in Aegypten, der Abschluß eines Vertrages ohne Rückendeckung, neuen Elan .brachte. Mit all diesen operierten gemeinsam k ö ölm u n i s t i s c h e A g i t a t o r e n, die düs „arabische Proletariat zum Kampfe gegen den; britischen Imperialismus anfeuerten! Welche Koalition! . Das System ist in einem Meer von Blut und Tränen zusammengebrochen und es darf, nicht mehr auferstehen. Die zionistische Exekutive, die seit Dienstag in London tagt, hat gar keine andere Pflicht zu erfüllen, als die Konsequenzen zu ziehen. JJnd die lauten:". Garantie des Völkerbundes, daß nicht irgend ein Sekretär in Jerusalem dem Recht einen Fußtritt gibt; Ernennung des Oberkommissärs nach Einvernehmen mit den Zionisten; Deckung des Schadens durch die Anstifter; Aufstellung eines jüdischen 'Selbstschutzes, ausreichende Einstellung von Juden in (Jie Polizei; und Gendarmerieii s-; 1 .; * lieber .das -Jetzige-'politische "System' 4er ^ibnistischen Organisation soll heute? nicht gesprochen | werden. Aber .ä,uch dieser Status wird nicht auf- .rec|Ht«üha]ten sein.. Wenn wir, das jüdische Volk, die''Zionistische^ Organisation, 'die Größe dieses Monientes erkennen, dann werden die Hundert und aj?er Hundert Juden, die ihr Herzblut gegeben haben, die Gefallenen und die Gemordeten nicht Umsonst gestorben sein. Nie mehr darf das jüdische Palästina so furchtbare, Tage durchleben, nie mehr wollen wir einen so erschütternden SOS-Ruf hören, wie den aus Rechoboth: „Rettet uns! Wit sind verraten P \