Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 101 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mm die neue weet Hefte % \ Der internationale Studentenkongreß. , Die Tagung ia Krems. Wie schon berichtet, 'hat in Krems die Jahres* Konferen* des Weltstudentenwerkes stattgefunden. Es waren die Vertreter von 29 Nationen erschienen. Auch der Weltverband der jüdischen Studentenschaft war vertreten, und zwar durch folgende Delegierte: Dr. S. LJptain (von der Universität in New Yonk), A. Baumle ©IJ er (Frankreich), A. Cejtlin und Frau Dr. Regina Lew (iPolen), Dr. D. B u k s p a n, Dr. E. P a c h t m an n und A. Teich (Oesterreich). Nicht allein materiefle Not zu lindern ist Aufiga'be des Weltstudentenwerkes, seine vornehmste Aufgabe ist es auch, die Nationen durch ihre intellektuelle Jugend zusammenzuführen, die Gegensätze durch Hilfsbereitschaft auf jedem Gebiete zu überbrücken und so zur Verwirklichung des höchsten Menschheitsideals der Völkerversöhming beizutragen. Schon bei der Eröffnung der Konferenz konnte man die nationale Gleichberechtigung feststellen. Neben andern Flaggen wehte auch die b 1 a u - w e 1 ß e Fahne. Neben den Spitzen der Behörden der Stadt Krems sah man bei der Eröffnungsfeier den Präsidenten der Israelit. Kultusgemeinde Herrn A u s p i t z und den Obmann der zionistischen Ortsgruppe Herrn Norbert Sachs. Ueber den Empfang der jüdischen Delegation der dortigen Jüdischen Gemeinde haben wir bereits berichtet. Mit Fragen der jüdischen Studentenschaft beschäftigte sich die erste und zweite Kommission. In der ersten Kommission wurde ein Bericht über die traurige materielile Lage von dreitausend ausländischen jüdischen Studenten in Paris erstattet. Der Vorschlag deer Kommission, die LS. S.möge jüdischen Studenten in Paris Stipendien, Darlehen, freie ärztliche Hilfe, freie Malhlzeeiten und andere ähnliche Hilfe gewähren, wurde von Plenum einstimmig angenommen. Es wurde beschlossen, diese Hülfe nach einer Verständigung mit der jüdischen Stiudentenvereinigung in Paris und der ,,Union Nationale de France" zu leisten. Weiters wurde in dieser Kommission über das internationale Studentensanatorium in Leysin beraten, das auch für lungenkranke jüdische Studenten von Bedeutung ist. In der zweiten Kommission verhandelte man über die Frage, ob die Arbeit, die in der Konferenz in B i e rvIM«;bei Paris (vom 30. Deamber 1928 bis 2. Jänner 1929) angefangen wurde, von der I. S. S. auch fortgesetzt werde. Wie bekannt, kamen damals jüdische mit nicht- Jüdischen Akademikern aus verschiedenen Ländern zusammen und berieten, welche Mittel und Wege nötig wären, um den Hochschulantisemitismus zu v rmindern oder - zu beseitigen. Fast alle Redner sprachen sich für die Fortsetzung der Arbeit aus. Ganz besonders traten der schwedische und bulgarische Delegierte gegen den Antisemitismus, den sie aufs schärfste verurteeilten, auf. Der Schwede hob die Bedeutung der Juden für Literatur und Wissenschaft hervor, der Bulgare betonte ganz besonders die Tapferkeit und Vaterlandsliebe der Juden Bulgariens. Nach langer eingehender Debatte wurde beschlossen, die in Biervilile begonnene Arbeit fortzusetzen, und «war sollte die künftige Konferenz, die, wenn nicht früher, zu Ostern 1930 stattzufinden hätte, besonders gut vorbereitet werden. Es sollen wissenschaftliche Arbeiten, die diese Frage behandeln, sowohl von Juden als Nichtjuden rechtzeitig übermittelt werden. Weiters soll die I. S. S. in Universitätszentren, wo der Hochschul an t i s em 11i sm us aktuell ist, anregen, daß inoffizielle Kommissionen von Juden und Nichtjuden begründet werden, die die Frage mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln sollen. Diese Beschlüsse der zweiten Kommission wurden vom Plenum einstimmig angenommen. Im Budgetvoranschlag für das nächste. Jahr wurde für die Hilfe der Studenten in Paris und die Fortsetzung der Arbeit von Bierville der Betrag von Dollar 1500 eingesetzt. Zu erwähnen ist, daß die gesamte jüdische Delegation in Krems an den Zionistenkongreß in Zürich ein. Begrüßungstelegramm richtete, in dem sie dem Kongreß ersuchte, mit Rücksicht auf die jüdischen Studentenemigranten der Förderung der Hochschulen i n P a 1 ä s t i n a besonderes Augenmerk zw schenken. Am 11. d. M. wurde in Budapest der Internationale Kongreß der „C. I. E." (Confederation International^ des Etudiants) eröffnet, dem die Juden nicht angehören, da die Mitgliedschaft auf Staaten und nicht auf Nationen begründet Ist, aus welchen Gründen auch die Deutschen der C. I. E. nicht angehören. Die» jüdische Studentenschaft wiiTde zu diesem Kongreß eingeladen und entsandte Herrn Dir, Eduard Pacht mann als ihren beobachtenden Vertreter nach Budapest. 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Wir bringen ihn. ohne dem Resultate der Diskussion vorgreifen zu wollen, weil wir die freieste Aussprache in dieser so wichtigen Angelegenheit für notwendig halten. I. Die Frage der technischen Hochschule in Palästina darf nicht von dem Standpunkt betrachtet werden, ob dies für den einen oder anderen angenehm oder nützlich werden kann. Dieser Standpunkt muß im Hintergrund bleiben gegenüber der Hauptfrage, ob eine technische Hochschule für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zurzeit nötig ist und oh sie zur Behauptung unserer Positionen im Lande verhelfen kann. Von diesem Standpunkt aufigehend, kann eine technische Hochschule zur Ansibildung von Ingenieuren für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nur schädlich, störend und hemmen d sein, Die Ursachen: Für jeden von uns ist es klar,; daß wir uns nur durch eine möglichst große und rationelle Einwanderung im Lande werden behaupten können. Es ist aber wichtig, daß die Einwanderung die richtigen Männer bringt, welche für den Aufbau des Landes passend sind. Je schneller diese Einwanderung vor sich geht und je tüchtiger diese Männer sind, desto größer ist die Hoffnung, daß Palästina •in ein „Ereß-Jsraer verwandelt wird. Werfen wir einmal nun einen Blick auf die Fortschritte, welche das jüdische Volk während der kleinen Periode von fünf bis sechs Jahr.pn--.nach dem Kriege gemacht hat und vergleichen wir sie mit den Fortschritten, welche die Araber oder sogar die Nachbarländer von Palästina aufweisen, so muß jeder, dem die Schwierigkeiten der industriellen Entwicklung, in nichtkulturellen Ländern bekannt sind, einfach staunen. Dies ist auch die Bewunderung, welche jeder Staatsmann, der das jüdische Palästina bereist, ausdrückt. Wir haben alle gehört, mit welcher Begeisterung der Higheommissioner bei der diesjährigen Ausstellung in Tel-Awiw seine Eröffnungsrede gehalten hat. Lord Chane eil or ist selbst Ingenieur; er hat. Länder wie Palästina verwaltet und ihm sind die Schwierigkeiten der industriellen Entwicklung unkultivierter Länder zur Genüge bekannt. Wem haben wir die schnelle E n t w i c k- 1u n g zu verdanken? Weshalb sind unsere Fortschritte größer als diejenigen der anderen, sogar als diejenigen unserer Nachbarn, der Deutschen, die über fünfzig Jahre im Lande mäßig sind? Der Grund liegt einzig und allein darin, daß die jüdische Einwanderung aus allen Teilen der Weit stammt und daß sehr viele Einwanderer große Kenntnisse und Erfahrungen auf allen Gebieten besitzen. Nur dem Umstände, daß unsere Aerzte, Juristen und Ingenieure auf der Höhe der kulturellen und technischen Ausbildung standen, ist die rasche Entwicklung des Landes in so kurzer Zeit zu verdanken. Mit einheimischen Kräften* mit Schulen, wie zum Beispiel in Beirut, könnten weder unsere Industrie noch unser Baugewerbe solch große Fortschritte machen. Mit der Eröffnung einer höheren Ingenieurschule im Lande, die jährlich dreißig bis vierzig Ingenieure und Architekten ausbildet, schneiden wir den technischen Kräften aus dem Galtith, also Leuten mit Welterfahrung und Weltkenntnissen, welch gerne. am Aufbau unseres Landes sich beteiligen möchten, die Möglichkeit ab, ins Land zu kommen, und legen diese verantwortliche Arbeit in die Hände der im Lande erzogenen hingen Ingenieure, welche mit den Fortschritten der Weltindustrie nicht gleichen Schritt halten können. * Die Behauptung, daß Absolventen der technischen Hochschule in Haifa den großen Vorteil gegenüber den aus dem Auslände kommenden Ingenieuren haben, daß sie mit den Verhältnissen des Landes vertraut sind, ist weder richtig noch stichhaltig. Die Ursachen'davon sind die, daß der Orient 'bis Jetzt noch unerforscht ist und weder in Aegypten noch in Syrien noch In Palästina die Regierung Abd^El-Hamids sich je mit diesem Problem befaßt hai. Es ist daher bisher nichts erforscht und nichts schriftlich niedergelegt worden. Die Lehrer unserer Hochschule sind i Absolventen technischer Hochschulen In Europa und sind, wie wir alle übrigen, mit der Landeskunde viel za wenig vertraut. Es ist hier noch zu bemerken, daß ein Forschungs-- Institut von einer technischen Hochschule wsentlich verschieden ist und Resultate der Forschungen nicht von heute auf morgen festgelegt werden können. Es sind dazu Jahre, ja sogar Jahrzehnte eingehender Versuche, Studien und Untersuchungen an Hand von Apparaten. Laboratorien und Makriaiprüftüigspj'.siahvMi nötig. Somit sind schon die Lehrer mit der Landeskunde nicht vertraut und außerstande, den Studierenden diese beizubringen. Wo bleibt nun der Vorzug der' hier Studierenden gegenüber den einwandernden Ingenieuren mit europäischer Hochschulbildung? * Andererseits stehen, wie es sich gezeigt hat, die ineisten Absolventen der technischen Hochschule in Haifa unter dem Niveau der aus dem Auslande kommenden Ingenieure mit Hochschulbildung. Eine Ausnahme bildet eine kleine Zahl besonders befähigter Absolventen, welche nicht von Schule" zu Schule, sondern nach mehreren Jahren praktischer Arbeit zur Hochschule in Haifa gekommen sind. Das Mißlingen Hegt nicht an den Lehrern, die sich ganz besondere Mühe geben, gute Resultate zu erzielen; es liegt auch nicht an den Studierenden, die besonders willig und bestrebt sind, alles zu erfassen und zu erhaschen. Die Ursache alles Bösen liegt anderswo. Die im Ausland an technischen Hochschulen, *hr Tradition studierenden Hörer -haben die Möglichkeit, ihr Wissen dadurch zu befestigen, daß sie nach den Vorträgen in den Kollegien au den einzelnen Objekten in Stadt, und Umgebung, welche im Arbeit begriffen sind, ihren Fortgang sehen und beobachten. Sie können beispielsweise ganz besondere Fälle In mannigfaltigster Art von Gründungen für Häuser und Fabriksgebäuden wahrnehmen; sie können die Formen von Konstruktionen, die gewöhnlichsten wie die kompliziertesten, sei es im Hoch- oder Tiefbau, sei es im Straßen- oder Wasserbau, im Maschinenwesen oder chemischen Anstalten, betrachten und in sich aufsaugen, , um sie in ihrem späteren Leben zif verwerten. Sie haben Gelegenheit, ohne bedeutende Spesen verschiedene Exkursionen zu machen, welche oftmals weit mehr bieten Ms Vorträge im Hörsaale. Es stehen ihnen die größten und reichsten Bibliotheken und Lesehallen zur Verfügung. Jadire einzelnen Regierungen im Auslande sind mit Wetteifer bemüibt, für ihre Hochschulen Immer wieder etwas. Neues zu schaffen und die Bestände zu ergänzen, um der stoK dierenden Jugend entsprechendes Material zu verschaffen. Haben wir hier zu 'lande all dieses? Hier in Palästina, in einem so armen Lande, hat der Studierende gar keine Möglichkeit und nicht einen einzigen Vorteil des Auslandes zu genießen. Hier in Palästina, wo die Industrie und das Baugewerbe noch nicht einmal im Anfangsstadium ihrer Entwicklung sind, ist der junge Student darauf angewiesen, nur ganz kleine unbedeutende Häuser^ bauten /zu beobachten, die ihm absolut nichts bieten, hier kann und wird der Student üür sein Leben und für das Land nur verdorben, aber nicht eraogen werden. Solange In Palästina Industrie und Baugewerbe nicht so weit fortgeschritten sind, Ist für ^eine technische Hochschule kein Platz. Ich will hier eine kleine Parallele zwischen einem Mediziner und Techniker ziehen. Der Medteiner hat in der . Zeit seiner Studien in den Prose'ktorien und Laboratorien zu arbeiten, er hat an der Klinik Operationen beizuwohnen und dadurch lernt er sein Fach gründlich kennen. Was bietet das Technikum in Haifa? Ist es genug, ein oder zwei Male im Jahre eine Exkursion nach Griechen* land oder sonstwohin zu machen? Ist gegenwärtig eine technische Hochschule in Haifa imstande, außer den Vorträgen im Hörsaale noch irgendwas zu bieten? Aus meiner eigenen Erfalhrung 'k;| n ich mittel!!«»; daß ich während meiner- Studienzeit an den Bauobjekten, welche ich in Berlin und Umgebung zu seihen bek-am, vd#l mehr gelernt habe, als an den Vorträgen der technischen Hochschule zu Chart Ottenburg. Was haben wir heute im Palästina, woran die Jugend entsprechend studieren könnte? Neben der Schule und mit der Schule auch außerhalb der Schule aus dem .praktischen Leben zu lernen, Ist eine Wochen-Kalender August 1929 3N B"D*in Aw 5689 23 Freitag 17-n Sabbateingang 6.25 24 Samstag 18-rp Sabbatausgang 7.33 tsj iöNm möfln opy 25 Sonntag 26 Montag 20-3 27 Dienstag 21-JO 28 Mittwoch 22-33 29 Donnerstag 23-33