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Die neue Welt · 1929-08-23 · Heft 101 (23.8.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 101 (23.8.1929)
Date
1929-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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t» .i ...... _............■; _ 1 "■■ ■ '■ '■ ■ ■" V o r bet er lllltlllllllllllllMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllIIIIIIIIIIIHfllllll! Koreh und Tokea mit prima Referenzen, auch fürs Ausland. Schadehen A. Landau, VII». Sloi»enthalerfl. 11, Tel. ß-30-5-86 notwendige Bedingung ßör "die (Ausbildung der Ingenieure i»d Architekten zu tüchtigen Fachleuten. Dies ist tür das jüdische Volk von besondrer Wichtigkeit, aus dem Grunde, weil bei anderen Völkern die Studierenden vorwiegend Söhne von Industrielen oder Fachleuten sind; somit vererbt sich der Geist von Generation zu Generation.' Bei uns (hingegen stammen, die Studenten meist aus Kreisen, die keine Tradition auf -dem technischen Gebiete 'halben und deswegen ist der Geäst und das' Auge des Lernenden diesem Gebiete fremd.' Aus dieifem Grunde ist die oben angeführte Bedingung für uns unerläßlich,' falls die Absolventen Nutzen für sich und für das Land bringen sollen; (Ein zweiter Artikel folgt.) Die jüdischen Ingenieure. Unter dem Namen „Verband jüdischer Ingenieure und. Chemiker in Deutschland E. V." hat sich in B e r 1 i n eine- Berufsorganisation > von Angehörigen technisch*natur« wissenschaftlicher Berufe konstituiert. Die berufliche Not* läge des angestellten Mittelstandes ist allgemein bekannt, findet aber für die jüdischen Ingenieure und Chemiker, die auf einen vorwiegend antisemitischen Ar:beitgeberkreis angewiesen sind, noch eine be* sondere Verschärfung. Den Uebelständen, die sich hin* sichtlich Arbeitsvermittlung und Berufsberatung einge» stellt haben, will. der Verband, der den . ersten Versuch einer jüdischen Organisation des Mittelstandes in Deutschland mit wirtschaftlichen Zielen darstellt, durch seine Tätigkeit abhelfen. Alle jüdischen Ingenieure und Chemiker werden eingeladen, durch ihre Mitgliedschaft die, Stoßkraft des Verbandes zu stärken.; Die Adresse des Verbandes ist: „Verband jüdischer Ingenieure und:r Chemiker in Deutschland E. V.'\ Berlin •jsr. 24, Auguststraße 17. Weltkongreß der jüdischen Kaufmannschaft in Wien. •., Das Gremium der jüdischen Kaufmannschaft in .Wien teilt uns mit: Zur Teilnahme an dem Ersten Welt* kongreß der jüdischen Kaufmannschaft in Wien sind be* reits aus 14 Ländern zahlreiche Anmeldungen eingelaufen. Die iEröffnung des Kongresses wird am 4. September um 9 Uhr vormittags im großen Saal der Handelskammer vor sich gehen. Der Begrüßungsabend findet am vorher« gehenden Abend im Hotel Continental statt. Das Kon« greßbüro befindet sich in den Lokalitäten des Gremiums der-'jüdischen Kaufmannschaft, I., Elisabethstraße 9, 1/10. •Telephon R*45*8*34. Die G a s t k a r t e n*Ausgäbe für Wien und Oester« reich erfolgt seit dem 19. d. bei der ZentralsKo.n« g r;e ß 1 e i t u n g , im Klubheim des HotekKaffee*Restau*J rant;,Excelsior", L, Rotenturmstraße 24 (8 Uhr abends). Zur Eröffnung ist der Eintritt nur gegen Vorweisung der Gastkarte oder W e 11 k o n g r e ß * E i n t r i 11 s* karte für Mitglieder gestattet. Kongreßabzeichen ge* langen ebenfalls (gleichzeitig mit den Kongreßkarten) bei der Kongreß?Zentralileitung zur Ausgabe. Zum Begrüßungsabend ,am 3. September, 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, IL, Prater* straße 4, an welchem das Streichorchester des Sportklub „Haköah" mitwirken wird, ist . der Eintritt nur gegen Vor* Weisung der Kongreßkarte gestattet. Freitag, den 6. Sep* tember große Modeschau und Mustervorführung in den Muster*Aüsstellüngsräumen im Leßnerhaus, VI., Maria* hilferstraß.e 71. Zum Gedächtnis Heri.ann Cohens. An dem Geburtshaus des vor zehn Jahren verstorbenen jüdischen Philosophen Hermann Cohen hat die Stadt Koswig eine Inschrift anbringen lassen. Außerdem wird eine Erinnerungsplakette im Rathaus aufgestellt. Moses Mendelsohns Jubiläum. Aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages Moses Mendelsohns wird von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums eine Gesamtausgabe der Schriften Mendelsohns veranstaltet. Die Ausgabe zerfällt in einen deutschen und in einen hebräischen Teil. Dieser bringt zum\ ersten Male eine vollständige Sammlung - der hebräischen Schriften und der in deutscher Sprache, aber hebräischer Schrift geschriebenen Werke. Insgesamt werden 16 Bände' erscheinen. , Crstkfcusfge Junge jüdisch« KÖCHIN per sofort gesucht Zuschriften unter „Sofort" an die" Ännonceh»Expeditiori' Heinrich Schalek, Wien, I., Wollzeile-U - Wie die Esperantoisprache entstanden ist. Von Dr. Lydia Zamenhof. Bei dem letzten Esperantistenkongreß in Buda« pest war die gleichfalls anwesende Tochter des Be* gründers des Esperanto, Frau Dr. med. Lydia Zamenhof aus Warschau, der Gegenstand vieler Ehrungen. In einem Gespräch mit dem Mitarbeiter eines ungarisch*jüdischen Blattes gab Frau Dr. Za» menhof die folgenden interessanten Daten über die Entstehungsgeschichte des Esperanto und aus dem Leben ihres Vaters bekannt: Mein Vater, Lazarus Ludwig Zamenhof, wurde im Jahre 1859 in Bialystok geboren, das heute zu Polen ge* hört. Dieses Städtchen führte, entfernt von den Bewe* gungen der europäischen Kultur, sein ruhiges, alltägliches und friedlichen Leben, bis eines Tages der von oben ge« schürte Judenhaß auch in das friedliche Leben dieser kleinen Stadt einbrach und das bis dahin ungestört be* standene Einvernehmen zwischen den verschiedenen Na* tionen und Konfessionen auch hier in Trümmer schlug. Auch in Bialystok hat dann der Judenpogrom furcht« bare Verwüstungen angerichtet, und unschuldige jüdische Menschenleben zum Opfer gefordert. Unter ihnen befan* den sich' auch der Onkel, die Großeltern und mehrere Verwandte meines Vaters. - Seine Eltern und Geschwister vermochten ihr Leben nur dadurch zu retten, daß es ihnen gelungen war, sich mehrere Wochen hindurch im Keller eines fremden Hauses verborgen zu halten. Mein Vater, damals noch ein Kind, konnte diesen plötzlidhen Ausbruch der „Volfcswut" nicht begreifen. War doch sein Vater als Lehrer fremder Sprachen in der Stadt allgemein bekannt und beliebt und unterhielt mit der polnischen und russischen Intelligenz freundschaftlic'e Beziehungen. Dennoch waren in einer einzigen Minute alle diese freund-» schaftlichen Bande jäh zerrissen. Als mein Vater zum Be* wußtsein der Bedeutung dieser Geschehnisse und ihrer grausamen Begleitumstände gelangt war, beschloß er, sein Leben der Milderung des Menschenhasses zu widmen. Mein Vater war ein großer Träumer und ein sehr guter Mensch. Ich. erwähnte schon, daß mein Großvater Sprach* lehrer war und auch in meinem Vater war das Sprachgc* fühl! außerordentlich entwickelt. 15 Jahre alt, beherrschte er bereits die russische, hebräische,, jiddische, französische, englische und lateinische Sprache. Er schwärmte ganz be* sonders für die hebräische Sprache und arbeitete an der mein Vater nicht beendet. Sie blieb als Manuskript zurück. Mein Vater entstammte einer sehr religiösen Familie und besonders seine Mutter, meine Großmutter, war von Herausgabe einer modernen Grammatik. Diese Arbeit hat tiefem mystischen Glauben und einer verklärten Religio* sität erfüllt, und mein Vater stand-lange- Unter ihrem Ein« fluß. Später, als heranreifender Jüngling, hielt er sich nicht mehr so streng an die konservativen Formen der Religion, er war ein modern denkender, aber bis an sein Ende gläu* biger, nach seiner Art frommer Jude. Damals nahm ihn bereits der humanistische Gedanke, die Idee der Erfin« dung eines Mittels, durch welches, alle Menschen miteinan* der verbunden werden könnten, gefangen. Mein Vater w^r neunzehn Jahre alt, als er das Esperanto schuf, und seine Arbeit seinem Vater vorlegte. Der alte Sprachlehrer las die Ar* beit seines Sohnes, schüttelte den. Kopf und meinte schließlich".; ,; . „Du bist ein großer Mann, mein Sohn, und dennoch wird dich, wenn du jetzt mit deiner Idee hervortrittst, die ganze Welt, soferne sie überhaupt davon Kenntnis nimmt, verlachen. Sie werden über dich lachen, weil du jung bist. Warte noch ein wenig damit, bis du älter ge* worden bist!". , , , , . . Mein Vater befolgte den Rat. Er wartete , zehn Jahre lang. Es quälte ihn unendlich, daß er seine Idee niemanden mitteilen konnte, aus Angst darüber, daß sie vorzeitig zunichte gemacht werden könnte. Inzwischen beendete er seine Universitätsstudien. Er wurde Arzt, l|eß sich als Augenarzt in einer Vorstadt von Warschau nieder, wo er bald als der Arzt der Armen berühmt und geliebt wurde, denn jeder wußte, daß man zu Dr. Zamenhof auch phne Geld kommen durfte, und daß jeder Kranke auch Hilfe bei ihm fand. Mein Vater hatte die größte Praxis in „Warschau und war dennoch der ärmste Arzt der Stadt. Als er im Jahre 1907 starb, hinterließ er nicht einen Groschen. Hingegen folgten trotz des Krieges viele tausende Menschen, arme Warschauer, Juden und Chri« sten, ehemalige Patienten meines Vaters, die ihm auf diese Weise ihre Ehre bezeigen wollten, dem Sarge. ,. .; Wie gesagt, wartete mein Vater zehn. Jahre lang, bis er sein erstes Buch über die Esperantosprache, heraus» gab. Dieses Buch enthält ein Vorwort, 16 Sprachregeln, .9.00 Wortwurzeln. Jeder, der , dieses Buch kaufte, kirnte die Spräche binnen wenigen Wochen erlernen. Im Vo?wp'|t .ersuchte mein Vater die Leser, sie mögen ihm.rin Esperanto schreiben. Und in der Tat. langten die Briefe in xler neuen Weltsprache ein, anfangs 20 bis 30, später gu Hun* derten. und schließlich kamen Tausende von Briefen, in der neuen Weltspräche an, meinen Vater. In allen Teilen der Welt tauchten immer mehr Ausgaben des Buchea-für französische, deutsche, russische, englische und^ polnische Leser auf und allmählich bildete sich ein riesiges Esperan* itjstenheer>::.tlas. mit; Hilfe dieser Sprache für ,dje gejen* . .seifige. Verständigung der. Menschen und, d.en.W^Jtf#e:dßn kämpfte. Aber vorläufig geschah alles noch ausschließlich in Briefen. Im.Jahre 1905. berief dann"mein Vater den ersten Esperantistenkongreß nach Boulogne sur M e r, von dem altes abhängen sollte. Mit banger Sorge sah mein Vater dieser Veranstaltung entgegen. Die wich* tigste Frage war: werden die Delegierten der verschiede« nen Nationen sich bei diesem ersten größten Zusammen» treffen auch tatsächlich miteinander verständigen können und sich auch wirklich verstehen? Schon bei diesem Kongreß ergab sich die Gewißheit, daß diese Sprache alle Attribute einer lebendigen Sprache besitzt. Sie entwickelt sich, wirkt farbenreich, man kann mit ihr alles ausdrücken, von der schönen Literatur angefangen bis zu den wissen« schaftlichen Erkenntnissen. Die späteren Kongresse waren immer umfangreicher und besuchter, die Sprache gewann an Volkstümlichkeit, bis sie das heutige Stadium er* reichte, da in .Genf in den verschiedenen Kommissionen das Esperanto, als Beratungssprache benützt wird, in ein* zelnen Ländern obligater Unterrichtsgegenstand in den Schulen geworden ist, und wertvolle wissenschaftliche Mitteilungen und Schriften in Esperanto erscheinen. Mein Vater hat diesen, die ganze Welt umspannen* den Triumph nicht mehr erlebt. Er ist vor zwölf Jahren gestorben, ruht im Warschauer Friedhof und über seinem Grab wölbt sich das mächtige Mausoleum, welches die Esperantisten der ganzen Welt errichten ließen... Auch die Stadt Bialystok, die Geburtsstadt des Schöpfers des Esperanto, hat ihren Sohn auf ihre Weise gefeiert. Die Straße, in welcher damals seine Geschwister und Großeltern in jenem denkwürdigen Pogrom massa* kriert wurden, der eigentlich der Impuls zur Schaffung der Weltfriedenssprache gewesen ist, erhielt den Namen „Zamenhofgasse", und an dem in derselben Straße befind* liehen Geburtshaus meines Vaters ist sein Andenken durch eine Marmortafel) verewigt. (—ra—). Studienreise palästinensischer Lehrer nach Griechenland. Der hebräische Lehrerverband.' von Palästina, der im vorigen Jahre eine erfolgreiche Studienreise nach Aegypten gemacht hatte, unternimmt jetzt eine ähnliche Reise nach Italien und Griechenland!, Besonderes Interesse wird der Reise nach Griechenland entgegengebracht, weil die Lehrer dort Gelegenheit haben werden, die Ergebnisse der Repatriierung der aus der Türkei ausgewiesenen Griechen in neuen Siedlungen «n Ort und Stelle zu studieren. Vor ihrer Abreise wurden zwei Vertreter des Verbandes der Lehrer vom gritfchi* sehen Konsul in Jerusalem empfangen. Er versicherte die Delegierten seiner aufrichtigen Judenfreundschaft und seiner auf Erfahrungen begründeten Ueberzeugung, daß die Juden überall, wo sie seßhaft sind, dem Staat morali? sehen und wirtschaftlichen Nutzen bringen. Deshalb sei er auch der inneren Ueberz^ jüdischen Volkes nach Palästina n e n S egen für die gesamte B evölkeru ng P a I ä s ti n a s;bedeii* tet. „Während Ihrer Anwesenheit in; Griechenland, -rsagte der Konsul! in weiteren Verlaufe der Unterredung;.7werden Sie eine große Zahl von schönen neuen Städten und einige hundert Dörfer in Augenschein nehmen, kpn* nen, die in den letzten Jahren infolge der Rückwanderung von großen Griechenmassen aus Asien nach Griechenland erstanden. sind. Sie werden hier vielleicht auch manchen nützlichen Fingerzeig finden, der für die Einwanderung und Siedlung der Juden nach Palästina von, Wert sein könnte. Die Juden des Balkans und namentlich die Juden Griechenlands befinden sich heute in einer gefestigten Situation, bilden einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor im Lande, genießen die breitesten Rechte und werden sich sicher freuen, Sie als Gäste begrüßen zu können. Auch die griechische Unterrichtsverwaltung wird alles aufbieten, um ihre Studienreise zu erleichtern und erfolg* reich zu gestalten." Jüdische Bauernmusteimng in Lemberg. In Le m b e r g hat dieser Tage vor einer Musterungs* kommission, welche aus einem fachmännischen Kollegium der jüdischen Emigrantenfürsorgeorganisation „Jeas" be* "stand, eine Musterung von Juden stattgefunden, die sich als landwirtschaftliche Arbeiter oder selbständige Bauern für die Auswanderung n a c h Frankreich eignen könnten. Es ist für die gegenwärtige Lage der Juden in Ostgalizien bezeichnend, wie viele sich aus . den ent* ferntesten Städtchen und Dörfern zu diesen Musterungen gemeldet haben und mit allen. Mitteln der Überredung«» kunst versuchten, die Kommission für sich , günstig zu stimmen , und dadurch die Möglichkeit zu gewinnen, aus* zuwandern, Aber, die Kommission besteht aus Fachleuten, jlst sehr rigoros, weil sie ja den Emigranten nützen und helfen will und jeder, der unqualifiziert für die Landwirtj« schaft nach Frankreich gebracht würde, müßte zurück,« geschickt werden oder dort im Elend verkommen, abge* sehen davon, daß die Kommission das/ größte Gewicht darauf legen muß, das Vertrauen, das sue bisher in den maßgebenden französischen Kreisen genießt, nicht zu yer* scherzen. Das meiste und bestqualifizierte Material lieferte das Dorf Maidan'Sieniowski. Sie sind alle mit einarider verwandt und fast alle haben dejr Familiennamen Altman. Es sind Bauern in Eigenwirtschaft oder landwirt* schaftliche Arbeiter. '_ Der Verband der professionellen hebräischen Lehrer beruft alle Mitglieder zu einer dringenden Besprechuns: für Samstag, den 241 August tun halb 8 lihr abewts iü'der VoltebiWüPthek „Zton", II., Kleine Mohrensasse 3.

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